Ein Überblick über die Schulformen in Deutschland

Noch während Dein Nachwuchs den Kindergarten besucht, informierst Du Dich über die unterschiedlichen Schulformen in Deutschland. Hierbei bedenkst Du, dass das Schulsystem eine Ländersache darstellt. Das bedeutet, dass sich die Lernziele und einige Schulformen in den Bundesländern unterscheiden. Zusätzlich erweist sich der Schwierigkeitsgrad der Abschlüsse als verschieden. In der Regel besuchen Deine Kinder im Alter von sechs bis sieben Jahren die erste Klasse. Als Abc-Schützen lernen sie den Schulalltag kennen und versuchen, sich mit guten Noten für das Gymnasium zu qualifizieren.

Schulformen in Deutschland
Schulformen in Deutschland Urheber: dolgachov / 123RF.com

 

In einigen Bundesländern besuchen die Sprösslinge nach ihrer Grundschulzeit die Sekundarschule. Hierbei handelt es sich um eine Zwischenstufe, die ebenfalls den Namen Realschule trägt. Für die Lernenden besteht die Möglichkeit, einen Realschulabschluss zu erhalten. Sie bekommen ihn mit der erfolgreichen Absolvierung der zehnten Klasse. In anderen Bundesländern besuchen die Kinder die Sekundarschule ausschließlich für zwei Jahre. Sie wechseln in der siebten Klasse auf das Gymnasium, um dort ihr Abitur anzustreben.

Speziell der Übergang von der Grundschule auf eine erweitere Schulform unterscheidet sich in den verschiedenen Bundesländern. Neben der Realschule existiert die Hauptschule, an der Deine Schützlinge einen Hauptschulabschluss machen können. Zusätzlich befinden sich in Deutschland private Schulen. Ein bekanntes Beispiel stellt die Waldorfschule dar.

 

Eine Zusammenfassung der Schulformen in Deutschland

In der Bundesrepublik Deutschland stellt das Schulsystem eine Ländersache dar. Demnach existieren neben den drei grundlegenden Schulformen in Deutschland auch Privatschulen. Vorerst besucht jedes Kind die Grundschule, die der Primarstufe entspricht. In der Regel erfolgt der erste Schulwechsel nach der vierten Klasse. Die Sprösslinge besuchen gleich das Gymnasium oder absolvieren die Orientierungsstufe. Dabei bleiben sie von der fünften bis zur siebten Klasse auf der Realschule. Erfolgt kein Wechsel auf das Gymnasium, machen die Kinder in der zehnten Klasse ihren Realschulabschluss.

In jedem Fall stellen die drei weiterführenden Schulformen die Sekundarstufe dar. Zu ihnen gehört gleichermaßen die Hauptschule, an der die Schüler den Hauptschulabschluss erreichen. Hierbei spielt der praxisbezogene Unterricht eine wesentliche Rolle, um die Schüler auf den beruflichen Alltag vorzubereiten. Neben den weiterführenden Schulen existieren in Deutschland auch Gesamtschulen und private Schulen. In einer Gesamtschule kommt es zu einer Kombination von Haupt- und Realschule. In einigen Einrichtungen bleiben die Kinder von der ersten bis zur zehnten Klasse im gleichen Schulgebäude.

 

Des Weiteren besuchen beispielsweise lernschwächere Schüler die Förderschulen. Sie unterteilen sich in Institute für geistig und körperlich beeinträchtigte Kinder sowie für Schüler mit Lernschwächen. An den Förderschulen erhalten die Sprösslinge eine gute Unterstützung seitens des Lehrpersonals. Im Zuge der Inklusion besteht das Ziel darin, Förderschüler in die gängigen weiterführenden Schulen zu integrieren.

 

Welche Schulform eignet sich für Dein Kind?

Die ersten drei Stufen des Deutschen Bildungssystems bilden das Schulsystem. Dieses gliedert sich in den Primarbereich, den Sekundarbereich I und den Sekundarbereich II. Die Schulformen in Deutschland orientieren sich in der Regel an den drei Bereichen, sodass beispielsweise separate Grund- und Sekundarschulen existieren. Welcher Schultyp sich nach der obligatorischen Primarstufe für Deinen Nachwuchs eignet, hängt von den erbrachten Schulleistungen und dem angestrebten Abschluss ab.

 

Was ist die Primarstufe?

