Das Positives Selbstkonzept als zentrale Entwicklungsaufgabe beim Kind

positives SelbstkonzeptDas Selbstkonzept von Kindern kann durch erwachsene Bezugspersonen erheblich beeinflusst werden. Die Botschaften, welche Erwachsene bezogen auf den Wert des Kindes aussenden, haben verschiedene Auswirkungen auf die Selbstverwirklichung des kleinen Menschen.

So sind Kinder noch nicht in der Lage, ihr Selbst komplett aus den eigenen Ressourcen zu definieren, sondern benötigen dazu die Unterstützung von Erwachsenen. Damit stehen Erziehende vor einer sehr wichtigen Aufgabe: Sie müssen ein positives Selbstkonzept eines Kindes gezielt fördern und schützen.

positives Selbstkonzept
Ein positives Selbstkonzept entwickeln, Copyright: Aaron Amat bigstockphoto

  • Als wichtigste Vertreter der Selbstkonzepttheorie gelten Richard J. Shavelson und Herbert Marsh.
  • Identität und Selbstkonzept sind nicht dasselbe, während das Erste etwas Greifbares und Tatsächliches ist, kann Zweites von der Realität abweichen.
  • Das Selbstkonzept von Kindern beziehungsweise dessen Manifestierung ist eine zentrale Entwicklungsaufgabe.
  • Kinder können ein positives Selbstkonzept entwickeln, wenn sie Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten haben.
  • Erfolge, Misserfolge und die Reaktion der Erwachsenen darauf, sind ein wichtiger Indikator für das Selbstkonzept von Kindern.

Was versteht man unter dem Selbstkonzept von Kindern?

Als Selbstkonzept bezeichnet man das Wissen über die eigene Person. Dieses erstreckt sich über verschiedene Lebensbereiche, etwa die persönliche Leistungsfähigkeit, die soziale Kompetenz oder auch das äußerliche Erscheinungsbild.

Was bedeutet das Wort Selbstkonzept:  synonym zu Selbst, Selbstwertgefühl, (engl. „self“, „self-esteem“, „self-concept“)

Das Selbstkonzept ist eng mit den Begriffen Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl verwandt, diese werden oftmals synonym verwendet. Auch Selbstbild oder Selbstschemata sind ähnliche Ausdrucksweisen.

Jeder Mensch konstruiert sich ein Bild über sich selbst. Wie dieses genau aussieht, ist natürlich sehr individuell. Grob lässt sich das Selbstkonzept aber in zwei Anteile unterscheiden: die beschreibenden Kognitionen eines Menschen über sich selbst und die anschließende Bewertung dieser Kognitionen, woraus sich dann das Selbstwertgefühl ergibt.

Das Selbstkonzept von Kindern setzt sich vorrangig aus der Verhaltensspiegelung der Erwachsenen und den im Artikel folgenden Grunderfahrungen zusammen.

Wie können Kinder ein positives Selbstkonzept entwickeln?

Das Selbstkonzept übt in vielerlei Hinsicht Einfluss auf das Verhalten des Kindes aus. Ein Kind mit einem positiven Selbstkonzept vertraut seinen Fähigkeiten und kann zuversichtlicher und selbstbewusster mit Herausforderungen und neuen Erfahrungen umgehen. Mit diesen vier Tipps kannst du das Selbstkonzept von Kindern positiv fördern.

1. Die Liebe nicht an Bedingungen knüpfen

Die elterliche Liebe muss bedingungslos sein. Das ist enorm wichtig, für die Entstehung des sogenannten Urvertrauens. Ein Kind, welches die Erfahrung macht, dass es um seiner selbst geliebt wird, ohne dafür irgendwelche Bedingungen zu erfüllen, hat einen guten Start ins Leben.

Ungeschuldete Liebe findet meist nur im Eltern-Kind-Kontext statt und ist für ein positives Selbstkonzept von Kindern essenziell. Als unverhandelbar gelten auch Sicherheit, Geborgenheit und die Wärme der Eltern ihrem Kind gegenüber. Ganz gleich, was passiert, ein Kind sollte immer das Gefühl haben, in seinem „Nest“ gut aufgehoben zu sein.

Damit das Kind sich seiner Existenzerfahrung bewusst wird, müssen bestimmte Grundvoraussetzungen bedingungslos erfüllt sein. Dazu gehört auch die Liebe der Eltern. So begreift sich das Kind als eine existierende Person und als „Ich“, was ein elementarer Punkt beim Selbstkonzept von Kindern ist.

