Elternfrage: Mein Kind will nicht ins eigene Bett?

Familienbett
Freude am Familienbett Copyright: evgeny atamanenko bigstockphoto

Viele Eltern kennen solche Situationen: Das Kind ruft nachts nach ihnen oder krabbelt zwischen sie ins Elternbett. Seine Angst vor dem Alleinschlafen tritt entwicklungsbedingt oder aufgrund psychischer Belastung auf. Wir beantworten die Elternfrage und zeigen Euch welche Gründe es hat wenn ein Kind nicht alleine schlafen will und was Eltern hier tun können:

Kind will nicht in seinem Bett schlafen
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Der Kinderschlaf: Das Wichtigste in Kürze:

  • Im Alter von eineinhalb bis zwei Jahren beginnen Kinder, abstrakte Ängste zu entwickeln. Sie fürchten sich vor der Dunkelheit, Fantasiegestalten und dem Alleinsein. In dieser Phase, die bis zum Schulalter anhält, weigern sich viele von ihnen, im eigenen Bett ein- oder durchzuschlafen.
  • Parasomnien wie der Nachtschreck lösen bei Kindern in seltenen Fällen die Angst vor dem Alleinschlafen aus. Sie suchen vor dem Einschlafen die Nähe der Eltern, um sich in Sicherheit zu wissen.
  • Ein- und Durchschlafprobleme veranlassen Kinder dazu, das eigene Bett zu verlassen und bei den Eltern Trost zu suchen. Der Verzicht auf abendlichen Medienkonsum und eine konsequente Schlafhygiene helfen, das Kinderbett als Ort der Ruhe und Entspannung zu etablieren.

Wenn Kinder nicht im eigenen Bett schlafen wollen

Nein ich will nicht in meinem Bett schlafen: So gut wie jedes Elternpaar ist mit der folgenden Situation vertraut: Man müht sich ab mit allen möglichen Einschlafritualen, etwa einer Gute-Nacht-Geschichte, Schlafliedern oder teilweise sogar wohltuenden Massagen, doch sobald man das Kind zugedeckt hat und das Zimmer verlässt, ist das Geschrei groß:

Lautstark wird nach dem behaglichen Elternbett verlangt. Aber wie kommt es eigentlich das ein Kind nicht im eigenen Bett schlafen will und was kann man dagegen tun?

Warum Kinder viel lieber bei den Eltern schlafen (dürfen)

Zu unserer Schlafkultur gehört es, dass Kinder in ihrem eigenen Bett übernachten. Was manch einer nicht weiß: In nicht wenigen anderen Zivilisationen ist es gang und gäbe, dass Babys und Kleinkinder bei ihren Eltern ganz selbstverständlich im großen Familienbett schlafen. Oft sind sie dann bereits im Schulalter, ehe sie ausquartiert werden.

Diese Vorstellung erschreckt hierzulande viele. Ganz allgemein muss gesagt werden: Es gibt nicht den optimalen Zeitpunkt, ab wann ein Kind in seinem Zimmer schlafen soll, da es sich um einen höchst individuellen Prozess handelt.

Unser Tipp: Lasst euch da keinen Stress von außen machen, hört nicht auf die vielen Schlafexperten, nur ihr selbst als Familie könnt entscheiden wo euer Kind schläft und das darf dann auch gern das Familienbett sein. Jede Familie sollte unter Beachtung der Bedürfnisse aller Mitglieder für sich selbst entscheiden, wer wann und wo schläft.

Die meisten Experten sind sich allerdings einig, dass die Kinder spätestens im Vorschulalter an den eigenen Schlafplatz gewöhnt werden sollten, da der Ablöseprozess umso mehr erschwert wird, je älter das Kind ist und je länger es mit dem Übernachten im Elternbett vertraut ist.

Doch warum tun sich viele Kinder so schwer damit, im eigenen Bett zu schlafen? Zunächst einmal ist festzuhalten, dass hier der Gewöhnungseffekt greift: Die Mehrheit der Säuglinge verbringt schon alleine aus praktischen Gründen die ersten Monate im Elternschlafzimmer. Häufiges nächtliches Aufwachen veranlasst viele Eltern dazu, die Wiege neben dem Bett zu positionieren. Gerade auch, wenn das Baby gestillt wird, verbringt es automatisch viel Zeit in der elterlichen Schlafstatt.

