Spielzeugwaffen für Kinder – Gewaltanstiftung oder harmloses Spiel?

Warum Jungs gerne mit Waffen spielen

Immer wieder fragen wir uns, warum Jungs so unheimlich gern mit Schwertern, Gewehren und Pistolen bewaffnet in den Garten ziehen. Insbesondere im Alter von 3-4 Jahren nimmt die Leidenschaft für diese doch recht eigenartigen Spielzeuge zu. Die meisten Eltern schauen verzweifelt auf diese Situation und wissen sich nicht, dagegen zu erwehren. Dabei verweisen die Erziehungswissenschaftler darauf, dass es sich hierbei um eine zumeist unbewusst ablaufende Rollenerziehung in den Familien handelt.

Wir schauen für Euch hinter dieses Phänomen um herauszufinden, warum Jungs gerne mit Spielzeugwaffen spielen.

Kinder und Spielzeugwaffen

Spielzeugwaffen gehören zur Entwicklung dazu Urheber: evdoha / 123RF

Wenn der Familienausflug zum umkämpften Gefecht ausartet …

Begeben wir uns in die Situation eines Familienspaziergangs durch den Wald. Es herrscht ausgelassene Stimmung. Ihr sucht gemeinsam mit Euern Kindern nach Stöckern, Blättern und allerlei Gehölz, Ästen und Naturmaterialien. Danach wollt Ihr gemeinsam etwas zuhause basteln. Der Spaziergang ist in vollem Gange und die Kinder bringen einen Stock und einen Stein nach dem anderen. Auf einmal dreht sich Euer Sohn um, greift sich einen Stock und fängt an, damit in der Luft zu fuchteln. Vom einen zum anderen Moment scheint ein Kampf auszubrechen.

 

Kinder, die von Superhelden umgeben sind

Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie Euer Kind in diesem Moment darauf gekommen ist? Im Prinzip bietet es sich an, in diesem Zusammenhang auf die typischen Rollenbeispiele zu verweisen, die uns tagtäglich aus den Medien erreichen. Es ist von männlichen Superhelden die Rede, die im Kampf gegen das Böse alle anderen retten und beschützen. Die Polizisten und Roboter kämpfen erbittert für das Gute. Aber nicht nur aus dem Fernsehen schwappen diese Rollenmodelle auf uns herüber, auch aus Büchern und Heften, Comics und Tauschkarten lächeln uns die Superhelden und die Kämpfer in männlicher Rüstung entgegen.

 

Unbewusste Prägungen durch soziales Umfeld

Wer an dieser Stelle denkt, dass Neigungen zu den Waffen zu greifen und zu kämpfen einzig und allein durch Kinder bestimmt sind, irrt gewaltig. Wir haben es hier mit einem kulturellen Phänomen zu tun, das sich in der Umgebung und im sozialen Gefüge weiter verstärkt. So bestärkt der Opa seinen Enkel mit einem geschnitzten Schwert eben genau in dieser Ansicht. Dazu kommen die Einflüsse über gleichgeschlechtliche Freunde, die im Kindergarten ähnliche Gegenstände und Spielzeuge mitbringen, um sich gegenseitig zu dominieren. Euer Kind bekommt es vorgelebt, dass der Bezug auf Waffen und der gegenseitige Kampf vollkommen natürlich sind. Diese unentwegte Bestätigung gerade in der Prägephase lässt sich nicht einfach von der Hand weisen.

65290301 – Urheber: jegesvarga / 123RF
Kind mit Spielzeuggewehr

 

Hilfe mein Kind spielt mit Waffen!

Nun voller Sorge auf diese Phänomene zu blicken, würde anfangs zu weit führen. Wissenschaftler verweisen darauf, das Macht und Gewalt als Inhalte von Spielen vor allen Dingen zur Entwicklung von Kindern dazugehören. In den meisten Fällen ist zu erkennen, dass gerade die wilden und ernsthaften Kampfszenen und der kindliche Krieg von ganz alleine wieder abflacht.

