Ein guter Vater sein trotz Trennung

Gehen Mama und Papa getrennte Wege, hat das unwiederbringliche Auswirkungen auf die gesamte Familie. Nach einer Scheidung ist eigentlich nichts mehr wie es war. Zurecht machen sich die Väter Gedanken darüber, ob sie überhaupt noch genug für Ihre Kinder da sein können und inwieweit sie als „Familienoberhaupt“ ihr Gesicht bewahren. Wir wollen uns in diesem Beitrag mit dem sehr sensiblen Thema auseinandersetzen und herausfinden, wie es möglich ist, ein guter Vater trotz Trennung zu sein.

Vater und Tochter
Als Vater trotz Trennung zu den kindern halten, Copyright: tmelnikova, bigstockphoto

Die Trennung als neue Chance für eure Familie

Ich bin mir darüber im Klaren, dass es nicht einfach ist, eine Trennung als Neuanfang oder als etwas Positives anzusehen. Aber vielleicht solltest du als Papa die Gelegenheit nutzen, dein Leben neu zu ordnen und auch in die Beziehung zu deinen Kindern zu intensivieren. Für Trennungen gibt es in den meisten Fällen gute Gründe. Gehen beide fair miteinander um oder bist du bereit dein Leben auf deine Kinder auszurichten, können alle zur Ruhe kommen. Über allem schwebt die Botschaft für alle Kinder, dass sie nicht mit der Trennung zu tun haben und die Eltern immer für sie da sind.

Fairness und Respekt im gegenseitigen Umgang

In erster Linie geht es nach der Trennung um einen fairen Umgang und die Erziehung, Liebe und Zuneigung zu den Kindern, die ihr beide in die Welt gesetzt habt. Leider verlieren das zerstrittene Paare angesichts einer Trennung und anstehenden Scheidung schnell aus dem Blick. Zu Recht haben viele Männer Angst, ihre Beziehung nach der Trennung zu den Kindern zu verlieren. Keine Frage, nicht nur für eure Kinder bricht eine Welt zusammen. Auch dein Leben gerät vollkommen aus den Fugen. Schließlich gibt es die Familie nach der Trennung so nicht mehr, wie es vorher der Fall war. Vielleicht geht es in erster Hilfe darum, eine gleichberechtigte Elternrolle und Erziehung aufzubauen.

Auch nach der Trennung bleibt ihr Eltern

Nach einer Trennung seid ihr vielleicht nicht mehr Mann und Frau. Ihr bleibt aber auf jeden Fall die Eltern eurer Kinder. Die Trennung der beiden Ebenen wird euch ein Leben lang beschäftigen und gehört zu einer der schwierigsten Aufgaben. Oberste Priorität hat die gemeinsame Elternverantwortung. Es gibt es mittlerweile Vereine, wie zum Beispiel Väteraufbruch für Kinder von Markus Witt, die sich eingehend mit diesem Thema beschäftigen und Papas helfen.

Gerade nach einer Trennung verfallen viele in Stereotype. Aus dem Vater wird der Familienernährer. Dabei haben die Väter in den letzten Jahren so viel mehr Aufgaben übernommen, die weit über die Rolle des Ernährers hinausgehen. Es besteht kein Grund, einen Spielenachmittag oder eine Ausrichtung des Kindergeburtstages als herausragende Spitzenleistung zu feiern, genauso wenig haben die Papas es verdient, dafür komisch angesehen zu werden. Wollt ihr auch im Nachhinein die Elternaufgaben fair verteilen, solltet ihr diesen Respekt auch im gegenseitigen Umgang bewahren. Zumeist laufen dann die Erziehungsziele gegeneinander. Es bringt nichts, den Partner mit einem Lächeln abzutun und seinen persönlichen Erziehungsstil durchzudrücken. Vielmehr solltet ihr eure Meinungen respektieren und versuchen so vernünftig wie möglich durch die Erziehung zu gehen. Schließlich geht es in erster Linie um eure Kinder, die nicht für eure Trennung können.

