Was bedeuten Rollenspiele für die kindliche Entwicklung

E Erinnern Sie sich noch, wie Sie als Kind mit dem Kaufladen unsichtbare Lebensmittel verkauften, als Indianer-Häuptling mit Ihren Freunden über den Spielplatz tobten oder „Vater-Mutter-Kind“ spielten?

In die Haut von Erwachsenen oder eines Helden zu schlüpfen, sind beliebte Rollenspiele bei Kindern. Sie ermöglichen ihnen, einen Zugang zur Welt der „Großen“ ohne Folgen für das echte Leben.

Die beliebtesten Rollenspiele für Kinder

Mutter, Vater, Kind oder Berufe der Eltern

Vater, Mutter, Kind Spiel
Berufliche Rollenspiele © Claudia Paulussen – Fotolia.com

Rollenspiele fangen mit zwei Jahren an

Rollenspiel geben einen Blick auf das frei, was Kinder beschäftigt, was Ihnen gefällt oder was sie bedrückt. Nicht zuletzt sind sie ein hervorragendes Training, soziale Fähigkeiten für ihr späteres Leben zu erwerben.

Sobald sich Kinder als eigene Person begreifen, schlüpfen Sie in andere Rollen. Zu Beginn spielen Sie allein, die Abläufe sind einfach. Die Erfahrungen mit der Umwelt sind begrenzt, ebenso die Zahl der Bezugspersonen, die als Rollenvorbild dienen. In der Kindergartenzeit kommen viele neue Eindrücke hinzu und die sprachlichen Fähigkeiten nehmen zu. Der intensive Kontakt zu Gleichaltrigen erlaubt komplexere Rollenspiele. Kinder entwickeln damit ihre sozialen Kompetenzen und behalten den Spaß daran bis in die Pubertät.

 

Das Rollenspiel bei Kindern – die Generalprobe für das Erwachsensein

Rollenspiele geben Kindern die Möglichkeit, sich gefahrlos in der Welt der Erwachsenen zu bewegen. In die Rolle der Mutter oder des Vaters zu schlüpfen, ermöglicht es bereits dem kleinen Kind, sein Leben aus anderer Perspektive zu sehen. Erste Meinungs-Unterschiede mit den Eltern treten auf, Verhaltensregeln erlangen Bedeutung. Das Kind erlebt erste Ängste und durchlebt Konflikte. Dies alles aus der Sicht der Bezugspersonen spielerisch nachzuerleben, hilft, einen sicheren Platz im realen eigenen Leben zu erobern.

 

Wie Kinder Spielerisch soziale Kompetenz erlernen

Ältere lernen in Rollenspielen mit anderen Kindern, sich in eine Gruppe zu integrieren. Legen sie fest, wer welche Rolle bei „Räuber und Gendarm“ übernimmt, sind sie gezwungen, zu diskutieren und sich zu einigen. Sie lernen, Kompromisse einzugehen oder sich durchzusetzen. Die Interaktion mit Gleichaltrigen schärft die Beobachtung und verbessert das Sprachvermögen. Im Rollenspiel ist Kreativität gefragt. Als „Räuber“ darf Ihr Kind Regeln brechen, die es im richtigen Leben befolgt. Das macht Spaß – weckt aber auch Verständnis, warum es Regeln gibt.

 

Rollenspiele – die Schule fürs Leben

Ein Rollenspiel mit vielen Beteiligten bedarf ausgefeilter Planung. Die Kinder ersinnen viele Regeln. Eine Menge Ideen sind zu beachten. Sie beobachten fasziniert, wie lange Ihr Kind im Rollenspiel konzentriert bei der Sache bleibt – im Gegensatz zu anderen häuslichen Situationen. So viel Kreativität, die Rolle des Räubers oder Prinzessin zu beschreiben, hätten Sie ihm nicht zugetraut. Sie beobachten die Konflikte der Kinder, wenn diese „Indianer und Cowboy“ spielen und stellen fest, wie unterschiedliche Vorstellungen aufeinanderprallen. Da gibt es schnelle Einigungen und endlose Diskussionen. Da gibt es einen „Bestimmer“ und andere Kinder, die sich gegen ihn durchsetzen. Ihr Kind beklagt sich über seine Spielkameraden? Greifen Sie nur ausnahmsweise ein. Rollenspiele helfen, sich selbstständig auf das Leben als Erwachsene vorzubereiten.

 

Was verraten Rollenspiele den Eltern

Oft verarbeiten Kinder intensive oder traumatische Erlebnisse in Rollenspielen. Auch mit Ängsten setzen sie sich so auseinander. Dies ist eine gute Möglichkeit für Sie, in Ihr Kind hineinzublicken. Sie erhalten die Chance, Nöte oder Probleme zu erkennen, die es mit sich herumträgt. Der bevorstehende Krankenhaus-Aufenthalt beispielsweise bietet sich für ein Rollenspiel unter Ihrer Regie an. Sie nehmen Ihrem Kind viel von der Angst vor dieser unbekannten Situation. Auch Ihr eigenes Verhalten steht in den Rollenspielen Ihres Kindes auf dem Prüfstand. Wie es als „Mutter“ oder „Vater“ mit seinen Puppenkindern umgeht, spiegelt Ihr Verhalten als Eltern wieder. Das gibt Ihnen möglicherweise Stoff zum Nachdenken.

 

So fördern Eltern die Rollenspiele Ihrer Kinder

Spielen Sie mit, wenn Sie merken, dass Ihr Kind in eine andere Rolle schlüpft. Überlassen Sie ihm die Führung. Fragen Sie es nach der Rolle oder Person, die Sie übernehmen dürfen. Erlauben Sie Ihm, einen Hut oder Kleidungsstücke von Ihnen anzuziehen. Rüsten Sie Ihr Kind aus. Vielleicht gibt es im Keller oder auf dem Speicher noch einen Kaufladen oder andere Überbleibsel aus Ihrer Kindheit. Eine Kiste mit immer verfügbaren Requisiten findet mit Sicherheit großen Anklang.

Gehen Sie mit Ihren Kindern und deren Freunden in die Natur. Suchen Sie gemeinsam nach Schätzen. Streifen Sie als Indianer-Häuptling durch die Prärie. Bestimmt haben Sie und Ihre Kinder noch ganz andere Ideen. Und die entstehen spontan. Sie werden staunen, was im Laufe eines langen Tages im Wald oder am See an Geschichten und Ideen entsteht. Rufen Sie eine kreative Explosion hervor und sehen Sie, welcher Stein als Schatz Verwendung findet. Staunen Sie über den Stock, der Old Shatterhands Donnerbüchse darstellt oder das Laserschwert von Luke Skywalker. Sie bauen so eine Bindung zu Ihren Kindern auf, die lange hält.

 

Redaktion: M.Foerster,  A.Nilsson,

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