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Vertrauensarbeitszeit und Väter im Home-Office

(Studie) Im Zuge der Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt haben sich diverse Modelle für flexible Arbeitszeiten etabliert. Davon bleiben das Familienleben und die Zeit, die selbstständigen Vätern und Müttern zuhause bleibt, nicht unberührt. Die aktuelle Studie der Hans-Bröckler-Stiftung aus Düsseldorf (Quelle: Hans Böckler Stiftung) zeigt, das diese Effekte auf die Arbeitszeit bei den Vätern stärker ausgeprägt sind als bei den Müttern.

Väter im Homeoffice
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Wie viel Zeit bleibt den Eltern für ihre Kinder?

Innerhalb der Studie fand eine Befragung von mehreren Tausend Haushalten statt. Demnach sollen Männer und Frauen auf flexible Modelle der Arbeitszeit zurückgreifen. Homeoffice, Gleitzeit und Vertrauensarbeitszeit fließen unterschiedlich in den Arbeitsalltag ein. Entgegen der Erwartungen führen flexible Arbeitszeiten bei den Vätern vermehrt zu Überstunden, während die Mütter nur geringfügig das eigene Arbeitspensum nach oben setzen. Nach Angabe der Befragten nehmen sich Mütter mehr Zeit für die Betreuung der Kinder.

Unterschiede zwischen Müttern und Vätern

Yvonne Lott ist Gender- und Arbeitszeitforscherin am Institut der Hans-Böckler-Stiftung. Sie erklärt, dass flexibles Arbeiten eine Hilfe für Familien darstellen soll, aber zugleich die klassische Rollenverteilung schürt. Die Studie kommt zu der Erkenntnis, dass flexible Arbeitszeitmodelle der Familie nur bedingt mehr Zeit verschaffen. Demnach haben Mütter im Homeoffice wöchentlich drei Stunden mehr für die Betreuung der Kinder. Im Gegenzug leisten sie aber eine zusätzliche Überstunde für ihren Job.

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Gegenteilig stellt sich das Arbeitszeitmodell bei den Männern dar: Väter im Homeoffice sollen sogar zwei Überstunden mehr machen, als Väter, die im Büro arbeiten. Familienväter, die im Büro zuhause in der freien Zeiteinteilung arbeiten, leisten sogar wöchentlich vier Überstunden mehr. Diese gehen von der der Zeit mit ihren Kindern ab. Stehen die Väter in der Vertrauensarbeitszeit, denen mit festen Arbeitszeiten gegenüber, verbringen sie kaum mehr Zeit mit ihren Kindern.

„Einen Freizeitgewinn mit flexiblen Arbeitsarrangements gibt es weder für Mütter noch für Väter.“ (Quelle: Yvonne Lott, Hans Bröckler Stiftung)

Väter im Homeoffice
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Vertrauensarbeitszeit

Die Vertrauensarbeitszeit ist als eine Form der Flexibilisierung der Arbeitszeit zu verstehen. Anstelle der lückenlosen Kontrolle tritt das Vertrauen, das der Arbeitsgeber dem Arbeitnehmer entgegenbringt (Quelle: ZEIT ONLINE).

Demnach erfüllen die Beschäftigten ihr Kontingent eigenverantwortlich. Die Pflicht des Arbeitsgebers, dem Betriebsrat die geleistete Arbeitszeit mitzuteilen, läuft der praktizierten Vertrauensarbeitszeit zuwider. (Paragraph 80 Absatz 1 Nr. 1 Betriebsverfassungsgesetz)

Recht auf Homeoffice

Derzeit arbeitet das BMAS an einem Gesetzesentwurf für das Homeoffice für Beschäftigte. Bisher gibt es noch keinen konkreten Entwurf zum „Recht auf Heimarbeit“, das es im Netz immer wieder für Diskussionen sorgt. Das Ministerium möchte das Rad nicht neu erfinden, sondern an vorhandene Gesetze anknüpfen, die vergleichbare Ansätze aufnehmen. In erster Linie soll das Gesetz die Souveränität der Beschäftigten über ihre Arbeitsgestaltung erhöhen. (Quelle: Legal Tribune Online)

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Alternativen zu flexiblen Arbeitszeiten

Lott kommt zu einem gegenteiligen Resümee: Die Arbeitsmodelle sollen zu längeren Arbeitszeiten führen. Bei Männern sei dieser Effekt deutlicher ausgeprägt als bei Frauen. Die Forderung nach einer Zeiterfassung im Homeoffice steht im Raum, die Arbeitszeit besser regulieren zu können.

Zudem schlägt Lott vor, die Anzahl der Partner-Monate im Elterngeld nach oben zu setzen, um den Vätern einen Anreiz zu geben, sich mehr in die Kinderbetreuung einzubringen. Das Ehegatten-Splitting wie es bis heute der Fall ist, würde eine ungleichmäßige Verteilung zwischen den Partnern sogar erhöhen. Das Recht auf Homeoffice bewertet sie nach der aktuellen Studie als wenig sinnvoll.

Quellen und Links:

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