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Restaurants servieren ungesunde Kindergerichte

(Heidelberg) Was in deutschen Restaurants für die kleinsten Gäste auf den Tisch kommt, ist in den meisten Fällen ungesund. Zu diesem erschreckenden Urteil ist eine Studie vor Kurzem gekommen. Professor Sven Schneider von der Universität Heidelberg sagt zur Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, dass vier von fünf Speisen in seiner Untersuchung schlecht für den Körper und die Gesundheit waren.

Fettig, ungesund, Copyright: EkaterinaMo bigstockphoto

Die meisten Kindergerichte enthalten zu viele Kalorien und Fette

In seiner aktuellen Studie analysierte er 1.877 Kindergerichte in 500 deutschen Restaurants. 70 Prozent der Gerichte gehen auf die gleichen Zutaten zurück, wie Schnitzel, Pommes, Nuggets, Burger, Würstchen, Mayonnaise, Ketschup, Grießbrei oder Pfannkuchen. Schlussendlich ist Schneider zur Schlussfolgerung gekommen, dass die meisten Restaurants hierzulande auf der Speisekarte ein schlechteres Angebot führen als die bekannten System-Gastronomieketten.

Bislang hat kein Fachmagazin die Ergebnisse dieser Studie veröffentlicht. In den meisten Mahlzeiten war ein enorm hoher Fett- und Kaloriengehalt enthalten. Im Gegenzug mangelte es den Speisen an wichtigen Nährstoffen. Dafür verwendeten die Köche jede Menge rotes Fleisch. Aus ernährungswissenschaftlicher Perspektive ist das rote Fleisch vom Rind oder vom Schwein nicht so gesund. Die Experten empfehlen Geflügel als magere Alternative.

Dringender Handlungsbedarf in der Ernährungspolitik

Auch die Bundesernährungsministerin Julia Klöckner von der CDU schaltet sich ein. Sie twitterte, dass sie sich nach den Ergebnissen dieser Studie unbedingt mit den Vertretern von Gaststätten und Restaurants zusammensetzen möchte.

https://twitter.com/JuliaKloeckner/status/1092123009639424003

Es könne doch nicht sein, dass ca. 54 % der Mahlzeiten ausschließlich Pommes als Beilage anbieten. Vollkornprodukte ließen sich hingegen kaum auf der Speisekarte finden. Die Grundlage für die Bewertung aus der Gesundheitsperspektive liefert die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, die DGE-Qualitätsstandards für das Mittagessen in Schulen und in den Kindergärten herausgebracht hat.

Ungesunde Ernährung –  Umdenken erforderlich!

Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sind 8,7 % aller Kinder und Jugendliche im Alter von 3 bis 17 Jahren übergewichtig. 6,3 % der Kinder sind sogar adipös. In Zahlen bedeutet dies, dass ungefähr 1,9 Millionen Kinder deutlich über den BMI-Grenzwerten für ein gesundes  Körpergewicht liegen. Das bestätigen die Zahlen der Kinder- und Jugendgesundheitssurvey KiGGS, die in ganz Deutschland Körpergewicht und Größe von Kindern und Jugendlichen standardisiert aufnimmt.

Wenn Schulen neue Wege gehen

Meine Erfahrungen als ehemalige Lehrerin sind ähnlich, ich habe u.a. drei Jahre in einer Grundschule unter freier Trägerschaft gearbeitet. Hier deckte die Schule die Versorgung der Kinder viele Jahre über den bewährten Zulieferer ab, der auch die anderen Schulen in der Umgebung versorgte. Ein Blick auf die Speisekarte genügte, um neben den immer wieder gleichen Speisen jede Menge künstliche Zusatzstoffe, Zucker und Fette zu finden. Nach einer intensiven Diskussionsphase erfolgte der Umstieg auf einen Bio-Caterer. Entgegen der Erwartung der meisten Lehrer, kamen Speisen und Geschmack nicht von Anfang an gut bei den Schülern an. Die Kinder hatten sich an den Geschmack von Zucker und Geschmacksverstärkern gewöhnt und forderten diesen wieder zurück.

Genau diese Forderung hält viele Restaurantbesitzer davon ab, in der Kinderkarte gesündere Wege zu gehen. Wer würde schon wagen, die heiß geliebten Pommes für Kinder von der Karte zu streichen? Eben genau diese Müdigkeit im Hinblick auf die Gesundheit der Kinder hat zu den fettig süßen Speisekarten geführt. Hier besteht dringender Handlungsbedarf. Schließlich gehen die Eltern in ein Lokal, um schmackhafte und gesunde Speisen zu genießen. Dieses Recht sollte den Kindern auch zuteil werden.

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