Der Primarbereich bezeichnet die ersten vier Schuljahre, die das Kind in der Grundschule verbringt. Gleichzeitig umfasst der Begriff den Zeitraum von der ersten bis zur vierten Klasse in einer Förderschule. Die Verantwortung über das Schulwesen liegt bei den einzelnen Bundesländern. Daher existieren in einigen von ihnen Grundschulen, in denen die Schüler sechs Jahre bleiben. Ebenso besteht für Deinen Sprössling die Möglichkeit, eine schulartunabhängige Orientierungsstufe zu besuchen. Sie findet in der fünften bis sechsten Klasse statt und gehört zu dem Sekundarbereich I.

In der Mehrzahl der Bundesländer findet die Einschulung der Abc-Schützen mit dem sechsten oder siebten Lebensjahr statt. Die Grundschulzeit umfasst in der Regel vier Schuljahre. Zwei Ausnahmen stellen Berlin und Brandenburg dar. Hier dauert die Grundschulzeit sechs Jahre an. Während der Primarstufe entwickeln die Schüler ihre Leistungsfähigkeit. Um eine angenehme Lernatmosphäre zu bieten, erhalten die Lernenden in den ersten zwei Schuljahren – an einigen Grundschulen auch länger – keine Noten. Stattdessen sorgt eine Verbalbeurteilung durch den Lehrkörper dafür, dass Du Dir ein Bild über den Lernerfolg Deines Kindes machst.

 

Im Regelfall kommt es nach dem Schuljahr zur Versetzung in die folgende Jahrgangsstufe. Lernschwierigkeiten wirken die Lehrer mit speziellen Fördermaßnahmen entgegen. Das macht eine Kompensation von Defiziten durch das „Sitzenbleiben“ überflüssig. Die Grundschule erweist sich als erste Sozialisationsinstanz außerhalb der Familie. Der Besuch der Schule gilt damit als verpflichtend. Während der Primarstufe konzentrieren sich die Lernziele auf die Fächer Mathematik, Deutsch und ergänzende Bereiche. Dazu gehören beispielsweise Musik, Religion oder Sachkunde.

In der Grundschule steht das Klassenlehrprinzip im Mittelpunkt. Das bedeutet, dass eine Lehrkraft viele oder alle Fächer zu unterrichten vermag. Der Vorteil besteht darin, dass die Kinder von einer festen Bezugsperson profitieren. Für die Lehrer spielen die pädagogischen Aspekte in der Primarstufe eine wesentliche Rolle. Beispielsweise erhält die Pädagogik beim Studium auf Lehramt im Primarbereich einen größeren Anteil als bei Lehrämtern im Sekundarbereich I und II. In der Grundschule setzen sich vermehrt neue Lernkonzepte durch. Dazu gehören der frühzeitig beginnende Fremdsprachenunterricht sowie die Integration neuer Lernprozesse wie:

  • Projektunterricht,
  • Freiunterricht
  • oder offener Unterricht.

 

Aufgrund der Veränderungen der Gesellschaft kommt es zu einem beschleunigten Wandel der Primarstufe. Neben der traditionellen Primärschule existiert beispielsweise die volle Halbtagsschule. Die Organisationsform der Grundschule führten bereits folgende Bundesländer ein:

  • Brandenburg,
  • Bremen,
  • Hamburg,
  • Sachsen-Anhalt,
  • Niedersachsen,
  • Rheinland-Pfalz
  • und Mecklenburg-Vorpommern.

 

Des Weiteren nehmen der jahrgangsübergreifende Unterricht sowie die Heterogenität der Klassen zu. Letzteres bezeichnet die Unterschiedlichkeit der Schüler in Bezug auf die lernrelevanten Begabungen. Welchen Schultyp die Lernenden nach der Primarstufe besuchen, hängt vorwiegend von ihren Fähigkeiten ab. Der Sekundarbereich I teilt sich dabei in drei Schulformen. Dazu zählen die Hauptschule, die Realschule und das Gymnasium. Zudem besteht die Option, die drei Bereiche in einer Gesamtschule zu vereinen.

Was stellt der Sekundarbereich I dar?

Zu der Sekundarstufe I gehören die Orientierungsstufe und die weiterführenden Schulen Hauptschule, Realschule und der Sekundarbereich I des Gymnasiums sowie der Gesamtschule. Die schulischen Leistungen der Schüler beeinflussen, welchen Schultyp sie besuchen. Die Sekundarstufe I schließen der Hauptschulabschluss oder die mittlere Reife ab. Der mittlere Schulabschluss – zusammen mit einem Qualifikationsvermerk – berechtigt Dein Kind zum Eintreten in die gymnasiale Oberstufe. Eine Komplikation in der Sekundarstufe I ergibt sich aus der Zuordnung einer Schulform nach der Grundschule.

