Die Pubertät bei Jungen – das haut Dich um:

„Starke Väter in der Pubertät Ihrer Söhne“

Vater seinEltern von pubertierenden Kindern schauen sich oft mit verdrehten Augen an und sagen: Wie schrecklich! Wenn dein Sohn gerade diese Lebensphase betritt, lass dich von anderen Eltern nicht irritieren. Wichtig ist, sich zu informieren, zu verstehen und konstruktiv mit Herausforderungen der Pubertät umzugehen.

 

Aber  vorallem, vertraue weiterhin auf dein gesundes Bauchgefühl, wenn Du als Vater in der Pubertät deines Sohnes alles ernst nimst und jedes Wort auf die Goldwaage legst – wird es schwierig. Sei gütig und verzeihe und bleib einfach „Vater“.

Verrückter Vater mit Sohn

Vater & Sohn © jordi2r – Fotolia.com

Was erwartet Dich in unserem Pubertäts-Thema?

Du bekommst hier einige Hinweise, die den Umgang mit Jungen in der Pubertät erleichtern. Vielleicht hast du solche auch bereits gelesen, dich aber dann gefragt, warum diese Tipps manchmal nicht funktionieren.

Das ist schnell erklärt: Ein Aspekt von Pubertät ist, dass jetzt Bilanz gezogen wird über die bisherigen Jahre gemeinsamen Lebens von Sohn und Vater. Jeder Tipp ist nur dann umsetzbar, wenn du einen Blick auf dich selber wagst und dich fragst:

  • Wie war meine Pubertät?
  • Was habe ich bekommen und was habe ich vermisst?
  • Wie war meine bisherige zeit mit meinem Sohn?
  • Wo stehe ich heute in meinem Leben?

Allein schon dies bringt dich nicht nur dir, sondern auch deinem pubertierenden Sohn näher.

 

Pubertät: Klar Schiff machen für eine aufregende Reise

Man spürt es: Da geht jetzt etwas zu Ende und etwas völlig Neues beginnt. Wurde man gestern etwa als Vater vom Sohn noch gemocht, ernst genommen, bewundert, gefragt, geduldet – ja auch geliebt, so sieht es jetzt so aus, als wäre das alles weg. Das ist ein Teil der Vaterpanik: Habe ich etwas falsch gemacht?
Nein. Es kommt ein normaler Prozess der Reifung. Je entspannter wir bleiben, umso besser.

„Die Pubertät ist eine Tatsache, keine Krankheit.“

So beruhigt der bekannte Autor und Berater Jesper Juul die Eltern. Wenn dich als Vater der Aufbruch deines Sohnes irritiert, dann frage dich bitte in einer stillen Stunde: Warum?

Bist du selber festgewachsen in

  • einer eingefahrenen Ehe oder Beziehung
  • einem langweiligen Beruf
  • einem öden Routineleben?

Sei deinem Sohn dankbar, dass er dir das Theme Rebellion darreicht: Du hast die Möglichkeit, es auf dein eigenes Leben anzuwenden. Wo möchtest du etwas ändern? Fasse Mut und verlasse den sicheren Hafen.
Vielleicht bist du zuletzt durch unruhige Phasen gegangen:

  • Trennung und Scheidung
  • Arbeitswechsel oder Arbeitslosigkeit
  • Unruhe und Schicksalsschläge

Dann habe Verständnis mit dir, dass für dich ein ruhiger Hafen das momentan attraktive Ziel ist.

Aber du und dein Sohn leben verschiedene Leben.

Natürlich wirst du eine Selbstklärung nicht mit deinem Sohn besprechen. Aber wenn du fündig und tätig geworden ist, wird er es spüren:
Mein Papa ist ja auch unterwegs. Anders als ich, aber er ist noch ein Suchender.
Das ist eine wunderbare Erkenntnis. Und die wird euch, so unterschiedlich ihr auch seid, auf magische Art wieder näher bringen.

