Wie Eltern mit Kindern das Lesen üben

Silvia ist entmutigt. Jeden Tag setzt sie sich mit ihrer Erstklässlerin Ronja hin, um Lesen zu üben. Der Fortschritt stellt sich nicht ein. Tochter sowie Mutter sind schnell mit ihrer Geduld am Ende. Silvia weiß nicht, wie sie am besten vorgeht, um ihre Tochter optimal zu unterstützen. Die Aufforderung im Zeugnis „Mehr Lesen üben!“ stellt die zwei vor eine große Herausforderung. Silvia ist nicht pädagogisch ausgebildet. Ihr fehlt jegliche Orientierung durch die Lehrperson, was nicht zu ihrer Motivation beiträgt.

Lesen üben
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Eltern beeinflussen die Lesekultur ihrer Kinder

Väter und Mütter, die mit ihren Kindern lesen üben, nehmen Einfluss auf ihre Gewohnheiten und helfen, die Lese-Fähigkeit durch regelmäßiges Training zu verbessern. Durch tägliche Aktivitäten und Lesen kurzer(!) Texte in einer angenehmen Umgebung helfen sie mit, die Anstrengung und die Scham zu vermindern. Auch pädagogisch nicht ausgebildete Eltern sind in der Lage, ihr Kind bei Schwierigkeiten das Lesen zu erlenen, zu unterstützen. Geben Lehrer Dir Tipps, ist dies wertvoll. Falls keine solche Kooperation besteht, ist es dennoch möglich, als Vater oder Mutter positiven Einfluss auf die Lesefähigkeit und das Leseverhalten des Kindes zu nehmen.

 

Die einzelnen Schritte des Lesenlernens

Nicht alle Kinder sind in der Lage, in der ersten Klasse einwandfrei lesen zu lernen. Viele Jungen und Mädchen sind in diesem Alter in der Entwicklung verlangsamt. Einige brauchen bis zu zwei Jahre, bis sie das geschriebene Alphabet komplett in Laute umsetzen. Viele Eltern sind besorgt, wenn ihr Sohn oder ihre Tochter nach der ersten Klasse noch Mühe mit Buchstaben und Lauten hat. Wer versteht, wie Lehrer das Lesen lehren, wirkt zu Hause unterstützend mit.

Ein Kind lernt in drei Schritten:

  • Buchstaben in Laute übersetzen,
  • Wörter aus den Buchstaben formen,
  • ganze Sätze zusammenhängend lesen.

Meist beginnt die Lehrerin mit der Anlaut-Tabelle. Dort sieht das Kind neben jedem Laut eine Figur, dessen Bezeichnung damit beginnt. Neben dem A sitzt ein Affe, der Bär liegt neben dem B und beim K sieht es ein Kind. Auf der Tabelle siehst Du das ganze Alphabet anhand von Bildern.

Für den Lehrgang gibt es verschiedene methodische Ansätze. Viele Fibeln arbeiten mit dem Lesen in Silben. Die Wörter sind zweifarbig gedruckt und helfen damit, die Laute besser zu lernen. Einige Lehrer benutzen keine Fibel. Dies wirkt sich nicht nachteilig auf den Lernprozess aus.

Tipps zum Lesen üben mit Deinem Kind

Hat Deine Tochter noch Probleme mit den Lauten und dem Erkennen von Buchstaben, eignet sich die Fibel zum Üben nicht. Eine Anlaut-Tabelle oder ein Poster mit Bildern hilft Dir, mit Deinem Kind auf unterhaltsame Art das Lesen zu trainieren. Dazu nennst Du einen Laut und bittest Deinen Nachwuchs auf das passende Bild zu zeigen. Im Anschluss daran kehrst Du die Übung um und zeigst zuerst auf eine Illustration. Sie nennt das entsprechende Wort und den Anlaut.

Viel Spaß habt Ihr beim Lesenlernen, indem Du Dir eine Geschichte ausdenkst und dabei so viele Bilder wie möglich von der Tabelle verwendest. Bei jedem Wort, das sie erkennt, zeigt Deine Tochter mit dem Finger auf das entsprechende Bild. Das Silbenspiel regt ebenfalls auf vergnügliche Art zum Lesenlernen an. Verschiedene Silbenkarten hintereinander dienen als Spielfeld. Lege auf Karten Gummibärchen als Motivation. Der Würfel bestimmt, wie viele Felder die Spieler vorrücken. Animiere Dein Kind, aus den einzelnen Karten Worte zu bilden. Li-mo-na-de ist ein gutes Beispiel.

