Manche Eltern sehen in ihrem Nachwuchs kleine Versionen ihres Selbst und nicht selten werden sehr hohe Erwartungen an Sohn und Tochter gestellt. Doch was sind Kinder?
Ein Kind ist kein kleiner Erwachsener – weder aus psychologischer noch aus körperlicher Sicht. Dieses Hintergrundwissen ist wichtig, um kindgerecht zu spielen, zu erklären und insgesamt zu erziehen.

Was ist ein Kind

Warum sind Kinder nicht mit Erwachsenen vergleichbar?

  • Kinder sind keine kleinen Erwachsenen, weder körperlich noch seelisch
  • Kleinkinder kennen nur ihre unmittelbaren Wünsche nach Essen, Schlaf und Schutz
  • Schulkinder sind weiter, erleben die Welt jedoch noch immer sehr egozentrisch
  • Jugendliche befinden sich auf einer Zwischenstufe zum Erwachsensein
  • in ihren 20igern sind viele Menschen noch immer nicht komplett erwachsen

Die Weltsicht eines Kleinkindes

Während ein Säugling noch komplett auf seine unmittelbaren Bedürfnisse konzentriert ist, nehmen Kleinkinder langsam mehr von ihrer Umgebung wahr und gehen auf Entdeckungsreise. Das Erleben der Welt ist jedoch noch zu 100 Prozent egozentrisch. Das bedeutet, dass Kleinkinder sich als Mittelpunkt der Welt verstehen.

Nimmt ein Dreijähriger das Spielzeug eines anderen, können Eltern das korrigieren, sie können jedoch nicht erwarten, dass Kleinkinder die Gründe nachvollziehen können.

Eltern dürfen (noch) nicht voraussetzen, dass die Kinder wie Erwachsene verschiedene Blickwinkel einnehmen und empathisch überlegen, was ihr Handeln bei anderen auslöst. Entsprechend kann man mit ihnen auch nicht wie mit einem Erwachsenen diskutieren.

Eltern können die egozentrische Phase des Kindes am besten mit Fragen wie: „Was glaubst Du, warum geht die Sonne morgens auf?“ testen. Viele Kleinkinder werden nach kurzem Überlegen in etwa so antworten: „Damit ich weiß, wann ich aufstehen soll.“ Die Jüngstem beziehen also sogar Naturphänomene auf ihr Leben und sehen sich als Mittelpunkt der Welt.

Was ist ein Kind

Die Weltsicht eines Vorschul- und Grundschulkindes

In der Kindergartenzeit lernen Jungen und Mädchen, dass auch andere Menschen Wünsche und Erwartungen haben. Diese Phase ist ganz wesentlich, um zwischenmenschliche Gefüge kennenzulernen und einen Platz in Gruppen zu finden.

Wo egozentrisches Handeln beim Kleinkind nur mit wenig Erfolg bestraft werden kann, sind mit Vier-bis Neunjährigen durchaus Gespräche sinnvoll. Fragen wie „Glaubst Du, das andere Kind ist traurig, wenn Du seine Sandburg kaputt machst?“ helfen dabei, Empathie auszubilden.

Für die meisten Kinder ist es dennoch normal, ihr eigenes Wohl komplett über das andere zu stellen. Sie sind vollkommen damit beschäftigt, ihren Charakter zu entwickeln und (Schul-)Wissen aufzubauen. Eltern sollten die Kinder daher noch immer nicht wie kleine Erwachsene behandeln, sondern einfache, kindgerechte Erklärungen für Dinge wählen.

Die Sonne geht nun morgens nicht mehr auf, damit das Kind aufstehen kann, sondern weil die die Erde sich um die Sonne dreht. Detaillierter muss die Antwort nicht sein.

Die Weltsicht eines Jugendlichen

Je reifer der Nachwuchs wird, desto mehr nähert er sich dem Erwachsensein an. Im Zeitraum zwischen 13 und 17 Jahren wollen die meisten Heranwachsenden nicht mehr als Kinder, sondern als Jugendliche gesehen werden. Damit grenzen sie sich sprachlich und gedanklich von kleinen Geschwistern und anderen Jüngeren ab.

Eltern, Verwandte und Betreuer belächeln diese Inszenierung der eigenen Reife, da man als Erwachsener deutlich sehen kann, dass die Jugendlichen noch einen weiten Weg zum Erwachsensein haben.

Dennoch ist es wichtig, sie diese Emanzipation erleben zu lassen Dennoch sollten auch die größeren Kinder noch nicht gänzlich wie Erwachsene behandelt werden!. Das kann die Psyche – die während der Pubertät ohnehin in einer schweren Phase ist – überlasten.

Um beim Beispiel des Sonnenaufgangs zu bleiben: Interessierten Jugendlichen kann man nun bereits wissenschaftliche Erklärungen an die Hand geben und in Fächern wie Sozialwissenschaften lernen die Teenager die ethischen Modelle verschiedener Philosophen kennen.

Wann ist ein Kind Erwachsen? .. mit 18 Jahren?

