Dürfen Eltern schreien?

Wenn die Nerven blank liegen – dürfen Eltern auchmal Schreien

Dein Kleiner macht einen Unsinn nach dem anderen – Schmeißt jetzt sogar den Waschlappen ins  Toilettenbecken? „Jetzt reicht es!!“, brüllst Du Deinem frech dreinblickenden Kind entgegen. Kaum steigen dem Nachwuchs die ersten Tränchen in die Augen, packt Dich das schlechte Gewissen. Warst Du zu laut, zu ungeduldig oder ungerecht zu Deinem Sprössling? Mit ähnlichen Sorgen kämpfen Eltern jeden Tag. Dabei stellt sich für die Mütter und Väter die Frage, ob das Schreien in der Erziehung dem Nachwuchs schadet. Schließlich handelt es sich nicht um gewolltes, sondern um eine meist auf Überforderung folgende Reaktion. Setzt Du Dich nach einer lautstarken Auseinandersetzung zu einem klärenden Gespräch mit Deinem Schützling zusammen, nimmt die Eltern-Kind-Beziehung keinen Schaden.

Vater, Mutter, Kind

Dürfen Eltern schreien? © Firma V – Fotolia.com

 

„Auch Eltern sind nur Menschen“

Vielleicht gibt es sie – die Eltern, die ihren Nachwuchs niemals lautstark zur Ordnung rufen. Jedoch stellen sie die Ausnahme dar, denn in der Erziehung stellt sich das Schreien in einigen Situationen als normale Reaktion dar. Dabei ist es wichtig, dass das Durchsetzen von Regeln nicht auf dem Gebrüll der Eltern basiert.

Platzt Dir als Vater nach der fünften Wiederholung einer Anweisung die Hutschnur, stehst Du mit einer gelegentlich erhöhten Lautstärke nicht allein. Verlierst Du die Beherrschung, weil Dein Nachwuchs nicht hört, achtest Du jedoch darauf, was Du sagst. Eine falsche Wortwahl schädigt unter Umständen das Selbstbewusstsein des Kindes. Ein gemeinsames Gespräch im Anschluss erhält aus dem Grund Priorität.

 

Was stellt das gewaltfreie Schreien dar?

In der heutigen Zeit gehört das Schreien nicht in den Erziehungsstil moderner Eltern. Eine lautstarke Anweisung schadet der empfindsamen Seele des Sprösslings und bringt ihn in eine unterdrückte Position, was auf die Dauer zu einem geringen Selbstbewusstsein führt. Jedoch brauchst Du die Folgen bei einem gelegentlich lauten Wort nicht zu fürchten. Kein Kind steht in seiner Entwicklung zurück, weil die Eltern eine Anordnung oder ein Verbot brüllen. Hierbei achtest Du aber darauf, dass aus dem Geschrei keine Gewohnheit wird.

Viele vorwiegend junge Eltern verklären die Erziehung ihres Sprösslings. Dabei versuchen sie, den Nachwuchs mit Bitten und Diplomatie zu einer bestimmten Handlung zu bewegen oder im Gegenteil davon abzuhalten. Jedoch neigen die Kleinen dazu, die Ermahnungen von Mama und Papa zu ignorieren. Erhebst Du in der Folge die Stimme, erntest Du von Deinen Mitmenschen konsternierte Blicke, weil die Gesellschaft das Schreien tabuisiert.

Bei der Erziehung Deiner Tochter oder Deines Sohns steht das Wohlergehen des Kleinen im Mittelpunkt. Darum bemühst Du Dich, eine Komplikation auf friedliche Weise zu bewältigen. In der Praxis erweist sich dieses Ideal als schwierige Aufgabe, denn manchmal wollen Kinder nicht hören. Deine Schützlinge versuchen, ihren Willen durchzusetzen, missachten Verbote und ignorieren ruhig hervorgebrachte Bitten. In einer solchen Situation bildet das Schreien für viele Eltern den einzigen Ausweg.

 

Schadet das Schreien einer Eltern-Kind-Bindung?

Brüllen Mütter und Väter ihren Nachwuchs an, fürchten sie im Nachhinein, den emotionalen Kontakt zu den Kleinen zu verlieren. Durch ein aggressives Verhalten der Erziehungsberechtigten fühlen sich die Kinder unterdrückt und ziehen sich in sich selbst zurück. Hierbei gilt es jedoch, Schreien und Aggressivität voneinander abzugrenzen. Erhebst Du Deinem Schützling gegenüber die Stimme, versuchst Du nicht, ihm emotional zu schaden. Stattdessen stellt das Gebrüll eine Methode dar, um eine innere Anspannung zu lösen.

