Wie spreche ich mit meinem Kind?

„Papa, schau mein tolles Auto an! Habe ich selbst gemacht!“ Stolz ruft mein Sohn Timon diese Worte aus dem Zimmer zu mir in die Stube. Da die Sendung im Fernsehen gerade so spannend ist, rufe ich schnell zurück: „Toll gemacht, Großer!“. Erst später reflektiere ich über die Art, wie ich seine Arbeit würdigte. Was kostet es, kurz ins Zimmer zu gehen und das Kunstwerk anzuschauen? Wieso ging ich nicht zu ihm und schaute ihm während des Kompliments in die Augen?

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Besprichst Du dein Kind – oder sprichst Du mit ihm? © Halfpoint – Fotolia.com

Kommunikative Interaktion zwischen Babys und Eltern

Eltern sind sich oft nicht bewusst, wie wichtig ihre sprachliche Interaktion mit dem Kleinkind ist. Studien belegen es: Kinder von Eltern, die den Sprechversuchen ihrer Töchter und Söhne viel Beachtung schenken, motivieren sie zum Lernen. Sie sprechen früher und erweitern ihren Wortschatz und ihre Kompetenz in der Satz-Konstruktion schneller als andere Kinder. Wichtig ist das direkte Gespräch mit Augenkontakt. Babys lernen durch Imitation und durch Gesten sowie Mimik die Bedeutung von Worten Schritt für Schritt kennen. Durch sorgfältige Kommunikation unterstützt Du die Lernfortschritte und bringst Deinem Nachwuchs Wertschätzung entgegen.

 

Mit Kindern direkt sprechen, fördert ihre Entwicklung

Kinder ab einem gewissen Alter verstehen Sprache ohne Mimik. Das heißt nicht, dass unterstützender Augenkontakt oder Bewegungen unnötig sind. Ihre Sprachkompetenz entwickelt sich besser, je mehr Familien-Angehörige ihr Wort direkt an sie richten. Vor allem im Babyalter sind Gesten und Mimik wichtiger als Worte und helfen, die Botschaft zu überbringen.

Die Studie „Meaningful Differences in the Everyday Experience of Young American Children“ untersuchte über drei Jahre lang 42 amerikanische Familien aus unterschiedlichen sozialen Schichten. Die Forscher unter der Leitung von Todd Risley und Betty Hart filmten die Familien täglich eine Stunde lang. Sie zählten, wie viele Wörter Babys pro Tag hörten. Der Durchschnitt betrug 1.500 Wörter in der Stunde. Kinder aus Akademiker-Haushalten hörten 2.100 Wörtern. In anderen Familien betrug die Anzahl 600.

Nach drei Jahren stellten die Forscher große Unterschiede fest: Der Akademiker-Nachwuchs verfügte über einen höheren IQ und sprach besser als die Kinder der Familien unterer sozialer Schichten. Detailliertere Untersuchungen zeigten, dass nicht die Menge der Wörter den Unterschied macht. In den Familien, welche sich mit den Sätzen direkt an das Kind wandte, fiel die Entwicklung positiver aus. Diese sprachen nicht in einsilbigen Konstrukten oder nur in Imperativs. Sie unterhielten sich im Babyalter mit dem Sohn oder der Tochter über diverse Themen über einfache Dialog-Konstrukte. Ein weiteres Ergebnis zeigt, dass positive Verstärkung die Entwicklung günstig beeinflusst.

 

Zuhören und Reaktion auf Sprechversuche beeinflussen die Sprach-Entwicklung maßgeblich

Der Wissenschafts-Journalist Po Bronson geht in seinem Buch „Zehn schockierende Wahrheiten über Erziehung“ auf die Ergebnisse der Studie ein. Er erwähnt, dass nicht alle Mechanismen zur Unterstützung des kindlichen Sprach-Erwerbs auf den Worten der Eltern beruhen. Schaffen sie es, im richtigen Augenblick gut zuzuhören, wirkt sich das fördernd auf die Sprach-Entwicklung aus. Dies zeigt eine im Jahr 2001 veröffentliche Langzeitstudie der Sprachforscherin Catherine Tamis-LeMonda.

