Hitzefalle Kinderwagen » So schützt Du dein Baby

Endlich steigen die Temperaturen auch in Deutschland über 25 Grad und es ist Sommer. Wie sieht es aber mit dem Kinderwagen aus, wenn draußen Hitze herrscht? Ist Dein Baby vor dem Austrocknen und einem Hitzschlag geschützt? Was Du zum Thema Hitzefalle Kinderwagen wissen solltest, findest Du in unserem Ratgeber.

Eltern sollten das Baby bei Hitze immer im Blick haben, Copyright: VILevi – bigstockphoto.com

In den Medien liest Du regelmäßig von Kleinkindern, die schwere Gesundheitsschäden davongetragen haben, weil ihre Eltern sie bei hohen Außentemperaturen im Auto vergessen haben, aber auch der Kinderwagen kann für Babys und Säuglinge bei zu starker Hitze zur Gefahr werden.

Wie Säuglinge ihre Körpertemperatur regeln

Wenn uns Erwachsenen zu heiß wird, kühlen wir mit der Produktion von Schweiß unseren Körper ab und halten die Körpertemperatur so in einem gesunden Rahmen. Neugeborene und junge Säuglinge müssen erst lernen, ihre Körpertemperatur selbstständig zu regulieren. Im Bauch der Mutter war das noch nicht notwendig. Das Temperaturzentrum im Gehirn reift nach und nach. Schweißdrüsen bilden sich erst bis zur Pubertät in ausreichender Menge.

Säuglinge und Kinder können daher noch nicht so schwitzen wie Erwachsene, um ihre Körpertemperatur bei Hitze konstant zu halten. Der „Babyspeck“ der ersten Lebensmonate trägt ebenfalls zur Isolation bei. Fasst Du Deinem Kind in den Nacken, kannst Du am besten feststellen, ob ihm zu heiß ist. Hände und Füße sind keine zuverlässigen Indikatoren für die Körpertemperatur.

Fünf Tipps zum Thema Hitzefalle Kinderwagen

  1. Säuglinge haben noch nicht die Fähigkeit, ausreichend zu schwitzen, um bei Hitze ihre Körpertemperatur konstant im Normbereich zu halten.
  2. Eine massive Überwärmung des kleinen Körpers kann zu einem Kreislaufversagen mit Herzstillstand führen.
  3. Eine warme Schlafumgebung ist ein Risikofaktor für den plötzlichen Kindstod (SIDS).
  4. Ein dickes Handtuch oder eine Decke über dem Kinderwagen als Sonnenschutz kann die Innentemperatur in kurzer Zeit in gefährliche Höhen treiben.
  5. Sonnensegel oder Sonnenschirm sind ungefährliche Möglichkeiten, Dein Kind im Kinderwagen vor UV-Strahlung zu schützen.
Neugeborene und Babys nicht mit einer Decke zudecken, es droht ein Hitzestau, Copyright: famveldman, bigstockphoto.com

Decke und Co. machen den Kinderwagen immer wieder zur Hitzefalle

Draußen brennt die Sonne vom Himmel und es ist endlich Zeit für den Garten, den Badesee oder den Spielplatz für die großen Geschwister Deines Babys. Das jüngste Familienmitglied kommt im Kinderwagen mit. Dünne, weite Kleidung aus Baumwolle mit langen Ärmeln und langen Hosenbeinen ist ein guter UV-Schutz, reicht aber alleine nur im Schatten.

Schiebst Du den Kinderwagen eine Weile durch die Sonne, sind weitere Schattenspender notwendig. Viele Eltern legen einfach eine dünne Decke oder ein Handtuch über den Kinderwagen, um den Säugling zu schützen. Vielleicht schläft das Baby gerade und ist so zusätzlich von neugierigen Blicken und Lärm abgeschirmt. Das ist leider ein Trugschluss. Unter der Abdeckung funktioniert der Luftaustausch nicht ausreichend und der Kinderwagen kann zur Hitzefalle werden. Dass Du Dein Baby unter der Decke nicht sehen kannst, ist ein weiteres Problem. So merkst Du im Ernstfall vielleicht erst zu spät, dass Deine Tochter oder Dein Sohn in Gefahr ist.

Ausreichend Flüssigkeit und Getränke gegen Überhitzung des Körpers – Copyright: Gorlovkv, bigstockphoto.com

Erstaunlicher Temperaturanstieg im abgedeckten Kinderwagen

Wissenschaftler in Schweden wollten es genau wissen. Bei einer recht milden Außentemperatur von 22 Grad Celsius legten sie eine dünne Decke über einen Kinderwagen. Bereits nach einer halben Stunde registrierten die Forscher einen Temperaturanstieg im Innenraum des Wagens um 12 Grad Celsius. 30 Minuten später betrug die Temperatur im Kinderwagen unglaubliche 37 Grad Celsius. Eine dickere Decke hätte die Situation noch stärker beeinflusst. Du siehst an diesem Experiment, wie schnell Dein Baby in seinem eigenen Kinderwagen in Gefahr geraten kann.

Wie Du erkennst, dass es Deinem Säugling zu heiß ist

Steigen die Temperaturen draußen, beobachtest Du Dein Baby am besten ganz genau. So findest Du schnell heraus, ob es ihm zu heiß ist. Fühle regelmäßig im Nacken nach, ob Dein Kind dort schwitzt. Wenn ja, ziehe ihm eine Kleidungsschicht aus oder bringe es an einen kühleren Ort. Vielleicht wird Dein Baby auch unruhig und verlangt nach der Brust oder der Flasche.

Gestillte Kinder trinken öfter und kürzer, wenn sie mehr Durst als Hunger haben. Das hat den Grund, dass die Muttermilch zu Beginn des Stillens dünner ist und erst nach ein paar Minuten mehr Kalorien enthält, um den Hunger zu stillen. Ist es ungewöhnlich heiß draußen, kannst Du Deinem Kind zusätzlich Wasser anbieten. Bei einem voll gestillten Säugling ist das aber in der Regel nicht notwendig. Achte darauf, ob die Windel regelmäßig nass ist. Die Urinausscheidung kann Dir eine aussagekräftige Auskunft über den Wasserhaushalt Deines Kindes geben.

Achtung Hitzschlag Gefahr beim Baby!

Hat sich Dein Säugling zu lange in der Sonne aufgehalten, kann es zu folgenden Symptomen kommen, die auf einen Hitzschlag hindeuten:

  • Unruhe
  • blasse oder hochrote Haut
  • schneller Herzschlag
  • flache, schnelle Atmung
  • Spucken und Erbrechen
  • wenig, dunkler (konzentrierter) Urin
  • Trinkverweigerung oder starker Durst

Beobachtest Du einige dieser Symptome bei Deinem Baby, bring es sofort aus der Sonne und zum Kinderarzt oder direkt in die Notaufnahme einer Kinderklinik. Auf dem Weg dorthin kannst Du kühle (nicht kalten!) feuchte Tücher auf Stirn und Nacken legen. Biete dem kleinen Patienten vorsichtig immer wieder die Brust oder ein Fläschchen mit Wasser an.

Quellenangaben:

  • Michael J. Lentze, Jürgen Schaub, Franz-Josef Schulte, Jürgen Spranger; Pädiatrie: Grundlagen und Praxis; Springer Verlag; Heidelberg 2013
  • Remo H. Largo, Babyjahre: Die frühkindliche Entwicklung aus biologischer Sicht, Piper Verlag, München 2007