Warum immer mehr Mütter ihre Babys nicht stillen

Vorübergehende Menschen schauen Franziska schräg an, wenn Sie auf dem Spielplatz dem zweimonatigen Linus das Fläschchen gibt. Unverständnis weht ihr von anderen Müttern und Vätern entgegen. Warum stillst Du Deinen Sohn nicht? Ist die unausgesprochene Frage in ihren Augen. Gilt es als ein Tabu, wenn Mütter Ihren Babys in den ersten Lebensmonaten statt Muttermilch die Flasche geben. Was sind die Gründe, wenn eine Mutter ihr Kind mit der Flasche aufzieht?

Sie sind extrem vielfältig. Schnell urteilt jemand darüber, doch wenige interessieren sich für die Geschichte dahinter.

frau Stillt Baby
Stillen mit dem Vater| © ricardoferrando – Fotolia.com

Stillende Mütter entsprechen der Norm des 21. Jahrhunderts

Mit dem Beginn der Produktion von Baby-Nahrungsmitteln begann die Gesellschaft, das Stillen infrage zu stellen. Die Ernährung mit der Flasche ersetzte nach und nach die Muttermilch. In den Achtzigerjahren geschah eine Wende, nachdem die Vorbereitungs-Kurse werdenden Frauen die Natürlichkeit des Stillen

s nahebrachten. Durch die Empfehlung der WHO und der Gründung diverser Gremien sind mittlerweile 90 Prozent der Mütter überzeugt, dass Stillen der richtige Weg zur Ernährung des Babys ist. Die meisten praktizieren es wenige Wochen bis Monate.

 

gemeinfrei - Madonna mit dem grünen Kissen, beim stillen.
gemeinfrei – Madonna mit dem grünen Kissen, beim stillen.

Ein geschichtlicher Abriss des Stillens

Vor vierzig Jahren war in der Gesellschaft die Meinung verbreitet, Flaschenmilch sei gesünder für die Babys. Die Nahrungsmittel-Industrie produzierte seit den 1940ern Babynahrung und vermarktete diese erfolgreich. Es galt als zeitgemäß, sein Kind mit der Flasche zu ernähren.

Wer in dieser Zeit stillte, erhielt misstrauische Blicke zugeworfen und verteidigte sich, weshalb sie gegen den Zeitstrom die vorsintflutliche Methode anwandte. In den 80er-Jahren kam das Stillen im Zuge der Wieder-Entdeckung der Natürlichkeit in Mode.

Die sanfte Geburt war ein Thema. Frauen lernten, sich mental und körperlich auf den Vorgang vorzubereiten und somit die schönen Seiten des schmerzhaften Ereignisses zu umarmen. „LLL“, die internationale Organisation „La Leche Liga“ begann 1977 ihre Aktivität in Deutschland. Sie warb für das Stillen und belegte dessen positive Wirkung mit diversen Studien.

 

Die Hinwendung zur Natürlichkeit in den Achtzigerjahren

In Geburts-Vorbereitungs-Kursen lernten angehende Mütter, Muttermilch sei das Gesündeste für ihr Neugeborenes. Die Aufklärung über die gesundheitlichen Vorteile für Mutter und Kind überzeugte die neue Generation, es mit dem Stillen zu versuchen. Nachdem die Welle abnahm, waren Flaschen-Ernährung und Brustmilch eine Zeit lang gleichberechtigt. Beides war gleichermaßen akzeptiert und niemand hinterfragte die eine oder andere angewandte Methode.

Die große Wende geschah in den 90ern. Diverse wissenschaftliche Untersuchungen bestätigten den Vorteil des Stillens für die Gesundheit von Mutter und Kind. 1992 schaltete sich die Welt-Gesundheits-Organisation (WHO) ein und verlangte von jedem Staat, dass er sich für die Unterstützung, Förderung und den Schutz des Stillens einsetzte. Deutschland rief 1994 die „Nationale Stillkommission“ ins Leben. Sie propagiert im Auftrag der Bundes-Regierung dafür, das Geben der Brust als normale Nahrung der Neugeborenen zu akzeptieren. Heute ist Muttermilch nicht nur wünschenswert, sie gilt bei einem Großteil der Gesellschaft als die einzig akzeptable Methode, einen Säugling zu ernähren.

Gründe einer Mutter für die Entscheidung zur Flaschennahrung

Trotzdem bewegen diverse Umstände viele Mütter heute dazu, ihr Baby mit der Flasche zu ernähren:

  • Medikamente,
  • Unkenntnis,
  • keine Affinität zum Stillen,
  • Probleme mit den Brüsten.

Laut der Studie „Stillen und Säuglingsernährung“ aus dem Jahr 2000 geben 91 Prozent der deutschen Mütter ihren Babys in den ersten Tagen die Brust.

Am ersten Tag zu Hause stillen noch 73 Prozent der Frauen. Ende des ersten Monats ernähren 42 Prozent ihr Baby mit der Muttermilch. Nach sechs Monaten beträgt die Stillrate noch 10 Prozent. Die Motivation nimmt stetig ab.

