Nachträgliche Änderung der Zeugnisnote, geht das?

Die Zeugnisse sind für die einen Giftblätter und für die anderen eine Belohnung. Zumeist wissen die Schüler noch vor ihren Eltern, dass sie in einem Fach eine schlechte Note gefangen haben. Aus Angst vor Enttäuschung und unangenehmen Familiendiskussionen, verschweigen viele Schüler bis zum Ende die Zeugnisnote. Sie fühlen sich ungerecht behandelt. An alledem sei der Lehrer schuld. Er hat zu wenig Noten verteilt oder konnte dich nicht leiden? Ich hatte überhaupt keine Chance, mich zu verbessern. Die Gründe für die Überlegungen über eine nachträgliche Änderung einer Zeugnisnote sind verschieden. Doch gibt es ja tatsächlich eine Möglichkeit? Wir suchen nach einem rechtlichen Schlupfloch.

Lehrerkonferenz berät über einen Einspruch zur Schulnote
Lehrerkonferenz berät über einen Einspruch zur Schulnote eines Schülers Copyright: fizkes, bigstockphoto

Wer entscheidet über die Zeugnisnote?

In Bezug auf die Notengebung gelten die Leistungen, die ein Schüler im Laufe des Schuljahres erbracht hat. Dafür gibt der Fachlehrer in Abstimmung mit dem Klassenlehrer für das Unterrichtsfach eine Zeugnisnote. Kommt es in dieser Zusammenarbeit nicht zu einer Einigung, entscheidet der Schulleiter oder die Schulleiterin. Generelle Regelungen über eine nachträgliche Änderung von bereits erteilten Zeugnisnoten lassen sich auf Anhieb nicht finden. In einigen Bundesländern wie Baden-Württemberg gibt es sogar einer Noten Bildungsverordnung.

Ist die Schule ein rechtsfreier Raum?

Die Schule ist auch im Hinblick auf die Rechtsprechung ein besonderer Fall. Früher galt sie im Einvernehmen und Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern als rechtsfreier Raum. Das gab den Pädagogen uneingeschränkte Macht. Wir haben es unserer modernen rechtsstaatlichen Anschauung zu verdanken, dass diese veraltete Auffassung immer mehr verschwindet.

Was können Eltern gegen falsche Noten tun?

Auf den Seiten der Stiftung Warentest habe ich ein Interview mit einer spezialisierten Anwältin zum Schulrecht gefunden, die interessanten Antworten auf die häufigsten Fragen zur Not Hingebung hat. Schauen wir uns einmal an, was Simone Pietsch geantwortet hat.

Was können Eltern tun, wenn die Zeugnisnote nicht gerechtfertigt ist?

Simone rät dazu, das Gespräch mit dem Lehrer zu suchen. Auch eine Zeugnisnote ist eine subjektive Wahrnehmung eines Schülers. Viele Kinder verhalten sich zuhause ganz anders als in der Schule. So können ist Eltern oftmals nicht verstehen, wie es zu der schlechten Benotung gekommen ist. Ein klärendes Gespräch mit dem Fachlehrer hat er bisher vielen Eltern weitergeholfen. Nicht immer ist die einseitige Meinung des Schülers der Schlüssel zur Rätsels Lösung.

Kann ich eine Zeugnisnote anfechten?

Ja. Voraussetzung ist die Einflussnahme der Zeugnisnote auf den späteren Werdegang in der Schule. Hat ein Kind zum Beispiel im Halbjahreszeugnis eine 5, braucht es mindestens eine 3, um einen Ausgleich zu schaffen. Verschließen Noten die Türen für ein Kind, haben sie erhebliche Bedeutung. Das Ganze wirkt sich auch auf die Grundschuldzeugnisse und eine 3 im Zeugnis auch, wenn diese über den Wechsel zum Gymnasium oder zur Sekundarschule entscheidet.

So kannst du vorgehen:

Zuerst solltest du dich informieren, wie sich die Zeugnisnote überhaupt zusammensetzt. Wie hoch ist der Anteil der schriftlichen und der mündlichen Bewertung? Wie viele Noten haben die Schüler in diesem Fach im Halbjahr bekommen? Die Schule ist verpflichtet, die Bewertungssysteme transparent offenzulegen. Nur so können die Eltern erfahren, wie eine Zensur zustande gekommen ist. Die Pädagogen und Eltern sind noch dazu verpflichtet, ihre Notengebung zu dokumentieren. Am besten forderst du diese Protokolle zu deinem Kind an und rechnest die Gewichtung der Notengebung nach. Vielleicht hat ein Kind einfach die einzelnen Zensuren im Notenheft nicht mitgeschrieben.

