Kindheit ohne Erziehung, Strafe und Regeln

Keiner muss Dir erklären, wie eine Eltern – Kind – Beziehung aussieht. Neben den schönen Erinnerungen der Kindheit stehen die Momente, die geprägt waren von Bestrafungen wie Hausarrest oder Fernsehverbot.

Je nach Generation gab es früher auch noch ein paar kräftige Hiebe auf den Po, wenn ein Zögling in den Augen von Mutter oder Vater versagt hatte. Körperliche und psychische Gewalt gehört zum Glück heute nicht mehr in eine Beziehung zu Kindern. Aber jetzt gleich ganz unerzogen leben wollen? Es ist wie so oft im Leben: Du musst deinen eigenen Weg finden. Wir möchten dir in diesem Artikel Inspiration zu einem „unerzogenen Leben“ geben.

Kann Kindheit ohne Erziehung funktionieren?

Die Frage an sich kann nicht pauschal beantwortet werden. Es gibt klare Argumente, die für erzieherische Maßnahmen sprechen, und auch viele sinnvolle Aussagen zum Thema antiautoritäre Erziehung.

Viel seltener dagegen wirst Du Diskussionen über ein komplett unerzogenes Leben hören. Stelle Dir die Frage, was es bedeuten würde, Deine Kinder unerzogen leben und aufwachsen zu lassen.

Hier ist eine kurze Übersicht möglicher Konsequenzen:

  • Es gäbe keine Grenzen für Verhalten und soziale Interaktion
  • Das Kind würde sich seine Vorbilder selbst suchen, statt sie in den Eltern zu finden
  • Die Entwicklung des Kindes geschieht vollkommen natürlich, praktisch unkontrolliert
  • Gefahren würden vom Kind nicht immer als solche erkannt
  • Wertschätzung würde nicht vermittelt, sondern unterdrückt
Unerzogen leben
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Grenzenlos unerzogen leben

Stell Dir vor, Du siehst Deinem Kind auf dem Spielplatz zu, wie es mit Gleichaltrigen spielt. Nach einer Weile wird es zornig, und beginnt sich mit den Spielgefährten zu zanken. Aus dem Streit wird eine Rangelei, Dein Sprössling beginnt zu kratzen und zu schlagen.

Wenn Du jetzt ein Verfechter antiautoritärer Erziehungsmethoden bist, musst Du Deinen Nachwuchs gewähren lassen. Du kannst vielleicht versuchen einzugreifen, mehr aber auch nicht. Ist aggressives Verhalten also gut und sollte geduldet werden?

Wenn Du diese Frage bejahst, solltest Du den Gedanken weiterspinnen. Heute ist es die kindliche Keilerei am Spielplatz und in einigen Jahren dann die Schlägerei auf einer Party. Ist das tatsächlich so? Vieles spricht dafür. Denn wenn Du dem Kind keine Verhaltensregeln und Umgangsformen beibringst, kann es sich diese nicht aneignen. Kindertagesstätten und Schulen können nämlich nie gut machen, was im Elternhaus versäumt wurde.

Aber sehen wir uns die eben erwähnten, möglichen Konsequenzen einer gänzlich antiautoritären Erziehung einmal genauer an.

Unerzogen Leben ohne Verhaltensregeln?

Bereits früh sollten Kontakte geschlossen werden um eine gewisse Sozialkompetenz zu erlangen. In Kindergärten und Schulen finden sich leicht Spielkameraden und Freunde für Deine Kinder. Bei aller Freundschaft ist es nichts Neues, dass Kinder untereinander eine gewisse schonungslose Grausamkeit haben.

Lesetipp für Eltern:

Sie sprechen aus, was sie denken, auch wenn es noch so verletzend ist. Erst mit der Zeit ändert sich dieses Verhalten, und war meist auch durch das Zutun der Eltern. Es wird eben zuhause darüber gesprochen, was „man tut, und was lieber unterlassen wird“. Geht es um die Thematik unerzogen leben, müssten solche Gespräche anders ausfallen.

