Flüchtlingskinder verändern die deutsche Schullandschaft

Mohamed spricht schlecht Deutsch – auf der Flucht hat er seine Kindheit verloren, jetzt im Schulunterricht soll er sich wiederfinden und neu anfangen. Kann man Flüchtlingskinder mit normalen Maßstab begegnen? Die Migration von Flüchtlingskindern in die Schulklasse ist für jede Gemeinde eine herausfordernde Aufgabe. Lehrer sowie Schulbehörden sind gefragt. Flüchtlinge aus verschiedenen Ländern in bestehende Klassen zu integrieren, geschieht nicht von heute auf morgen.

Kinder in der Schule
Schulkinder verschiedener Nationalitäten © Monkey Business – Fotolia.com

 

Schwierigkeiten bei der Integration in die Schule

Ungefähr 300.000 Flüchtlingskinder gilt es, neu ins deutsche Schulsystem einzugliedern. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass Dein Nachwuchs neue Ausländer in seine Klasse bekommt. Folgende Probleme bereiten den Schulbehörden und Lehrern Kopfzerbrechen:

  • traumatische Erlebnisse aus ihren Heimatländern,
  • unterschiedlicher Bildungsstand gleicher Altersstufen,
  • fehlende Deutschkenntnisse,

Bundesländer gehen bei der Integration unterschiedlich vor. Prof. Dr. Michael Becker-Mrotzek ist Professor an der Uni Köln und Direktor des „Mercator-Institutes für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache“. Er wirkte bei der Studie „Neu zugewanderte Kinder und Jugendliche im deutschen Schulsystem“ mit (http://www.mercator-institut-sprachfoerderung.de/forschung/schule-und-unterricht/neu-zugewanderte-kinder-und-jugendliche/).

Die Studie ergab fünf Modelle, wie die Integration von Flüchtlingskindern in die Schulklasse geschieht. Sie sind noch nicht ausgewertet. Für Prof. Dr. Michael Becker-Mrotzek ist die submersive Version nicht tragbar. Die Kinder in die Regelklasse zu stecken, ohne zusätzliche Förderung und Deutschunterricht führt zu einem negativen Ergebnis. Bei den anderen Modellen hängt der Erfolg von der Altersgruppe ab. Grundschülern fällt es leicht, bei zusätzlichem Deutschunterricht in einer Regelklasse mitzukommen. Von allen Seiten ist Geduld und Verständnis gefragt.

 

Bei jüngeren Kindern gelingt die Integration leichter

Der Vorteil einer sofortigen Eingliederung in die Stammklasse ist der enge Kontakt mit den deutschen Kindern. Er erleichtert das Einleben von Flüchtlingskindern in Schulklassen. Grundschulkinder sind unvoreingenommener. Sie kommunizieren auch ohne Sprache. Bei Teenies und Jugendlichen gestaltet sich die Integration schwieriger. Sie sind weniger offen und flexibel sowie teilweise mit großen Vorurteilen belastet.

Du hast einen Einfluss darauf, wie gut das Zusammenleben gelingt. Sprich mit Deinen Kindern über ihre ausländischen Schulkameraden und versuche, in ihnen Verständnis für deren Umfeld zu wecken. Bei Kindern im Teenager-Alter gestaltet sich dies schwieriger. Die Identitäts-Probleme der Phase des Erwachsenwerdens verkomplizieren die Situation für die ausländischen und deutschen Jugendlichen. Die unterschiedlichen Level der Alphabetisierung behindern die erfolgreiche Integration von Flüchtlingskindern in Schulklassen. Einige sprechen gut Deutsch, sind aber des Lesens und Schreibens unkundig. Andere erlernten diese Fähigkeiten. Sie beginnen in der neuen Sprache jedoch bei null. Wenige Schulen sind in der Lage, für jedes Level eine eigene Klasse einzurichten. Geduld vonseiten der Lehrer und Mitschüler hilft den Migranten, sich besser zurechtzufinden.

Mindeststandards für den Unterricht von eingewanderten Kindern

In der Studie empfiehlt Prof. Dr. Michael Becker-Mrotzek Mindest-Standards. Eine Klassengröße von 15 bis 20 Kindern und mehr als die Hälfte der Stunden Deutschunterricht in einer parallel geführten Klasse erachtet er als ideal. Flüchtlingskinder in Schulklassen sind nach zwei Jahren ganz in die Regelklassen zu integrieren. Da sich Lehrer mit den Traumen der Kinder mit Migrations-Hintergrund überfordert fühlen, brauchen sie die Unterstützung von Fachleuten. Nur so gelingt eine reibunglose Integration.

 

Anfangs-Schwierigkeiten überwinden und den Zusammenhalt fördern

Die Lehrerin Ulrike Lindzius aus Dortmund koordiniert die Auffangklassen an einer Hauptschule. Sie setzt sich für eine intensive Betreuung der neu angekommenen Flüchtlinge ein. Ihre Beobachtungen zeigen eine große Lernmotivation von ausländischen Kindern. Sie sind bestrebt, schnell Deutsch zu lernen und sich in das System zu integrieren.

Der kulturelle Hintergrund der Flüchtlinge führt vor allem in der Anfangs-Phase zu Spannungen bei Flüchtlingskindern in Schulklassen. Vor allem die unterschiedliche Art, sich zu kleiden, sorgt für Diskussionen. Sie verschwinden nach und nach, wenn sich die Schüler besser kennen. Die Integration in die Regelklassen funktioniert dank internationalen Schülern, die selbst in der Auffangsklasse begannen. Sie helfen den neu Übertretenden mit Übersetzungen und ermutigen sie.

Der gemeinsame Sportunterricht von Regel- und Auffangschülern hilft, sprachliche und kulturelle Barrieren auf spielerische Weise abzubauen und die natürliche Annäherung zu fördern. An anderen Orten beobachten Fachleute die Segregation. Deutsche Eltern meiden stark durchmischte Klassen und melden ihre Kinder in überwiegend deutschen Schulen an. Viele Migranten wohnen mit anderen Zugezogenen in demselben Gebiet. Deshalb besuchen Sie die gleiche Schule. Achte darauf, was Deine Kinder erzählen und trage Deinen Teil dazu bei, mit Ratschlägen das gegenseitige Verständnis zu fördern.

 

Die Eingliederung von Migrationskindern bleibt herausfordernd

Auffang- und parallel geführte Klassen tragen zur Integration von Flüchtlingskindern in Schulklassen bei. Trotzdem ist noch viel Verbesserungs-Potenzial vorhanden. Lehrer brauchen Unterstützung und Schulung. Kinder ohne Vorurteile sind für eine erfolgreiche Eingliederung mitverantwortlich.

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