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Mein Kind will ständig Aufmerksamkeit- und das ist gut so!

„Mama, schau mal hier!“, „Papa, guck doch mal!“ – an manchen Tagen bekommen Eltern das Gefühl, dass ihr Kind ständig nach Aufmerksamkeit verlangt. Stellt diese Forderung an die Eltern ein Problem dar? In der Evolution zeigt sich, dass sie für das Aufwachsen des Nachwuchses eine wesentliche Rolle spielt. Drängt der Sprössling sich vehement in den Vordergrund, sucht er die Bestätigung der Eltern. Gehen diese seiner Forderung nach, festigt dies die Eltern-Kind-Bindung. Suchen Kinder ständig Aufmerksamkeit, verhalten sie sich biologisch sinnvoll.

Die Vater-Kind-Beziehung © detailblick-foto - Fotolia.com
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Ständige Aufmerksamkeit sichert Kindern das Überleben

Die ungeteilte Zuwendung der Eltern sichert dem Nachwuchs die besten Überlebens-Chancen. In der heutigen Zeit klingt dieser Satz fragwürdig. Die Evolution zeigt jedoch, dass es sich bei der stetigen Forderung nach Beachtung um ein biologisch sinnvolles Verhalten handelt. Noch vor 500 Jahren lag die Kindersterblichkeit bei 30 bis zu 50 Prozent. Dabei überlebten ausschließlich die Sprösslinge, die sich die wichtigsten Ressourcen sicherten.

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Verlangten die Kinder lautstark nach der Zuwendung der Eltern, erhielten sie in der Regel zuerst Nahrung. Des Weiteren kümmerten sich die Eltern in früheren Zeiten intensiver um Sprösslinge, die sich vehement in den Vordergrund drängten. Je mehr Nahrung und Zuwendung die Kleinen erhielten, desto besser zeigten sich ihre Chancen, zu überleben. Daher stellt das Bedürfnis der Kinder nach ständiger Aufmerksamkeit ein natürliches Verhalten dar.

Speziell kleinere Kinder neigen dazu, die Zuwendung ihrer Eltern stärker zu fordern. Vielleicht bemerkst Du, dass Dein Nachwuchs Dir nicht von der Seite weichen möchte. Im Volksmund nennt sich dieses Verhalten „Klammern“. Hierbei versuchen die Kleinen, sich das größtmögliche Maß an Aufmerksamkeit von Mutter und Vater zu sichern. Das Ziel besteht darin, das Wohlergehen durch den Schutz der Eltern zu erlangen. Kinder klammern vorwiegend im zweiten bis fünften Lebensjahr.

 

Kinder empfinden Aufmerksamkeit anders als Erwachsene

Oftmals haben Eltern das Gefühl, sich ihren Sprösslingen ausreichend zuzuwenden. Die Kinder empfinden dies anders. In ihrem Buch „Die fünf Sprachen der Liebe für Kinder: Wie Kinder Liebe ausdrücken und empfangen“ erklären Gary Chapman und Ross Campbell, wie fehlende Beachtung zur beidseitigen Frustration führt.

Sprösslinge, die glauben, zu wenig Aufmerksamkeit zu erhalten, verlangen umso stärker nach der Zuwendung der Eltern. Dabei bemerkst Du beispielsweise, dass:

  • sich Dein Kind absichtlich schlecht benimmt,
  • oftmals lautstark nach Dir ruft,
  • Dir nicht von der Seite zu weichen scheint,
  • auf andere Kinder eifersüchtig reagiert
  • oder Dich von alltäglichen Pflichten abhält.

Diese Verhaltensweisen deuten darauf hin, dass Deine Sprösslinge um Deine Wahrnehmung ringen. In einigen Fällen besitzen Eltern und Kinder unterschiedliche Sichtweisen. Deine Partnerin und Du glauben, dem Nachwuchs ausreichend Zuwendung zu schenken. Jedes Kind verfügt jedoch über individuelle Bedürfnisse. Die Zeit, die Deinem Sohn ausreicht, empfindet Deine Tochter eventuell als zu kurz. Aus diesem Grund verlangt sie vehement nach Deiner Beachtung.