Sie wären sicherlich vorhanden, aber eben lediglich ein Denkanstoß und nicht richtungsweisend. Es sollte in diesem Zusammenhang klar sein, dass Verhaltensweisen generell nicht in die Kinder eingeprügelt werden. Doch allein das Vermitteln von Verhaltensweisen wird oftmals als Gängelung des Nachwuchses verpönt. Freie Entfaltung der Persönlichkeit steht beim Motto „unerzogen leben“ ganz oben.

Aber vielleicht ist unsere Gesellschaft nur darauf getrimmt, zu funktionieren. Eventuell würden sich alle Bedenken zerstreuen, wenn wir feststellten, dass auch eine Erziehung ohne Konsequenzen funktionieren kann?

Erziehung in den Augen der Gesellschaft

Das Elternhaus bereitet die Kinder auf ihr späteres Leben vor. Es prägt das Verhalten und Vorgehen in den meisten Lebenslagen, sei es durch gute oder auch negative Erfahrungen in der Kindheit. Auch bei einer antiautoritären Erziehung fällt dieses Vorleben der Eltern nicht gänzlich weg. Immerhin erleben die Kinder tagtäglich, wie die Eltern auf bestimmte Situationen im Alltag reagieren. Sie werden das Vorbild der Eltern sicherlich auch dann übernehmen, wenn sie nicht gemaßregelt werden. So beobachten Kinder auf ganz natürliche Weise wie die Eltern

1.) mit anderen Menschen umgehen
2.) auf Stresssituationen reagieren, und
3.) wo natürliche Grenzen in Alltagssituationen liegen

Der Vorteil liegt dabei klar auf der Hand. Von Beginn an treffen Kinder Entscheidungen, die in keiner Weise von Erwachsenen beeinflusst werden. Letztlich ist das nichts Schlechtes, und doch wird es von der Umwelt kritisch beäugt.

Warum, magst Du Dich jetzt fragen. Nun, Kinder die unerzogen leben, reden beispielsweise so, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Das kann mitunter verletzend sein, oder auch einmal als frech und ungezogen ausgelegt werden.

In unserer Gesellschaft jedoch gibt es eine klare Vorstellung davon, wie ein Kind sich zu verhalten hat. Es sollte vor allem folgsam sein. Wildheit und ein lebhaftes Wesen wird den Eltern gerne als Unfähigkeit ein Kind zu erziehen ausgelegt.

Wo liegt die Gefahr im Bereich „unerzogen leben“?

Kinder sind vertrauensseelige Persönchen. Sie sehen nicht so schnell etwas Niederträchtiges oder Böses in ihrer Umwelt und deren Mitmenschen. Schnell freunden sie sich mit anderen Menschen an, und lassen sich so auf sie ein, ohne zu ahnen, was ihnen angetan werden könnte.

Während die klassische Erziehung immer wieder davor warnt, nicht mit Fremden zu sprechen oder mitzugehen, selbst wenn Geschenke versprochen werden, muss die freie Erziehung ebenfalls einen Weg finden, um die Kinder vor Gefahren zu schützen. Dabei ist das Aushängeschild der Antiautorität ein angstfreies Leben.

Und hier finden wir die erste Grenze in Sachen freies Aufwachsen. Es ist absolut notwendig, den Kindern zu vermitteln, dass nicht alles auf der Welt nur gut und schön ist.

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Das Sinnbild des Bösen mag in diesem Fall anders ausgelegt und vermittelt werden, doch sollte es nicht an Dringlichkeit verlieren. Denn ganz egal, wie wir unsere Kids aufziehen, wir wollen, dass sie sicher und beschützt durchs Leben gehen.

Während das Böse im Menschen nicht durch bloßes Vorleben aufgezeigt werden kann, sind alltägliche Gefahren sehr wohl vermittelbar. Im Straßenverkehr beispielsweise wird dem Sprössling ebenso Vorsicht vorgelebt, wie bei einer konventionellen Erziehungsmethode. Die Kinder wissen und spüren intuitiv, dass sie durch Fahrzeuge verletzt werden können. Und bei aller Freizügigkeit während des Aufwachsens wird den Kids auch beim unerzogen Leben aufgezeigt, dass Messer scharf sind, und Bäume hoch.

