Alle Kinderimpfungen in der Übersicht

Impfratgeber Babys & Kinder:

Welche Kinderimpfungen sind sinnvoll?

Windpocken, Masern, Mumps: Bei den regelmäßig stattfindenden Untersuchungen Ihres Kindes wird Sie Ihr Kinderarzt auf die aktuellen Empfehlungen zu Kinderimpfungen hinweisen.

Immer wieder melden sich Impfgegner in Presse und Fernsehen lautstark zu Wort. Vielleicht haben die auch Sie verunsichert. Wie soll man sich verhalten? In Deutschland besteht keine Impfpflicht, sodass Sie es mit den Kinderimpfungen halten dürfen, wie Sie möchten und es für richtig ansehen. Diese Entscheidung können wir Ihnen nicht abnehmen.

Aus medizinischer Sicht ist es jedenfalls dringend zu empfehlen, Ihre Sprösslinge impfen zu lassen. Die angeblichen Risiken einer Impfung stehen in keinerlei Verhältnis zum nachweisbaren gesundheitlichen Nutzen.

Kinderimpfungen im Überblick Kind bei einer Impfung beim Arzt

Kind bei einer Impfung beim Arzt Copyright Rido81, bigstockphoto

 

 

Kinderimpfungen – Die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission

In Deutschland gibt es seit 1972 die Ständige Impfkommission STIKO. Früher eine Einrichtung des Bundesgesundheitsamtes ist die STIKO heute beim Robert-Koch-Institut (RKI) beheimatet. Das RKI ist die zentrale Einrichtung des Bundes für die Erkennung, Prävention und Bekämpfung von Krankheiten. In erster Linie geht es dabei um Infektionserkrankungen, deren epidemische Verbreitung verhindert werden soll. So entwickelt die STIKO jährlich neue Empfehlungen für die vorzunehmenden Impfungen. Dazu gehören insbesondere die Pläne der Kinderimpfungen für Babys, Kinder und Jugendliche, aber auch Indikations- und Reiseimpfungen. Diese sind von den gesetzlichen Krankenversicherungen in den Katalog der Pflichtleistungen aufzunehmen.

Aufgabe der STIKO ist es, die aktuellsten wissenschaftlichen Erkenntnisse in die Empfehlungen für Kinderimpfungen und andere Impfmaßnahmen einfließen zu lassen. Dabei ist das Wohl der geimpften Personen wie auch das der Gemeinschaft zu berücksichtigen.

Für Impfskeptiker sei angemerkt, dass sich die SITKO wie das gesamte Robert-Koch-Institut ausschließlich aus Bundesmitteln finanziert und keine kommerziellen Interessen vertritt.

 

Gegen welche Erkrankungen werden Kinderimpfungen empfohlen?

  • Tetanus (Wundstarrkrampf). Schon bei kleinen Verletzungen kann Clostridium tetani in die Wunde eindringen. Das Gift der Bakterien löst schmerzhafte und lebensbedrohliche Muskelkrämpfe aus. Der Tod erfolgt durch Atemlähmung und Ersticken.

  • Diptherie ruft Corynebacterium diphtheriae hervor. In Mund- und Rachenraum führen extreme Schwellungen von Schleimhäuten und Lymphknoten zu Erstickungsanfällen. Zudem schädigen sie Herz, Leber und Nieren.

  • Keuchhusten (Pertussis). Das hochansteckende Bakterium Bordetella pertussis führt zu wochen- und monatelangen schweren Hustenattacken. Bei Kleinkindern kommt es dadurch zu lebensbedrohlichen Atemstillständen.

  • Hib (Haemophilus influenzae Typ b) verteilt sich über die Blutbahn im Körper. Neben dem Kehlkopf (Epiglottitis) können sich die Hirnhäute entzünden (Mengitis). Folge sind Erstickungsanfälle und geistige Behinderung bis hin zu Todesfällen.

  • Kinderlähmung (Poliomyelitis, Polio) übertragen Polioviren. Bei einer Infektion des Rückenmarks treten lebenslange Lähmungserscheinungen und Deformationen auf. Lähmungen der Atemmuskulatur verlaufen tödlich.

  • Hepatitis B, verursacht durch das Hepatitis B-Virus, ruft akute und chronische Leberentzündungen hervor. Diese erhöhten das Risiko von Leberkrebs und Leberzirrhose.

