Wie Männer verhüten können?

Pille, Kondom oder bald Vasalgel? Beim Thema Verhütung hat der Mann nicht so viele Möglichkeiten wie die Partnerin. Frauen können auf hormonell wirkende Präparate wie Minipille, klassische Pille, Hormonspirale oder Verhütungspflaster zurückgreifen, ein Diaphragma oder die Kupferspirale nutzen und noch einiges mehr.

Wer als Mann die Verhütung übernehmen möchte, hat weniger Auswahl. Welche Optionen das sind und wie gut darauf Verlass ist, zeigen wir Dir hier.

Verhütung durch uns Männer – Das Wichtigste im Überblick

  • die meisten Männer nutzen als Verhütungsmittel das Kondom
  • sehr sicher (aber vergleichsweise endgültig) ist die Vasektomie
  • der Koitus interruptus ist keine sichere Verhütung für den Mann
  • Möglichkeiten wie eine „Pille für den Mann“ sind bislang nicht auf dem Markt
  • das Vasalgel als neueste Methode ist derzeit in der Erforschung

Das Kondom: Schutz vor Krankheiten und Empfängnisverhütung

Das bekannteste Mittel, das dem Mann als Verhütungsmethode zur Verfügung steht, ist das Kondom. Es wird häufig auch als Präservativ bezeichnet und zählt zu den sogenannten Barrieremethoden. Damit ist nichts anderes gemeint, als dass durch eine Barriere wie Gummi ein direkter Körperkontakt vermieden wird. Spermien können die Barriere nicht überwinden.

Ein Kondom besteht meist aus Latex, kann jedoch bei einer Latex-Unverträglichkeit auch aus Kautschuk erworben werden. Bei richtiger Anwendung kann weder die Samenflüssigkeit des „Lusttropfens“ noch das Ejakulat beim Höhepunkt aus dem Kondom austreten.

Wie sicher eine gewählte Methode vor einer ungewollten Schwangerschaft schützt, wird mit dem Pearl-Index angegeben. Er sagt in Zahlen aus, wie viele von 100 Frauen pro Jahr dennoch schwanger werden. Beim Kondom schwankt der Index zwischen zwei und zwölf.

Es werden also innerhalb von zwölf Monaten zwei bis zwölf Frauen trotz Kondomnutzung schwanger. Ärzte gehen davon aus, dass bei korrekter Nutzung eines Präservativs die niedrigere Index-Zahl angesetzt werden kann. Bei Fehlern wie dem Nutzen abgelaufener Kondome oder dem Kauf der falschen Größe etc. steigt entsprechend das individuelle Risiko.

Die Barriere bringt jedoch noch einen weiteren Vorteil mit sich. Da ein direkter Körperkontakt im Inneren des Partners vermieden wird, ist ein Kondom auch ideal, um beide vor möglichen Geschlechtskrankheiten zu schützen. Zu denken, dass schon alles gut gehen und jeder gesund sein wird, kann sich schnell als folgenschwerer Fehler herausstellen. Dabei geht es nicht nur um Krankheiten wie HIV oder Tripper, sondern auch um Infektionen wie HPV. Humane Papillomviren können Menschen viele Jahre unbemerkt in sich tragen und damit auch ungewollt beim ungeschützten Sex weitergeben.

Die Vasektomie: Sterilisation des Mannes

Sowohl Männer als auch Frauen haben die Möglichkeit, sich bei abgeschlossener Familienplanung für eine Sterilisation zu entscheiden. Abgeschlossen sollte die Familienplanung deswegen sein, da eine Sterilisation nur mit großem chirurgischem Aufwand wieder rückgängig gemacht werden kann und nach diesem Eingriff keine Garantie besteht, dass die Fruchtbarkeit wieder hergestellt ist.

