Wie wird bei Kindern Blut abgenommen?

Für viele Eltern ist es die absolute Horrorvorstellung: Sie müssen mit Sohn oder Tochter zum Arzt, um dort eine Blutprobe abzugeben. Nicht selten sind die Eltern mindestens so nervös wie die Kinder und übertragen damit unbewusst ihre Angst.

Wie wird bei Kindern Blut abgenommen? Wie kannst Du Dich und Dein Kind darauf vorbereiten? Wer sich mit diesen Fragen beschäftigt, geht gut vorbereitet und damit gleich entspannter zum Kinderarzt.

Wie wird bei Kindern Blut abgenommen
Kindern Blut abgenommen? Copyright: Kalinovskiy bigstockphoto

Das Wichtigste zur Blutabnahme bei Kindern im Überblick

  •  Blutentnahme ist vergleichbar mit der bei Erwachsenen
  •  kindgerechte Aufklärung vorab dämmt die Angst
  •  Lügen wie „Es tut gar nicht weh“ können fürs Leben prägen
  •  Ablenkung bei der Entnahme hilft ängstlichen Kindern
  •  für starke Angstpatienten gibt es Pflaster mit lokaler Betäubung

Die Blutentnahme bei Kindern aus medizinischer Sicht

Damit Du mit den Abläufen vertraut bist und Deinem Nachwuchs auch kindgerecht erklären kannst, was beim Termin auf ihn zukommt, betrachten wir die Blutentnahme einmal ganz sachlich:

Die Frage, wie wird bei Kindern Blut abgenommen, beantwortet sich ähnlich wie bei Erwachsenen: Es wird zunächst eine Oberflächen-Vene gesucht, die gut durchblutet ist und sich daher für die Entnahme eignet. Das medizinische Personal vor Ort hat mit den Jahren oft einen guten Blick dafür entwickelt und findet meist zielsicher die passende Vene.

Bei Neugeborenen wird gern eine Vene an der Ferse und bei Kleinkindern eine Vene an der Stirn benutzt. Ab dem circa dritten Lebensjahr – bei manchen auch deutlich früher – kann eine Vene in der Ellenbeuge geeignet sein. Muss beispielsweise bei einem Krankenhausaufenthalt ein Zugang für längere Zeit bestehen, wird dieser auch über den Handrücken gelegt.

Antworten zum Thema Blut abnehmen bei Kindern:

Quelle/Verweis zu grossesblutbild.de

Die Blutentnahme aus dem Arm ist für viele Eltern am wenigsten unheimlich, da sie diese Form von eigenen Arztbesuchen kennen. Das genaue Gegenteil ist die Entnahme an der Stirn. Sie sieht für Eltern schrecklich aus. Manche bekommen selbst regelrechte Panik, wenn die Kanüle am Kopf ihres Kindes angesetzt wird.

Aus rein medizinischer Sicht ist jedoch auch die Entnahme aus dem Kopfbereich nicht gefährlicher oder schmerzhafter.

Fakt ist sogar, dass durch weniger Nervenzellen eine Blutentnahme an der Stirn schmerzfreier sein kann.

Wie wird bei Kindern Blut abgenommen: Schritt für Schritt

Unabhängig von der gewählten Vene erfolgt das Entnehmen einer Blutprobe nach einem festen Vorgehensmuster:

1. Der kleine Patient sitzt oder liegt bei der Entnahme. Kinder dürfen in der Regel zur Beruhigung auf den Schoß eines Elternteils gesetzt werden. Lenke Dein Kind beim Einstich ab und lass es nur zusehen wenn es unbedingt möchte.

2. Damit ein guter Blutfluss gewährleistet ist, wird oberhalb der Einstichstelle mit einem sogenannten Stauschlauch gearbeitet. Er wird beispielsweise um den Oberarm gelegt, angezogen und so eine leichte Stauung des Blutes unterhalb des Schlauches erzielt.

3. Vor dem eigentlichen Einstich wird die Haut rundherum desinfiziert. Ein Sprühstoß mit einem handelsüblichen Desinfektionsmittel genügt. Nach wenigen Augenblicken ist die Stelle vorbereitet.

4. Der Einstich der Nadel erfolgt in einem 30-Grad-Winkel und lässt das Blut sofort in das angefügte Röhrchen laufen. Über einen einfachen Klick-Mechanismus kann auch ein Röhrchen gegen das nächste ausgetauscht werden, ohne dass die Nadel im Arm bewegt wird. So können mehrere Proben für verschiedene Analysen mit nur einer Blutentnahme abgefüllt werden.

