Wie viel Freiheit und Grenzen brauchen Kinder?

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Foto: yuran-78

Die Kindererziehung gehört zu den häufigen Streitpunkten innerhalb einer Familie. Neben Meinungsverschiedenheiten zwischen den Eltern kommen laut einer US-amerikanischen Studie Streits mit den Großeltern vor, wenn es um Erziehungsfragen geht. Doch welchen Ansatz sollten Familien wählen: eine strenge oder lockere Erziehung? Ein Blick auf die verschiedenen Erziehungsstile und ihre Vor- und Nachteile hilft, diese Frage zu beantworten.

Ein Blick auf die unterschiedlichen Stile der Kindererziehung

Der gewählte Erziehungsstil hängt oft von den Erfahrungen der Eltern in ihrer Kindheit ab. Herrschte eine autoritäre Erziehung vor, die negative Erinnerungen weckt, entscheiden sich Mütter und Väter häufig für einen lockereren Umgang mit ihrem Kind. Finden sie dagegen rückblickend an dem strengen Erziehungsansatz in der eigenen Familie Gefallen, orientieren sie sich an diesem.

Neben der autoritären und antiautoritären Kindererziehung unterscheiden sich jedoch weitere Formen. Zu den bekannten Varianten zählen:

  • autoritative Erziehung
  • Laisser-faire-Erziehung
  • demokratische Erziehung

Ebenso existieren weniger verbreitete Stile wie die autokratische oder die egalitäre Erziehung.

Autoritär und autokratisch – gibt es Unterschiede?

Bei einem autoritären Erziehungsstil stellen die Eltern ein Regelwerk mit klaren Ge- und Verboten für ihren Nachwuchs zusammen. Widersetzt sich das Kind einer Regel, folgen Konsequenzen. Andererseits führt ein erwünschtes Verhalten zu viel Lob. Dieses strenge, aber faire Konzept bietet eine klare Struktur, engt jedoch gleichzeitig ein.

Erziehen Eltern ihre Kinder autokratisch, handelt es sich um eine Steigerung des autoritären Stils. Der Nachwuchs erhält kein Mitspracherecht im Familienalltag. Stattdessen herrschen durch die Erwachsenen festgelegte strenge Regeln mit Strafen bei Zuwiderhandlung. Positives Verhalten honoriert dieser Erziehungsstil wenig bis gar nicht.

Sowohl bei einer autoritären als auch einer autokratischen Kindererziehung nehmen Eltern ihrem Nachwuchs die Chance, sich frei zu entfalten.

Zu den möglichen Folgen dieser Erziehungsformen gehören Unsicherheit, Versagensangst sowie fehlendes Vertrauen innerhalb der Familie. Zudem kann die stetige Kontrolle der Eltern die Entwicklung und Eigenständigkeit des Kindes beeinträchtigen.

Passive Eltern – welche Folgen hat diese Erziehung?

Bei der Laisser-faire-Erziehung umgehen Eltern die klassische Rollenverteilung innerhalb der Familie und nehmen eine passive Rolle ein. Sie überlassen in den meisten Situationen ihrem Nachwuchs die Entscheidungen.

Dieser Erziehungsstil kann dazu führen, dass sich Kinder missachtet und unsicher fühlen. Die fehlende Unterstützung der Familie erhöht das Risiko von:

Auch bei einer permissiven Erziehung bleiben sich Kinder zum Großteil selbst überlassen. Im Familienalltag existieren wenige bis keine Regeln und Vorschriften. Setzt sich der Nachwuchs über eines der wenigen elterlichen Verbote hinweg, drohen keine Konsequenzen.

Kinder als gleichberechtigte Familienmitglieder ansehen: Bei welchen Erziehungsformen funktioniert das?

Entscheiden sich Eltern für einen egalitären Erziehungsstil, diskutieren sie Erziehungsfragen gemeinsam mit dem Nachwuchs aus. Statt fester Regeln prägen elterliche Vorschläge den Familienalltag. Bevor Verbote Einzug halten, beleuchten Kinder und Erwachsene deren Sinn von allen Seiten und klären Vor- und Nachteile.

Da Kinder bei einer egalitären Erziehung volles Mitspracherecht erhalten, lernen sie früh, ihre Meinung kundzutun. Das wirkt sich positiv auf ihr Selbstbewusstsein aus. Allerdings erfordert diese Erziehungsform von allen Familienmitgliedern viel Zeit und Geduld.

