Trennung der Eltern im Kleinkindalter

In den letzten Jahrzehnten sind die Zahlen der Scheidungen unaufhörlich gestiegen. So müssen immer mehr Kleinkinder mit der Trennung der Eltern zurechtkommen. Die Wahrscheinlichkeit einer Scheidung steigt, wenn die Ehepartner in sehr jungen Jahren heiraten oder aufgrund einer vorehelichen Schwangerschaft sich die ewige Treue loben.

Die Trennung der Eltern und die damit verbundene Scheidung ist ein komplexer und dynamischer Prozess. Für alle Beteiligten ist es nicht einfach, die Veränderungen zu verstehen und diese nicht auf sich selbst zu beziehen. Die Schwierigkeiten steigen gerade bei Kleinkindern.

Was bedeuten Sorgerecht und Umgangsrecht
Wer hat das Sorgerecht und Umgangsrecht bei einer Trennung der Eltern Copyright: digitalista bigstockphoto

Das Wichtigste in der Übersicht:

  • Kleinkinder mit ausgeprägtem magischen Denken und hohem Schuldbewusstsein
  • Offenes und direktes Gespräch zur Trennung auch bei Kleinkindern
  • Mit Ruhe und Besonnenheit durch die Scheidungsphasen: Sicherheit und Geborgenheit
  • Haltet euch an eure Vereinbarungen: Kein Aushorchen, keine Geheimnisse oder Lügen
  • Gemeinsame Erziehung an einem Strang: Kinderzeiten gerecht aufteilen

Die Phasen der Scheidung

Die Vorbereitungsphase kann wenige Monate bis hin zu Jahren dauern. Auf die Unzufriedenheit mit dem Ehepartner folgt die Desillusionierung, die Ehe doch nicht mehr retten zu können. Die endgültige Entscheidung treffen die meisten Ehepartner erst nach langer Zeit innerer Konflikte.

Da ist es gar nicht so einfach, das Ganze nicht auf die Kinder zu übertragen. Die Trennung der Ehepartner läutet die Scheidungssache sein. Sie ist mit vielen negativen Gefühlen verbunden.

In erster Linie leiden die Kinder. Die meisten Kinder sind vollkommen gegen die Scheidung und reagieren mit Angst, Schmerz, Schock und Trauer auf diese schwerwiegende Entscheidung, die Auswirkungen auf das bisherige Familienleben hat. Dabei fallen die Reaktionen der Kleinkinder sehr unterschiedlich aus und sind unmittelbar mit dem Alter verbunden.

weiterlesen: Wie Kinder die Phasen der Trennung erleben

Die Schuldgefühle der Kleinkinder

Auch jüngere Kinder können Schuldgefühle entwickeln. Sie fühlen sich verantwortlich für die Trennung und die Streits in der Familie. Dazu kommen Loyalitätskonflikte, indem sie sich einmal mehr zu Mama oder zu Papa hingezogen fühlen. Bei kleinen Kindern können unterschiedliche Symptome wie

  • Schlafstörungen,
  • Trennungsangst,
  • Probleme im Kindergarten,
  • Nervosität,
  • Auffälligkeiten im Verhalten und
  • das Einmachen während der Nacht

wieder auftauchen. In den meisten Fällen verschwinden diese Symptome nach dem ersten Jahr nach der Trennung wieder. Wird die Scheidung nicht überwunden, können sie über Jahre zum hausgemachten Problem werden.

Trennung ihrer Eltern - Phasen der Trennungskinder
Trennungskinder Copyright: digitalista bigstockphoto

Wie leiden die Kleinkinder unter der Scheidung?

Einzelkinder und Jungen leiden laut einschlägiger Studien mehr als Mädchen. Ihnen falle der Verlust sehr schwer. Prinzipiell lässt sich sagen, dass sehr junge Kinder die Trennung schwerer hinnehmen, wenn sie eine intensivere Beziehung zu einem der Elternteile haben.

In vielen Fällen ergeben sich neben der Trennung weitere Probleme, wie zum Beispiel durch einen Umzug, den Wechsel des Kindergartens, der Schule oder der Krippe. Verlieren die Kinder nicht nur den Schutz ihrer Familie, sondern auch gute Freunde, kann es zu weiteren Problemen mit der Scheidung kommen.

