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Patchwork – das ist für viele Familien in Deutschland mittlerweile kein Fremdwort mehr. Kinder von Alleinerziehenden und Beziehungen ohne Trauschein sind keine Seltenheit und auch die Scheidungsraten sind nach wie vor konstant hoch.

All das hat zu Veränderungen im ursprünglichen Familiengefüge geführt. Neue Konstellationen bilden sich, da ein dauerhaftes Zusammenleben der Partner in der heutigen Zeit aus verschiedensten Gründen offenbar erschwert ist. Maßgeblich betroffen davon sind vor allem die Kinder, da sie das Bindeglied zwischen den Partnern darstellen. Hier finden Sie einen kleinen Patchwork-Familien-Ratgeber:

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Die Vater-Kind-Beziehung © detailblick-foto - Fotolia.com
Die Vater-Kind-Beziehung
© detailblick-foto – Fotolia.com

Ein neuer Partner – wie reagiert mein Kind?

Mögliches Konfliktpotential zwischen Kind und neuem Partner

Mami hat einen Neuen. Papa hat heute seine neue Freundin mitgebracht. Diese Situationen lösen in jedem Kind etwas aus, und nicht immer handelt es sich dabei um positive Gefühlsstimmungen. Betritt ein neuer Akteur die familiäre Bühne, kann dies durchaus zu einem gewissen Konfliktpotential führen. Wie kommt es dazu?
Zunächst einmal liegt es nicht zwingend in erster Linie an der Persönlichkeit des neuen Partners bzw. der Partnerin, ganz unabhängig davon, inwiefern er bzw. sie sich um die Kinder bemüht. Das Problem ist vielmehr die negativ behaftete Ausgangssituation: Die Beziehung der Eltern ist zerbrochen, schlimmer noch, wenn ein Scheidungskrieg zwischen den beiden wütete. Im Extremfall ist vielleicht sogar ein leiblicher Elternteil verstorben. Oder aber das Kind hatte seine Mutter bisher ganz für sich alleine und kennt die Rolle des Vaters gar nicht.

Was auch immer im Vorfeld geschehen sein mag, die geschilderten Situationen sind für Kinder schwer zu verarbeiten, teilweise wirken sie gar traumatisierend.
Nun kommt eine weitere Herausforderung auf das Kind zu: Es soll sich an den neuen Partner bzw. die neue Partnerin von Mama oder Papa gewöhnen. Dabei wird viel von den Kindern abverlangt. Es mag Fälle geben, wo dies reibungslos funktioniert, doch meist wird die Umstellung von Anfangsschwierigkeiten begleitet, die im Übrigen völlig normal sind. So kann es beispielsweise vorkommen, dass der neue Partner – zu Unrecht – vom Kind beschuldigt wird, familiäre Probleme erst verursacht zu haben, weshalb sich Mama und Papa dann getrennt haben. Dieses teilweise unwillkürliche Drängen in die Rolle des Sündenbocks dient manchen Kindern als Schutzfunktion und hilft dabei, Abstand zu wahren. Manchmal wird auch zusätzlich der leibliche Elternteil glorifiziert, nach dem Motto „Papa macht sowieso alles besser“.
Es kommt aber auch vor, dass der neue Partner oder die neue Partnerin selbst unbewusst Fehler macht, was zu Konflikten im Verhältnis zum Kind führt. Zum Beispiel ist die Erwartungshaltung an das Kind gerade zu Beginn häufig viel zu hoch: Es soll lieb, brav, nett sein und einen gefälligst gern haben. Doch Liebe und Anerkennung lassen sich nicht auf Knopfdruck erzwingen, sondern müssen wachsen. Die wichtigste Basis dafür ist Vertrauen, doch auch das muss erst Stück für Stück aufgebaut werden.
Ein weiterer Aspekt, der das Konfliktpotential schüren kann, sind Vorstellungen zum Thema Erziehung. Manch neuer Partner ist von vornherein bemüht darum, dass Kind miterziehen zu wollen. Doch wird dabei oft Öl ins Feuer gegossen, denn in kaum einem anderen Bereich reagieren Kinder sensibler.

Man muss aber nicht gleich den Teufel an die Wand malen, denn wenn man einige Dinge beachtet, kann der Alltag in einer Patchwork-Familie sehr wohl funktionieren und auch für alle erfüllend sein.

 

Wie kann der Patchwork-Alltag gelingen?

Wie in jeder „normalen“ Familie gilt auch für Patchwork-Konstellationen, dass die unterschiedlichen Bedürfnisse eines jeden Familienmitglieds geachtet und berücksichtigt werden müssen. Generell kann gesagt werden, dass sich kleinere Kinder oft leichter an die neue Situation gewöhnen, insbesondere, wenn sich ihnen der neue Partner mit sehr viel Einfühlungsvermögen und Geduld widmet und nicht zu viel erwartet.

Für alle Kinder, aber gerade auch für den älteren Nachwuchs, der seine Umgebung noch bewusster wahrnimmt, gilt, dass sie so behutsam wie möglich an die neue Lage herangeführt werden müssen. Dies kann in Form von lockeren Unternehmungen und Ausflügen geschehen. Keinesfalls sollte der Partner mit Sack und Pack vor der Haustür stehen und einziehen, ohne dass ihn die Kinder kennen lernen konnten.
Für die kindliche Gefühlswelt ist viel Verständnis aufzubringen; Ängste, Probleme und Auffälligkeiten müssen ernstgenommen werden. Da häufig Eifersucht eine Rolle spielt, helfen vor allem Aufmerksamkeit und gemeinsame Gespräche weiter. Auch sollte der neue Partner dem Kind klar machen, dass er den leiblichen Elternteil nicht ersetzen will – wenn möglich sollten Mama bzw. Papa ihren bisherigen Stellenwert behalten.

Redaktion: Foerster, Katja Grüner, Anna Nilsson, © Jürgen Fälchle – Fotolia.com

weiterführend:
http://www.derneuemann.net/patchworkfamilie-zusammenleben/4717

http://www.urbia.de/magazin/familienleben/starthilfe-fuer-patchworkfamilien

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