Tschüss Kindheit – das Tor der Pubertät

Für den pubertierenden Jungen ist es vermeintlich klar:

Weg mit Lego, der Star Wars Bettwäsche und den Kinderbüchern! Jetzt will ich ein echter Kerl werden, da brauche ich so etwas nicht mehr.
Eltern tut dies manchmal weh. Hier geraten die Mütter in Generalverdacht, dass sie den Jungen klein halten wollen. Doch auch bei euch Vätern gibt es den ein oder anderen, der durch den Sohn ein Stück Kindheit wieder entdeckt hat: Spielen, Quatsch machen, all die tollen, kleinen Abenteuer – das soll jetzt vorbei sein? Wie schade.

Doch hier gilt: Was du für den kleinen Jungen in dir entdeckt hast, das darf gerne bleiben. Vielleicht braucht es dafür neue oder auch ältere „Spielkameraden“. Aber freue dich mit deinem Sohn über seine Aufbruchstimmung. Begleite ihn mit dem jetzt gebotenen respektvollen Abstand, aber immer wohlwollend.

Der größte Fehler, den gerade überwiegend rational und logisch denkende Väter jetzt machen, ist dieser:

Der Sohn hat

  • die angebotene väterliche Hilfe in den Wind geschlagen,
  • auf seine Weise einen kleinen Schiffbruch erlitten,
  • zu einem Thema nun die dritte Meinung in drei Monaten oder
  • ein gegebenes Versprechen nicht gehalten.

Nun fallen solche Väter über den Sohn her:

„Siehste, hab ich dir doch gesagt!“
„So wird das nichts.“
„Du weißt auch nicht, was du willst.“
„Auf dich ist kein Verlass.“

Das ist unfair, unkonstruktiv und verhindert weiteren vertrauensvollen Kontakt. Als der Kleine laufen lernte, hast du ihn doch auch liebevoll und wohlwollend dabei unterstützt. Wenn er fiel, hast du ihm aufgeholfen und ihn getröstet. So ist es jetzt auch. Nur diskreter und mehr aus dem Hintergrund.

Und solltest du beobachten, dass dein schon vermeintlich großer Sohn, sich unbeobachtet glaubend, nochmal mit Lego spielt oder eine „3 Fragezeichen-Kassette“ hört, spare dir bitte jeden, auch witzigen Kommentar: Pubertät heißt ausprobieren, sich nach vorne wagen und manchmal wieder zurückgehen. Diese Ambivalenz müssen wir Eltern aushalten.

Jesper Juul schreibt, die Idealbilanz eines Jungerwachsenen lautet: „Meine Eltern wollten mich nicht kontrollieren, aber sie waren da, als ich sie brauchte.“
Heißt das denn nun, das Pubertierende keine Führung und Regeln brauchen? Nein!

 

Einreisebestimmungen für das Erwachsenenland

Gute Lehrer wissen es: Führung von Kindern und Jugendlichen mit Regeln ist immer wichtig und notwendig. Aber dies macht man in der Unterstufe anders als in der Mittel- oder auch Oberstufe. Jesper Juul formuliert es realistisch: „Wenn Kinder erst mal zwölf sind, ist Erziehung nicht mehr möglich; jetzt kommt es auf die Beziehung an, die bis dahin entstanden ist.“

Bis zur Pubertät gab es Regeln und Abmachungen, und so wird es weiter gehen. Themen hierfür zeigen sich ständig: Zeiten für das nach Hause kommen, Umgang mit PC, Handy, Zigaretten und Alkohol. Als Vater tust du aber gut daran, hier im zunehmendem Alter dialogisch und auf Augenhöhe Regeln auszuhandeln, die beide Seiten mittragen.

Der niederländische Psychotherapeut Willem Heuves setzt gerade jetzt auf die Stärke von Jugendlichen. Diese können Eltern fördern, in dem sie im Kontakt bleiben und auf das Verhalten der Söhne fokussieren. Wenn es dann auch mal nicht klappt mit einer Regelung, dann solltest du als Vater Ruhe bewahren. Natürlich ist es wichtig, konsequent eine solche Situation anzusprechen. Aber dies ist am effektivsten, wenn es ruhig und sachlich geschieht. So kannst du ganz „cool“ euch eine neue Chance und auch Vertrauen geben. Für Gefühle ist an anderer Stelle Platz.