Sie prüfen Sie die Unterlagen der Lehrer?

Zunächst einmal solltest du auf die deutlichsten Fehler eingehen, wie zum Beispiel die Addition und Gewichtung der Noten. Fehlen zum Beispiel konkrete Beschlüsse zur Wertung der einzelnen Leistungen oder hat der Lehrer diese nicht richtig dokumentiert? Dann kann eine Zeugnisnote auch rechtswidrig zu Stande gekommen sein, was sie anfechtbar macht. Viele Verfahren werden außergerichtlich zu Gunsten der Schüler entschieden. Simone selbst geht mit 10 von 100 Fällen erst gar nicht vor Gericht.

Versuch einer rechtlichen Definition der Notengebung

Die Noten bleiben aber im fristgemäßen Ermessen eines Fachlehrers. Du hast, wenn überhaupt, nur die Möglichkeit, dieses Ermessen auf Fehler hin zu überprüfen. Eine Voraussetzung dafür sind der Einfluss und die Wirkung der Fehler auf die gesamte Schulnote. Tatsächlich gibt es sogar gerichtlich überprüfbare Ermessensfehler. Dabei geht es nicht nur um die korrekte Note, sondern auch um die Bewertung der Leistung deines Kindes.

Die Zeugnisnoten resultieren zum großen Teil aus den schriftlichen Noten eines Schülers, um die Eltern und den Schüler über die Leistungen zu informieren. Im Grunde genommen bleiben diese nicht rechtlich angreifbar. Was für die Halbjahreszeugnisse gilt, trifft nur bis zu einem gewissen Maß auf die Jahreszeugnisse zu. Hier gibt es eine Verwaltungsakte, die sich durch Gerichte überprüfen lässt. Das ist immer dann der Fall, wenn eine Zeugnisnote die Versetzung deines Kindes gefährdet.

An wen richte ich meine Beschwerde?

Die Entscheidung obliegt der vorgesetzten Behörde, die einen Sachverhalt nochmals gründlich überprüft. Eine ausdrückliche Regelung fehlt bis heute. Selbst im Zweifelsfall überprüfen die Gerichte eine Zeugnisnote auf Ermessensfehler.

Zu guter Letzt sei anzumerken, dass Lehrer keine Halbgötter in Weiß sind, sondern fehlbaren Menschen. Diese Fehler passieren nicht aus Absicht. Deutschlandweit herrscht ein prekärer Lehrermangel, sodass in vielen großen Schulen die Lehrer mit unheimlich vielen Klassen und Schülern konfrontiert sind. Gehen wir einfach mal davon aus, dass dein Kind 1  von 100 Arbeiten geschrieben hat, die der Lehrer abends am Schreibtisch korrigiert, sind Fehler unvermeidbar. Schließlich gibt es noch kein Computerprogramm, das die Klassenarbeiten und Tests liest und das entsprechende Ergebnis liefert. Das wäre ohnehin nur für Fächer wie Mathematik erdenklich.

Du fühlst dich ungerecht behandelt und denkst, der Lehrer hat gegen dein Kind entschieden, als er eine schlechte Zeugnisnote gegeben hat? Dann solltest du ein erstes Gespräch mit dem Fachlehrer suchen und erst danach eine Instanz weiter gehen. Im Grunde genommen soll weder der Schüler noch das Elternteil seinen privaten Frust und Ärger in sich hineinfressen. Schlimmstenfalls geht deinem Kind der Spaß an dem Fach verloren.

Was tun, wenn die Versetzung gefährdet ist?

Ist die Versetzung eines Schülers gefährdet, steht und fällt die Entscheidung zumeist nicht mit einem einzigen Fach. Oftmals haben die Schüler Probleme in unterschiedlichen Fächern. Du solltest im Interesse deines Kindes entscheiden, ob eine Wiederholung der Klasse die richtige Alternative ist oder dein Kind in eine andere Schulform wechselst.

Oftmals entscheiden Eltern aus falsch verstandenem Ehrgeiz und drängen ihre Kinder auf das Gymnasium, auch wenn die Vorleistung das gar nicht zulässt. Das Endergebnis sind Krisengespräche bei jedem Zeugnis und ein Misstrauen gegen das Bildungssystem.