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Neben dem Laufen lernen ist der Erwerb der Muttersprache einer der großen Meilensteine in den ersten Lebensjahren des Kindes. Die Eltern sind voller Stolz, wenn der Nachwuchs sein erstes Wort spricht.

Jedoch verläuft die Sprachentwicklung nicht in allen Fällen geradlinig, vorübergehende Sprachentwicklungsstörungen bei Kindern sind keine Seltenheit.

Sprachentwicklung und Sprachprobleme bei Kindern

EIne Sprachstörung Sprachentwicklung in den ersten Lebensjahren

Um eine Vorstellung von der »normalen« Sprachentwicklung im Säuglings-, Kleinkind- und Vorschulalter zu erhalten, im Folgenden ein kleiner Überblick dazu.

In den ersten Monaten durchlebt das Baby die sogenannte Lallphase, spielerisch werden die Sprechwerkzeuge Zunge, Lippen und Gaumen erprobt. Der Säugling quietscht, gurrt und bildet erste Laute: alle Vokale sowie einfache Konsonanten wie <m, l, b>. Mit einem halben Jahr können bereits Laute nachgeahmt und erste Silben gebildet werden, etwa <ma, la>.

 

Bis zum Ende des ersten Lebensjahres werden erste Worte in Form von Doppelsilben geäußert: <Ma-ma, Ba-ba, Wau-wau>. Bis zum 24. Monat enthält der Wortschatz zwischen 10 und 50 Wörter, auch Zwei-Wort-Sätze werden nun gebildet, z.B.: <Papa da>. In den nächsten beiden Jahren kommt es dann zur sogenannten »Wortschatzexplosion«. Vierjährige verfügen über einen Wortschatz von ca. 1200 Wörtern, können kleine Geschichten erzählen, W-Fragen stellen, auf Fragen konkret antworten und Nebensätze bilden.

 

Erscheinungsformen und Ursachen

Unter Sprachentwicklungsstörung versteht man die nicht altersgemäße Entwicklung der sprachlichen Fähigkeiten eines Kindes.

Diese Störung kann in unterschiedlichen Bereichen auftreten: Bei der Lautbildung haben Kinder z.B. Probleme mit einzelnen Lauten wie dem S-Laut, das Lispeln fällt unter diese Kategorie. Teilweise werden schwierige Laute auch durch einfachere ersetzt wie etwa <Snee> statt <Schnee>.

Bei anderen Kindern sind Wortschatz und Wortverständnis nicht altersentsprechend ausgeprägt. Dazu gehören auch diejenigen, die spät und wenig sprechen (weniger als 100 Wörter, keine Zwei-Wort-Sätze im Alter von drei Jahren) – hier spricht man von einer Sprachentwicklungsverzögerung. Etwa 50% der Kinder holen den Rückstand in den folgenden Monaten wieder auf, die andere Hälfte bildet eine Störung in der Sprachentwicklung aus.

 

Auch im Bereich Grammatik können Schwierigkeiten auftreten, beispielsweise bei der Artikel-, Plural- und Satzbildung: <Da zwei Pferden sind>, <Das Hund spazieren geht>. Ebenso kann es zu Störungen in der Kommunikation kommen – dies ist der Fall, wenn Kinder Ereignisse nicht so nacherzählen können, dass diese dem Zuhörer verständlich sind. Einige Kinder haben Probleme bei der Rezeption (Aufnahme) des Gehörten: Wörter, Sätze oder kleine Anordnungen werden nicht verstanden.

 

Eine ganze Palette an Ursachen kann für eine Sprachentwicklungsstörung in Frage kommen. Zum einen können medizinische Gründe wie Hörstörungen oder eine verzögerte kognitive (geistige) Entwicklung angeführt werden. Denkbar sind auch genetische Faktoren, wenn andere in der Familie oder nahen Verwandtschaft von Sprachentwicklungsstörungen betroffen sind. Daneben spielen Umwelteinflüsse, etwa eine Reizüberflutung durch übermäßigen Medienkonsum und soziokulturelle Aspekte, d.h. u.a. zu wenig Sprachanregung im Elternhaus, eine Rolle. Nicht zu unterschätzen sind psychische Faktoren, z.B. das Erleben traumatischer Ereignisse wie die Trennung der Eltern, welche Sprachstörungen hervorrufen können.

 

Behandlungsmöglichkeiten und praktische Sprachförderung zu Hause

Häufig verschwindet eine Sprachentwicklungsstörung ganz von selbst. Ist dies nicht der Fall und sind die Probleme gravierend (Anzeichen: undeutliche, schwer verständliche Aussprache und geringer Wortschatz nach dem dritten Lebensjahr; verzögerte Lautbildung und Schwierigkeiten beim Satzbau nach dem vierten Lebensjahr), sollten Experten eingeschaltet werden. Handelt es sich um Hörstörungen, kann der HNO-Arzt Abhilfe schaffen, in den anderen Bereichen ist in der Regel eine Sprachtherapie nötig, die meist von Logopäden durchgeführt wird. Durch ein gezieltes Training mit speziellen Übungsformen und Materialien kann die Sprachentwicklungsstörung effektiv in den Griff bekommen werden.

Doch auch Sie als Eltern können zu einer sinnvollen Sprachförderung Ihres Kindes beitragen:

  • Seien Sie sprachliches Vorbild, indem Sie langsam, deutlich und in einfachen Sätzen sprechen.
  • Wecken Sie bei Ihrem Kind die Freude am Sprechen durch Sprachspiele (z.B. witzige Reime bilden, Silben klatschen…) und durch das Singen altersgemäßer Lieder.
  • Schaffen Sie Sprachangebote durch das gemeinsame Betrachten von Bilder- und Wimmelbüchern und lesen Sie jeden Tag eine Geschichte vor.
  • Sprechen Sie regelmäßig mit ihrem Kind über die Erlebnisse des Tages, gemeinsame Mahlzeiten bieten sich hierfür beispielsweise an.
  • Hören Sie Ihrem Kind aufmerksam zu und lassen Sie es in Ruhe aussprechen, so fühlt es sich als Gesprächspartner ernst genommen.
  • Der übermäßige Konsum von Medien wie TV, Spielekonsole &Co. können die Spracharmut fördern. Schränken Sie daher die Benutzung dieser Geräte so gut wie möglich ein.

 

Redaktion: Foerster, Katja Grüner,  Anna Nilsson,

Quellen, Literatur, Verweise:

© oneblink1 – Fotolia.com

https://www.uke.de/kliniken/phoniatrie/index_17089.php

 

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