Der Vergleich zwischen zwei Mädchen ist modellhaft für die Unterschiede: Beim einen Baby reagierte die Mutter auf 85 Prozent der Sprechversuche. Im Alter von eineinhalb Jahren kannte es 150 Wörter und sprach mit 20 Monaten in ganzen Sätzen. Die Mutter des zweiten Kindes reagierte auf die Hälfte der Versuche ihrer Tochter. Sie kannte mit 18 Monaten acht Wörter und sprach sechzig Tage später in Zwei-Wort-Sätzen. Das erste Mädchen erkannte, dass es mit Lauten Aufmerksamkeit erregt. Es war motiviert und erreichte einen großen Lernfortschritt.

Die Studie hat große Bedeutung für den Alltag mit Deinen Kindern. Versuche nicht, ihnen vorzuschreiben, was sie zu lernen haben. Dies geschieht vor allem durch eigene Motivation. Du könntest darauf achten, wofür sie sich interessieren und darauf einsteigen. Damit förderst Du den Lernfortschritt am effektivsten. Sie verstehen die Namen der Dinge schneller, wenn ihr Kommunikations-Partner mit einer einfachen Konversation darauf eingeht.

 

Kleinkinder lernen über die Mimik verstehen

Je größer die Kinder sind, desto besser verstehen sie Worte. Trotzdem hilft es, wenn Väter und Mütter ihre Sätze direkt an die Kinder richten und nicht über Entfernungen ohne Augenkontakt kommunizieren. Eine persönliche, wertschätzende und aussagekräftige Sprache fördert ihre Entwicklung. Babys ahmen die Bewegungen Deines Mundes nach. Sie imitieren und lernen, später Laute zu bilden. In Zusammenhang mit der Mimik entsteht Schritt für Schritt ein Konzept für die Bedeutung der einzelnen Worte und Ausdrücke.

Vielleicht hast Du an Dir beobachtet, dass Du automatisch in einem Abstand zum Baby bist, der ihm das Beobachten erleichtert. Später macht sich eine Bequemlichkeit breit und Du kommunizierst öfters auf Distanz. Dabei bekommt es nur Worte und ihren Tonfall mit. Die Mimik ist ein wichtiger Teil der Botschaft, der auf Distanz verloren geht. Zeige Deinem Kind Wertschätzung, indem Du oft mit ihm auf Augenhöhe kommunizierst. Du sorgst dafür, dass es die ganze Botschaft mit allen nonverbalen Komponenten versteht.

 

Wertschätzung in der Kommunikation vermitteln

Vergiss nicht, beim Zuhören Deine Aufmerksamkeit auf seine Aussage zu richten. Dein Sohn oder Deine Tochter fühlt sich ernst genommen und ist in der Lage, sich besser auszudrücken. Gehst Du Deinem Kind als gutes Beispiel voran, lernt es, Dich beim Sprechen anzusehen. Es widmet Dir seine ganze Aufmerksamkeit im Gespräch. Im Zeitalter der Smartphones ist es umso wichtiger, den Nachwuchs diese essenzielle Eigenschaft zu lehren. Wie schnell gewöhnt es sich als Teenie an, während eines Gesprächs gleichzeitig mit Freunden zu chatten. Sei konsequent in der Erziehungs-Methode.

Sprich mit deinem Kind nicht nur über die Worte. Benutze Deinen Körper und Deine Augen. Kommuniziere mit den Händen und variiere die Stimmlage. Je mehr Facetten eine Nachricht enthält, desto genauer kommt sie bei ihm an. Investiere Zeit in die Interaktion mit Deinem Nachwuchs. Es scheint banal, einfache Gespräche zu führen, die er mit Lauten beantwortet. Sei Dir der positiven Entwicklung bewusst. Eine intensive Kommunikation im Babyalter beeinflusst die spätere Schulzeit und macht es ihm leichter, im Lernprozess erfolgreich zu sein.

 

weiterführend:

http://geborgen-wachsen.de/2016/02/19/9189/

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