Die Vorscheidungsphase und die Reaktion der Kleinkinder auf die Trennung

Tatsächlich kommen viele Eltern den Erziehungsaufgaben während der Scheidung nur unzureichend nach. Angesichts der enormen Veränderungen in einem emotional schweren Zustand und der Bewältigung des Alltags bleibt vielen Eltern nur wenig Zeit für Gespräche mit den Kindern.

Die Eltern erscheinen oft übermüdet, schlecht gelaunt und überlastet. Besonders problematisch wird es bei den Kindern im jüngeren Alter, die überhaupt nicht wissen, warum sich die Eltern getrennt haben. In dieser Phase der Scheidung verändert sich die Beziehung zwischen Eltern und Kind. Die Kleinkinder verlieren eine Identifikationsfigur, einen Helfer und einen Freund.

An dieser Stelle müssen wir nicht noch einmal deutlich machen, dass sich negative Folgen daraus entwickeln, wenn Kinder von den Eltern als Spielball und Waffe im Scheidungsprozess genutzt werden. Teilweise horchen einige Eltern ihre Kleinkinder über den Ex-Partner oder die Ex-Partnerin aus und nutzen sie als Informanten. Im Gegenzug werden die Kinder zum Mitwisser von Geheimnissen vor dem anderen Elternteil. Das bringt enorme Probleme mit sich und führt zu negativen Gefühlen, wie Unsicherheit und Furcht.

Was passiert in der Nachscheidungsphase?

Nach einem Jahr beginnt die Nachscheidungsphase. Diese Phase kann sich individuell verkürzen und verlängern. In diesem Zeitraum sollte sich das System der Familie stabilisieren und ein gesundes psychisches Gleichgewicht finden. Negative Empfindungen sind abgeschwächt oder vollständig aufgehoben. Oftmals haben die Partner neue Partner oder es kommen weitere Kinder dazu. Das ist auch der Zeitpunkt, in dem sich die Beziehungen zum Ex wieder normalisiert und ein gesundes Niveau bekommt.

Zumeist fokussieren sich die Gespräche auf Erziehungsfragen und führen nur selten zu Konflikten. Schließlich finden viele Eltern in dieser Nachscheidungsphase neue Lebensziele und haben ihr Leben geordnet. Das verbessert auch das Verhältnis der sorgeberechtigten Eltern zu ihren Kindern.

Wenn eine Familie sich trennt
Wenn eine Familie sich trennt, Copyright: HalfPoint, bigstockphoto.com

Negative Folgen der Scheidung bei Kleinkindern

Insbesondere Kleinkinder reagieren auf den seelischen Schmerz der Trennung unterschiedlich. Der Spielraum reicht von Frust über Protest bis hin zum Ignorieren der Trennung der Eltern.

Dabei können die Kinder resignieren und auch ein passives Verhalten zeigen. Einige Kleinkinder reagieren altklug, versuchen über witziges oder zorniges Verhalten aufzufallen. In diesem Zusammenhang können sich auch psychosomatische Reaktionen zeigen wie Einnässen, Erbrechen, Übelkeit, Bauchschmerzen und Kopfschmerzen ergeben.

Wie Sie Kleinkindern durch die Scheidung helfen

Durch die Trennung verändern sich die Bedürfnisse der Kinder, die vielfach sensibel auf die Scheidung reagieren. Konnte das Kind  noch vor der Trennung der Eltern problemlos allein bleiben, möchte es Mama und Papa nun immer begleiten. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, den Kindern die Schuldgefühle zu nehmen.

mehr Wissen zur Trennung

Quellen:

  • Neurologen und Psychiater im Netz. Das Informationsportal zur psychischen Gesundheit und Nervenerkrankung. Psychische Folgen durch die Trennung oder Scheidung: mehr
  • Das Kita-Handbuch von Martin R.Textor und Antje Bostelmann. Trennung und Scheidung. mehr
  • BAG Familie und Betrieb e.V. Trennung und Scheidung aus Sicht der Kinder: mehr