Bei bindungsorientierten Familien minimieren sich die Augenblicke, in denen bei den Eltern eine Überforderung entsteht. Daher schreist Du als moderner Vater Dein Kind nicht häufig an. In manchen Situationen überfordern Dich trotzdem die Emotionen und Du kompensierst sie mit einer lautstarken Ermahnung. Um Deinem Sprössling nicht das Gefühl zu geben, die jeweilige Situation zu verschulden, versuchst Du, Deine Gefühle herauszuschreien, ohne das Kind direkt zu kritisieren. Einzig das Herauslassen der angestauten Energie steht im Vordergrund.

Vielleicht hilft es Dir, in einem ärgerlichen Moment stetig einen Begriff schreiend zu wiederholen. Damit die Kleinen sich keine Schimpfworte merken, eignen sich beispielsweise die harmlosen Varianten: „Scheibenkleister“ oder „Verflixt“. Auf die Weise verletzt Du Dein Kind nicht durch eine unbedachte Äußerung und profitierst trotzdem von der entkrampfenden Wirkung des Brüllens.

 

Schreien und Gewalt gehören nicht zusammen

Löst Du durch das Schreien Deinen inneren Konflikt, trägst Du ihn selten nach außen. Bereits durch das Erheben der Stimme verpufft oftmals die Wut und die Wahrscheinlichkeit, dass Dir die Hand ausrutscht, sinkt. Dieser Umstand erhält Priorität, da Schläge in keinem Fall in die Erziehung Deines Sprösslings gehören. Diese Meinung vertritt die Mehrheit junger Eltern, wie eine Forsa-Studie aus dem Jahr 2011 bestätigt. Dabei erklären mehr als 50 Prozent der Befragten, dass sie sich um eine gewaltfreie Behandlung ihrer Kleinen bemühen.

Die gewaltfreie Kommunikation zwischen Eltern und Kind begünstigt das Herauslassen der eigenen Wut. Sobald sich der Zorn durch das Schreien auflöst, steht der Weg für eine konstruktive Lösung des Problems frei. Somit beteiligst Du Dich zusammen mit Deinem Schützling ohne unterdrückte Emotionen an dem klärenden Gespräch, sodass sich die Bindung zwischen Erziehungsberechtigten und Nachwuchs festigt.

Zudem bemerkt Deine Tochter oder Dein Sohn durch das gewaltfreie Schreien, dass auch Mama und Papa manchmal an ihre Grenzen stoßen. Durch den Aspekt entwickeln die Kleinen das Gespür für die Gefühle der Mitmenschen, wodurch es zu einer gesteigerten Empathie kommt. Im späteren Leben profitieren die Kinder von dieser Erkenntnis. Gleichzeitig lernen sie, dass das Schreien kein Tabu darstellt, solange es einen anderen Menschen nicht angreift. Ein herzhaftes Herausbrüllen der Wut fungiert nicht als Zeichen von Aggressivität. Stattdessen hilft es dabei, das innere Gleichgewicht wieder herzustellen.

 

Wie vermeiden wie als Eltern das Schreien

Damit Dein Nachwuchs einem Verbot oder einer Aufforderung Folge leistet, ohne dass gebrüllt werden muss, eignet sich das „Kontakten“. Teilst Du Deinem Kind etwas mit:

  • unterbrichst Du Deine Tätigkeit, um die Aufmerksamkeit des Kleinen zu erlangen,
  • trittst Du in das Sichtfeld des Sprösslings,
  • suchst Du Augenkontakt,
  • formulierst Du die Anweisung ruhig, kurz und präzise
  • bleibst Du konsequent.

Stößt Deine Bitte dennoch auf taube Ohren, versuchst Du, Deinen Nachwuchs mit Ich-Botschaften zu erziehen. Das bedeutet, dass Du den Schützling nicht als Person angreifst, indem Du sagst: „Du bist faul“ oder „Du bist ungehorsam“. Stattdessen vermittelst Du dem Kind Deine Gefühle in Form von: „Ich ärgere mich, wenn …“.

 

weiterführend:

http://www.intuitiveeltern.de/gewaltfreies-schreien

wer wir sind

Anna Nilsson Fach-/Medizinjournalistin

Anna Nilsson, als Medizinjournalistin und Autorin ist Sie verantwortlich für den Gesundheitsbereich auf Netpapa.de.


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