Kreislaufprobleme bei Kindern und Jugendlichen (Pubertät)

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Viele Eltern bekommen einen Schrecken, wenn der pubertierende Sohnemann aufsteht und plötzlich und unvermittelt umkippt. Kreislaufprobleme in der Pubertät sind bei Jungen nicht ungewöhnlich – so spektakulär sie oft daherkommen, so harmlos sind in der Regel die Ursachen. Schuld daran sind vor allem – wie könnte es anders sein – die Hormone.

Kreislaufprobleme in der Pubertät
Kreislaufprobleme in der Pubertät bei Jungen, Copyright: AHOOLY, bigstockphoto.com

Und plötzlich schwarz vor Augen..

Wundern Sie sich nicht, wenn Ihr Sohn aufsteht und ihm schwarz vor Augen wird. Mitunter kippen Kinder in der Pubertät sogar mal kurzzeitig um und werden für einige Sekunden bewusstlos. Das Problem tritt vor allem auf, wenn der Junge sich morgens aus dem Bett schält oder nachdem er längere Zeit stillgesessen hat. Kein Grund zur Panik – damit ist er in guter Gesellschaft.

Gerade wenn so etwas zum ersten Mal auftritt, ist Junior geschockt und weiß nicht, wie ihm geschieht. Versuchen Sie ihn zu beruhigen und erklären Sie ihm, was da gerade in seinem Körper geschieht.

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Woher kommen die Kreislaufprobleme in der Pubertät – gerade bei Jungen?

Mädels kommen etwas früher in die Pubertät als Jungs. Die Spätzünder brauchen etwas länger, holen dann aber gründlich auf und schießen in die Höhe. Man kann ihnen beim Wachsen zuschauen, und die neu gekaufte Hose ist bald schon wieder zu kurz. Papa wundert sich dann, wenn der Kleine sich langsam aber sicher auf Augenhöhe vorarbeitet und größer zu werden droht als sein Erzeuger.

Wie kommt’s? Pubertät bedeutet, dass sich die Hormone grundlegend ändern. Für die körperlichen Veränderungen sind vor allem die Geschlechtshormone verantwortlich, allen voran das Testosteron. Es sorgt dafür, dass die Keimdrüsen wachsen, Bart und Schamhaare sprießen und der Stimmbruch einsetzt. Typisch Mann: Das einst so süße Baby wird aufsässig und aggressiv, wenn Papa – wie immer! – was zu meckern hat.

Somatotropin sorgt für schnelles Wachstum

Die hormonellen Veränderungen betreffen auch das Wachstumshormon Somatotropin aus der Hypophyse. In der Pubertät ist sein Blutspiegel am höchsten. Für ein Hormon gibt es davon eine ganze Menge: zehn Prozent der Hypophyse bestehen aus Somatotropin.

Das Wachstumshormon lässt Knochen und Muskeln größer werden und sorgt für das Längenwachstum. Mitunter ergibt sich aus dem rasanten in-die-Höhe-schießen ein Problem: So schnell kommen Herz und Kreislauf nicht hinterher.

Herz und Kreislauf hinken hinterher

Kein Wunder – musste das Herz vorher das Blut gerade mal auf einen Meter nochwas pumpen, soll es jetzt Höchstleistungen vollbringen, wenn sich das Gehirn mit allem darunter der Zweimetermarke näher. Schon haben wir das Problem: Steht der Junge auf, muss das Herz erst einmal dafür sorgen, dass das Blut weiter bis ins Gehirn gelangt – und das ist plötzlich ganz schön weit oben. Da ist es nicht unbedingt ein Wunder, dass das nicht immer zuverlässig funktioniert.

Niedriger Blutdruck bei Jugendlichen

Generell haben Jugendliche in der Pubertät meist einen niedrigen Blutdruck. Was da beim Arzt im Sitzen, in Ruhe und auf Herzhöhe gemessen wird, sieht auf einer anderen Höhe ganz anders aus: In den Beinen ist er ungleich höher, im Kopf wesentlich niedriger. Das Gehirn nimmt einen Mangel an Blut und damit an Sauerstoff sehr schnell übel. Im Extremfall wird dem Kleinen schwarz vor Augen und er verliert kurzfristig das Bewusstsein. Für den Blutdruck ist die Horizontale ideal – daher erwacht er ganz schnell wieder auf und wundert sich.

Wie erkenne ich niedrigen Blutdruck bei Jugendlichen?

Zu wenig Saft im Kopf – das zeigt sich in einer Reihe von Symptomen, die nicht unbedingt bis zur Ohnmacht reichen müssen. Ist das Gehirn durch zu niedrigen Blutdruck unterversorgt, zeigt sich das mit

  • abnehmender Leistungsfähigkeit
  • ständige Müdigkeit
  • Konzentrationsschwäche
  • Gedächtnisschwäche
  • Antriebsschwäche
  • kalten Fingern und Zehen.

