Graue Haare bei Kindern, Wir fragen den Kinderarzt nach Ursachen

Vorzeitiges Ergrauen der Haare ist in der kaukasischen Bevölkerung als ein Pigmentverlust vor dem 20. Lebensjahr definiert. Da der Farbwechsel der Haare normalerweise ein Alterungsprozess ist, erschrecken sich Eltern, wenn sie bei ihrem Kind plötzlich graue oder sogar weiße Strähnen entdecken. Der Kinderarzt ist hier der erste Ansprechpartner. Graue Haare bei Kindern können unterschiedliche Ursachen haben. Unser Ratgeber erklärt Dir die Zusammenhänge.

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Warum Haare grau werden

Die Pigmentzellen des menschlichen Körpers nennt der Mediziner Melanozyten. Sie bestimmen die Hautfarbe und sind auch für die Färbung der Haare verantwortlich. Ihren Farbstoff, das Melanin, lagern sie in jedes Haar ein. Tun sie das nicht mehr, werden die Haare grau. Die wichtigsten Faktoren sind in diesem Zusammenhang das Alter und die Gene, die für gewöhnlich bestimmen, wann ein Mensch seine gewohnte Haarfarbe verliert.

Fünf Fakten zum Thema graue Haare bei Kindern

  1. Das Ergrauen der Haare ist ein natürlicher Alterungsprozess.
  2. Graue Haare vor dem 20. Lebensjahr sollte immer der Kinderarzt abklären.
  3. Schon Säuglinge können ergrauen oder mit weißen Strähnen im Haar auffallen.
  4. Graue Haare nehmen eine neue Struktur an und lassen sich schwerer kämmen.
  5. Liegt der Problematik eine Erkrankung zugrunde, kann eine Behandlung eventuell die eigentliche Haarfarbe wiederherstellen.

Haareinfärbungen beim Kind, von Grau bis Weiß

Du hast wahrscheinlich angenommen, dass die Haare zunächst ihre eigene Farbe verlieren und grau werden und später im hohen Alter schließlich weiß. Wenn Du Dir Dein Kind genau ansiehst, bemerkst Du, dass die graue Haarfarbe durch einzelne weiße Haare zustande kommt, die sich unter die normal gefärbten Haare mischen.

Der graue bis silberne Gesamteindruck entsteht durch die Mischung der eigenen Haarfarbe mit den weißen Haaren. Ein kleines Kind stört sich daran nicht weiter, aber für ein älteres Mädchen oder einen älteren Jungen kann graues Haar auch psychische Folgen haben. Dein Kind fühlt sich unwohl und schämt sich vielleicht sogar für sein neues Erscheinungsbild. Das ist ein weiterer wichtiger Grund, das Symptom vom Kinderarzt abklären zu lassen.

Mögliche Ursachen für eine vorzeitige Ergrauung Deines Kindes

Entwickelt ein Säugling oder ein Kind graue Haare, ist es wichtig, die Ursache für diese Veränderung abzuklären. Der erste Ansprechpartner kann der Kinderarzt oder ein Hautarzt sein. Bekannte Ursachen für graue Haare bei Kindern sind zum Beispiel:

  • Autoimmunerkrankungen
  • Vitiligo (die Weißfleckenkrankheit)
  • Erkrankungen der Schilddrüse
  • Mangelernährungszustände
  • Mangel an Vitamin B12
  • eventuell Mangel an Kupfer
  • Nebenwirkung von Medikamenten (Chloroquin)
  • das seltene erbliche Griscelli-Syndrom

Wenn die Pigmente fehlen – Vitiligo und Albinismus

Erkrankungen, die direkt mit der Pigmentbildung im Körper zusammenhängen, sind die Weißfleckenkrankheit (Vitiligo) und der Albinismus. Erkrankt Dein Kind an einer Vitiligo, fallen Dir wahrscheinlich zuerst kleine weiße Flecken an der Haut auf. Sie sind scharf begrenzt, regelmäßig oder unregelmäßig geformt und breiten sich langsam aus. Geht Dein Kind lange in die Sonne, können die Flecken unangenehm jucken. In der Regel sind folgende Regionen des Körpers betroffen:

  •  Handrücken
  •  Streckseiten der Finger
  •  Ellenbogen
  •  Knie
  •  Bauchnabel
  •  die Region um den Mund
  •  die Haut um die Augen
  •  Analbereich
  •  Genitalbereich
  •  Körperhaare
  •  Kopfhaare

Neben grauen Haaren zeigen die betroffenen Patienten auch häufig weiße Strähnen in ihrem Haar. Die Erkrankung kann nur leicht ausgeprägt sein und wieder zum Stillstand kommen oder sich über den gesamten Körper ausbreiten. Die betroffenen Hautstellen sind besonders sonnenempfindlich, weil ihnen die schützenden Pigmente fehlen.

Weitere körperliche Beeinträchtigungen haben die Patienten nicht. Da die Vitiligo von vielen Menschen als unästhetisch empfunden wird, kann sich bei den Betroffenen ein erheblicher psychischer Leidensdruck aufbauen.

Der Albinismus im Vergleich: Wenn die Pigmente fehlen

Leidet Dein Kind an Albinismus, fehlt ihm ein Enzym des Melaninstoffwechsels, die Tyrosinase. Der Defekt ist angeboren. Haut und Haare spiegeln das Fehlen des Farbstoffs wieder. Die Haare eines Kindes mit Albinismus sind silberblond bis weiß, auf dem Kopf ebenso wie am Körper. Seine Haut hat einen hellrosa Ton. Selbst in der Netzhaut und der Regenbogenhaut des Auges fehlen die Pigmente und können so eine Lichtscheu sowie eine Fehlsichtigkeit verursachen.

Eine Pille gegen graue Haare ist noch nicht auf dem Markt

Hat der Kinderarzt herausgefunden, welche Ursache die grauen Haare Deines Kindes
haben, behandelt er die Erkrankung. Findet er keine Ursache, ist die Therapie der grauen Haare schwierig. Je nach Ausprägungsgrad kannst Du die weißen Haare entfernen oder die Haare färben. Medikamente für Kinder sind nicht erhältlich. Ein guter Weg ist es sicherlich, das Selbstbewusstsein Deines Kindes zu stärken und ihm beizubringen, dass jeder Mensch auf seine Weise schön ist. Mit der Zeit können die weißen Haare auch ausfallen und in der gewohnten Haarfarbe nachwachsen.

Quellen:

  • Thomas Baumann, Atlas der Entwicklungsgeschichte: Vorsorgeuntersuchung von U1 bis U10/J1, Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2015
  • Ulrike Blume-Peytavi, ?Helga Albrecht-Nebe, ?Kathrin Hillmann; Atlas der Pädiatrischen Dermatologie; John Wiley and Sons, 2018
  • McDonough P.H., Schwartz R.A. Premature hair graying. Cutis, 2012, 89(4), 161-5
  • Fatemi Naieni, F., Ebrahimi, B., Vakilian, H.R. et al. Biol Trace Elem Res (2012) 146: 30. https://doi.org/10.1007/s12011-011-9223-6

 

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