  • Pneumokokken finden sich vorwiegend im Hals-Nasen-Rachen-Raum. Sie führen zu Entzündungen der Lunge (Pneumonie) und der Hirnhäute (Meningitiden), bei Eindringen in den Blutkreislauf zu Blutvergiftung (Sepsis).

  • Rotaviren verursachen Erbrechen und Durchfälle mit Fieber und starken Bauchschmerzen. Der hohe Flüssigkeitsverlust ist vor allem für Babys und geschwächte Kinder lebensbedrohlich.

  • Meningokokken C, hervorgerufen durch Neisseria meningitidis, besiedelt normalerweise Nase und Rachen. In seltenen Fällen gelangen die Bakterien in den Blutkreislauf und verursachen Hirnhautentzündung (Meningitis) und Blutvergiftung (Sepsis).

  • Masern gelten als typische Kinderkrankheit, treten aber auch bei Erwachsenen auf. Nach anfänglich grippeähnlichen Symptomen tritt der typische Hautausschlag mit Fieber auf. Komplikationen sind Entzündungen von Gehirn und Hirnhäuten (Meningoencephalitis) und Lungenentzündungen (Pneumonie).

  • Mumps infiziert ebenso wie die Masern auch Erwachsene. Die Viren lösen schmerzhafte Entzündungen der Speicheldrüsen aus, vor allem der Ohrspeicheldrüse (Glandula parotis). Deren Anschwellen führt zu den typischen „Hamsterbacken“. Neben einigen anderen Entzündungen sind vor allem Hodenentzündungen (Orchitis) gefürchtet, die zu Unfruchtbarkeit führen.

  • Röteln äußern sich in einem roten, fleckigen Hautausschlag. Besonders gefährlich sind die Viren, wenn sie Frauen in der Schwangerschaft und ihre ungeborenen Kinder befallen. Bei letzteren kommt es dadurch zu Missbildungen.

  • Varizellen oder Windpocken führen zu Fieber und stark juckendem Hautausschlag mit Pusteln und wassergefüllten Bläschen, der sich über den ganzen Körper ausdehnt. Bei Erwachsenen treten als Komplikationen Entzündungen von Hirn und Hirnhäuten (Meningoencephalitis), Lunge (Pneumonie) und Leber (Hepatitis) auf.

 

Kinderimpfungen: Der aktuelle Impfkalender für Babys, Kinder und Jugendliche

In der nachfolgenden Tabelle sind die aktuellen Impfempfehlungen der STIKO vom 24. August 2017 aufgelistet. Der behandelnde Arzt sollte die erforderliche Grundimmunisierung zeitgerecht beginnen und abschließen. Danach stellen regelmäßige Auffrischungsimpfungen sicher, dass ein lebenslanger Impfschutz erhalten bleibt. Der Kinderarzt überprüft den Impfschutz im Rahmen der regelmäßig stattfindenden Routineuntersuchungen.

Impfung

Alter in Wochen

Alter in Monaten

Alter in Jahren

 

6

2

3

4

11-14

15-23

2-4

5-6

9-14

15-17

Tetanus

 

1. GI

2. GI

3. GI

4. GI

NI

NI

1. AI

2. AI

Diphtherie

 

1. GI

2. GI

3. GI

4. GI

NI

NI

1. AI

2. AI

Keuchhusten

 

1. GI

2. GI

3. GI

4. GI

NI

NI

1. AI

2. AI

Hib (Haemophilus influenzae Typ b)

 

1. GI

2. GI

3. GI

4. GI

NI

NI

   

Kinderlähmung

 

1. GI

2. GI

3. GI

4. GI

NI

NI

1. AI

ggfs. NI

Hepatitis B

 

1. GI

2. GI

3. GI

4. GI

NI

NI

NI

Pneumokokken

 

1. GI

 

2. GI

3. GI

NI

    

Rotaviren

1. GI

2. GI

3. GI

      

Meningokokken C

    

1. GI (ab 12 Monaten)

NI

Masern

    

1. GI

2. GI

NI

Mumps, Röteln

    

1. GI

2. GI

NI

Windpocken

    

1. GI

2. GI

NI

(GI: Grundimpfung; NI: Nachholimpfung; AI: Auffrischungsimpfung)