Grunderfahrung: „Ich werde geliebt.“

2. Differenzierte Rückmeldungen geben

Dem Kind sollte so viel, wie möglich Feedback über seine Handlungen und Fähigkeiten gegeben werden. Lob und Bestärkung haben einen direkten Einfluss auf die Selbstwahrnehmung und damit auch auf das Selbstkonzept von Kindern.

Es lernt dadurch, dass es gut ist und Vertrauen in sich selbst haben kann. So wird es bei Unsicherheiten und Schwierigkeiten nicht gleich resignieren, sondern sich selbst zutrauen, eine Lösung zu finden.

Statt einer pauschalen Aussage, wie „Das hast du gut gemacht“, solltest du die Rückmeldung differenzierter gestalten. Was genau hat das Kind gut gemacht? Was musste es für Anstrengungen unternehmen, um das Ergebnis zu schaffen?

Nicht nur das Resultat zählt, auch der Weg dahin. Nur so können Kinder ein positives Selbstkonzept entwickeln. Lobe das Kind aber auch nur dann, wenn es dafür wirklich einen Anlass gibt.

Zu viel Lob und für jede Kleinigkeit führt irgendwann dazu, dass deine Wertschätzung nicht mehr ernst genommen wird.

Grunderfahrung: „Ich kann etwas gut und bekomme dafür Anerkennung.“

Selbstkonzept von Kindern
Indikator für das Selbstkonzept von Kindern. Copyright: diego cervo bigstockphoto

3. Abwertungen im Alltag vermeiden

Genauso, wie du positives Verhalten stärkst, ist es wichtig negative Verhaltensweisen zu „schwächen“. Kinder brauchen Regeln und müssen lernen, ihre negativen Emotionen in den Griff zu bekommen.

Andernfalls werden sie im späteren Leben und in der Gesellschaft massive Probleme bekommen. Aber auch hier kommt es auf die Art und Weise an. Kritik ist in Ordnung, solange sie nicht übermäßig negativ formuliert ist.

Sätze, wie:

  •  „Stelle dich nicht immer so doof an“,
  •  „Kannst du einmal etwas ordentlich machen“,
  •  „Das ist doch nicht so schwer“ und
  •  „Jetzt reiß dich mal zusammen“

sind verletzend und prägen sich tief in das Gedächtnis des Kindes ein. Solche seelischen Erschütterungen in der Kindheit können sich bis ins Erwachsenenalter auswirken.

Auch der permanente Vergleich mit anderen Kindern oder die grausame Methode des Liebesentzugs wirken sich negativ auf das Selbstkonzept von Kindern aus.

Stattdessen solltest du dem Kind erst eine positive Rückmeldung darüber geben, was es in der Situation richtig und gut gemacht hat. Anschließend unterbreitest du ihm einen Verbesserungsvorschlag für das unerwünschte Verhalten.

Es ist immer besser, mit positiver Verstärkung als mit Bestrafung und Tadel zu arbeiten.

Für ein positives Selbstkonzept ist es wichtig, nicht die ganze Person, sondern nur ein bestimmtes Verhalten zu kritisieren. Das schaffst du, indem du dem Kind trotzdem das Gefühl gibst, dass es etwas richtig gemacht hat.

Grunderfahrung: „Ich mache Fehler, aber deshalb bin ich nicht schlecht.“

Selbstkonzept
Sich selber sehen – Copyright: digitalista bigstockphoto

4. Ethische Grundsätze als Orientierungspunkt

Eine wichtige Erziehungsaufgabe ist es, dem Kind Normen und Werte zu vermitteln, an denen es sich orientieren kann. Diese helfen ihm dabei, sich jetzt und vor allem später in der Welt zurechtzufinden.

Wir alle benötigen bei den ganzen Irrungen und Wirrungen im Leben, einen Anker und manchmal auch eine Anleitung. Außerdem sind Regeln und Normen maßgeblich an der Gewissensbildung beteiligt, was natürlich auch zu einem positiven Selbstkonzept von Kindern beiträgt.

Sie können dabei unterstützt werden, indem man ihre moralischen Fähigkeiten schult. Das heißt, Recht von Unrecht unterscheiden können und daraufhin ein moralisches Urteil fällen. Eine beliebte Übung ist es beispielsweise das Kind vor ein moralisches Dilemma zu stellen und gemeinsam mit ihm eine Lösung zu erörtern.

Grunderfahrung: „Ich kenne Normen und Werte, die mir Orientierung bieten“.

Qualitätssicherung Karoline Sproitz, Psychologin

Quellenangaben und Literatur:

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