Streit vor Kindern ist tabu

Streit vor den Kindern auszutragen wird zu einer enormen Belastung, die eine Trennung noch weiter anfeuert. Einige Kinder fühlen sich hin- und hergerissen. Sie denken, sie müssen sich zwischen Mama und Papa entscheiden, diskutieren mit ihren Eltern, spielen sie gegenseitig aus oder werfen sich auf eine Seite. Nichts dergleichen gehört in den Verantwortungsbereich der Kinder.

Kinderbetreuung gerecht aufteilen

Nun könnt ihr etwas durchatmen: Tatsächlich schaffen es immer noch 80 % aller Mamas und Papas nach der Trennung, sich im gegenseitigen Einvernehmen um die Betreuung der Kinder zu kümmern. Oftmals verändert sich nach der Trennung auch das Beschäftigungsverhältnis, viele Mamas gehen wieder arbeiten oder mehr Stunden in der Woche arbeiten. Im besten Fall unterstützen sich beide Eltern und entwickeln einen festen Wochenrhythmus, der auch den Kindern eine gute Orientierung und Struktur bietet. Dabei macht es nur wenig Sinn, die Zeiten asketisch 50 zu 50 aufzuteilen. Manche Eltern entscheiden sich für Wechselmodelle und orientieren sich dann immer an den Arbeitszeiten, den Ferienzeiten und der Betreuung, die allen Familienmitgliedern gerecht wird.

Die Finanzfrage: Was brauchen die Kinder?

Eine weitere wichtige Aufgabe, die du möglichst kurzfristig mit der Ex-Partnerin besprechen solltest es die Finanzierung. Oftmals verdient ein Elternteil mehr als das andere. Hier steht der Mutter bzw. dem Elternteil Kindesunterhalt zu. Dafür solltet ihr euch möglichst emotionslos, neutral und in Ruhe zusammensetzen, um eine vertretbare Lösung zu finden, die dich nicht gleich in den Ruin treibt. Einige  Frauen reagieren nach der Trennung von ihrem Mann äußerst sensibel, wenn dieser schnell eine neue Partnerin findet und drücken dann auf die Preisbremse. Das schmerzt nicht nur den Geldbeutel, sondern schafft unnötige Distanz zu den Kindern.

Ein neuer Partner oder eine neue Partnerin ist niemals ein Elternersatz – dennoch steigen Angst und Misstrauen, wenn eine neue Person an der Seite auftaucht. Bei einigen getrennten Paaren entsteht dann erst der eigentliche Konflikt. Wenn kein Weg mehr zusammenführt, können Mediation und Beratungsstellen in eurer Nähe helfen, euch wieder langsam aufeinander zuzubewegen.

Wertvolle Familienzeit: Vater-Kind-Beziehung

Wichtig für eine funktionierende Vater-Kind-Beziehung ist die gemeinsame Zeit. Auch die alltäglichen Verpflichtungen wie die Geschichte vor dem Bett oder das gemeinsame Essen gehören dazu. Vielleicht gehst du mit deinem Kind regelmäßig zu einem Sportnachmittag und übernimmst einige Alltagsaufgaben. Die Betreuungszeit ist nicht nur auf die Wochenenden beschränkt. Ihr könnt ganz einfach kreative Lösungen finden und euch so gut wie es geht die Erziehungsaufgaben teilen. Das setzt natürlich voraus, dass ihr miteinander sprecht und euch verständigt.

Das Jugendamt und das Gericht sind der letzte Weg und nicht der erste Schritt, um einen Partner unter Druck zu setzen. Du solltest dir von Anfang an darüber bewusst sein, dass Gerichtsverhandlungen sehr lang dauern und äußerst kräftezehrend sind. Was könntest du in dieser Zeit mit deinem Kind erleben?

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