Wer bezahlt die Wartezeit? Vater stellt Kinderärztin Wartezeit in Rechnung

Wartezeit beim Arzt – Wann gibt es Schadenersatz?

Stell Dir vor, Du wirst bei einem Impftermin mit Deinem Kind ins Wartezimmer geschickt, um dann nach einer langen Wartezeit zu erfahren, dass der benötigte Impfstoff nicht zur Verfügung steht. Wie reagierst Du in einer solchen Situation? Ein Geschäftsmann aus Leipzig stellte, nachdem er 40 Minuten trotz Termin ausharrte, um die genannte Aussage zu erhalten, der Kinderärztin die Wartezeit in Rechnung. Der Fall sorgte für Schlagzeilen, und er löste Diskussionen aus.

Warten trotz Termin, fehlender Impfstoff: Verärgerter Vater stellt der Kinderärztin die Wartezeit in Rechnung

Im Juni 2015 berichteten die BILD- sowie die Ärzte-Zeitung von einem Vater aus Leipzig. Er vereinbarte für seine Tochter bei der zuständigen Kinderarzt-Praxis einen Termin zum Impfen. Obwohl ein festgelegter Termin existierte, warteten Vater und Kind 40 Minuten, ehe die behandelnde Kinderärztin Zeit für sie fand. Dann stellten die Verantwortlichen fest: Der erforderliche Impfstoff fehlt derzeit in ihrer Praxis.

Wartezeit beim Arzt
Wartezimmer Arzt © Monkey Business – Fotolia.com

Somit waren Anreise und Wartezeit für den Geschäftsmann umsonst. Versetzt Du Dich in seine Lage, fällt es Dir nicht schwer, dessen Ärger nachvollziehen. Als Betreiber eines Autohandels mit Werkstatt verzichtete er für einen Tag auf seine Arbeit, um seine Tochter von der Schule abzuholen, damit sie die frühzeitig ausgemachte Impfung gegen Tetanus erhält. Nach dem Aufruf im Wartezimmer teilte dem Vater das Personal am Tresen mit, dass der Impfstoff nicht verfügbar sei. Dazu erhielt er den Auftrag, mit einem Rezept die Tetanus-Impfung selbst zu besorgen und die Praxis erneut aufzusuchen.

Arbeitsausfall und Kilometer-Pauschale in Rechnung gestellt

Verärgert über die mangelhafte Organisation beschwerte sich der Vater bei der Kassenärztlichen Vereinigung. Zusätzlich stellte er der Kinderärztin die Wartezeit in Rechnung. Letztere setzt sich aus einem Arbeitsausfall von 2,2 Stunden und einer Kilometer-Pauschale zusammen. In der Summe kommt der Leipziger Autohändler auf einen Rechnungsbetrag von 182,64 Euro.

 

Einschätzung eines Anwalts zum Vorfall

Die Ärzte-Zeitung befragte einen Fachanwalt für Medizinrecht und Verwaltungsrecht zu dem Vorfall. Gemäß der Auskunft von Dr. Ingo Pflugmacher steht bei dem Fall zunächst die Frage im Raum, ob aufgrund einer vertraglichen oder vorvertraglichen Pflichtverletzung seitens der Ärztin überhaupt ein Anspruch auf Schadensersatz bestehe.

Anschließend folge die Klärung, welche berechtigten konkreten Ansprüche existieren. Die entsprechenden Kriterien variieren laut den Aussagen des Anwaltes zwischen abhängig beschäftigten Personen und Freiberuflern. Die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen gab gegenüber der Ärzte-Zeitung bekannt, sie warte die Entbindung der verantwortlichen Ärztin von ihrer Schweigepflicht ab. Daran schließe sich die Prüfung des Einzelfalls an.

 

Kommentare anderer Ärzte zu dem Ereignis

Verständlicherweise weckt der Fall das Interesse anderer Väter mit ähnlichen Erfahrungen. Ärzte schalten sich ebenfalls in die Diskussion zum Fall ein. In den Kommentaren zum Artikel der Ärzte-Zeitung beklagt ein Mediziner den entstandenen (volkswirtschaftlichen) Schaden. Diesen führt er auf den Umstand zurück, dass seiner Meinung nach zu viele Kollegen ihre Praxen nicht zufriedenstellend organisieren. Das bedinge stundenlange Wartezeiten, die zusätzlich ein negatives Bild verursachten. In seinem Kommentar bekräftigt er: „Die Klage ist längst überfällig.“

Ein anderer Mediziner stellt fest, dass es sich bei Ärzten aus Sicht des Großteils der Bevölkerung um reine Dienstleistungs-Erbringer handle. Von ihnen erwarten die Patienten einen reibungslosen Ablauf. Der nächste Mediziner warnt angehende Ärzte, wenn diese weiter Wartezeiten-Rechnungen an Kinderärztinnen schreiben: Solange eine Impfung einen Bruchteil des im geschilderten Fall gehandelten Streitwerts koste, solle sich der Nachwuchs die Niederlassung gründlich überlegen, so sein Kommentar.

 

Weiterer Verlauf mit Spannung erwartet

Für Dich als Vater ist es spannend, den weiteren Verlauf des Falls zu verfolgen. Nach der Entbindung der Schweigepflicht zeigt sich, ob der Geschäftsmann mit seiner Wartezeit-Rechnung an die Kinderärztin den gewünschten Erfolg erzielt. Falls er den in Rechnung gestellten Betrag erhält, folgen mit Sicherheit ähnliche Fälle.

 

weiterführend:

http://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/recht/article/888361/umsonst-gewartet-vater-fordert-entschaedigung-kinderaerztin.html

http://www.bild.de/regional/leipzig/rechnung/vater-stellt-kinderaerztin-wartezeit-in-rechnung-41354916.bild.html