Vater sein, heißt auch: Fehler machen um daraus zu lernen..

In der Erziehung unserer Kinder lässt sich kaum jemand in die Karten gucken. Regeln, Normen und Pflichten bleiben unter Verschluss. Ich finde, wir vergeben ein unschätzbares Potenzial, indem wir über unsere Erziehung den Deckmantel des Schweigens hüllen.

Leider denken viele Eltern, sie seien strahlende Halbgötter, die den richtigen Weg zum golden Gral mustergültiger Kinder in den Händen halten. Dabei wissen wir alle das wir täglich Fehler machen, als Vater und Mutter.

Vater sein und Fehler machen

Was wir an dieser Stelle vergessen, diesen einen perfekten Weg im Leben gibt es gar nicht. Wir sollten auch im Umgang mit unseren Kindern unseren Instinkten vertrauen und Fehler zulassen. Sie bringen uns nämlich erst hin zu einem vertrauensvollen Verhältnis. Fehler gehören zum Lernprozess.

Es wäre übertrieben anzunehmen, unsere Kinder würden einen desaströsen Schaden aus unserer Erziehung nehmen, wenn wir etwas Neues probieren und auf unser Bauchgefühl hören, mit dem Risiko einen Fehler zu begehen. Vertraut auf die Antennen eurer Kinder. Sie spüren Fehler und können verzeihen.

Mein Beispiel aus dem Familienalltag:

Unser Taschengelddilemma

Meine beiden Jungs sind acht und sechs Jahre alt. Sie befinden sich in einer spannenden Phase. Auch für uns Eltern ist das mit Herausforderungen verbunden, sehen wir unsere Kinder doch in bisher ungeahnten Situationen und müssen realisieren, dass sie allmählich älter werden und ihre Entscheidungen treffen.

Für mich war das Taschengeld für meine Kinder ein wesentlicher Faktor, ihnen ein Stück Autonomie und Selbstbestimmtheit zu übergeben. Dabei habe ich mich in erster Linie nicht um die Höhe des Taschengelds gekümmert, sondern wollte meinen Jungs ausreichend Bares mit auf den Weg geben.

Im Grunde genommen meinte ich es gut. So hat der Große fünf Euro in der Woche bekommen und der Kleine vier Euro. Was ich an dieser Stelle gar nicht realisiert hatte, meine Kinder haben gar keine Gelegenheit, diese Summen in sieben Tagen zu verbrauchen.

- Fehler im Alltag machen gehört dazu
Vater sein – Fehler im Alltag machen gehört dazu.. Copyright: VadimGuzhva bigstockphoto

Ich habe ihnen von Anfang an viel zu viel Geld in die Hand gedrückt. Zunächst hatte ich mich gefragt, warum sich meine Kinder eigentlich so viel Unsinnigkeiten und Süßigkeiten von ihrem Geld kaufen. Ich bin nicht darauf gekommen, dass ich vielleicht die Ursache des Fehlers und meiner eigenen Unstimmigkeit bin. Was sollen die beiden anderes machen, wenn sie jede Menge Geld pro Woche zur Verfügung haben und gar nicht mehr wissen, für was sie es verwenden sollen.

Ich bin nach einem Jahr zu der Einsicht gekommen, dass meine Jungs zu viel Taschengeld bekommen. Dabei musste ich mit mir schwer ins Gericht gehen, wollen wir Eltern doch immer das Beste für unsere Kinder. Doch viel hilft nicht immer viel. In erster Linie geht es darum, den Umgang mit dem Geld zu lernen und die Erfahrung zu machen, dass nach einem Einkauf die Taschen auch mal leer sind.

  • Wie fühlt es sich an, Geld auszugeben?
  • Was kann ich mir für mein Taschengeld leisten?
  • Was möchte ich mir kaufen?
  • Worauf möchte ich sparen?

All dies sind spannende Fragen, die an die entsprechende Taschengeldhöhe gebunden sind. Ich habe also nach dem ersten Probejahr eingelenkt, mit meinen beiden Jungs geredet und das Ganze auf ein gesundes Maß reduziert.