In Ihrer Publikation „Orientierungsstufe und Bildungschancen. Eine Evaluationsstudie“ bezeichnet die Autorin Claudia Schuchart die Aufteilung der Schüler nach der vierten Klasse als entwicklungspsychologisch bedenklich. Der Grund liegt in Leistungssprüngen, die Schüler vorwiegend in der Pubertät aufweisen. Eine frühe Eingliederung führt unter Umständen zu fehlerhaften Einschätzungen der Leistungen. Welchen Schultyp die Kinder besuchen, entscheidet ihre schulische Entwicklung. Daher kommt es vermehrt zu einem Wechsel zwischen den Schulformen.

 

Die drei Schulformen in Sekundarstufe I

In der Regel beginnt die Sekundarstufe I mit der fünften Klasse. Besuchen Deine Sprösslinge die Hauptschule, erhalten sie einen methodenorientierten Unterricht. Dem Praxisbezug misst diese Schulform eine hohe Bedeutung zu. In zahlreichen Bundesländern kommt es vermehrt zu einer Verbindung von Haupt- und Realschule. Die klassischen Hauptschulen existieren in den Bundesländern Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Berlin, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Absolvieren die Lernenden die Hauptschule, erhalten sie den Hauptschulabschluss.

Welchen Schultyp die Lernwilligen aufsuchen, hängt damit auch von ihrem angestrebten Abschluss ab. Nach der Abschlussprüfung in der Realschule qualifizieren sich die Schüler für die mittlere Reife. Sie sorgt für den Zugang zu zahlreichen Ausbildungsberufen. Zudem besteht für die Lernenden die Möglichkeit, nach dem Abschluss auf eine Fachoberschule oder das Fachgymnasium zu wechseln. Die Realschule prägt der stark berufsorientierte Unterricht. Die vertiefte allgemeine Bildung erfahren die Schüler auf dem Gymnasium. Die Schulform bietet den Kindern die Option, zwei oder mehr Fremdsprachen zu lernen. Nach der gymnasialen Oberstufe erlangen Deine Sprösslinge das Abitur, sodass ihnen Berufsausbildungen, Fachhochschul- und Hochschulstudien offenstehen.

 

Die Entscheidung, welchen Schultyp die Kinder besuchen, fällt nicht zwangsläufig mit einer räumlichen Trennung zusammen. Ein Konzept, das eine bessere Chancengleichheit im Bildungswesen ermöglicht, zeigt die Gesamtschule auf. In der Institution unterrichten die Lehrer leistungsstarke und leistungsschwächere Schüler zusammen. Kritiker bemängeln das Fehlen einer individuellen Förderung der Lernenden. Jedoch schneiden Länder mit einem Gesamtschulsystem – beispielsweise Finnland – im internationalen Vergleich gut ab. Das belegt die Publikation „Die Gesamtschule: Geschichte, internationale Vergleiche, pädagogische Konzepte und politische Perspektiven“, die im Jahr 2003 erschien.

 

Was geschieht nach der Sekundarstufe I?

Dem Sekundarbereich I schließt sich der Sekundarbereich II an. Er beginnt mit dem Eintritt in die gymnasiale Oberstufe oder in eine berufsbildende Schule. Vorwiegend beeinflussen der Abschluss und der Berufswunsch Deiner Schützlinge, welchen Schultyp sie wählen. Im verkürzten Gymnasium, kurz G8, gehört bereits die zehnte Klasse zu der gymnasialen Oberstufe und damit als Teil der Sekundarstufe II. Der Sekundarbereich II bezeichnet das Berufsbildungssystem sowie das berufsbildende Gymnasium und die Oberstufe am regulären Gymnasium. Zu dem Berufsbildungssystem zählen:

  • Die duale Ausbildung (Berufsausbildung und Berufsschule),
  • das Berufsvorbereitungsjahr,
  • die Berufsfachschule
  • und die Fachoberschule.

 

Auch hier entscheidet vorwiegend der spätere Berufswunsch, welchen Schultyp Deine Kinder besuchen. Auf dem klassischen Gymnasium treten die Schüler mit Beginn der elften Klasse in die gymnasiale Oberstufe ein. Sie besteht aus einer einjährigen Einführungsphase und der zweijährigen Qualifikationsphase. Ausnahmen bestehen in den Bundesländern Sachsen und Thüringen. Hier bezieht sich die gymnasiale Oberstufe ausschließlich auf die elfte und zwölfte Klasse, sodass die Einführungsstufe – außer an beruflichen Gymnasien – entfällt.

