Diät bei Kindern? Das sagt der Kinderarzt zu Übergewicht

Vom Babyspeck bis zum krankhaften Übergewicht

Kinder wachsen und entwickeln sich. Kinder brauchen eine gesunde, ausgewogene Ernährung und jeden Tag Bewegung. Liebe Eltern gleich vornweg – Kinder brauchen keine Diät. Das gilt sowohl für Babys, da voll gestillte Babys noch kein Übergewicht entwickeln können. Das gilt aber auch später, den herkömmliche Diäten sind für Kinder und Jugendliche nicht geeignet.

Wir helfen unseren Lesern mit einer Kaufberatung und zeigen Euch in diesem Ratgeber, wie das Normalgewicht von Kindern ist und warum Übergewicht überhaupt entsteht, was ihr dagegen tun könnt und warum Ihr als Aktive Eltern das beste Vorbild für einen gesundes Kind seid.

Übergewicht? Dürfen Kinder eine Diät machen? Copyright: RUSLAN KBR bigstockphoto.com

Laut Aussage des Robert Koch-Instituts sind in Deutschland mittlerweile 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen drei und 17 Jahren zu dick. Circa sechs Prozent der Kinder leiden sogar an einer krankhaften Fettleibigkeit. Ob eine Diät bei Kindern funktioniert und was Du sonst noch tun kannst, erfährst Du in unserem Ratgeber.

Wie viel Gewicht ist für ein Kind zu viel?

Das Gewicht und die Größe eines Kindes beurteilt der Kinderarzt nach den sogenannten Perzentilenkurven, den Wachstumskurven. Für jedes Alter kannst Du hier das durchschnittliche Gewicht der Mädchen oder Jungen nachsehen. Liegt Dein Kind mit seinem Gewicht auf der 50. Perzentile, bedeutet das, dass die Hälfte der Kinder gleichen Geschlechts mehr wiegen und die andere Hälfte weniger.

Klettert das Gewicht über die 90. Perzentilenkurve, sind nur noch circa 10 Prozent der anderen Kinder gleich schwer oder schwerer. War Dein Kind sonst immer leichter und liegt auch mit seiner Körpergröße auf einer niedrigeren Kurve, wird Euch der Kinderarzt beraten. Andere Kurven setzen Körpergröße und Körpergewicht in den Zusammenhang. Perzentilenkurven sind für Kinder weitaus sinnvoller, als der BMI, der gerne für Erwachsenen verwendet wird. Möchtest Du den BMI Deines Kindes berechnen, gibt es allerdings auch für diesen Wert passende Kurven, die ihn altersgerecht beurteilen.

weiterlesen: Wie kann ein Kind abnehmen?

BMI Rechner für das Kindergewicht

(c) www.BMI-Rechner.net

Fünf Fakten vor einer Diät bei Kindern

  1. Die Zahl der übergewichtigen Kinder steigt in Deutschland seit den 1980er Jahren kontinuierlich an.
  2. Voll gestillte Babys können noch kein ungesundes Übergewicht entwickeln.
  3. Herkömmliche Diäten sind für Kinder und Jugendliche nicht geeignet.
  4. Für Kinder und Jugendliche stehen spezielle Programme zur Gewichtsreduktion zur Verfügung, die gesunde Ernährung und Sport kombinieren.
  5. Chronische Erkrankungen wie Epilepsie können bei einigen Betroffenen mit speziellen Ernährungsformen positiv beeinflusst werden.

 

Die Mädchen Gewichtskurve

Gewichtskurve Mädchen ( credit: WHO, www.hallo-eltern.de)

Die Jungen Gewichtskurve

Gewichtskurve Jungen ( credit: WHO, www.hallo-eltern.de)

Wann Übergewicht bei Kindern häufig entsteht

Kinder wachsen in der Regel in Phasen. Es ist nicht ungewöhnlich, dass sie erst etwas rundlicher werden und im Anschluss plötzlich in die Länge schießen und den ganzen Babyspeck wieder verlieren. Gleich zu Beginn des Lebens futtern sich Säuglinge über Monate den ersten Babyspeck an. Sobald sie beginnen sich fortzubewegen, trainieren sich die meisten Kinder wieder schlank. Verschiedene Altersphasen bergen aber ein erhöhtes Risiko für echtes Übergewicht. Zusätzlich benötigen Kinder mit einem besonders niedrigen oder einem besonders hohen Geburtsgewicht Aufmerksamkeit, was ihre Gewichtsentwicklung angeht.

