Mit meiner fünfzehnjährigen Tochter quer durch die USA

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Golden Gate Bridge in San Francisco Foto: Arne Ulbricht

Autor: Arne Ulbricht

Mit der fünfzehnjährigen Tochter durch die USA – kann das gut gehen? Diese Frage habe ich mir monatelang gestellt, während wir – meine Tochter und ich – unsere USA-Reise geplant haben. Und die Frage war durchaus berechtigt: Schließlich wollten wir uns nicht zwei Wochen in Florida irgendwo an den Strand legen, sondern uns von Los Angeles über San Francisco mit Zwischenstopps in Denver, Chicago und Washington bis nach New York durchkämpfen. Drei Nächte im Zug in der Coach-Class inklusive.

Papa und Tochter durch die USA Foto: Arne Ulbricht

Um Missverständnisse auszuräumen: Meine Tochter und ich haben uns immer gut verstanden, aber es war nie so gewesen, dass wir uns nicht auch viel gezankt hätten. Und ich, ich war im Jahr 2007 zwar so eine Art Elternzeitpionier, aber ich bin jetzt nicht die Supernanny unter allen Vätern. Zum Beispiel bin ich grässlich ungeduldig und absurd lärmempfindlich. Dennoch waren diese sechs Wochen ein einzigartiger Rausch, in deren Verlauf wir uns kein einziges Mal gestritten haben. Kein – einziges – Mal! Weil es so war, wie es war, gebe ich allen Vater-Kind-Reisenden folgende drei Tipps, die mit etwas Glück (gehört auch dazu!) helfen, ein gewagtes Reiseprojekt in ein wirklich wundervolles Abenteuer zu verwandeln:

Aufgaben ans Kind verteilen

Damit meine ich NICHT, dass das Kind abends den Tisch abräumen muss. Sondern eine echte, anspruchsvolle Aufgabe. Und wenn die Kinder kleiner sind, müssen sie wenigstens das Gefühl haben, dass ihre Aufgabe wichtig und für das Gelingen der Reise unentbehrlich ist. Bei uns war es so, dass meine Tochter auch aufgrund meines anarchischen Orientierungssinns diejenige- war, die uns von Tag 1 an mit GoogleMaps sicher durch die Städte geführt hat.

New York Foto: Arne Ulbricht

Ich bin ihr einfach hinterhergetrottet, habe mich zu 100 Prozent auf sie verlassen und sollte sie sich jemals verlaufen haben, habe ich es nicht gemerkt. Wenn ich manchmal zu verträumt war, kam auch schon mal ein Spruch: „Papa. In die Richtung geht es nach Brooklyn, wir wollen aber nach Manhattan!“ Sie war und ist durchgehend unser Guide geblieben. Das war ihre Aufgabe! Und weil das so gut geklappt hat, hat sie auch dafür gesorgt, dass wir immer in der richtigen U-Bahn saßen. Bei so was stelle ich mich zwar nicht ganz so blöd an, aber sie konnte das einfach besser!

Sich auf Kompromisse einlassen

Von Beginn an war klar: Wenn wir schon in Los Angeles sind, fahren wir auch nach Anaheim (eine Busstunde entfernt) und gehen ins Disneyland. Und die Universalstudios, die ja eigentlich auch ein Freizeitpark sind, gehörten ebenfalls zum Wunschprogramm … meiner Tochter. Sie war so glücklich, als ich die Tickets gebucht hatte, dass sie gesagt hat: „Papa, danke!!!! Ich gehe dann auch mal mit dir ins Museum, okay?“ Ja, und das hat sie gemacht. Und im Museum hat sie meine Vorträge über den Unterschied der Gemälde von Manet und Monet dann sogar kommentiert: „Papa, interessant. Aber das geht bei mir ins eine Ohr rein und ins andere raus. Aber guck ruhig weiter deine Bilder an.“

Sie hat mir wirklich zu keinem Zeitpunkt das Gefühl gegeben, dass es nun endlich mal gut sei oder genervt geguckt, obwohl sie sich auch in New York noch Bilder anschauen musste – schließlich war ich mit ihr ja 14 Stunden im Disneyland gewesen und habe in den diversen Schlangen bis zu anderthalb Stunden gewartet. (Am Ende hat sie wahrscheinlich doch die größeren Kompromisse akzeptiert: Denn in Wahrheit fand ich es in den Studios und im Disneyland saugeil!)

Golden Gate Bridge in San Francisco Foto: Arne Ulbricht

Tägliche Rituale, auf die man sich – täglich! – freut

Wichtig: Auf die Rituale sollten sich bestenfalls beide freuen! Ich empfehle vor allem, ein abendliches Ritual einzuführen. So endet nämlich jeder Tag garantiert mit einem Highlight. Wir haben jeden Abend – sechs Wochen lang! – eines unserer Standardspiele (Qwixx und Clever) gespielt und die Resultate mit Datum in ein Heft eingetragen. Und dann haben wir eine Folge Stranger Things geschaut, und je tiefer wir ins Stranger-Things-Universum eingetaucht sind, desto intensiver haben wir uns über die Serie unterhalten. (Aber nicht nur deshalb sind uns die Gesprächsthemen nie ausgegangen.) So haben wir uns schon am Morgen auf den Abend gefreut, und nachdem wir den Laptop zugeklappt haben, begann die Vorfreude auf den folgenden Tag.

Und dann waren die sechs Wochen auch schon viel zu schnell vorbei.

Arne Ulbricht Auftritt auf der Tagung zum Thema Väter 4.0 © Jürgen Kura

Papa, hör auf! von Arne Ulbricht

Papa, hör auf!: DE *

Papa, hör auf! ist eine aufwühlende Vater-Sohn-Geschichte. Ein packender Roman über einen gemeinsamen Kampf. Und eine lebhafte Schilderung des Schulalltags eines Dreizehnjährigen, der wirklich alles ist: nur nicht alltäglich!

Hier könnt Ihr Arne Ulbricht folgen:

Presseanfragen: Arne Ulbricht, Snöhöjdsbacken 13, 43139 Mölndal, Schweden

 

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