Die Oberstufe am Gymnasium prägt ein Kurssystem, das aus Pflicht- und Wahlfächern besteht. Durch das Absolvieren der bevorzugten Fächer setzen die Lernenden Schwerpunkte für ihre spätere Berufsausbildung oder das Studium. Nach dem Absolvieren der Sekundarstufe II auf dem Gymnasium, qualifizieren sich die Schüler für das Abitur. In zahlreichen Bundesländern kommt es zunehmend zu einer Reformation des Oberstufensystems. Beispielsweise gehören die Fächer Mathematik, Deutsch und Englisch größtenteils wieder zu den obligatorischen Prüfungsfächern.

 

Sonderschule Formen in Deutschland

Die Sonderbereiche im Schulsystem

Die schulischen Leistungen entscheiden, welcher Schultyp sich für Dein Kind eignet. Neben den Regelschulen in privater oder staatlicher Trägerschaft existieren beispielsweise die Förderschulen. Sie richten sich an Schüler mit geistiger oder körperlicher Behinderung sowie an Kinder mit Lernschwächen. In der Bundesrepublik finden sich zahlreiche Sonderschulen, wobei nicht jede Form in allen Bundesländern vertreten ist. Zu den Förderschulen gehören:

  • Die allgemeine Förderschule,
  • Schule für Erziehungsschwierige,
  • Schule zur individuellen Lebensbewältigung,
  • Schule für Schwerhörige,
  • Schule für Blinde und Sehbehinderte,
  • Sprachheilschule,
  • Schule für Körperbehinderte,
  • Schule für Kranke
  • und die Berufssonderschule.

 

Der Grad der Beeinträchtigung gibt hierbei darüber Aufschluss, welchen Schultyp die Kinder aufsuchen und für welchen Abschluss sie sich qualifizieren. Des Weiteren existieren die Privatschulen. Ein bekanntes Beispiel stellt die Waldorfschule dar. Im deutschen Bildungssystem nehmen die Privatschulen eine geringere Bedeutung ein als beispielsweise in den Vereinigten Staaten von Amerika. Die Gründung der privaten Einrichtungen erfolgt vorwiegend aus dem Wunsch, eine besondere Pädagogik anzubieten. Daher unterscheiden sich die Lernkonzepte in den Privatschulen oftmals deutlich von Schulformen, die sich in staatlicher Trägerschaft befinden.

Weitere Beispiele für Privatschulen sind die Landerziehungsheime, die Montessorischulen, die Jenaplan-Schulen und die Alternativschulen. Speziell die Alternativschulen bieten innovative Lernkonzepte an, die von dem klassischen Frontalunterricht abweichen. Beispielsweise beschäftigen sich die Schüler vorrangig mit Projekt- und Gruppenarbeit. Der Vorteil besteht in einer besseren Chancengleichheit, da sich die Schützlinge gegenseitig beeinflussen. In der Mehrzahl der Privatschulen existiert ebenfalls eine Unterteilung in den Primarbereich und den Sekundarbereich I.

 

In einer Vielzahl der Bundesländer beträgt die Regelschulzeit an der Waldorfschule zwölf Jahre, um den Waldorfabschluss zu erreichen. Streben die Schüler das Abitur an, verlängert sich der Zeitraum um ein Jahr. Demnach schließt sich in der Waldorfschule die Sekundarstufe II umgehend an den Sekundarbereich I an. An anderen Privatschulen erlangen die Lernenden ausschließlich den Realschulabschluss. Um sich für das Abitur zu qualifizieren, wechseln sie auf das Gymnasium. Um die Leistungsfähigkeit Deines Kindes zu fördern, bewährt es sich, frühzeitig die richtige Schulform zu wählen.

 

weiterführend:

https://de.wikipedia.org/wiki/Waldorfschule#Schulabschl.C3.BCsse

https://de.wikipedia.org/wiki/Bildungssystem_in_Deutschland

Buch: H.G. Herrlitz, D. Weiland, K. Winkel – Die Gesamtschule: Geschichte, internationale Vergleiche, pädagogische Konzepte und politische Perspektiven

Buch: Claudia Schuchart – Orientierungsstufe und Bildungschancen. Eine Evaluationsstudie