5. Die Nadel wird entfernt, während gleichzeitig ein steriler Tupfer auf die frische Einstichstelle gedrückt wird. Bei gesunden Menschen mit normaler Blutgerinnung dauert es wenige Minuten, bis ein Pflaster genügt und der Heimweg angetreten werden darf.

Was erwartet das Kind im Arztzimmer?

Es ist für Dein Kind sehr hilfreich, wenn es vorab weiß, welche Instrumente und Dinge es sehen wird. Manche Kinder fragen vor Ort, was das alles ist und werden schnell entspannter, wenn Du ihnen mit ruhiger Stimme erklären kannst, was sie alles vor sich sehen.

Folgende Dinge gehören zur Blutentnahme dazu:

  •  Patientenliege oder Patientenstuhl
  •  ein Stauschlauch
  •  Desinfektionsmittel
  •  Handschuhe
  •  Tupfer
  •  Nadeln (oft mehrere in verschiedenen Größen; ausgewählt wird eine)
  •  Blutröhrchen (bereits beschriftet mit Patientendaten)
  •  Pflaster

All diese Dinge liegen meist auf einer Anrichte oder werden vom Praxispersonal in einer kleinen Box ins Zimmer gebracht.

Sprich mit Deinem Kind vor der Blutentnahme

Viele Kinder haben Angst vor dem Arzttermin, denn sie fürchten sich vor Schmerzen, den vielen Fremden in weißen Kitteln und haben nicht selten den Gedanken, sie werden von den Eltern getrennt und müssen etwa über Nacht alleine bleiben.

Um Deinem Kind die Ängste etwas zu nehmen, solltest Du offen und ehrlich mit ihm reden. Oft begehen Eltern den Fehler und ersinnen kleine Notlügen. Doch Aussagen wie „Es tut gar nicht weh“ und dann schmerzt es doch, können einem Kind das Vertrauen nehmen. Manche Erwachsenenängste – etwa beim Zahnarztbesuch – lassen sich auf derartige Erlebnisse in der Kindheit zurückführen.

„Erkläre kindgerecht aber ehrlich, was passieren wird: ein kleine Stich in die Haut“

Wie wird bei Kindern Blut abgenommen: Tipps für den Tag des Termins

Damit die Blutabnahme ruhiger ablaufen kann, denke an folgende Dinge:

  1.  Da eine Unruhe der Eltern sich auf Kinder überträgt, sollte das Elternteil mit zum Arzt gehen, das selbst weniger Angst vor dem Termin hat.
  2.  Spielen im Wartezimmer ist ideal, um den Nachwuchs abzulenken.
  3.  Im Arztzimmer sollten ängstliche Kinder auf dem Schoß der Eltern sitzen.
  4.  Während des Einstichs sollte dem Kind etwas Spannendes gezeigt werden, damit es bewusst wegschauen kann.
  5.  Viele Kinder verlieren die Angst, wenn sie aktiv werden können. Fragen wie „Welches Pflaster möchtest Du?“ geben dem Kind das Gefühl, etwas selbst zu bestimmen und damit nicht hilflos zu sein.

Wie wird bei Kindern Blut abgenommen, wenn die Angst zu groß ist?

Lassen sich Kinder mit Erklärungen, viel Geduld und der Aussicht auf ein Eis oder einen Schwimmbadbesuch nicht beruhigen, lohnt sich der Versuch, ein sogenanntes EMLA-Pflaster zu kaufen.

Diese Spezialpflaster gibt es in der Apotheke und sie werden von den Eltern vor dem Arztbesuch auf die Stelle geklebt, an der später das Blut entnommen werden soll. Daher muss vorab mit dem Arzt geklärt werden, welche Einstichstelle genutzt werden soll.

Im Pflaster befindet sich ein sanftes Anästhetikum, das für eine lokale Betäubung der Haut im Pflasterbereich sorgt. Circa 60 Minuten vorab ist das Aufbringen sinnvoll, um die gesamte Wirkung zu entfalten. Wird das Pflaster anschließend beim Arzt abgenommen und der Einstich erfolgt, spürt der kleine Patient tatsächlich nicht einmal einen Picks.

Viel Kinder begegnen künftigen Blutentnahmen deutlich gelassener, wenn sie einmal erlebt haben, dass keinerlei Schmerzen mit dem Termin verbunden sind.

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