Ungesund? Auf was Eltern bei der Ernährung des Kindes verzichten dürfen. Copyright: Quality Stock Arts bigstockphoto.com

Gewichtsveränderung bei Einschulung

Eine der sensiblen Phase ist der Schulbeginn. Erstklässler bewegen sich weniger als Kindergartenkinder, haben mehr Leistungsdruck und können schon in diesem Alter Stress entwickeln. Essen entspannt, aber die überflüssigen Kalorien werden Schulkinder nicht so einfach wieder los. Jetzt kann es zu Übergewicht kommen.

Gewichtsveränderung in der Pubertät

Die nächste anstrengende Lebensphase ist die Pubertät. Das Gehirn wird über Jahre umgebaut und die Hormone spielen verrückt. Jugendliche favorisieren häufig Lebensmittel, die nicht besonders gesund sind und neben Zucker auch viel Fett enthalten. Frustessen ist angesagt. Verbringen sie ihre Nachmittage dann noch vor der Spielkonsole statt im Sportverein, ist eine Gewichtszunahme vorprogrammiert. Ob und wann sich der Speck durch den nächsten Wachstumsschub wieder auflöst, kann auch der Kinderarzt nicht vorhersagen.

Dürfen Kinder eine Diät machen?

Viele Erwachsene sind im Hamsterrad der Diäten und des unweigerlich folgenden Jojo-Effekts gefangen, anstatt ihre Lebensgewohnheiten langfristig umzustellen. Kinder aus diesen Familien haben folglich in der Regel auch keine gesunde Einstellung zu ihrem Körpergewicht. Kurze Crash-Diäten und Kalorienzählen sind aber für Kinder und Jugendliche völlig ungeeignet, um ein gesundes Körpergefühl zu entwickeln und ihr Übergewicht langfristig zu verlieren. Mädchen und Jungen wachsen und entwickeln sich. Sie benötigen täglich gesunde Kalorien aus vollwertigen Lebensmitteln.

Wie Dein Kind sein Übergewicht wieder verliert

Hat Dein Kind nur leichtes Übergewicht, kann schon

  • ein Gespräch mit dem Kinderarzt,
  • ine Ernährungsberatung,
  • eine Umstellung auf gesunde Ernährung und
  • regelmäßige Bewegung mit der Familie

helfen. Gib Deinem Kind ein paar Monate Zeit und geh mit gutem Beispiel voran. Massives Übergewicht dagegen bekommt Dein Kind am besten mit intensiver fachlicher Unterstützung in den Griff. Altersgenossen, die ebenfalls gegen zu viele Kilos kämpfen, sind die beste Motivation und machen die schwere Aufgabe etwas leichter. Folgende Bausteine sollte ein sinnvolles Abnehmprogramm enthalten:

  1. Ernährung, die schmeckt und von den Kindern mit zubereitet wird. Wissen über Nährstoffe und physiologische Zusammenhänge im Körper. Übung auch im Umgang mit Süßigkeiten, Softdrinks und Co..
  2. Die aktive Gestaltung von Bewegung und die Integration von Sport in den Alltag. Kleine Schritte raus aus der Bequemlichkeit. Reduzieren von Bildschirmaktivitäten.
  3. Änderung des ungesunden Verhaltens auf altersgerechte, spielerische Weise. Stressmanagement und aktive Übungen mit Therapeuten.
  4. Betreuung im Alltag auch nach dem Kurs oder der Kur. Anbindung an Gruppen Gleichgesinnter zur gegenseitigen Motivation und zum Erfahrungsaustausch.

Quellenangaben:

 

Kindergesundheit – die Kinderärztin informiert:

Kinderkrankheiten

Gesundheits-Fragen

Impfungen & Medikamente