Kindererziehung: Die Trotzphase gibt es nicht!

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Was Eltern zur Trotzphase wissen müssen

Kinder im Alter zwischen drei und fünf Jahren können den Vater oft ganz schön an das Ende seiner Belastbarkeit bringen.

Diese Zeit der Entwicklung wird oft als Trotzphase bezeichnet, in der der Umgang mit dem Nachwuchs oft alles andere als einfach ist. Lesen Sie hier, warum diese Zeit häufig als die Trotzphase bezeichnet wird und wie Sie in dieser Entwicklungsphase am besten mit Ihrem Kind umgehen.

trotzphase bei kindern
Trotzige Kinder haben einen Bedürfnissmangel - Motiv© fasphotographic - Fotolia.com

 

"Es gibt keine trotzigen Kinder!"

Jetzt sind Sie wahrscheinlich völlig verwirrt. Überall ist von der sogenannten Trotzphase die Rede, wenn der Nachwuchs ab drei Jahren das Rebellieren anfängt, Wutanfälle, Heulanfälle und Gefühlsausbrüche der Zwerge Ihren Familienalltag bestimmen. Außerdem erleben Sie es unter Umständen selber des öfteren: Ihr Dreijähriger möchte unbedingt im Supermarkt etwas Süßes haben.

Sie verneinen mit der Begründung, dass es gleich zu Hause von Papa die leckeren Spaghetti mit Tomatensoße gibt. Ihren Zwerg interessiert das aber herzlich wenig und er beginnt zu brüllen, weil er nicht das bekommt, was er möchte. Wütend wirft er sich auf den Boden und tobt. Ihnen wird schon heiß und kalt, die anderen Kunden schauen und tuscheln. Erfahren Sie gleich, wie Sie in solchen Situationen einen kühlen Kopf bewahren und mit Ihrem Kind richtig umgehen. Also doch Trotzphase? Nein, denn die Wut und der Ärger richtet sich nicht primär gegen Sie.

 

Um mehr zu erfahren seht Euch jetzt das Video der Herzriesen über die Phasen der Entwicklung an:

"Kinder stehen Ihren Gefühlen oft ohnmächtig gegenüber!"

Ihr Kind tut dies nicht, um Sie zu ärgern oder Ihnen eins auszuwischen. Kinder im Alter zwischen drei und fünf Jahren befinden sich in einer Entwicklungsphase, in der sie autonom werden. Oft wissen Sie in manchen Situationen nicht, wie sie ihre Gedanken und Gefühle einordnen und mit ihnen umgehen sollen. Daher ein oft so ausbruchartiges Verhalten mit Heulen, Schreien und Toben. Das Kind trotzt zwar, der Trotz richtet sich aber nicht gegen Sie als Vater.

 

So gehen Sie am besten mit Ihrem „trotzenden“ Zwerg um

Gerade haben Sie erfahren, dass es die Trotzphase eigentlich gar nicht gibt und Ihr Nachwuchs gerade nur dabei ist, seinen eigenen Willen zu entwickeln und mit den Emotionen klar kommen muss, die im Inneren toben. Dennoch erleben Sie selber im Alltag immer wieder diese Situationen, ob diese nun Trotzphase genannt werden oder nicht.

Wichtig ist es nun für Sie als Vater, diese Situationen zu handeln und sie gut für alle Beteiligten zu lösen. Das kostet natürlich viel Nerven. Seien Sie sich jedoch bewusst, dass das Trotzen für diese Entwicklungsphase normal und notwendig ist. Besonders intelligente Kinder werden häufiger von Wutanfällen in dieser Zeit heimgesucht, Beweis dafür, dass diese Kinder genau wissen, was sie haben wollen oder nicht. Folgende Tipps erleichtern den Umgang mit Ihrem Kind in der sogenannten Trotzphase:

 

  • Beobachten Sie Ihr Kind immer genau, damit Sie erfahren wo seine Frustrationsgrenze beginnt. Schützen Sie Ihr Kind aber nicht vor jeglicher Frustration, denn es ist wichtig, dass Ihr Nachwuchs auch lernt mit negativen Erlebnissen umzugehen.
  • Wenn Ihr Kind mit einer Aufgabe überfordert ist, dann bieten Sie an, eine Pause zu machen. Beispiel: Ihr Kind beginnt langsam wütend zu werden, weil der Bausteinturm immer wieder zusammenfällt.
  • Spüren Sie, dass Ihr Kind unter Aggressionen leidet, so bieten Sie ihm Möglichkeiten an, diese abzubauen, z.B. auf einen Boxsack einschlagen, draußen rennen und herumtoben, bis die Wut verflogen ist.
  • Verbalisieren Sie auch immer, was gerade mit Ihrem Kind passiert und fragen Sie nach, wie es sich im Moment fühlt. Ihr Kind lernt von Ihnen, wie man diese negativen Gefühle in Worte fassen und damit umgehen kann.
  • Steckt Ihr Kind bereits mitten in einem Wutanfall, so nützen logische Argumente meist gar nichts. Auch wenn es Nerven kostet: Versuchen Sie ruhig zu bleiben und das Verhalten möglichst zu ignorieren, solange niemand anderes dabei verletzt wird. Eigene Wut oder Diskussionen würden an dieser Stelle nichts bringen bzw. nicht wahrgenommen werden. Schenken Sie Ihrem Kind während des Anfalls so wenig Aufmerksamkeit wie möglich und reden Sie hinterher mit ihm, dass Sie sich über das Verhalten geärgert haben und so etwas nicht korrekt ist.

 

Das sollten Sie während eines Wutanfalls unbedingt vermeiden

Auf keinen Fall sollten Sie in einer Trotzsituation sich erweichen lassen, nur damit Ihr Kind Ruhe gibt. Ihr Zwerg würde ganz schnell lernen, dass er nur zu brüllen braucht, bis er doch bekommt, was er möchte. Nehmen wir das Supermarktbeispiel:

Sie kaufen dem Dreijährigen auf keinen Fall die Süßigkeiten, die er unbedingt haben will. Sie müssen da jetzt durch, Ihr Kind am besten schreiend in den Einkaufswagensitz setzen, zur Kasse gehen und zahlen. Logischerweise sind Sie alles andere als entspannt, aber wenn sich Ihr Kind im Auto beruhigt hat, so können Sie ihm auch in Ruhe erklären, dass man dennoch nicht das bekommt, was man will, wenn man schreit und tobt. Ihr Kind wird lernen, dass solche Ausbrüche ihm nichts bringen.

Setzen Sie in solchen Situationen unbedingt auf Ruhe und Gelassenheit, auch wenn es manchmal schwer fällt. Die sogenannte Trotzphase ist ein ganz wichtiger Entwicklungsabschnitt in der geistigen und emotionalen Entwicklung Ihres Kindes, damit es zu einem autonomen und selbstbestimmten Menschen heranwachsen kann.

 

Ihre  Anna Nilsson