Augenflimmern beim Kind – Glaskörpertrübung

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Glaskörpertrübung beim Kind: Mouches volantes – fliegende Mücken

Entwicklung heißt das große Thema in der Säuglingszeit und der Kindheit. Der Sehsinn ist dabei besonders wichtig und jede Einschränkung kann die Entwicklung Deines Kindes verzögern oder gefährden. Eine Glaskörpertrübung beim Kind ist ein seltenes Symptom, das verschiedene Ursachen haben kann. Spezialist für alle Fehlbildungen und Erkrankungen am Auge ist der Augenarzt. Euer Kinderarzt kann Dein Kind zu einer umfassenden Untersuchung in die Sehschule einer Kinderaugenklinik überweisen.

Augen Flimmern beim Kind
Augenarzt Untersuchung auf Flimmern beim Kind, Copyright: Parilov, bigstockphoto.com

Der Glaskörper stabilisiert das Auge

Im Inneren des Auges, im mittleren Augenabschnitt, befindet sich der sogenannte Glaskörper. Mediziner sprechen auch vom Corpus vitreum. Aufgebaut aus Wasser (98 %), Hyaluronsäure (knapp 2 %) sowie Bindegewebsfasern (weniger als 1 %) erhält der Glaskörper die Form des Auges. Er hat eine gelartige Konsistenz und ist durchsichtig. Augenlinse und Netzhaut begrenzen den Glaskörper nach vorne und nach hinten. Die Lichtstrahlen fallen durch die Linse und die Pupille ins Auge, durchqueren den Glaskörper und treffen dann auf die Netzhaut. Vor Infektionen geschützt wird der Innenraum des Auges durch die sogenannte Blut-Augen-Schranke.

Fünf Fakten zum Thema Glaskörpertrübung beim Kind

  • Glaskörpertrübungen beim Kind sind sehr selten.
  • Kinder mit einem genetisch bedingten Syndrom haben ein erhöhtes Risiko, an einer Glaskörpertrübung zu erkranken.
  • Der Augenarzt diagnostiziert die Erkrankung in der Regel mit der Spaltlampe.
  • Eine Therapie ist nur in sehr ausgeprägten Fällen notwendig.
  • Der Augenarzt kann bei Bedarf eine Laserbehandlung oder eine operative Entfernung oder Teilentfernung des Glaskörpers durchführen.
Augentrübung beim Kind
Augentrübung beim Kind bigstockphoto.com, Copyright: nopponpat

Wenn der Glaskörper nicht mehr glasklar ist

Da der Glaskörper das Auge ausfüllt und direkt vor der Netzhaut liegt, kann er die Sicht deutlich beeinträchtigen. Bei Kindern ist dieser Teil des Auges in der Regel glasklar und wird nicht wahrgenommen. Eine Trübung stellt sich bei gesunden Menschen erst mit dem Alter ein.

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Kondensieren Teile der Grundsubstanz schon im frühen Alter zu winzigen Klumpen und Fäden, steckt eine starke Kurzsichtigkeit oder eine Erkrankung hinter dem Phänomen. Der Augenarzt nennt die kleinen Trübungen des Glaskörpers Mouches volantes (fliegende Mücken). Sie bewegen sich mit dem Auge mit und tanzen und drehen sich im Blick der betroffenen Menschen. Licht- und Schatteneffekte können die Sicht verbessern oder verschlechtern. Häufig lässt schon eine Augenbewegung oder ein rasches Drehen des Kopfes die sichtbaren Schlieren wieder aus dem Blickfeld verschwinden.

Ursachen für eine Glaskörpertrübung beim Kind

Im Kindesalter ist eine Trübung des Glaskörpers sehr selten. Er tritt vermehrt im Zusammenhang mit Syndromen und Stoffwechselerkrankungen auf. Hier lagern sich fetthaltige Calciumsalze in das Gerüst des Glaskörpers ein.

Mögliche Ursachen sind zum Beispiel:

  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • hohe Cholesterinwerte im Blut
  • Alström-Syndrom
  • Marfan-Syndrom
  • Amyloidose
  • Trisomie 21 (Down-Syndrom)
  • Trisomie 18 (Edwards-Syndrom)
  • Trisomie 13 (Pätau-Syndrom)

Ein Sonderfall ist der sogenannte PHPV, der persistierende hyperplastische primäre Glaskörper. Hier hat sich in der Entwicklung des betroffenen Kindes der embryonale Glaskörper nicht wie erwartet zurückgebildet und trübt nun den eigentlichen Glaskörper.

Wie der Augenarzt seine Diagnose stellt

Bei Kindern sind Glaskörpertrübungen eher ein Zufallsbefund im Rahmen der augenärztlichen Untersuchung. Sie bemerken die Einlagerungen meist nicht oder stufen sie nicht als ungewöhnlich ein. Eine gründliche Untersuchung durch den Augenarzt schließt die Betrachtung von Augeninnenraum und Augenhintergrund mit der Spaltlampe ein. Dein Kind erhält im Vorfeld Augentropfen, die die Augenmuskeln für einige Stunden lähmen und so die Pupille weit stellen. Der Mediziner kann den Glaskörper durch die Augenlinse hindurch gut beurteilen. Befinden sich viele Mouches volantes darin, stellt er die Diagnose Glaskörpertrübung. Im Zweifelsfall kann eine Ultraschalluntersuchung folgen.

Die Therapie der Glaskörpertrübung beim Kind

→ In leichten Fällen ist keine Behandlung notwendig. Ist die Trübung des Glaskörpers stark ausgeprägt und beeinträchtigt die Sehkraft des betroffenen Patienten massiv, stehen dem Augenarzt verschiedene Therapiemethoden zur Verfügung. Optimal für Kinder ist keine davon. Eine individuelle Beratung klärt die jeweiligen Vorteile und Nachteile und hilft Dir, die beste Behandlung für Dein Kind zu finden.

→ Die operative Entfernung des Glaskörpers erscheint von außen betrachtet sinnvoll. Aber die sogenannte Vitrektomie ist keine einfache Operation. Sie birgt zusätzlich das Risiko einer Netzhautablösung. Auch wenn die Methode technisch immer weiterentwickelt wird, rechtfertigen nur relativ schwere Fälle der Glaskörpertrübung diesen Behandlungsansatz.

→ Eine Alternative könnte die Teilentfernung des Glaskörpers werden. Hier entfernt der Augenarzt lediglich die Stellen des Glaskörpers, die den Patienten beeinträchtigen.

Für einige Patienten ist eine Behandlung mit dem Niedrigenergielaser die passende Therapieoption. Hier entfernt der Augenarzt einzelne Trübungen im Glaskörper mit dem Laser und umgeht so die Risiken, die eine herkömmliche Operation birgt. Ob die Methode für Dein Kind geeignet ist, kann Dir nur ein Spezialist nach einer augenärztlichen Untersuchung sagen.

Quellenangaben:

  • Leitlinien des Berufsverbandes der Augenärzte Deutschlands e.V. und der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft, Stand vom 31.01.2018
  • Katharina Mendius, Susanne Schuett, Siegfried Priglinger; Sehstörungen bei Kindern: Visuoperzeptive und visuokognitive Störungen bei Kindern mit CVI; Springer Verlag; Heidelberg 2012
  • Anselm Kampik, Augenärztliche Diagnostik: 7 Tabellen, Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2003
  • Regine Witkowski, Otto Prokop, Eva Ullrich, Gundula Thiel; Lexikon der Syndrome und Fehlbildungen: Ursachen, Genetik und Risiken; Springer-Verlag; Heidelberg 2013