Warum brauchen unsere Kinder Erlebnisse in der Natur?

Wie viel Natur brauchen Kinder? Diese Frage stellen sich viele Eltern und ermutigen ihre Kinder nach bester Möglichkeit, regelmäßig draußen zu spielen. Doch durch Fernsehen, Computer und Spielekonsolen bevorzugen es viele Jungen und Mädchen, lieber im Haus zu bleiben. Bis zu welchem Grad ist das in Ordnung und welche Aktivitäten im Freien sind wirklich sinnvoll für ein gesundes Heranwachsen?

Kindern in der Natur, copyright netpapa.de

Zeit in der Natur ist für Kinder sehr wichtig

Reine Stubenhocker leben deutlich ungesünder als ihre Altersgenossen, die regelmäßig draußen sind. Dafür gibt es genau zwei Gründe.

1. Da gibt es zunächst einen einfachen, biologischen Grund: Der menschliche Körper benötigt regelmäßig UV-Strahlen. Wer sich tagsüber wenigstens eine halbe Stunde unter freiem Himmel aufhält, kann das wichtige Vitamin D in der Haut bilden. Für die gesunde Entwicklung deines Kindes ist beständiges Spielen im Zimmer daher keine Option.

2. Nicht nur der Körper braucht frische Luft, auch für die geistige Entwicklung ist Zeit in der Natur für Kinder wichtig. Wer in der Stadt aufwächst, kennt viele Baumarten oder Blumen nicht und sieht Tiere nur noch in Büchern. Durch gemeinsame Ausflüge in Zoos und Parkanlagen, durch Spielen auf dem Grundstück und Ausflüge in den Wald bereicherst du die Welt deines Kindes.

Kindern in der Natur, copyright netpapa.de

Auf den Punkt gebracht: Was lehrt die Natur?

Ein Buch kann viel Wissen vermitteln und ein Dokumentarfilm eine Portion Aktion für bessere Konzentration hineinmischen. Dennoch können beide Dinge das persönliche Erleben nicht ersetzen. Du kennst das von Filmen über dein Traumland: Selbst auf Reisen zu gehen und vor Ort zu sein, prägt deutlich mehr.

Vom Spielen in der Natur lernen Kinder viele Dinge:

  •  Sie konsumieren nicht (wie vor dem TV oder am PC), sondern spielen aktiv
  •  Sie lernen die heimische Flora und Fauna kennen
  •  Rennen, Springen, Klettern und Co. stärken den Körper und schulen das Gleichgewicht
  •  Steine stapeln, Blätter befühlen und mit Stöcken Muster in den Schlamm zeichnen: das alles schult die Feinmotorik
  •  Mädchen und Jungen erfinden kreative Rollenspiele und rennen als Cowboys oder Piraten über die Wiesen. Kreativität und soziales Miteinander prägt sie fürs Leben
  •  Naturnähe bedeutet gleichzeitig eine kurze Auszeit von der digitalen Reizüberflutung
Kindern in der Natur, copyright netpapa.de
Netpapa, mit Kindern in der Natur, copyright netpapa.de

Will dein Kind lieber drinnen bleiben?

Die Erfahrung zeigt, dass die meisten jungen Kinder allen neuen Eindrücken zunächst offen gegenüberstehen. Lernen bereits die Jüngsten die Natur kennen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie auch mit wachsendem Alter gern Zeit in der Natur verbringen. Doch was sollst du machen, wenn dein Kind eine Ausnahme bildet, beziehungsweise schon älter ist und die Natur langweilig findet?

1. Möchte dein Kind nicht in die Natur, frage es ohne Vorwürfe oder laute Stimme nach den Gründen. Diese können nämlich sehr unterschiedlich sein und von Angst vor dem Unbekannten über fehlende Freunde mit gleichen Interessen bis hin zu bloßen Trotzreaktionen reichen.

2. Geh auf die Sorgen ein und biete ängstlichen Kindern das gemeinsame Erkunden der Natur an. Ist dein Kind in dem Alter, wo es „uncool“ wird, mit den Eltern draußen zu spielen, kannst du ihm Ferien in einem Abenteuercamp empfehlen. So entstehen direkt neue Freundschaften mit anderen Naturfans.

3. Unterschätze deine Vorbildfunktion nicht. Kinder jeden Alters orientieren sich bewusst und unbewusst an dem Lebensstil, den die Eltern ihnen vorleben. Sitzen sie selbst gern auf der Couch und gehen maximal die kurze Strecke zum Auto, sieht auch das Kind wenig Nutzen in der Outdoor-Freizeit. Steigt Papa dagegen oft aufs Fahrrad und am Wochenende stehen Eisdiele, Schwimmen und Co. auf dem Plan, ist ein Kind viel eher bereit, die Zeit draußen zu verbringen.

Kindern Natur erleben, copyright netpapa.de

 

Naturverbundenheit verlangt auch Mut – von dir

Jetzt könnte man sagen: Kinder brauchen die Natur, also lässt du sie so häufig wie möglich auf den Bauernhof fahren oder erlaubst ihnen das freie Spielen auf den Wiesen. In der Realität wird sich aber schnell ein unschönes Gefühl in dir melden: Angst. Die meisten Eltern finden den Gedanken beunruhigend, dass ihr Kind allein über Felder rennt, an Bächen spielt etc. Die Verletzungsgefahr beim Klettern auf Bäume und beim Springen über Steine im Bauchlauf steht beständig vor dem geistigen Auge.

Diese Ängste sind gut nachvollziehbar, doch für die Entwicklung ihrer Persönlichkeit benötigen Kinder auch das Recht auf kleine Abenteuer. Die meisten Väter der heutigen Elterngeneration sind selbst gern durch die Natur gezogen und haben mit Freunden spannende Nachmittage erlebt. Das Spielen in der Natur schuld nicht nur die Grob- und Feinmotorik und hilft der Kreativität auf die Sprünge, sie bildet den gesamten Charakter mit. Diese Chance solltest du auch deinen Kindern einräumen.

Wie können Eltern Natur ins Leben der Kinder holen?

Damit Kinder lernen, wie sich Grashalme an den nackten Füßen anfühlen, wie Kühe und Schafe auf der Weide aussehen und Co., musst du deine Söhne und Töchter am Anfang auch nicht unbeaufsichtigt nach draußen schicken. Es gibt schöne Optionen, die wenig Gefahr bergen und trotzdem lehrreiche Stunden in der Natur ermöglichen:

1. Geht gemeinsam durch den Wald spazieren. Praktisch sind Familienpfade, die in regelmäßigen Abständen kleine Spielmöglichkeiten für Kinder bereithalten.

2. Fahrt nach Absprache mit einem Bauer auf dessen Hof und schaut genauer in die Ställe. Es gibt in Deutschland auch eine Reihe von Bauernhöfen, die das Übernachten mit Kindern (auch im Heu) anbieten und kindgerechte Führungen anbieten.

3. Wähle einen Kindergarten und später eine Schule, in denen Naturverbundenheit zum Konzept gehört. Inzwischen gibt es sogar sogenannte Waldkindergärten, in der die komplette Betreuungszeit unter freiem Himmel erfolgt.

4. Besitzt dein Kind die nötige Reife und hat bereits gezeigt, dass er oder sie sich an feste Uhrzeiten halten kann, erlaube in einem festen Rahmen das freie Spielen in der Natur. Pünktlich Zuhause zu sein und ein Handy für Notfälle sollten dabei selbstverständlich sein.

Quellen und Literatur: Gebhard, Ulrich: Kind und Natur. Die Bedeutung der Natur für die psychische Entwicklung. Opladen 2001

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