 

Weitere Ideen für vergnügliche Übungsstunden Zuhause

Nenne ein Wort und Dein Sohn sucht die letzte oder erste Silbe heraus. Wechselt die Rollen, damit es nicht zu langweilig ist. Forme als Leiter des Spiels Worte und vermische die Karten. Deine Tochter legt sie in einer sinnvollen Reihenfolge zusammen. Spiele ein Spiel nie zu lange. Es hat Sinn, solange sie motiviert ist. Sobald sie keine Geduld mehr hat, nimmt der Lerneffekt rapide ab.

Lesen ist eine der grundlegendsten Fähigkeiten des Alltags. Erlernen Kinder sie mit Freude, fällt ihnen vieles im Leben leichter. Deshalb lohnt es sich, die Entwicklung zu beobachten und, wenn notwendig unterstützend einzugreifen. Setze nur die Übungen ein, die Dein Kind schafft. Bei Überforderung wirken sie kontraproduktiv. Beim Raketenlesen geht es um die Geschwindigkeit. Das Kind liest so viele Silben wie möglich in zwanzig Sekunden richtig vor. Notiere das Ergebnis und beobachte den täglichen Fortschritt. Lobe bei Erfolg und unterstütze ermutigend, wenn es noch nicht wie gewünscht funktioniert.

 

Besondere Anwendungen für Kinder ab der zweiten Klasse

Wer nach der zweiten Klasse noch stockend liest, benötigt besondere Aufmerksamkeit. Es hilft, wenn Eltern im Text Bögen unter die einzelnen Silben malen. Damit erleichtern sie dem Kind das Verschleifen von Buchstaben. Wie in vielen Bereichen ist beim Lesen tägliches Training fundamental für sichtbare Fortschritte. Gestalte mit Deiner Tochter zusammen die tägliche Übungszeit.

Wer stockend liest, ist schwer zu motivieren. Stelle den Wecker zuerst auf fünf Minuten pro Tag. Schafft sie dies, ist Spielen die Belohnung. Je nach Vorlieben ist das Fernsehen oder ein Computerspiel die bessere Variante. Lesen üben mit dem Kassettenrekorder, ist Deinem Kind unter Umständen angenehmer, als wenn ein Erwachsener direkt zuhört. Die Tochter übt selbstständig und nimmt sich auf. Die anfänglichen Hemmungen schwinden schnell. Sie kontrolliert die Aufnahme und markiert Lesefehler im Text, um sie beim nächsten Mal zu verbessern.

 

Bibliotheken nutzen lohnt sich

Eltern stehen unzählige Möglichkeiten zur Verfügung, mit ihrem Kind das Lesen zu üben. Sei kreativ und erfinde. Am Morgen findet Dein Sohn einen kleinen Brief von Papa vor. Was steht da wohl drin? Schickst Du Deinen Sprössling mit einer Liste zum Einkaufen, motivierst Du ihn zum Lesen und förderst sein Selbstbewusstsein. Möglicherweise liest Du mit ihm Plakate im Stadtzentrum oder Du gehst mit ihm in die Bibliothek. Dort sucht er etwas nach seinem Geschmack aus. Eine spannende Geschichte motiviert, da er neugierig auf den Ausgang ist.

In der Bibliothek findet jeder etwas für sich in der großen Auswahl an verschiedenen Arten von Büchern. Laut einer Studie der Stiftung Lesen der Stiftung Lesen ging die Nutzung öffentlicher Büchereien stark zurück. Eine repräsentative Telefon-Umfrage von 1.301 Personen im Alter von 14 bis 75 ergab folgende Ergebnisse: 37 Prozent der Bevölkerung besuchte im letzten Jahr eine Bibliothek. Davon nutzen 28 von hundert das Angebot mehr als einmal im Monat. Nur 8 Prozent der Gesamt-Bevölkerung nutzt öffentliche Büchereien.

Die Gründe sind vielfältig. Wer als Kind eine Einrichtung nutzte, tut dies im weiteren Verlauf des Lebens. 62 Prozent der heutigen Nutzer besuchten schon mit ihren Eltern oder in der Schule einen entsprechenden Ort. Nichtnutzer sind häufig sportlich orientierte oder religiöse Menschen. Besuche mit Deinen Kindern regelmäßig eine Bibliothek. Damit trägst Du dazu bei, ihre Lust und Gewohnheit am Lesen zu stärken und einen bleibenden Einfluss auf ihre Lesekultur zu nehmen.