Laut WHO ist das ausschließliche Stillen bis zum sechsten Monat empfohlen. Damit viele Mütter diesem Rat folgen, ist auf Muttermilch-Ersatznahrung eine Aufklärung aufgedruckt. Dies geschieht seit die WHO zusammen mit der UNICEF im Jahre 1981 den internationalen Kodex zur Vermarktung von Muttermilch-Ersatzprodukten formulierte.

Die Forscher begleiteten 1717 Frauen von der Geburt an bis zum Ende des ersten Lebensjahres ihres Kindes. Nicht stillende Mütter sehen sich Vorwürfen und Mobbing ausgesetzt. Militante Frauen greifen sie verbal an und appellieren an ihr Gewissen. Jede Frau sei fähig, ihr Kind zu stillen. Dies ist eine weitverbreitete Ansicht. Wer bei Problemen abstillt, ist schwach und verfügt über zu wenig Durchhalte-Vermögen. Bei dieser Argumentation sollte man jedoch vorsichtig sein. Nicht alle Frauen stillen ohne Probleme.

Daten aus Bayern von 2006

Die Studie „Stillverhalten in Bayern“ ist neueren Datums. Zwischen April 2005 und Februar 2006 nahmen 3.800 Mütter daran teil. Sie kamen aus unterschiedlichen Teilen des Bundeslandes. Sie gebaren in Krankenhäusern, Geburtskliniken oder zu Hause. Nach sechs Monaten geben 60 Prozent der Mütter ihren Säuglingen die Brust. Dies ist eine deutliche Steigerung im Vergleich zur nationalen Studie von 2000.

Bei uns klappt das Stillen nicht

Wenn das stillen bei Euch nicht klappt sprichst du am besten zuerst mit Deiner Partnerin, bevor Du andere Meinungen berücksichtigst.

Du hast die wichtige Aufgabe, Deine Partnerin in dieser Phase zu unterstützen. Sprecht über das Thema und entscheidet gemeinsam, wie Ihr Euer Kind ernährt. Gestehe der Mutter Deines Kindes das Recht zu, über ihre bevorzugte Methode zu bestimmen.

Sei offen für Ihre Argumente und habe Verständnis, auch wenn Du anderer Meinung bist. Die Ernährung ist wichtig, jedoch sind andere Punkte wie Zuwendung und Liebe wesentlicher in der Erziehung eines Kindes.


Was Väter zum Stillen beitragen können:

regine_gresensRegine Gresens, Stillberaterin IBCLC, Hebamme, Heilpraktikerin
www.stillkinder.de

Ich weiß aus den Erfahrungen meiner langjährigen Praxis das es gerade beim Stillen auf die Väter ankommt und diese einen wichtigen Beitrag leisten um eine lange Stillzeit zu ermöglichen. Als Partner können Sie sich gemeinsam mit Ihrer Frau schon vor der Geburt auf das Stillen vorbereiten, dazu können Sie gemeinsam an Stillinfoabenden oder einem Stillvorbereitungskurs teilnehmen.
Weitere wichtige Empfehlungen wären:  

  1. Vertrauen Sie in die angeborene Stillfähigkeit Ihrer Frau und Ihres Babys!
  2. Ermutigen Sie Ihre Frau, das das Stillen jetzt wichtig und wertvoll ist und langfristige Auswirkungen für Sie alle hat.
  3. Versorgen Sie Ihre Frau während oder vor dem Stillen und sorgen Sie für eine geschütze Atmosphäre
  4. Ermöglichen Sie Ihrer Partnerin Zeit und Ruhe zum Stillen und auch kinderfreie Zeiten für sich selbst

 

Muttermilch als ideale und einzige Babynahrung im ersten Halbjahr

Die heutige Ansicht der Mehrheit hat ihre Berechtigung. Für das ausschließliche Stillen im ersten Semester sprechen verschiedene Gründe. Die Muttermilch ist die perfekte Nahrung für Säuglinge.

Ihr Nährstoffgehalt ist optimal auf die Bedürfnisse des Kindes abgestimmt. Sie schützt vor Infektionen und der Prozess des Stillens schafft eine besondere Beziehung zwischen Mutter und Kind. Mit der Muttermilch nimmt das Kind die Antikörper der Mutter auf. Diese bedeuten automatischen Schutz vor diversen Krankheiten. Eine Überfütterung ist nicht möglich und für die Frau ist es als stillende Mutter einfacher, nach der Geburt ihr Normalgewicht wieder zu erreichen.

Die Milch aus der Brust beugt Übergewicht in späteren Jahren vor. Zusammenhänge zwischen Stillen und Krankheiten wie Diabetes, Krebs und Darm-Erkrankungen sind wissenschaftlich nicht bewiesen aber möglich. Muttermilch ist gut verdaulich. Deshalb hat ein gestilltes Baby weniger mit Magenschmerzen zu kämpfen.

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