In der Pubertät zum Mann werden und lieben: Wie geht das denn?

Das fragen sich nicht nur große Männer (und manchmal auch deren Frauen!), das fragen sich natürlich auch die Söhne, wenn sie die Geschlechtlichkeit in und an sich entdecken.

Hier sind die Väter gefragt – und letztlich waren sie es schon die ganze Zeit.

Was dein Sohn über das Mannsein bisher weiß, ist sehr stark von dir abhängig:
Wie hat er dich erlebt in seiner bisherigen Kindheit?
Kraftvoll? Mutig? Präsent? Zugänglich? Zärtlich?
Oder müde? Ängstlich? Abwesend? Unnahbar? Hart?

Dies ist keine Väterschelte. Aber du solltest als Vater deinem Sohn nicht übelnehmen, dass er dich manchnmal klarer sieht als du dich selbst.
Es geht nicht um richtig und falsch, es geht um Authentizität. Wenn du als Mann gerade selber Reifeprozesse durchmachst, dann beteilige deinen Sohn in angemessenem Maße daran.

Kinder wollen nicht das Perfekte, sondern das Echte. Sie sind nicht an Illusionen interessiert, sondern an Lösungen. Die Chance für kurze Begegnungen hierzu sind immer da. Nehme sie wahr und nutze sie: Bei einem Tischtennisspiel, einer Autofahrt, vorm Fernseher in der Werbepause. Gerade Reklame zur Abendzeit ist voll von Geschlechterklischees und unterschwelliger Erotik: Hier läßt mancher Junge mal einen Testballon steigen und wartet auf eine Reaktion vom Vater. Gib sie ihm: Klar, echt und nicht anbiedernd.

Überhaupt sind gemeinsam erlebte Filme ein gutes Medium für Begegnung: Eine der beliebtesten Fernsehserien bei Jugendlichen ist zur Zeit „How I met your mother“. Ein Vater erzählt seinen Kindern über Irrungen und Wirrungen der Liebe, bis er dann, endlich, die Mutter traf. Vielleicht ein Anfang, eine solche Folge einmal gemeinsam zu sehen.
Wäre es aber nicht auch schön, wenn dein Sohn das bei passender Gelegenheit aus erster Hand von dir erfährt? Hochseilklettern, Kanufahren, Billard, Dart, Zelten, ein Abend am Lagerfeuer … Wenn dein Sohn spürt, dass er dabei dir einmal näher kommen darf, dich so erleben kann wie du bist, dann wird er sich gerne auch einmal darauf einlassen.

Leistung – Arbeit – Geld!  Wo geht es hin in der Pubertät – Soll das alles sein?

Auch wenn diese Themen heute Frauen und Männern gleichberechtigt gehören, so ist dennoch die Haltung eines Vater zu Arbeit, Leistung und Geld für einen Sohn auf dem Weg in die Erwachsenenwelt stark prägend. Daher lege dir als Vater auch hier einmal selbst folgende Fragen vor:

Wie geht es mir mit dem Thema Leistung?
Bin ich zufrieden mit meiner Arbeit?
Welche Haltung habe ich zu Geld?

Oft erkennen Väter in ihren Söhnen in dieser Thematik die eigene Haltung im guten Sinne wieder. Sollte das aber nicht der Fall sein, dann ist Selbstklärung sinnvoll.
Wenn dein Sohn extrem leistungsorientiert ist, dann kann dies auch mit dir zu tun haben: Sind es die einzigen Werte, die du anerkennst? Dann will er dich zufriedenstellen. Hier ist deine Aufgabe, auch andere Lebensthemen- und felder für Begegnung mit deinem Sohn zuzulassen, damit der Druck auf ihn abnehmen darf.

Es kann aber auch sein, dass du in genannten Lebensbereichen nicht so erfolgreich bist. Dann möchte dein Sohn sich hier von dir abgrenzen, da er vielleicht auch dein dir eventuell unbewußtes Leiden an diesen Themen spürt.

