Papa, mir tut das Bein so weh! Wachstumsschmerzen bei Kindern: Ursachen, Symptome und Hilfe

Was sind nächtliche Wachstumsschmerzen bei Kindern?

Wachstumsschmerzen bei Kindern treten vor allem im Vorschulalter und in der Pubertät auf. Woher sie kommen, ist bis heute nicht genau geklärt. Sie zeigen sich nur abends und nachts und sind am Tage wieder verschwunden. Solche Wachstumsschmerzen sind bei Kindern harmlos, aber wenn etwas weh tut, kann das auch andere Ursachen haben. Dann sollten Sie das von einem Arzt abklären lassen.

Vielleicht kennst Du das? Filius kommt mitten in der Nacht und beschwert sichPapa, mir tut das Bein so weh!“. Wo es ganz genau schmerzt, kann er nicht sagen, aber in der Regel geht es um Ober- oder Unterschenkel in der Nähe des Knies. Seltener treten Wachstumsschmerzen an Armen oder Händen auf. Jedenfalls tut das so höllisch weh, dass an Schlaf nicht zu denken ist.

Diese Schmerzen in den Beinen bei Kindern sind typisch für die Hälfte aller Kinder im Vorschulalter und vor allem für Jugendliche in der Pubertät. Also zu Zeiten, in denen das Knochenwachstum am stärksten ist. Was nachts den Schlaf raubt, ist tags darauf wie weggeblasen, und die Kleinen toben wieder herum, als sei nichts gewesen.

Wachstumsschmerzen bei Kindern

Wachstumsschmerzen bei Kindern – Copyright: Yacobchuk, bigstockphoto.com

 

Wachstumsschmerzen bei Kindern: Ursachen

Worauf diese Wachstumsschmerzen bei Kindern zurückzuführen sind, weiß man sich bis heute nicht genau. Es gibt unterschiedliche Theorien. Mal sollen sie mit wachstumsbedingten Dehnungen von Sehnen und Bändern zu tun haben, mal mit Überanstrengung der im Aufbau befindlichen Muskulatur. Diese wird tagsüber stark beansprucht und meldet sich am Abend.

Ich persönlich finde die Theorie mit dem Knochenwachstum und der schmerzenden Knochenhaut am plausibelsten. Denn die Schmerzen treten just da auf, wo das stärkste Längenwachstum stattfindet. Die großen Röhrenknochen von Oberschenkel und Unterschenkel verlängern sich vorwiegend an den sogenannten Wachstumsfugen. Diese liegen etwas entfernt vom Kniegelenk im Oberschenkelknochen (Femur) und beim aus zwei Knochen bestehenden Unterschenkel an Schienbein (Tibia) und Wadenbein (Fibula).

Das Wachstum findet vorwiegend nachts statt, wenn der Körper verstärkt Wachstumshormome ausschüttet. Es geht dabei nur um wenige hundertstel Millimeter, in Wachstumsschüben bis zu 0,2 Millimeter am Tag. Das klingt auf ein ganzes Kind gerechnet nicht viel. Für eine einzelne Nervenzelle, die sich da irgendwo langmachen muss, ist das aber eine ganze Menge. Und Nervenzellen hat die empfindliche Knochenhaut jede Menge: Das können Sie spätestens bestätigen, wenn Ihnen Ihr Nachwuchs ans Schienbein tritt.

 

Wachstumsschmerzen Symptome erkennen:

Wachstumsschmerzen bei Kindern: Die typischen Symptome

Solche Wachstumsschmerzen sind von Kind zu Kind unterschiedlich. Die einen klagen öfters, bei anderen kommen sie so gut wie gar nicht vor oder werden nicht als dramatisch empfunden. Ziemlich typisch sind vor allen folgende Symptome:

  • Meistens schmerzen die Beine: Waden, Schienbein, Oberschenkel, seltener die Arme oder Hände. Die Gelenke (Knie) sind nicht betroffen.
  • Ganz genau können die Schmerzen nicht lokalisiert werden.
  • Die Schmerzen kommen abends und vor allem nachts in der Ruhephase, nie während körperlicher Bewegung. Am nächsten Morgen sind sie verschwunden und die Kleinen können sich schmerzfrei bewegen.
  • Nach reichlicher körperlicher Betätigung wie Wandern, Fußball oder sonstigem Sport treten Wachstumsschmerzen bei unseren Kindern bevorzugt auf.
  • Die Schmerzen halten nachts einige Minuten oder Stunden an, tagsüber fehlen sie.
  • Kinder beschreiben den Schmerz als stechend, brennend oder drückend.
  • Meist sind beide Beine betroffen, der Schmerz wandert von oben nach unten oder einem Bein zum anderen.
  • Die Schmerzen sorgen für einige schlaflose Nächte, verschwinden über Wochen oder Monate und kommen irgendwann wieder.

 

Wachstumsschmerzen bei Kindern: Wann sollte man zum Arzt gehen?

Man sollte sein Kind besonders im Auge behalten, wenn es über nächtliche Schmerzen klagt. So kann man andere Ursachen bereits relativ gut ausschließen. Dazu gehören Fieber, Verletzungen, Stauchungen, Prellungen und Blutergüsse. Gerade Fieber oder anhaltende Schmerzen auch am Tag, ohne dass der Kleine gefallen wäre oder sich sonst irgendwie verletzt hätte, sollten einen misstrauisch machen. Sicherheitshalber sollten Sie das von einem Kinderarzt abklären lassen.

