Wie gehen Kinder mit Trauer und Tod um?

Anzeige

Auch wenn Eltern in der Kindheit Ihrer Kinder alle unschönen Erlebnisse fernhalten wollen, kommt es denoch bei vielen Familien zur Begegnung von Kindern mit Trauer und Tod –  der Tod gehört zum Leben und ist alltäglicher Begleiter der Menschen. Für nicht wenige Erwachsene stellt er ein Tabuthema dar, mit dem man sich freiwillig nicht auseinandersetzt. Wie mag es da Kindern ergehen, insbesondere, wenn sie persönlich vom Ableben eines geliebten Familienmitglieds betroffen sind?

Trauer beim Kind
Weinen und traurig sein, Copyright: Vertolet , bigstockphoto

Trauererfahrung in der Kindheit

 

Kindliche Vorstellungen vom Tod

Eine Ahnung davon, was der Tod eigentlich bedeutet, haben kleine Kinder noch nicht. Abhängig vom Entwicklungsstand deuten ihn die Kinder ganz verschieden. Bereits zwischen dem ersten und fünften Lebensjahr erkennen sie anhand Beobachtungen der Umwelt den Unterschied zwischen Leben und Nicht-Leben, beispielsweise, wenn Pflanzen absterben oder Tiere aus der alltäglichen Umgebung verenden. »Mama, der Käfer ist kaputt«, wird dann richtig geschlussfolgert. Kinder unter vier Jahren haben allerdings noch keine Vorstellung von der Endgültigkeit des Todes.

Anzeige

Erklärt man ihnen, dass ein Verwandter gestorben ist, stellen viele Kinder nach ein paar Tagen die Frage, wann die geliebte Tante denn wieder nach Hause zurückkommt. In dieser Altersstufe leben die Kinder vor allem in der Gegenwart, mit den Begriffen »Vergangenheit« und »Zukunft« können sie noch nicht viel anfangen.

Erst ab circa dem sechsten Lebensjahr entwickelt sich allmählich ein Zeitgefühl und die Kinder beginnen zu verstehen, dass der Tod unwiederbringlich ist. Unbewusst wird allerdings verdrängt, dass auch sie selbst und ihre Eltern eines Tages davon betroffen sein werden. Mit etwa neun Jahren gelangen die Kinder zu der Einsicht, dass alle Lebewesen ausnahmslos irgendwann sterben müssen.

Die Trauerbewältigung ist ein schwieriger Prozess für Kinder und geschieht unter anderem auch unter altersspezifischen Gesichtspunkten sehr individuell. Mögliche Ausdrucksformen können sein: Weinen, Schreien, Wut, Zorn, Aggression, Trotz, Apathie, Hilflosigkeit. Dazu stellen sich nicht selten körperliche Beschwerden wie Appetitlosigkeit und Schlafstörungen ein. Schulkinder geraten bisweilen in ein Leistungstief oder haben anderweitige Probleme im schulischen Alltag. Gerade kleine Kinder im Kindergartenalter können die Situation noch nicht vollends erfassen, spüren aber instinktiv, dass etwas Schlimmes geschehen ist. Ihre Trauer kann von Ängsten begleitet sein, weitere Bezugspersonen zu verlieren, vor allem, wenn ein sehr nahes Familienmitglied verstorben ist.

Art und Weise der kindlichen Trauerbegleitung

Für alle betroffenen Personen, gerade aber für die Kinder ist eine behutsame und kompetente Trauerbegleitung nötig. Alle oben geschilderten Gefühlsäußerungen wie Weinen oder Zorn sollten nicht unterdrückt, sondern zugelassen werden, damit sich der Schmerz nicht weiter nach innen frisst. Generell brauchen trauernde Kinder sehr viel Zuwendung und Aufmerksamkeit in Form von Gesprächen und körperlicher Nähe. Das gesamte soziale Umfeld inklusive Erzieher, Lehrer, Nachbarn, Freunde usw. sollte über die Situation informiert werden, um möglichst sensibel mit dem Kind umzugehen und ihm Unterstützung anbieten zu können.

Hilfreich können Rituale sein, etwa das persönliche Abschiednehmen. Beispielsweise kann man der verstorbenen Person einen Gegenstand mit ins Grab geben, den diese mochte oder der an sie erinnert. Manche Kinder möchten auch aktiv in die regelmäßige Grabpflege miteinbezogen werden, auch das kann Teil der Trauerhilfe sein. Kleinere Kinder verarbeiten ihre Erfahrungen mit Trauer teilweise im Spiel. Über das Geschehene z.B. im Rollenspiel mit Puppen zu sprechen, ist ein möglicher Weg.

Allgemein ist es wichtig, den Kindern viel Zeit zu lassen, man sollte keine vorschnelle Rückkehr in den Alltag verlangen. Wenn Sie aber den Eindruck haben, dass Ihr Kind in der Trauerarbeit nicht vorankommt, sollten Sie sich nicht scheuen, eine psychotherapeutische Behandlung in Anspruch zu nehmen. Häufig angewandt in diesem Bereich wird die Kunsttherapie – das Malen von Bildern gibt dem Schmerz einen Ausdruck und kann helfen, die Erlebnisse gestalterisch zu verarbeiten.

Nicht zuletzt ist es für viele Kinder tröstlich zu wissen, dass es die Hoffnung auf ein Wiedersehen gibt. Die christliche Vorstellung vom Leben nach dem Tod kann Zuversicht vermitteln,  ähnliche Gedanken finden sich auch in anderen Religionen.

Hinweise im Umgang mit trauernden Kindern

  1. Gebe dem Kind viel Geborgenheit und das Gefühl von Sicherheit und Vertrauen.
  2. Beantworten die Fragen Ihres Kindes ehrlich, aber auch dem jeweiligen Alter entsprechend.
  3. Ermöglichen dem Kind, sich von der verstorbenen Person angemessen zu verabschieden.
  4. Lasse Gefühlsausbrüche des Kindes zu, sie sind ein wichtiger Bestandteil des Trauerprozesses
  5. Beobachten das Kind, achte auf Auffälligkeiten und wendet euch gegebenenfalls an einen Experten für kindliche Trauerhilfe, falls euch die Situation überfordert.

Weiterführende Literatur:

https://www.familienhandbuch.de/cms/Trauer.pdf