Trennung wo bleiben die Kinder
Trennung und was wird mit den Kindern? Copyright: fizkes bigstockphoto

Scheidung, und wer bekommt die Kinder

Das Sorgerecht oder die elterliche Sorge ist im deutschen Familienrecht geregelt. In der Rechtssprache geht daraus der Begriff der elterlichen Gewalt hervor. In der Umgangssprache reden wir vom Sorgerecht. Die Inhaber sind die Eltern. Eine Scheidung oder Trennung allein ändert nichts an dem Sorgerecht.

Wenn beide Eltern das Sorgerecht vor der Trennung inne haben, ist das auch nach der Scheidung der Fall. Nur wenn sich Mutter und Vater nicht einigen können, greift das Familiengericht ein.

Das Wichtigste in der Übersicht:

  • gemeinsames Sorgerecht geht an beide Elternteile
  • alleiniges Sorgerecht muss beantragt werden
  • auch nicht-verheiratete Väter können das alleinige Sorgerecht beantragen
  • nicht-sorgeberechtigter Elternteil hat Umgangsrecht
  • Familiengericht fällt Entscheidungen, wenn sich Eltern nicht einigen

 

Wer bekommt das Sorgerecht nach der Trennung?

Zunächst steht das Sorgerecht beiden Elternteilen zu. Das gemeinsame Sorgerecht ist das geläufigste Modell in Deutschland und entspricht einer gleichberechtigten Entscheidungsgewalt für Mutter und Vater.

Regelung des Sorgerechts in Deutschland

Deutschlandweit gehört das gemeinsame Sorgerecht zu den Regelfällen. Dem Bürgerlichen Gesetzbuch entnehmen wir die Zustimmung beider Elternteile „bei Entscheidungen in Angelegenheiten, deren Regelung für das Kind von erheblicher Bedeutung ist“. Fragst du dich nun, was diese Entscheidungen sind, so beziehen wir uns auf die Schule oder Schulform, Vermögenswerte des Kindes, medizinische Behandlungen und religiöse Erziehung.

Der Elternteil, wo das Kind lebt, trifft die alltäglichen Entscheidungen, deren Auswirkungen auf die Entwicklung des Kindes sich immer wieder abändern lassen. „Zum Wohle des Kindes“ kann das Gericht einzelne Entscheidungen ausscheiden.

Gesetzlichen Voraussetzungen: Nach der Trennung

Nun kann auf Antrag das Sorgerecht auf einen Elternteil übergehen. Das können Vater oder Mutter gleichermaßen sein. Im Gesetz finden wir zwei Bedingungen:

1) Der andere Elternteil stimmt dem alleinigen Sorgerecht zu. Das Kind widerspricht mit Vollendung des 14. Lebensjahres der Übertragung.
2) Die Übertragung des alleinigen Sorgerechts entspricht am besten dem Wohl des Kindes.

Nicht verheiratet? Wer bekommt das Sorgerecht?

Gehen wir nun davon aus, das die Eltern nach der Geburt des gemeinsamen Kindes weder heiraten noch eine gemeinsame Sorgerechtserklärung abgeben, geht das alleinige Sorgerecht an die Mutter. Das entspricht der gesetzlichen Grundlage Paragraph 1626a im BGB. Der Vater kann aber auch ohne eine vorhergehende Heirat beantragen, dass er das Sorgerecht vollständig oder teilweise erhält.

Mehr Rechte für Väter nach der Reform

Bis 2013 sah die Situation nach der Trennung oftmals sehr schlecht aus. Die Mutter musste der Übertragung des Sorgerechts zustimmen, andernfalls hatte der Vater keinen Anrecht darauf. Darin sah der Europäische Gerichtshof eine Verletzung der Menschenrechte. Nach einer durchdringenden Reformation können unverheiratete Papas das Sorgerecht für ihre Kinder einklagen. Diese Klage ist nicht mehr von der Zustimmung der Mutter abhängig.