In dem Ratgeber von Chapman und Campbell sprechen die Autoren von einem Teufelskreis. Sucht das Kind ständig nach Aufmerksamkeit, versuchen die Eltern, den Grund dafür zu erörtern. Die Zuwendung, die sie ihrem Nachwuchs schenken, schwindet, da sie sich dem vermeintlichen Problem widmen. Das Kind reagiert auf die fehlende Beachtung ängstlich. Durch lautstarkes Quengeln und Provokationen versucht es, die Aufmerksamkeit der Eltern erneut zu erhalten. Löst sich dieser Kreislauf nicht auf, kommt es zu schwerwiegenden Spannungen in der Familie.

 

Fehlende Zuwendung führt zu Frust

Fühlen sich Kinder nicht ausreichend wahrgenommen, reagieren sie frustriert und ängstlich. Um sich die ungeteilte Beachtung der Eltern zu sichern, benehmen sich die Kleinen absichtlich schlecht. Das Ziel der Sprösslinge besteht darin, die positive Zuwendung, die sie nicht bekommen, durch negative Aufmerksamkeit zu ersetzen. Du bemerkst dieses Verhalten, wenn sich Dein Kind absichtlich über ein Verbot hinwegsetzt. Das aggressive Betragen Deines Sohnes oder Deiner Tochter stellt ebenfalls ein Zeichen für vermeintlich fehlende Zuwendung dar.

Auch untereinander rangeln Kinder um die ständige Aufmerksamkeit der Eltern. Um diese zu bekommen, benimmt sich Dein Nachwuchs absichtlich unangemessen. Beispielsweise wirft er am Tisch mit dem Essen oder ärgert seine Geschwister. Das bewusste Verletzen des Bruders oder der Schwester gehört ebenfalls zu dem Versuch, mehr Beachtung zu erlangen. Im gleichen Fall probieren die Kleinen, durch Lügen die Aufmerksamkeit der Eltern zu erhalten.

Dabei behauptet Dein Sprössling beispielsweise, das Geschwisterchen hätte ihn geschlagen. Deine Sorge um die Wunde befriedigt das Bedürfnis nach Beachtung. Zeitgleich gelingt es dem Kind mit diesem Verhalten, Bruder oder Schwester in ein schlechteres Licht zu rücken. Hierbei handeln die Kleinen nicht aus Böswilligkeit. Stattdessen kompensieren sie ihre Bedürfnisse auf einem falschen Weg. Bemerkst Du, dass Dein Nachwuchs Dich auf diese Weise zu täuschen versucht, reagierst Du nicht mit einer Strafe. Lieber fragst Du das Kind, warum es so handelt.

 

Welche Arten der Aufmerksamkeit gibt es?

Im Alltag brauchen Kinder verschiedene Formen der elterlichen Zuwendung. Hierbei spielt der Körperkontakt zu Mutter und Vater eine wesentliche Rolle. Eine Umarmung oder ein Kuss zeigen Deinem Sprössling Deine Liebe. Viele Kinder reagieren auf die körperliche Art der Beachtung intensiver als auf Geschenke oder ein nettes Wort. Das Co-Sleeping stellt ebenfalls eine Form der Aufmerksamkeit dar.

Durch das gemeinsame Schlafen kommt es zu einer festen Eltern-Kind-Bindung. In manchen Ländern bildet das Co-Sleeping ein natürliches Verhalten im Alltag. Beispielsweise zeigt eine Studie aus dem Jahr 2005, dass dieses mit beiden Eltern bis zum Schulalter verbreitet ist.

Ebenso sucht der Nachwuchs die ungeteilte Aufmerksamkeit von Mutter und Vater durch positive Rückmeldungen. Sie brauchen das Lob als Liebesbeweis und sehnen sich nach Bestätigung. Daher lobst Du Deinen Nachwuchs ausreichend, wenn er eine Aufgabe zu Deiner Zufriedenheit absolviert. Bei einer guten Schulnote stellt ein Kuss eine besondere Form der Anerkennung dar.

 

Für Deine Sprösslinge erhält die Zuwendung der Eltern einen hohen Stellenwert. Daher verlangen einige von ihnen ständige Aufmerksamkeit. Beispielsweise suchen sie die Nähe von Mutter und Vater auch in unpassenden Situationen. Ein schlechtes Benehmen stellt eine Forderung nach Zuwendung dar. Hierbei versuchen Deine Kinder, negative Aufmerksamkeit zu bekommen. Oftmals liegt dies daran, dass ihnen die positive Beachtung der Eltern nicht ausreicht. So manches Kind braucht ständig Aufmerksamkeit. Du erfüllst Deinen Sprösslingen dieses Bedürfnis.

 

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