Heute bekommt mein 9-Jähriger drei Euro in der Woche und mein 7-Jähriger zwei Euro in der Woche. Ich hatte erst Bedenken, die Kürzung würde die Laune meiner Jungs auf die Probe stellen. Doch da habe ich mich geirrt. Sie hatten sogar Verständnis und kommen jetzt mit ihrem Taschengeld viel besser zurecht.

zum Thema: „Väter machen Fehler“

… Schreiben auch ganz ehrlich:

Gregor vom Papa Blog Casual Dad
hier: www.casualdad.at/papas-machen-fehler

und Andreas von Papa Online 
hier: www.papa-online.com/papas-machen-fehler

… Möchte ich Euch dieses Buch ans Herz legen:

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Fehler gehören zur besten Erziehung

Ob ihr es glaubt oder nicht, selbst die besten Mamas und Papas machen Fehler und das ist auch überhaupt nicht schlimm. Das Taschengelddilemma aus meinem Beispiel beweist einmal mehr, dass Eltern ebenso lernen wie ihre Kinder.

Wir sollten unsere Kinder als Individuen annehmen und nicht versuchen, bestimmte Lebensphasen perfekt zu meistern und einem unsinnigen Idealbild hinterher zu hecheln. Dann können wir getrost Bücher über „kleine Tyrannen“ und „unzähmbare Jugendliche in der Pubertät“ beiseite lassen.

Es sind oftmals die falschen Erwartungen und unser Idealbild, das zu Reibungen und Konflikten führt. Eine Basis für ein gesundes Verhältnis in der Familie ist Respekt voreinander, die gegenseitige Würde und ein tiefes Vertrauen.

Vergesst die harte Hand in der Erziehung

Ich verweise in diesem Zusammenhang auf den Familientherapeuten Jesper Juul, der in seinem Erziehungskonzept das Kind als emotionales und sozial kompetentes Wesen beschreibt, das wir auch als solches behandeln sollten.

Er fordert eine klare Linie, die Eltern mit ihren Kindern konsequent verfolgen, um sich von dem Bild der „harten Hand“ endlich zu lösen. Quälen wir unsere Kinder ständig mit Verboten, Strafen und stundenlangen Vorträgen über das gute Benehmen, bekommen sie auf lange Sicht das Gefühl, sie wären – so wie sie sind – nicht richtig.

Lasst eure Kinder los

Klar, wir Väter wollen unsere Kinder vor allem Unheil der Welt bewahren. Dabei mutieren wir zu Helikopter-Eltern und Übervätern, die alles kontrollieren. Was wir uns ins Gedächtnis rufen sollten: Fehler, Enttäuschung, Schmerz und negative Gefühle gehören zum Leben.

Das sind wichtige Erfahrungen, die sich förderlich auf die Entwicklung auswirken. Wir sollten uns also vielmehr darauf beschränken, unseren Kindern ein vertrauensvoller und starker Partner zu sein, der in schwierigen Situationen eine helfende Hand reicht. Den Weg müssen die Kinder aber alleine gehen.

Der längere und intensivere Weg ist herauszufinden, was zu dem Verhalten unserer Kinder geführt hat. Das dauert erst einmal länger, ist aber eine grundlegende Voraussetzung, später eine positive Beziehung zu unserem Nachwuchs aufzubauen.

Es gibt keine perfekten Eltern!

Heute wollen wir die Gelegenheit nutzen und bei der Ansicht ansetzen, dass es gar keine perfekten Eltern gibt. Auch wenn das Ganze im ersten Moment beruhigend klingen mag, ist es anstrengend, neue Wege in der Beziehung zu unseren Kindern zu gehen.

Wenn wir damit beginnen, zu unseren eigenen Fehlern zu stehen und unsere Kinder als soziales Individuum anzunehmen und zu verstehen, sind wir einen gehörigen Schritt vorangekommen.

Es ist unsere Aufgabe, unsere Fehler anzunehmen und nach einer Lösung zu suchen. Schiebt die Verantwortung und eure Enttäuschung auf keinen Fall auf eure Kinder ab. Das kann desaströse Folgen für ihr Selbstbild haben.

Ich bin ein Papa, der in der Erziehung und im Umgang mit den Jungs jede Menge Fehler macht. Für mich ist das Taschengelddilemma ein Beweis, dass es sich lohnt, über die eigenen Entscheidungen nachzudenken und diese zu hinterfragen.

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