 

Wachstumsschmerzen bei Kindern: Diagnose

Geht man mit den Kindern zum Arzt, stellt dieser die Diagnose Wachstumsschmerzen nach dem Ausschlussprinzip. Es handelt sich um Wachstumsschmerzen, wenn sich bei den Kindern keine anderen Ursachen finden lassen. Ausgeschlossen müssen bei der Differenzialdiagnose

  • Verletzungen mit Blutungen, Schürfwunden, Blutergüssen
  • rheumatische Erkrankungen (etwa rheumatisches Fieber nach Streptokokkeninfektion)
  • Entzündungen des Hüftgelenks (Hüftschnupfen, Coxitis fugax) sind ansonsten harmlos
  • sonstige Entzündungen mit Fieber, Rötungen, Schwellungen
  • Borreliose nach Zeckenbiss führt nach Monaten zu Gelenkschmerzen
  • für Kinder typische Grünholzfrakturen: Knochen brechen unvollständig wie frisches Holz, sodass die Hülle intakt bleibt
  • Tumoren: gutartige Osteoidosteome und Enchondrome, bösartige Osteosarkome, Chondrosarkome und Ewing-Sarkome; Leukämien

Gegebenenfalls nimmt der Arzt Blut ab, lässt röntgen und nimmt weitere Untersuchungen vor. Das kommt darauf an, welche Krankheiten infrage kommen.

 

Wachstumsschmerzen bei Kindern: Was hilft?

Wenn sich die lieben Kleinen über nächtliche Wachstumsschmerzen beklagen, sollten Sie sich liebevoll um sie kümmern. Meistens hilft es ungemein, wenn Sie sie bißchen in den Arm nehmen und trösten. Die Ablenkung beim Kuscheln sorgt dafür, dass der Schmerz nicht mehr so im Vordergrund steht.

Was gut hilft, sind Massagen, die die Durchblutung anregen. Bodylotion, Massageöl oder Salben mit Arnika oder Johanniskraut eignen sich bestens dafür. Den früher oft verwendeten Franzbranntwein sollte man vermeiden, da er die empfindliche Haut der Kinder angreift und austrocknet.

Wärme oder Kälte werden von Kind zu Kind als sehr unterschiedlich empfunden. Am besten probieren Sie aus, was Ihrem Kleinen am besten tut: warme oder kalte Wickel. Als Wärmespender ist eine Bettflasche sehr gut geeignet. Heute bekommt man diese auch in Kuscheltiere verpackt, sodass Kinder sie gerne annehmen. Oder ein schönes warmes Bad, bei dem sich Papa liebevoll um einen kümmert.

Medikamente sollten Sie eigentlich nur einsetzen, wenn die Schmerzen absolut unerträglich sind. Am besten in Rücksprache mit Ihrem Kinderarzt, der ihnen Paracetamol oder Ibuprofen verschreibt. Auf gar keinen Fall sollten sie ihrem Kind Tabletten oder Zäpfchen über einen längeren Zeitraum oder in höherer Dosierung geben. Die für Erwachsene vorgesehenen Mengen sind für die junge Leber absolut nicht geeignet!

In vielen Fällen hat sich eine homöopathische Behandlung bewährt, etwa mit Calcium phosphoricum. Dazu sollten Sie sich von einem erfahrenen Therapeuten beraten lassen.

 

Wachstumsschmerzen bei Kindern: Wie kann ich vorbeugen?

Sollten die Wachstumsschmerzen bei Ihren Kindern häufiger auftreten, müssen Sie auf gesunde und ausgewogene Ernährung achten. Gerade im Wachstum benötigen sie die notwendigen Vitamine und Mineralstoffe in großen Mengen. Vor allem Magnesium wird von vielen Ärzten empfohlen. Wenn Sie Ihren Kleinen dafür spezielle Präparate geben wollen, lassen Sie sich in der Apotheke beraten. Für Kinder gibt es spezielle Kapseln oder Brausetabletten, in denen die Wirkstoffe kindgerecht dosiert sind.

Auch regelmäßiges Herumtoben und viel sportliche Betätigung halten die Schmerzen geringer als bei kleinen Couch potatoes, die nur den ganzen Tag vor dem Fernseher verbringen. Vor Sport sind Dehnungsübungen und Aufwärmtraining wichtig.

Redaktion, Mario Förster, Dr. Harald Stephan

Quellen, Literatur

  1. Herbert Renz-Polster,‎ Nicole Menche,‎ Arne Schäffler: Gesundheit für Kinder: Kinderkrankheiten verhüten, erkennen, behandeln: Moderne Medizin – Naturheilverfahren – Selbsthilfe. 6. Auflage. München: Kösel-Verlag (2017). ISBN-10: 3466309042.
  2. Jörg Nase, Beate Nase: Kinderkrankheiten: Das Standardwerk für Kinder von 0 bis 16 Jahren (GU Große Ratgeber Kinder). München: Gräfe & Unzer-Verlag (2013). ISBN-10: 3833829095

wer wir sind

Dr. Harald Stephan, Wissenschaft-/ Fachautor

Dr. rer. medic. Harald Stephan, er ist Wissenschaft-/ Fachautor und Naturwissenschaftler mit medizinischer Promotion und bei Netpapa.de verantwortlicher Experte und Autor für medizinische Themen.


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