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Wissensdefizite im wiederholten Schuljahr ohne Druck aufholen

Bleibt Dein Kind am Ende des Schuljahres sitzen, folgen Frust und Enttäuschung. Anderseits bietet sich durch das Sitzenbleiben die Chance, mit der Wiederholung des behandelten Stoffs Wissensdefizite aufzuarbeiten. Dafür bedarf es der Unterstützung der Eltern und der gemeinsamen Suche nach den Problemen für die Schwierigkeiten in der Schule.

Sitzenbleiben
Sitzenbleiben, die Klasse nochmal wiederholen? Copyright: Yastremska, bigstockphoto

Was Eltern beim Wiederholen der Schulkasse beachten sollten

  • Schülern eröffnet sich beim Sitzenbleiben die Chance, über das zusätzliche Jahr Lücken beim Lernstoff aufzuholen.
  • Suche gemeinsam mit Deinem Kind und den Eltern nach den Ursachen der schlechten schulischen Leistungen.
  • Erarbeitet einen Lernplan, um zielgerichtet Wissensdefizite zu beheben.
  • Nachhilfe gilt als sinnvoll, sofern sie nicht nach einem ohnehin bereits anstrengenden Schultag stattfindet.
  • Bleibt ein Kind dauerhaft unter dem geforderten Leistungsniveau, empfiehlt sich ein Wechsel der Schulform.
     

Wiederholung einer Klasse – Chance durchs Sitzenbleiben

Stehen am Schuljahresende zu schlechte Noten im Zeugnis, muss Dein Kind die Klasse wiederholen. Reicht es knapp für die Versetzung, besteht die Möglichkeit, das Schuljahr freiwillig zu wiederholen. Dabei eröffnet sich durch das Sitzenbleiben die Chance, vorhandene Lücken aufzuholen. Dennoch stellen derartige Fälle keine leichte Situation für die Familie dar. Als Eltern fürchtet Ihr aufgrund der schlechten schulischen Leistungen um die berufliche Zukunft Eurer Kinder. Dein Kind steht ebenfalls vor einer großen Herausforderung. Es geht nicht mehr mit dem bisherigen Freundeskreis in eine Klasse. Außerdem kränkt Sitzenbleiben das Selbstbewusstsein, mitunter demotiviert die Wiederholung.

Ohnehin gibt es in Deutschland seit einiger Zeit eine kontroverse Debatte um das Sitzenbleiben. Pädagogen und Schulpsychologen streiten über Sinn und Nutzen der Wiederholung einer Klasse. Hinzu kommen Untersuchungen, die vor den Kosten warnen, welche durch Sitzenbleiber entstehen. Gleichwohl existieren mehrere Argumente dafür, das Sitzenbleiben als Chance aufzufassen.

Rückläufige Zahlen der Wiederholer

Die Zahl der Schüler, die am Jahresende keine Versetzung erhalten, nimmt in Deutschland kontinuierlich ab. Gegenüber dem Beginn des Jahrtausends halbierte sich ungefähr der Anteil der Sitzenbleiber. Er liegt bei weniger als zwei Prozent. Bei der letzten PISA-Studie gaben ca. 18 Prozent aller 15-jährigen Deutschen an, dass sie mindestens eine Klasse wiederholten. Ob sich wirklich durch das Sitzenbleiben eine Chance für die Betroffenen ergibt, hängt wesentlich vom Umgang mit der Situation ab.

Wiederholung der Klasse nimmt Leistungsdruck

Grundsätzlich bleibt die Versetzung aus, wenn ein Schüler den Anschluss an das Leistungs- und Wissensniveau seiner Klasse verliert. Die konkreten Regelungen hängen vom jeweiligen Bundesland ab. Liegt das individuelle Leistungsvermögen erheblich unter dem Klassenniveau, stellt das eine Belastung für den Schüler dar. Die Wiederholung der Klasse nimmt den Leistungsdruck von ihm. Stattdessen erhält er durch das Sitzenbleiben die Chance, das erforderliche Leistungsniveau im wiederholten Schuljahr zu erarbeiten.

Als Indikator für eine gefährdete Versetzung gilt das Halbjahreszeugnis. Oft zeigt sich bereits zur Mitte des Schuljahres, dass eine Wiederholung droht. In diesem Fall empfiehlt es sich, gemeinsam mit Deinem Kind nach den Ursachen zu suchen. Mit der notwendigen Motivation besteht die Möglichkeit, in der verbleibenden Zeit den fehlenden Lernstoff aufzuholen.

