Der permissive Erziehungsstil – tolerante passive Erziehung von Kindern

Eine pädagogische Grundhaltung im Bereich der Erziehung ist der sogenannte permissive Erziehungsstil. Lesen Sie hier alles wichtige über die Grundtendenzen, Methoden, sowie die Vor-und Nachteile der permissiven Erziehung. Um den permissiven Erziehungsstil einzuordnen, ist es zunächst einmal wichtig, über die ursprüngliche Einteilung der verschiedenen Erziehungsstile Bescheid zu wissen.

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Was macht die permissive Erziehung aus?

Abgrenzung des permissiven Erziehungsstils zu anderen pädagogischen Richtungen:

Typologisiert wurden die verschiedenen Erziehungsstile bzw. Führungsstile erstmals von Kurt Lewin, einem österreichischen Psychologen, in den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts. Lewin teilte die verschiedenen Erziehungsmethoden ein in autoritäre Erziehung, antiautoritäre Erziehung, demokratische und laissez-faire Erziehung.

Dies sind bis heute eigentlich auch die Hauptkategorien, innerhalb dieser sich weitere Erziehungsstile mit jeweils anderen Gewichtungen ansiedelten. Der permissive Erziehungsstil lässt sich am ehesten dem laissez-faire Stil zuordnen, stellt aber eine gemäßigte Form dar. Laissez-faire bedeutet, dass Eltern ihre Kinder einfach das tun lassen, was sie wollen, ohne jegliche Regeln und Grenzen. Beim permissiven Erziehungsstil wird ähnlich verfahren, es werden aber dennoch bestimmte Regeln und Grenzen vorausgesetzt. Man könnte den permissiven Erziehungsstil als einen Gegenpol zur autoritären Erziehung bezeichnen und in die Sparte der antiautoritären Erziehungsstile einordnen.

Merkmale des permissiven Erziehungsstils

Permissiv erziehende Eltern zeigen sich dem Kind gegenüber äußerst tolerant und verhalten sich eher passiv. Die Rollen sind klar verteilt, den Kindern wird gestattet, ihrem impulsiven Verhalten nachzugeben. Eltern üben wenig Kontrolle über das Kind aus, Bestrafungen und Sanktionen sind beim permissiven Erziehungsstil nicht vorgesehen. Es gibt nur wenige Regeln und Grenzen, die die Kinder einhalten müssen.

Wichtiges Merkmal dieses Erziehungsstils ist es auch, dass das Kind Eigeninitiative bei persönlichen Entscheidungen ergreifen und Verantwortung übernehmen darf. Die Eltern halten sich zurück und beschränken sich nur auf minimale Vorgaben. Lenkung durch die Eltern findet beim permissiven Erziehungsstil nicht statt, das Kind ist in seiner Eigeninitiative gefordert. Sollte es Hilfe benötigen, wendet es sich von selber an die Erziehenden und fordert Hilfe ein.

Permissiver Erziehungsstil – Positiv oder negativ?

Da das Kind selber stark gefordert ist, aktiv zu werden, seine Bedürfnisse wahrzunehmen und zu äußern, werden Eigeninitiative und eigene Meinungsbildung durch den permissiven Erziehungsstil gefördert. Kinder lernen, sich selber und ihre Bedürfnisse wahrzunehmen und den eigenen Standpunkt zu vertreten. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass permissiv erzogene Kinder aktiver, kreativer und extrovertierter sind als Kinder, die z.B. autoritär erzogen wurden.

Darin liegt jedoch auch die Gefahr einer rein permissiven Erziehung. Permissiv erzogene Kinder weisen häufig eine recht geringe Sozalkompetenz auf, besonders wenn es darum geht, Rücksicht auf andere zu nehmen oder die Bedürfnisse anderer Menschen wahrzunehmen.

Oft ist der permissive Erziehungsstil gekennzeichnet durch eine Vernachlässigung der Kinder. Durch die passive Haltung der Eltern werden kaum emotionale Bindungen zum Kind aufgebaut. Häufig ist bei permissiv erzogenen Kindern zu beobachten, dass sie immer wieder über die Stränge schlagen, aggressiv und impulsiv handeln und im späteren Leben schlecht Bindungen eingehen können. Oft ist auch das Verantwortungsbewusstsein schlecht entwickelt. Da permissive Erziehung nachgiebige Erziehung bedeutet, werden Kinder in ihren Elternhäusern, die nach dem permissiven Erziehungsstil handeln, oft sehr stark verwöhnt und zu kleinen Egoisten erzogen.

Permissiver Erziehungsstil an einem Fallbeispiel

Ihr fünfjähriger Sohn entdeckt gerade seine kreative Ader im Umgang mit der Schere und beginnt, sich Löcher in die Strumpfhose zu schneiden. Sie sehen es und sagen zu ihrem Kind, ob es nicht besser wäre, damit aufzuhören, da die Strumpfhose sonst kaputt und nicht mehr zu gebrauchen ist. Ihr Sohnemann aber antwortet, dass er es nicht lassen werde, weil ihm seine Strumpfhose so besser gefalle. Ihre Reaktion darauf wäre dann im permissiven Erziehungsstil: „Wie du willst, dann mach einfach weiter, wir können sie ja auch wegschmeißen und eine neue kaufen.“

Die permissive Erziehung in der heutigen Zeit

In der Realität ist der permissive Erziehungsstil als alleinige Erziehungsmethode kaum mehr zu finden. Vielmehr haben sich individuelle Erziehungsstile entwickelt, die permissive Elemente in bestimmten Situationen einbeziehen. Im Beispiel hier ist es nur die Strumpfhose gewesen. Geht es aber im Jugendalter um ernstere Themen wie Alkohol- oder Drogenkonsum, so ist von einer permissiven Haltung dringend abzuraten.