Bei Männern wird die Sterilisation als Vasektomie bezeichnet und der Arzt trennt bei einem kleinen Eingriff die Samenleiter. Die Enden werden entweder verödet oder mit einer winzigen Naht versehen. Dafür genügt eine örtliche Betäubung, da anders als bei der Frau kein Eingriff in den Bauchraum notwendig ist.

Wichtig: Viele Menschen glauben, dass nach der Vasektomie sofort die Zeugungsunfähigkeit beendet ist. Das stimmt jedoch nicht. Es können noch Spermien in der bereits gebildeten Samenflüssigkeit leben. Daher ist es immer ratsam, zusätzlich zu verhüten, bis der Arzt im Spermiogramm keine Samenzelle mehr nachweisen kann.

„Nach einer erfolgreichen Vasektomie liegt der Pearl-Index bei 0,1. Es werden rein statistisch also nur noch 0,1 Prozent der 100 Frauen ein ungewolltes Kind empfangen. Anders ausgedrückt: eine von 1.000 Frauen wird schwanger.“

Da trotz Vasektomie die Samenflüssigkeit weiterhin gebildet wird und Erektionsfähigkeit sowie Orgasmuserleben gleich bleiben, hat diese Verhütungsmethode keinen Einfluss auf das Sexleben des Mannes. Es kann jedoch sein, dass das Wissen um die fehlende Zeugungskraft psychische Auswirkungen hat. Daher beraten Ärzte ihre potenziellen Vasektomie-Patienten eingehend und sterilisieren Männer selten, wenn sie unter 30 Jahren und Single sind.

Der Koitus interruptus

Für diese Methode soll der Penis vor dem eigentlichen Samenerguss aus der Vagina gezogen werden, damit kein Sperma in der Scheide zurückbleibt. Noch immer hört man die Meinung, dass der Koitus interruptus als Verhütung durch den Mann zu den Möglichkeiten der Schwangerschaftsvermeidung zählt. Das stimmt auf gewisse Weise, doch die Sicherheit ist vergleichsweise gering.

Zum einen kann es schwierig sein, denn richtigen Moment für den Koitus interruptus abzupassen und zum anderen kann bereits im „Lusttropfen“ Sperma enthalten sein. Daher können auch vor dem Orgasmus einzelne Samenzellen in der Vagina angekommen sein. Entsprechend schlecht ist auch der Pearl-Index, denn er liegt zwischen fünf und 18.

Bislang gescheitert: die Pille für den Mann

Während Millionen Frauen eine Form der Anti-Baby-Pille schlucken, gibt es für Männer keine vergleichbare Möglichkeit. Zwar waren in den letzten Jahrzehnten immer wieder Präparate im Gespräch und sogar klinische Studien in der Erprobungsphase, doch bislang gilt das Projekt „Pille für den Mann“ als gescheitert.

Der Grund für die bisherigen Studienabbrüche ist für viele Kritiker zynisch: Die Teilnehmer brechen die Einnahme aufgrund von auftretenden Nebenwirkungen ab. Da Millionen Frauen sich seit Jahrzehnten mit teils lebensbedrohlichen Nebenwirkungen wie Thrombosen abfinden, ist das ethisch fragwürdig.

Aktuell in der Entwicklung: das Vasalgel

Forscher arbeiten gegenwärtig an einem Gel, das direkt in den Samenleiter gespritzt wird und dort eine Art Pfropf bildet. Die Spermien können diese innere Barriere nicht überwinden, weshalb beim Orgasmus keine Samenzellen austreten. Die Samenflüssigkeit hingegen kann hindurch und somit entsteht ein effektiver Filter. (1)

Der große Vorteil gegenüber einer Vasektomie ist, dass der Pfropf nicht dauerhaft bestehen muss und Männer bei späterem Kinderwunsch wieder fruchtbar sind.

Einen Pearl-Index kann es noch nicht geben, doch in Tierversuchen war das Vasalgel bereits sehr vielversprechend, weshalb nun in den USA erste Studien mit Freiwilligen in der Planung sind.

Studie (1) bacandrology.biomedcentral.com/articles/…

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