Spätestens mit der Volljährigkeit wollen Töchter und Söhne als vollwertige Erwachsene verstanden werden. Vor dem Gesetz sind sie es jetzt und dürfen wichtige Lebensentscheidungen allein treffen.

Es ist auch richtig, 18-Jährige wie Erwachsene zu behandeln, dennoch bleibt ein wenig Vorsicht weiterhin angemessen. Bis Mitte 20 sind Körper und Charakterbildung noch nicht abgeschlossen und in manchen Fällen dauert die Entwicklung auch bis circa 30 Jahre. In der Soziologie spricht man auch von der Adoleszenz – einer Zwischenstufe zum Erwachsensein.

Was sind Kinder für Menschen

Was ist ein Kind – zum richtigen Umgang mit Kindern

Für Erwachsene ist es nicht einfach, kindgerecht zu erklären und einzuschätzen, welche Erwartungen man an das Einsichtvermögen eines Kindes haben kann. Folgende Tipps können ein wenig helfen:

  1. Frage Dein Kind nach seinen Wünschen, um ein aktuelles Bild über seine gegenwärtige Weltsicht zu bekommen.
  2. Kinder benötigen Sicherheit und dazu gehört auch, Strukturen vorzugeben.
  3. Stelle Regeln für den Alltag auf und wende bei Verstößen vorab genannte Konsequenzen auch an.
  4. Lasse Dich nicht auf Diskussionen ein, wenn etwas fest vereinbart wurde.
  5. Bitte Schulkinder um Begründungen, warum sie etwas tun oder nicht tun. Das bedeutet nicht, dass Regeln nicht mehr gelten, doch es schult die geistige Reifung.
  6. Mit Jugendlichen kann über Kompromisse gesprochen werden, etwa ein längeres Ausgehen für eine Geburtstagsfeier.

Wichtig: Auch körperlich sind Kinder keine kleinen Erwachsenen

Lange Zeit war es in der Medizin der Normalfall, dass die Therapie für einen Erwachsenen nur auf den kleineren Körper eines Kindes umgerechnet wurde. Die Dosierung von Medikamenten beispielsweise wurde entsprechend des Körpergewichtes festgelegt. Ein Wirkstoff für einen Mann mit 80 Kilogramm wurde dann für ein 40 Kilogramm schweres Kind schlicht halbiert.

Dieses Vorgehen ist jedoch zu kurz gedacht. Kinder sind keine kleinen Erwachsenen, da nicht nur ihr Gehirn noch in der Entwicklung ist, sondern der gesamte Organismus reift.

Ärzte in der Kinderchirurgie weißen zum Beispiel darauf hin, dass ein Kinderskelett anders behandelt werden sollte als das eines Erwachsenen. Babys haben rund 100 Skelettteile mehr, die sich erst später zu Einheiten verwachsen.

Auch das Zusammenspiel von Organen ist bei Kindern anders, vor allem vor der Pubertät. Bevor die spezifischen Geschlechtshormone in großer Menge ausgeschüttet werden, laufen viele Prozesse im Körper noch anders ab.

Kindgerechte Medizin ist und bleibt jedoch schwierig

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen, da sind sich die meisten Ärzte einig und weichen von der alten Sichtweise immer mehr ab. Mädchen und Jungen haben nicht einfach kleinere Organe, sondern ihr Stoffwechsel arbeitet teilweise anderes als der eines Erwachsenen. Daher muss die Therapie bestmöglich an die Bedürfnisse eines noch reifenden Organismus angepasst werden.

Es ist allerdings schwierig, gezielte Behandlungen für Kinder zu entwickeln. In der Humanmedizin ist es der Normalfall, dass eine Therapie zunächst in klinischen Studien getestet wird.

Dafür unterziehen sich Freiwillige der Behandlung, um Wirkung und mögliche Nebenwirkungen zu dokumentieren. Aus ethischer Sicht ist es aber oft nicht vertretbar, Minderjährige zu diesen Studien einzuladen.

Kinderärzte und das Personal auf Kinderstationen im Krankenhaus sind bemüht, aktuelle Erkenntnisse über die körperliche und geistige Entwicklung eines Kindes umzusetzen und junge Patienten vor allem mit besonderer Fürsorge zu betreuen.

Gesundheitliche Ausnahmesituationen belasten Kinder häufig stärker als Erwachsene, da sie kaum verstehen, was mit ihnen passiert und schlicht Angst haben. Eine kindgerechte, psychologische Betreuung ist wichtig für den gesamten Therapieerfolg, denn verängstige Kinder sind bei Therapien seltener kooperativ.

Buchtipp zum Thema

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Quellen und Literatur

  • Anna Freud: Wege und Irrwege in der Kinderentwicklung. 7. Auflage. Klett-Cotta, Stuttgart 2003, ISBN 3-608-96004-X.
  • Melanie Klein: Das Seelenleben des Kleinkindes und andere Beiträge zur Psychoanalyse. 8. Auflage. Klett-Cotta, Stuttgart 2006, ISBN 3-608-95107-5. hier↑

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