Woher kommt der Wunsch für diesen Erziehungsstil

Die Motive für die Entscheidung, seine Kinder unerzogen ins Leben zu schicken, sind mannigfaltig. Zum Einen finden sich Eltern, die als Kinder und Jugendliche selbst unter einem überdurchschnittlich autoritären Elternhaus litten, und dann jene, die das Gängeln von vorneherein ablehnen.

Sie wollen den Kindern die Gelegenheit geben, sich frei zu entwickeln, ohne dabei einer gewissen gesellschaftlichen Norm zu entsprechen. Etwas Schlechtes ist daran keinesfalls nicht zu finden. Letztlich prägt die Gesellschaft unser Tun und Handeln ohnehin viel stärker, als wir es vermuten würden. Viele Menschen würden behaupten, dass freie Erziehungsmethoden das Resultat fauler oder willensschwacher Eltern ist. Dem muss aber klar widersprochen werden.

Wenn Du Dich dazu entschließt, Deine Kinder ohne Zwänge aufwachsen zu lassen, brauchst Du nämlich starke Nerven. Kinder sind das, was sie eben sind: Jungen und Mädchen, die nicht die kleinere Ausgabe eines Erwachsenen mimen, wenn sie nicht dazu angehalten werden.

Deine Sprösslinge sind verspielt, albern, laut und sie machen Unordnung und Dreck. Das ist wesentlich anstrengender als sie unter Androhung von Strafe mit Malstiften an einen Tisch zu setzen, und ihren Drang nach Bewegung zu unterdrücken. Auch die unzähligen Gespräche darüber, dass Deine Erziehung falsch wäre, dass es Regeln geben muss und dass ein Kind sich so nicht zu verhalten hätte, wie es Deines tut, ist nervtötend und wird an Dir zehren.

Was macht eine glückliche Kindheit aus?

Ist es wirklich ein antiautoritärer Erziehungsstil, der über das Glück und Unglück einer Kindheit entscheidet. Nein, so ist es nicht. Es sind tatsächlich drei Schlagworte, die von Erwachsenen genannt werden, wenn sie nach den glücklichen Kindertagen gefragt werden:

  • Liebe
  • Vertrauen
  • Geborgenheit

Alle diese Eigenschaften und Gefühle sollten in jeder Erziehung enthalten sein. Um Kinderaugen leuchten zu lassen, braucht es weder viel Geld noch große Ausflüge. Es braucht Verständnis und die Bereitschaft, sich auf die Sprösslinge einzulassen.

Du bist der Anker im Leben Deiner Kids, der Fels in der Brandung und die Person, der sie sich öffnen wollen. Regeln sind dazu da, um auch einmal gebrochen zu werden. Wenn dann die Konsequenz der Entzug von Liebe ist, hast Du als Elternteil versagt.

Bedeutet ein Verstoß, dass es einen Schokoriegel weniger gibt, hat Dein Kind diesen Vorfall im Erwachsenenalter sicherlich wieder vergessen, oder es schmunzelt bei der Erinnerung an diesen Vorfall.

Was auf keinen Fall in die Erziehung gehört, ist körperliche Gewalt. Kinder auch nur durch das Androhen von Schlägen in die Spur bringen zu wollen, ist der falsche Weg. Denn auch Du triffst heute falsche Entscheidungen oder machst Fehler.

Überlege Dir, wie Du Dich fühlen würdest, wenn dann eine andere Person auf Dich zukommt, um Dir den Hintern zu versohlen. Es ist für Dich undenkbar, oder? Wenn es also für Dich nicht richtig ist, warum sollte es gut für die Kids sein?

Übrigens ist es tatsächlich so, dass Kinder, die mit Regeln aufwuchsen, sich eher für eine freie Erziehung ihrer Kinder entscheiden. Kinder, denen das unerzogen Leben sprichwörtlich in die Wiege gelegt wurde, greifen später eher zu einer Methode, die ein paar Regeln aufweist.

Und somit wären wir wieder da, wo wir am Anfang des Artikels standen. Falsch und richtig gibt es hier nicht wirklich. Du musst ganz einfach die Mitte finden.

Wenn du dich weiter informieren willst:
https://derkompass.org/

 

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