 

Die modernen Impfstoffe sind gut verträglich und unerwünschte Nebenwirkungen treten nur in sehr seltenen Fällen auf. In jedem Falle sollten Sie sich von ihrem Kinderarzt beraten lassen. Das gilt auch bei verpassten Kinderimpfungen, wie in der Tabelle unter Nachholimpfungen (NI) gelistet, um einen ausreichenden Impfschutz sicherzustellen. In jedem Falle sollten Sie darauf achten, dass Ihre Praxis die Kinderimpfungen in einem Impfpass einträgt, vor allem die verwendeten Impfstoffe. Nur so kann im Nachhinein nachvollzogen werden, ob ein ausreichender Impfschutz besteht.

 

 

Soll ich mein Kind impfen lassen? Sind Kinderimpfungen wirklich sinnvoll?

Vorbeugen ist besser als Heilen. Das gilt insbesondere für die Krankheiten, vor denen man sich durch eine Impfung schützen kann. Leider ist das bisher nur in begrenztem Umfang möglich. Stellen Sie sich vor, Sie könnten Ihr Kind gegen Krebs, Alzheimer oder AIDS impfen. Wie weit würde sich seine Lebensqualität dadurch erhöhen? Nie mehr Angst vor einer niederschmetternden Diagnose, langwieriger Chemotherapie oder lebenslanger Einnahme von Medikamenten.

So weit sind wir mit den Kinderimpfungen leider noch nicht. Aber im Vergleich zu vor ein paar Jahrzehnten haben wir Fortschritte gemacht, von denen die Generationen vor uns nur träumen konnten.

Ein Beispiel: Diphtherie, der „Würgeengel der Kinder“, war früher allgegenwärtig und die am meisten gefürchtete Kinderkrankheit. Emil von Behring erhielt 1901 den Medizin-Nobelpreis für seinen ersten Impfstoff aus neutralisiertem Diphtherie-Toxin. Mit zunehmender Impfbeteiligung und immer weiter verbesserten Impfstoffen ging die Zahl der Erkrankungen rapide zurück. Die letzte große Epidemie in Deutschland erreichte im Zweiten Weltkrieg ihren Höhepunkt. 1943 erkrankte etwa eine Million Menschen, 50.000 davon starben. Die Zahl der Erkrankten sank bis 1958 unter 10.000 und heutzutage sind nur noch rund zehn Einzelfälle pro Jahr zu verzeichnen.

Ein anderes Beispiel: In den 1960er Jahren gab es in Deutschland noch über 4.000 Fälle von Kinderlähmung (Polio). 2010 noch 1.000 – auf der ganzen Welt.

Das wohl nachhaltigste Beispiel für den Erfolg von Kinderimpfungen sind die Pocken. Noch im 18. Jahrhundert galten die Pocken als die schlimmste Krankheit gleich nach der Pest. In Europa verursachte sie Schätzungen zufolge jährlich 400.000 Todesfälle. Allein zehn Prozent aller Kinder verstarben an den „Blattern“. Heute gelten die Pocken als ausgerottet und werden nur noch in zwei Labors der USA und Russlands unter Verschluss gehalten – als mögliche Biowaffen.

Der Erfolg der Pockenimpfung spricht für sich und das Prinzip des Impfschutzes. Eine solche Ausrottung sollte auch mit anderen infektiösen Kinderkrankheiten möglich sein – wenn alle bei den Kinderimpfungen so konsequent mitmachen wie bei der Pockenimpfung.

 

Informationsquellen:

  1. Robert-Koch-Institut: Aktuelle Empfehlungen der Ständigen Impfkommission hier↑
  2. Robert-Koch-Institut: deutsche und internationale Informationen zu Schutzimpfungen hier↑
  3. Ulrich Heininger: Handbuch Kinderimpfungen: Die kompetente Enscheidungshilfe für Eltern. Kreuzlingen: Hugendubel Verlag 2004. ISBN-10: 3720524965.
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wer wir sind

Dr. Harald Stephan, Wissenschaft-/ Fachautor

Dr. rer. medic. Harald Stephan, er ist Wissenschaft-/ Fachautor und Naturwissenschaftler mit medizinischer Promotion und bei Netpapa.de verantwortlicher Experte und Autor für medizinische Themen.


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