Bei einer autoritativen Erziehung geben zwar die Eltern Regeln und Vorschriften vor, kommunizieren diese jedoch ausführlich mit dem Kind. Lob und Unterstützung sowie Geborgenheit prägen diesen Erziehungsstil. Dadurch vereint er die positiven Aspekte einer autoritären und einer lockeren Kindererziehung.

Das komplette Gegenteil der strengen Erziehung nennt sich antiautoritär. Die Eltern geben ihrem Nachwuchs wenige Vorgaben, die sie als Vorschläge formulieren. Die meisten Entscheidungen trifft das Kind selbstständig. Der Sinn besteht darin, ihm Selbstwirkung und die Verantwortung für das eigene Handeln beizubringen.

Verstehen Eltern die antiautoritäre Erziehung falsch und verzichten komplett auf Grenzen, drohen Störungen der sozial-emotionalen Entwicklung der Kinder.

Die demokratische Erziehung als goldene Mitte?

Ein weiterer bekannter Erziehungsstil funktioniert demokratisch. Die Eltern behandeln ihr Kind als eigenständiges und gleichberechtigtes Familienmitglied. Sie stecken zwar Grundregeln, bieten ihm jedoch viel Handlungsspielraum. Gleichzeitig stehen sie ihrem Nachwuchs in allen Lebenssituationen unterstützend zur Seite.

Eine demokratische Erziehung gestaltet sich für Kinder nachvollziehbar und transparent. Indem sie mit dieser Erziehungsform aufwachsen, lernen sie früh die Toleranz gegenüber anderen Meinungen.

Ebenso kann diese Art der Kindererziehung die Kritikfähigkeit und das Selbstbewusstsein stärken. Jedoch erhöht sie das Risiko, dass Kinder Schwierigkeiten mit Autoritäten entwickeln.

Wie viele Grenzen brauchen Kinder?

Die unterschiedlichen Erziehungsstile setzen dem Nachwuchs feste Grenzen oder bieten ihm viele Freiheiten. Welche Variante Eltern wählen, hängt zum Großteil von individuellen Erziehungszielen und Wertvorstellungen ab. Bei der Wahl der Kindererziehung behalten Mütter und Väter aber einen Grundsatz im Auge: Kinder brauchen Grenzen.

Viel Freiraum trägt zu ihrer individuellen Entwicklung bei. Allerdings meinen Freiheiten keine Grenzenlosigkeit. Die von den Eltern vorgegebenen Regeln und Verbote dienen einem wichtigen Zweck:

  • das Kind vor Gefahren zu schützen
  • dem Nachwuchs die Integration in die Gesellschaft zu erleichtern
  • Kindern ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit zu geben

Gleichzeitig helfen Grenzen, den Alltag zu strukturieren. Damit sich Kinder frei entfalten, sollte das elterliche Regelwerk sie nicht vollständig kontrollieren und einengen. Besser ist es, klare Grundregeln zu setzen.

Damit der Nachwuchs diese einhält, erklären die Eltern ihm die jeweiligen Regeln und deren Sinn. Gleichzeitig verdeutlichen sie freundlich und dennoch bestimmt, welche Konsequenzen eine Regelüberschreitung mit sich bringt.

Regeln in den Familienalltag integrieren – wie geht das?

Grenzen und Regeln in der Kindererziehung durchzusetzen, setzt voraus, dass alle Erwachsene innerhalb der Familie die Vorschriften kennen. Zudem sollte zwischen den Eltern sowie den Großeltern Einigkeit bezüglich der Verbote und der Konsequenzen für den Nachwuchs bei Nichteinhaltung herrschen.

Inkonsequent durchgesetzte Regeln führen dazu, dass die Erwachsenen unglaubwürdig wirken und das Kind sein Vertrauen in sie verliert. Daher ergibt es Sinn, täglich gleichbleibend konsequent zu handeln.

TIPP: Wollen die Eltern aufgrund eines besonderen Anlasses eine Ausnahme machen, erklären sie sich ihrem Nachwuchs. Dadurch begreift er, dass die Regeln trotz dieser einmaligen Lockerung bestehen bleiben.

Um Ge- und Verbote leichter in den Familienalltag zu integrieren, hilft es, das Kind genau zu beobachten. Wie reagiert es auf die gesteckten Grenzen? Reicht eine einmal getroffene Abmachung aus, damit der Nachwuchs sich daran hält? Oder braucht er eine Erinnerung an mögliche Konsequenzen?

Damit sich Grenzen und die individuelle Freiheit des Kindes die Waage halten, passen Eltern die Regeln altersgerecht an. Dadurch geben sie ihrem Nachwuchs mehr Freiraum und unterstützen seine Selbstständigkeit.

Weiterführende Infos

 

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