Sorgerecht nach der Trennung – Wenn das Familiengericht entscheidet

Die Basis für einen Beschluss geht auf unterschiedliche Aspekte zurück. Allen voran erfolgt eine Befragung der Kinder und der Eltern getrennt voneinander. In diesem Zusammenhang erstellt das zuständige Jugendamt ein Gutachten, das zur Entscheidungsfindung beiträgt. Sollten sich später die Umstände ändern, kann das Gericht auch wieder gegen das alleinige oder gemeinsame Sorgerecht entscheiden. Im Fokus steht immer das Wohl des Kindes, das zu keinem jetzigen oder späteren Zeitpunkt gefährdet ist.

Welche Rechte haben die Eltern ohne Sorgerecht und die Stiefeltern?

Vorausgesetzt das Kind hält sich regelmäßig bei dem nicht sorgeberechtigten Elternteil auf, darf er auch Entscheidungen fällen, die das alltägliche Leben betreffen. Als Notvertretung darf das Elternteil auch weiterreichende Entscheidungen fällen. Ist zum Beispiel Gefahr in Verzug, darf er seine Zustimmung zu einer Operation geben. Im Einvernehmen gehen ähnliche Befugnisse auf den Ehepartner des Elternteils über, wenn es sorgeberechtigt ist, aber nicht der leibliche Vater oder die leibliche Mutter.

Wann greift das Gericht ein?

Erst wenn sich die Eltern nicht einigen können, wo das Kind dauerhaft lebt oder wer die Entscheidungsgewalt übernimmt, kommt es zu einer Beantragung des alleinigen Sorgerechts beim Familiengericht. Häufig kommt es zum Streit, wenn einer der beiden ins Ausland auswandern möchte. Besteht ein gemeinsames Sorgerecht, müssten sich die Eltern über den Aufenthaltsort einigen. Andernfalls übergibt man die Entscheidung dem Gericht und belässt die Situation des Kindes bis dahin beim Alten. Dem Familiengericht geht es um das Wohl des Kindes. In diesen Entscheidungsprozess hinein spielen Stellungen vom Jugendamt ebenso wie ein familienpsychologisches Gutachten.

Was ist das Umgangsrecht?

Bei dem Elternteil, wo das Kind nicht lebt, bleibt das Umgangsrecht. Das BGB definiert das Umgangsrecht wie folgt:

„Das Kind hat das Recht auf Umgang mit jedem Elternteil;
jeder Elternteil ist zum Umgang mit dem Kind verpflichtet und berechtigt.“

Der Elternteil, der das Sorgerecht hat, soll den Umgang mit dem Kind weder erschweren noch verhindern. Auch hier sind die Eltern dazu angeraten, den Umgang selbst zu regeln. Sollte dies auch wieder nicht möglich sein, springt das Familiengericht ein und fällt eine Entscheidung. Nur in schwerwiegenden Fällen geht ein Ausschluss des Umgangsrechts hervor.

Wann wird das Sorgerecht entzogen?

Der Staat entzieht beiden oder einem Elternteil das Sorgerecht, wenn er das seelische und körperliche Wohl des Kindes als gefährdet sieht. Schenken wir den statistischen Erhebungen aus dem Jahre 2013 unseren Glauben, war das in circa 15.000 Fällen der Fall (Quelle: Statistisches Bundesamt). Es ist möglich, das Sorgerecht ganz oder teilweise zu entziehen.

In einigen Fällen geht es an den Amtsvormund. Bei einem vollständigen Entzug des Sorgerechts erfolgt eine Unterbringung des Kindes in einem Heim oder bei Pflegeeltern. Ganz so einfach macht sich kein Gericht diese Entscheidung und sieht dies immer als den letzten Schritt nach einer Kette missglückter Maßnahmen, die der Familie eigentlich helfen soll.

Auch im späteren Verlauf sollen die leiblichen Eltern immer die Chance haben, ihre Kinder zu sehen und unter festen Bedingungen später wieder zusammenzuleben.

 

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