Was Schulen bei der Digitalisierung versäumt haben, zeigt die Corona-Krise!

Es ist ein Szenario eingetreten, was die meisten von uns noch nie erlebt haben. Die Welt steht quasi still, das öffentliche Leben ist lahmgelegt und die Schulen haben geschlossen. Was sich nun unter anderem offenbart, ist starker Nachholbedarf bei der Digitalisierung der Schulen. Die Coronakrise stellt die Schulen vor große Herausforderungen – E-Learning, digitale Plattformen und Fernunterricht gehören in Deutschland noch nicht zum Standard. Lauert hier soziale Ungleichheit?

Digitalisierung
Digitalisierung und Homeschooling, Copyright: maximkabb bigstockphoto
  1. An vielen Schulen offenbart sich extremer Nachholbedarf, was die Digitalisierung angeht.
  2. Zwar nutzen viele Schulen schon diverse Lernplattformen, es wäre aber wichtig, dass es hier einheitliche Standards gibt.
  3. Außerdem nimmt die soziale Ungleichheit für Schülerinnen und Schüler zu. Nicht alle Familien können gleichermaßen effektives Homeschooling betreiben.
  4. Vor allem wird derzeit deutlich, wie wichtig digitale Lernplattformen sind. Durch diese sind Unterricht und Bildung auch in Krisenzeiten nicht gefährdet.

Schulen und Lehrer stoßen an digitale Grenzen

Fünf Wochen dauern die vorgezogenen Osterferien voraussichtlich an. Ob es eine Verlängerung gibt und die Schulen auch nach Ostern geschlossen bleiben, ist noch unklar. Doch Ferien im herkömmlichen Sinne sollte es eigentlich nicht geben. Schülerinnen und Schüler sind dazu angehalten, Homeschooling zu betreiben.

Die Schulen stellen Aufgaben zusammen, welche die Kinder zuhause erledigen sollen. E-Learning soll die Schulen durch die Corona-Krise führen.

Allerdings haben sich hier beizeiten Grenzen aufgetan, digitaler Fernunterricht funktioniert nicht überall gleich gut. Schulen, die hier vorgedacht haben, stehen besser da, als solche, wo es nun einzig auf das Engagement der Lehrkräfte und Eltern ankommt. Vielerorts sind die Kapazitäten schon am Anfang ausgeschöpft.

Lehrkräfte berichten von Servern, die zusammenbrechen und mangelnden digitalen Möglichkeiten. Somit fehlt die Aussicht, den Schülern die Aufgaben zukommen zu lassen. Manche wissen sich nicht anders zu helfen und geben den Schülern ihre privaten E-Mail-Adressen und Handynummern raus. Kann Unterricht per WhatsApp wirklich funktionieren? Zwar gibt es Schulplattformen, doch auch diese sind nicht immer zuverlässig erreichbar.

Nicht nur die Schulen haben mit digitalen Mängeln zu kämpfen, sondern auch die Schüler und Schülerinnen. Noch immer gehört es nicht zum Standard, dass jede Familie über einen Computer mit Internetzugang, einen Drucker oder eine Videochatfunktion verfügt. Fehlen solche technischen Möglichkeiten, sind diese Kinder vor allem jetzt stark benachteiligt.

Soziale Ungleichheiten schlagen zu

Schüler finden unterschiedliche Voraussetzungen für ihr Homeschooling vor, das ist natürlich nicht fair und führt zu Ungleichheiten. Es droht die Gefahr, dass sich sowieso schon herrschende Benachteiligungen für Kinder und Familien noch mehr verstärken. Nicht jeder hat die Mittel, von heute auf morgen digital aufzurüsten.

Auch die Wohnverhältnisse spielen eine Rolle. Familien, die mit mehreren Kindern in einer kleinen Wohnung leben, haben es wahrscheinlich schwerer eine gute Lernumgebung zu schaffen. Natürlich spielen auch die zeitlichen Ressourcen eine Rolle. Alleinerziehende, die nicht im Homeoffice arbeiten können, sind wie so oft benachteiligt.

Lehrer und Lehrerinnen sind bemüht aber oft überfordert

Die Bundesregierung und die Länder haben sich die Entscheidung, die Schulen und Bildungseinrichtungen zu schließen nicht leicht gemacht. Eine derartige Maßnahme gilt immer als ultima ratio. Das heißt, sie ist nur für den äußersten Notfall vorgesehen. Dieser ist nun eingetreten, allerdings mit dem Ziel den Unterricht digital beizubehalten und die anstehenden Prüfungen wie geplant durchzuführen.

Brief des säsischen Kultusministerium an die Eltern während der Homeschooling Zeit zur Corona-Krise 2020

Dass aus der Coronakrise eine Bildungskrise hervorgeht, gilt es natürlich zu vermeiden. Allerdings sind viele Lehrerinnen und Lehrer auf solch eine Situation nicht vorbereitet gewesen. Ein Konzept auszuarbeiten, wie digitaler Unterricht effektiv und zielführend umgesetzt werden kann, gab es vielerorts einfach noch nicht und ist auch nicht so schnell erarbeitet.

Corona-Krise als Chance für unser Schulsystem?

Eine der wenigen Vorteile, welche die Krise mit sich bringt, ist, dass die Defizite im deutschen Bildungssystem schonungslos aufgedeckt werden. Deutlicher kann es eigentlich nicht werden, wo Handlungsbedarf besteht und an welchen Stellschrauben gedreht werden muss, damit die Schulen besser auf die Zukunft vorbereitet sind.

Digitale Lernplattformen dürfen nicht länger Zukunftsmusik sein, sie sind in der heutigen Zeit enorm wichtig. Nur so kann in Krisensituationen, wie einer Pandemie, der Unterricht fortgesetzt werden und eine gute Kommunikation zwischen Lehrern und Schülern stattfinden. Derartige Plattformen sind ja auch kein Neuland, es gibt für die Nutzung nur noch keinen einheitlichen Ansatz. Weitere Verbesserungsmöglichkeiten gibt es bei der Kommunikation der Länder in Bezug auf ihre Bildungspolitik. Jedes Bundesland ist nun angewiesen, eigene Maßnahmen zu entwickeln und Förderprogramme auf den Weg zu bringen. Es wäre aber wichtig, einheitliche und vergleichbare Standards vorzufinden.

Was nun bleibt

Zeit sich jetzt noch anständig auf die Digitalisierung vorzubereiten, ist kaum noch. Nun muss improvisiert werden. Das sieht zum Beispiel so aus:

  •  Nutzung von Lernplattformen (soweit es geht),
  •  E-Mail-Austausch von Lernmaterialien,
  •  Lernmaterialien mit der Post verschicken,
  •  Nutzung von Bildungsangeboten des öffentlich-rechtlichen Fernsehen und
  •  Suche nach Online-Lernangeboten und Videokursen.

Wie so oft gilt es auch jetzt, kreativ zu werden. Für die Zukunft wäre es wünschenswert, dass vermehrt auf die Digitalisierung der Schulen gesetzt wird.

Quellen:

Metzger, N.: Schulschließungen wegen Corona. Wie gut funktioniert das digitale Lernen? Verfügbar unter: https://www.zdf.de/nachrichten/digitales/coronavirus-digitaler-unterricht-100.html. Stand: 01.04.2020.

Füller, C. & und Spiewak, M.: Zeit Online. Digitalisierung der Schulen. Digitale Hausaufgabe. Verfügbar unter: https://www.zeit.de/2020/13/schule-lernplattform-unterricht-internet-digitalisierung-coronavirus. Stand: 01.04.2020.