Dieses enorme Interesse können wir gerade bei Kindern in unterschiedlichen Altersstadien beobachten. So zählen Dinosaurier für einige Kinder und insbesondere Jungs gerade über ein bis zwei Jahre zum absoluten Lebensinhalt oder der Ritter in seiner Rüstung sowie andere Helden aus dem direkten Umfeld. In den meisten Fällen haben wir es über ein paar Jahre mit einem extremen Interesse zu tun, das dann auf einmal – für uns Eltern scheinbar über Nacht – abflacht. Insbesondere wenn Kindergartenkinder in die Grundschule wechseln, bilden sich vollkommen neue Interessenbereiche aus. Hier werden Sie eine enorme Entwicklung und Umorientierung Ihrer Kinder erkennen.

 

Was sind Spielzeugwaffen? Was ist Kriegsspielzeug?

Nun gleich beim Ritter in Rüstung mit seinem Schwert oder beim Piraten mit seinem Säbel von drastischem Kriegsspielzeug auszugehen, wäre ebenso übertrieben. Hier müsst Ihr Euch im Prinzip keine Sorgen machen, da diese sagenumwobenen Figuren direkt mit ihren Waffen verbunden sind. Davon abzuraten wäre es, originalgetreue Panzer und Soldaten zu kaufen. Darüber hinaus ist zu beachten, dass gerade im Bereich des Kleinkindspielzeugs auf originalgetreue Kriegsspielzeuge oftmals verzichtet wird.

 

Neue Reize und Spielthemen aufzeigen

Bis zum heutigen Tage haben sich keine empirischen Beweise durchgesetzt, dass sich kleine Kinder und das damit zusammenhängende wilde kriegerische Spiel negativ auf die spätere Entwicklung ausgewirkt haben. Für alle Eltern könnte die Aufgabe darin bestehen, dass die Spiele auch in den Hochphasen des Interesses unserer Kinder nicht einzig und allein aus stetigem Kampf bestehen. Animieren Sie Ihre Kinder, immer wieder ein neues Spiel zu starten und zum Beispiel über

  • kreative Spiele,
  • Malen,
  • Basteln oder
  • über Gesellschaftsspiele und Brettspiele,
  • über andere Märchen und Bücher auf andere Themenbereiche zu verweisen.

 

Wir haben die Möglichkeit unseren Kleinkindern, so viele Impressionen wie möglich zu liefern, um neue Wege und neue Spielformen sowie Themen aufzuzeigen – die frei von Waffen sind. Viele Kinder nehmen dies mit Interesse auf und lassen es direkt in das kindliche Spiel einfließen.

 

Praktische Tipps der Redaktion für Eltern:

  • Piraten und Ritter gehören zu den typischen Spielzeugen in Verbindung mit Waffen, die bei uns Eltern nicht sofort zu Problemen führen.
  • Seither gibt es keine empirischen Beweise, dass Waffen zu späteren Entwicklungsstörungen führen.
  • Wir Eltern sollten unsere Kinder immer wieder zu anderen Spielen animieren. Darüber hinaus gilt es, von originalgetreuen Kriegsspielzeugen, wie Panzern oder Soldaten sowie Kriegsschauplätzen, abzusehen.
  • In den meisten Fällen legt sich das starke Interesse für Waffen wieder, zumeist wenn die Kinder in die Schule kommen.

 

Familie

wer wir sind

Mario, vom Netpapa Team

Als begeisterter Vater und Herausgeber von Netpapa.de eines der größten deutschsprachigen Vätermagazine, freue ich mich, Dir gemeinsam mit anderen Autoren viele hilfreiche Themen vorstellen zu können. Unsere Redaktion besteht aus Journalisten, Erziehern, Pädagogen und Mediziner aber vorallem sind wir Väter.


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