Ein Kind, zwei Zuhause: Was ist die Doppelresidenz für Scheidungskinder?

Nicht jede Beziehung ist für die Ewigkeit bestimmt. Trennen sich die Eltern, stellt sich eine wesentliche Frage: Wo wohnen die Kinder nach der Trennung? Bisher erhielt ein Elternteil, vorwiegend die Mutter, das Sorgerecht. Der Vater sah das Kind zu bestimmten Zeiten, beispielsweise an den Wochenenden. Für die Eltern und den Sprössling bedeutete diese Organisation emotionalen Stress. Eine andere Variante besteht im Doppelresidenzmodell.

Wenn der Vater auszieht
Wenn Papa wegen Trennung die Familie verlässt… Copyright: fizkes, bigstockphoto.com

Wie funktioniert die Doppelresidenz

In Deutschland handelt es sich bei der Doppelresidenz um ein seltenes Modell. Teilweise verwechseln es die Familien mit dem Wechselmodell. Im Gegensatz zu diesem hat das Kind beim Doppelresidenzmodell zwei Wohnsitze. Es verbringt seine Zeit zu gleichen Teilen bei Mutter und Vater. In einem regelmäßigen Rhythmus zieht der Sprössling zwischen den Elternteilen hin und her. Dementsprechend brauchst Du in Deiner Wohnung ein Kinderzimmer. Sobald Dein Nachwuchs bei Dir einzieht, obliegt Dir die gesamte Verantwortung und Betreuung.

Die Vorteile der Doppelresidenz liegen auf der Hand. Beide Elternteile stehen dem Kind als Bezugspersonen und Ansprechpartner zur Verfügung. Damit das Modell funktioniert, bedarf es enger Absprachen zwischen Mutter und Vater. Sie übernehmen die Elternrollen weiterhin gemeinsam, sodass regelmäßige Updates über das Kind Bedeutung erhalten. Die Eltern informieren sich gegenseitig darüber:

  • was den Nachwuchs bewegt,
  • welche Termine anstehen und
  • welche Erziehungsvereinbarungen gelten.

Kooperations- und Kommunikationsprobleme finden bei dem Doppelresidenzmodell keinen Platz. Im Vergleich zu anderen Familienmodellen nach der Scheidung, stehen die Eltern häufiger im Kontakt miteinander. Eine weitere Voraussetzung besteht in der Wohnortnähe. Beide Wohnorte sollten in Schulnähe des Kindes sein. Die Eltern brauchen die Zeit und die Möglichkeit, den Nachwuchs in Vollzeit zu betreuen.

Tritt eine neue Partnerin in Dein Leben, akzeptiert sie den Kontakt zu Deiner Ex-Frau. Anders funktioniert das Doppelresidenzmodell nicht. Dieses bringt Dir und der Kindsmutter eine enge Bindung zu eurem Sprössling. Beide nehmen Anteil an dessen Alltag und der Freizeitgestaltung. Sobald Dein Kind zu Deiner Exfrau zieht, verfügst Du über „kinderfreie Zeit“. Diese zeigt sich flexibel nutzbar. Beispielsweise konzentrierst Du Dich auf Deine Karriere oder die neue Beziehung.

Was bedeuten Sorgerecht und Umgangsrecht
Wer hat das Sorgerecht und Umgangsrecht bei einer Trennung der Eltern Copyright: digitalista bigstockphoto

Von welchen Vorzügen profitieren Kinder mit Doppelresidenz?

Für das Kind ermöglicht die Doppelresidenz ein möglichst normales Familienmodell. Es verbringt seine Zeit zu gleichen Teilen bei Mutter und Vater. Dementsprechend reißt die Bindung zu keinem Elternteil ab. Beide stehen ihm als Vorbilder und Kontaktpersonen zur Seite. Abhängig von der Wohnsituation entscheiden ältere Kinder eigenständig, ob sie den jeweils anderen Elternteil abseits der festgelegten Zeit besuchen. Sie besitzen in beiden Wohnungen ein Zimmer als Rückzugsort. Folglich profitieren sie von „zwei Zuhause“.

Kleine Kinder empfinden das regelmäßige Umziehen von Mama zu Papa und andersherum als spannend. Unter Umständen nehmen ältere Sprösslinge die Nachteile wahr. Der Wohnungswechsel mit Sack und Pack nimmt Zeit in Anspruch. Teilweise verläuft er hektisch. Neben der Kleidung packen die Kinder Schulsachen und Dinge, die ihnen lieb und teuer sind, ein. Diese nehmen bei dem regelmäßigen Umpacken Schaden. Vergessen sie ein wichtiges Utensil, erweist sich dessen Fehlen als lästig bis schmerzlich.

Abhängig von der Vereinbarung der Eltern gibt es während der Zeit mit Papa keinen Kontakt mit Mama oder andersherum. In der Folge vermisst das Kind den anderen Elternteil. Das Alter des Nachwuchses bestimmt, wie oft der Wechsel stattfindet und wie lange die Zeiträume beim jeweiligen Erziehungsberechtigten ausfallen. Für kleine Kinder empfiehlt sich ein häufigeres Umziehen. Sehen sie Papa oder Mama über einen längeren Zeitraum nicht, beeinträchtigt das die Eltern-Kind-Bindung.

Ältere Sprösslinge bevorzugen längere Phasen in einem Zuhause. Als ideal empfinden sie beispielsweise Wechselzeiten von zwei Wochen. Das gibt ihnen ausreichend Zeit, um sich im jeweils anderen Zuhause erneut einzuleben. Als vorteilhaft erweist es sich, wenn die Eltern nah beieinander wohnen, sodass der Nachwuchs dem anderen Elternteil spontan einen Besuch abstattet. Durch diese Kontaktmöglichkeit verkraften Eltern und Kind die zeitweilige Trennung besser als bei einem vollständigen Kontaktabbruch.

Was gibt es finanziell beim Doppelresidenzmodell zu beachten?

Die Frage „Was ist die Doppelresidenz für Scheidungskinder?“ zieht weitere Fragen nach sich. Beispielsweise interessiert es die Eltern, wer das Kindergeld erhält. Obgleich es sinnvoll klingt, dieses zu teilen, widerspricht der Bundesgerichtshof. Dieser setzt das Doppelresidenzmodell dem klassischen Residenzmodell gleich. Die Entscheidung des BGH hindert Eltern nicht daran, eigene Vereinbarungen zu treffen.