Sitzenbleiben als Chance oder Unsinn? Wissenschaftler uneins

Aus wissenschaftlicher Perspektive gilt die positive Wirkung des Sitzenbleibens als umstritten. Es existieren durchaus Studien, die belegen, dass es sich tatsächlich um eine Chance handelt. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2005 analysierte den Bildungsweg von insgesamt 2.500 Schülern. Das Ergebnis: Rund die Hälfte aller Sitzengebliebenen erzielten im direkten Vergleich mit den versetzten Schülern später bessere Abschlüsse.

Als entscheidender Vorteil des Sitzenbleibens zeigt sich der Wissensvorsprung eines Wiederholers. Gegenüber der neuen Klasse kennt Dein Kind bereits den Stoff. Dadurch fällt es leichter, das im Lehrplan vorgesehene Wissen zu erwerben. Allerdings zeigen andere Untersuchungen, dass sich durch das Sitzenbleiben langfristig gesehen keine Erfolgsgarantie einstellt. Oft wiederholen sich mittelfristig die Probleme bei den schwierigen Fächern in höheren Klassen.

Abhängig vom Bundesland existieren unterschiedliche Regelungen hinsichtlich des Zugangs zum Gymnasium. Aus diesem Grund erwägen manche Eltern eine freiwillige Wiederholung der vierten Klasse, um die Chancen des Übertritts zu verbessern. Davon raten Experten ab.

Der richtige Umgang mit dem Sitzenbleiben

Generell stellt es eine Herausforderung dar, eine Klasse zu wiederholen. Insbesondere am Anfang überwiegt die Enttäuschung. Dazu kommt bei manchen die Angst vor der neuen Klasse. Daher braucht Dein Kind unbedingt das Verständnis und die Unterstützung seiner Eltern. Es empfiehlt sich, gemeinsam mit den Lehrern die Ursachen der mangelhaften schulischen Leistungen zu suchen. Nicht immer stellt nur fehlender Fleiß den Grund für die Klassenwiederholung dar. Zu den möglichen Auslösern gehören:

  • familiärer Umzug,
  • Trennung der Eltern,
  • verpasster Unterricht aufgrund längerer Krankheit,
  • Verständnisprobleme,
  • Rechenschwäche,
  • Lese- oder Schreibschwäche,
  • Konflikte mit Mitschülern.
     

In der gemeinsamen Analyse geht es auch um die Frage, ob Dein Kind nur vorübergehend nicht das erforderlichen schulischen Ergebnisse erzielt. Manchmal überfordert das Niveau dauerhaft die Schüler. In diesem Fall kommt ein Wechsel der Schulform infrage.

Wiederholung der Klasse als geschenkte Zeit auffassen

Vermittle Deinem Kind, dass es sich bei der Klassenwiederholung um geschenkte Zeit handelt. Es gilt jetzt, diese zusätzliche Zeit zu nutzen. Die Chance, beim Sitzenbleiben Wissensdefizite aufzuholen, erfordert einen Lernplan. Erarbeite mit Deinem Kind, mit welchen konkreten Maßnahmen Ihr zusammen die erkannten Lücken aufarbeitet. Bei der Umsetzung benötigt Dein Kind Deine Begleitung. Achte darauf, dass die vereinbarten Zeitpunkte und Inhalte eingehalten werden. Nimm Dir Zeit, um bei Verständnisschwierigkeiten den Lernstoff zu erklären. Kleine Belohnungen für erreichte Ziele wirken motivierend.

Manchmal hilft es, wenn Kinder versuchen, ihren jüngeren Geschwistern den Lernstoff zu erklären. Durch eigene Erklärungen fällt es leichter, die Inhalte zu verinnerlichen und noch bestehende Schwierigkeiten zu identifizieren.

Nachhilfe nicht immer sinnvoll

Bei schlechten schulischen Leistungen folgt häufig die Frage, ob Nachhilfe zu besseren Noten führt. Grundsätzlich besteht bei einer an den tatsächlichen Defiziten ausgerichtete Nachhilfe die Chance auf Verbesserung. Allerdings bedarf es der sinnvollen Integration in den Tagesablauf. Insbesondere der Lehrplan beim achtjährigen Gymnasium nimmt täglich viel Zeit in Anspruch. Nach einem ohnehin schon erschöpfenden Tag in der Schule verfehlt die Nachhilfe die erwünschte Wirkung. Experten raten zu entsprechenden Programmen, die in den Sommerferien stattfinden.

Quellen und Links:

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