Sollte dein Sohn ein Leistungsverweigerer sein, können Auslöser hierfür auch bei dir liegen. Sind Leistung, Arbeit und Geld die wichtigsten Werte in deinem Leben, dann ist die Haltung deines Sohnes ein Protest dagegen: Es muss doch noch andere Werte geben wie etwa Freundschaft, Solidarität und Lebensfreude – das ist seine Botschaft.
Sollte dein Sohn kein Interesse an Leistung und Ideen für spätere Berufe haben, kann das auch an deiner eigenen negativen Haltung zu dieser Thematik liegen. Dann möchte dein Sohn vielleicht nicht erfolgreich sein, um dich nicht zu kränken.

Es ist für jedes Alter eines Sohnes die Chance des Vaters, ihm die Welt von Leistung, Arbeit und auch Erfolg nahezubringen. Rede mit deinem Sohn offen über diese Themen und nehme ihn mit an deinen Arbeitsplatz. Lasse ihn teilhaben an deinen Werten, erlaube ihm aber auch, eigene Schlüsse daraus zu ziehen.

 

Pubertät – ein Abenteuer

Erinnere dich noch einmal an den Anfang dieses Artikels: Pubertät schien zunächst ein Horrortrip zu sein. Zumindest, wenn man der Allgemeinheit glaubt – was man nie tun sollte.
Vielleicht hat sich deine Haltung bereits verändert. Dann wird Pubertät zu einem Abenteuer. Für dich und für deinen Sohn. Wie beschrieben und in der Natur der Pubertät begründet – die meisten Abenteuer erlebt dein Sohn jetzt ohne dich. Aber du begleitest ihn dennoch: Aus der jeweils erforderlichen Distanz oder Nähe, mit Präsenz, Interesse und Liebe. Dein Sohn wird dies spüren.

Das war schon so, als du ihn als Kleinkind zu Bett gebracht hast: Je klarer du mit dir warst und je besser es dir selber ging, um so leichter konnte dein Sohn loslassen und sich dem Schlaf anvertrauen.

Diese Haltung ermöglicht euch beiden heute, da loszulassen, wo es gut ist und sich wieder zu finden, wenn es notwendig ist. Die Chance für dich als Vater ist es, selber wieder zum Abenteuerer zu werden. Das macht dich auf neue Art lebendig und interessant. Vielleicht verbessert dies schon den Kontakt zu deinem Sohn dramatisch. Möglicherweise rettet es deine Ehe oder Beziehung oder hilft dir zu einer befriedigenden Liebe.

Vielleicht ist es Zeit, deine Lebensgewohnheiten zu verändern, dich beruflich neu zu orientieren – was auch immer es sei, sehe es als Chance für den Rebellen in dir. Und keine Sorge – Pickel bekommst du dabei keine.

 

Das Ende der Pubertät Deines Sohnes und Blick voraus

Pubertät gelingt. Das ist die wichtige Nachricht. Das gilt für die meisten Jungens. Wie beschrieben kann diese Lebensphase für Sohn und Vater ein Abenteuer werden, wenn auch zunehmend auf getrennten Pfaden.

Tipps zum Umgang mit Pubertierenden umzusetzten heißt im ersten Schritt bei sich selber aufräumen. Wenn du klar bist mit dir, dann gelingt dir das auch mit deinem Sohn. Lass den frischen Wind, die Unruhe und auch die Rebellion zu. Sie wird das Familienleben nicht nur stören, sondern auch bereichern. Sollte es für deinen Sohn und auch dich ernsthaft schwierig werden, dann scheue es nicht, dir Hilfe zu holen. Und zwar von professionellen Beratern – die meisten anderen Eltern sind dafür nicht geeignet.

 

Quellen:
Jesper Juul – Pubertät: Wenn Erziehung nicht mehr geht
Willem Heuves – Pubertät: Entwicklungen und Probleme. Hilfe für Erwachsene

wer wir sind

Mario, vom Netpapa Team

Als begeisterter Vater und Herausgeber von Netpapa.de einem der größten deutschsprachigen Vätermagazinen, freue ich mich, Dir gemeinsam mit anderen Autoren viele hilfreiche Themen vorstellen zu können. Unsere Redaktion besteht aus Journalisten, Erziehern, Pädagogen und Mediziner aber vorallem sind wir Väter.


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