Wie erkenne ich Kreislaufprobleme in der Pubertät bei meinem Jungen?

Die Symptome des niedrigen Blutdruckes treten dauernd auf – verschwinden aber nach der Pubertät. Auffälliger sind die Symptome, die infolge der Kreislaufschwäche in einer körperlichen Belastungssituation auftreten, als da wären

  • Übelkeit
  • Herzrasen
  • übermäßiges Schwitzen
  • Schwindel
  • Ohrensausen
  • Bewusstseinsstörungen
  • und im Extremfall Kreislaufkollaps.

Welche Formen der Ohnmacht gibt es?

Grundsätzlich kann man zwei Formen der Ohnmacht bei einer Kreislaufschwäche unterscheiden.

Als Orthostase bezeichnet man den Wechsel in eine aufrechte Körperposition. Normalerweise fährt der Kreislauf automatisch den Blutdruck hoch, sobald man aufsteht. Diese Reaktion nennt man Orthostase-Reaktion. Funktioniert sie nicht richtig und bleibt der Blutdruck zu niedrig, spricht man von einem Orthostase-Syndrom. Bei Jugendlichen ist dieses die häufigste Ursache für einen Kreislaufkollaps.

Seltener ist die vasovagale Synkope. Klingt komplizierter als es ist: Synkope nennt man in der Medizin einen Bewusstseinsverlust, vasovagal besagt, dass der die Gefäße (Vasa) und der Vagusnerv (Nervus vagus) daran schuld sind. Der N. vagus reguliert bei einer solchen Fehlsteuerung die Herztätigkeit herunter und sorgt zugleich durch die Hemmung des sympathischen Nervensystems für eine Gefäßerweiterung. Dadurch versackt das Blut in der Peripherie, sodass dem Gehirn zu wenig davon zur Verfügung steht: Es wird einem schwarz vor Augen und man kippt um. So etwas kann beispielsweise beim großen oder kleinen Geschäft auf Toilette auftreten.

Was kann ich gegen Kreislaufprobleme in der Pubertät bei Jungen tun?

Ist Junior eine Sportskanone? Prima! Unterstützen Sie ihn in allen sportlichen Aktivitäten, egal ob er gerne kickt, joggt oder schwimmen geht. Denn je mehr das Herz trainiert wird, desto leichter wird es mit den Anforderungen des zunehmenden Längenwachstums fertig.

Zudem sollte man berücksichtigen, dass der Blutdruck unter anderem vom Blutvolumen und damit von der Flüssigkeitszufuhr abhängt. Bei glühender Hitze wenig trinken? Ganz schlechte Idee, auch bei Jungs in der Pubertät. Sorgen Sie dafür, dass Ihr Nachwuchs reichlich trinkt – egal ob er vor lauter Computerspielen das Trinken vernachlässigt oder beim Rumtoben draußen ann alles andere als ein Glas Wasser denkt. Zuckerhaltige Limonaden und Energy Drinks sind nicht gesund – schauen Sie, ob Sie Junior nicht mit etwas anderem ködern können, etwa einem Ingwer-Zitronen-Tee oder gekühltem Sprudelwasser.

Kreislaufprobleme: In der Pubertät bei Jungen meist harmlos, aber…

Die Kreislaufprobleme verschwinden nach der Pubertät so schnell wie sie gekommen sind. Trotzdem sollten Sie die Gesundheit von Sohnemann im Auge behalten und die J1-Untersuchung beim Kinderarzt machen lassen. Der untersucht ab dem zwölften Lebensjahr den Entwicklungsstand – sowohl den körperlichen als auch den geistigen.

Er wird Sie dafür hassen, dass er sich vorm Doktor nackig machen, untersuchen lassen und einen Haufen Fragen beantworten muss. Aber diese Untersuchungen sind wichtig: Auch Diabetes und Blutarmut können Kreislaufprobleme verursachen – je früher man solche Erkrankungen erkennt und behandelt, desto besser die Heilungschancen.

Quellen, Links und weiterführende Literatur

  • David Arp, Claudia Arp: Pubertät in Sicht: So begleiten Sie Ihr Kind zwischen 9 und 13. 4. Auflage. Gießen 2019: Brunnen-Verlag. ISBN-10: 3765509833.
  • Matthias Jung: Chill mal! Am Ende der Geduld ist noch viel Pubertät übrig. Hamburg 2018: Edel Books. ISBN-10: 3841906095.
  • Jan-Uwe Rogge: Pubertät: Loslassen und Haltgeben. 12. Auflage. Hamburg/Berlin: Rowohlt-Verlag. ISBN-10: 9783499626555.