Einen abrupten Einschnitt bedeutet es dann, ab einem gewissen Zeitpunkt zum Schlafen räumlich von Mama und Papa getrennt zu werden. Der Drang nach der gewohnten körperlichen Nähe ist ein entscheidender Faktor, weshalb viele Kinder nicht im eigenen Bett einschlafen wollen.

Generell ist das jeweilige Schlafverhalten abhängig von Alter, Schlaftyp, Psyche und Gesundheitszustand. Insbesondere Kleinkinder sind erst einmal damit beschäftigt, ihren Schlafrhythmus zu finden, was sich durchaus lange hinziehen kann. Ebenso muss die Vielzahl an Eindrücken, die über den Tag gesammelt wurden, im kindlichen Kopf verarbeitet werden. Eine wichtige Rolle spielen zudem seelische Belastungen. So können bei älteren Kindern manchmal Probleme in der Schule oder mit Freunden eine Ursache für Schlafprobleme sein.

Nicht zuletzt hat die Schlafumgebung großen Einfluss darauf, ob es mit dem Übernachten im eigenen Zimmer klappt: Bisweilen ist es schlicht zu hell, zu dunkel, zu laut, zu kalt oder zu ungemütlich, als dass sich das Kind auf Schlaf einlassen kann.

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Woher rührt die kindliche Angst vor dem Alleinschlafen?

Phasen, in denen das Kind abstrakte Ängste verspürt, gehören zu seiner normalen Entwicklung. Dabei verändert sich die Art der Angst im Laufe der Zeit. Kinder unter neun Monaten fürchten sich hauptsächlich vor lauten und unbekannten Geräuschen.

Im Alter von einem Jahr kommen bei vielen Trennungsängste hinzu. Diese treten auf, sobald die Bezugspersonen das Zimmer verlassen. Nachts versuchen die Kinder, durch Rufe auf sich aufmerksam zu machen. Das wiederholte Heranrufen der Eltern dient als eine Art Reaktionstest. Kommen sie, um nach dem Nachwuchs zu sehen, bauen sie sein Vertrauen auf und drängen die Trennungsangst zurück.

Abstrakte Ängste kommen bei Kindern ab zwei Jahren auf. Sie fürchten sich vor:

  • Dunkelheit
  • Schatten
  • eingebildeten Figuren
  • Monstern im Schrank und unter dem Bett
  • Einbrechern

Die Angst vor dem Alleinsein bleibt während dieser Phase bestehen, die Kinder bis sieben Jahre betrifft.

Bei der abstrakten Nachtangst ängstigen sie sich vor Dingen, die physisch nicht vorliegen. Ebenso entstehen bei Kindern durch stattgefundene oder in der Zukunft liegende Ereignisse Unruhe und Angst:

  • erster Besuch von Kindergarten oder Schule
  • Streit mit Gleichaltrigen
  • Streit der Eltern
  • Unfälle
  • Todesfall in der Familie

Fällt die Verarbeitung der durch diese Begebenheiten auftretenden Gefühle schwer. Sie sehnen sich nach einer geborgenen Umgebung und suchen nachts die Nähe der Eltern.

Für ein gelingendes (Ein)schlafen

Das Ein- und Durchschlafen im eigenen Bett lernen Kinder leichter, wenn:

  • die Eltern ihnen das Kinderbett als sicheren Ort präsentieren
  • die Familie Einschlafrituale einführt (Vorlesen, Kuscheln)
  • die Zubettgehzeit in eine geregelte Tagesstruktur integriert ist

Für Kinder empfiehlt sich eine konsequente Schlafhygiene. Das Bett dient ausschließlich als Ort zum Schlafen. Daher befinden sich darin außer dem Lieblingskuscheltier oder der Schmusedecke keine Spielzeuge.

Leidet das Kind unter abstrakten Ängsten, braucht es das Verständnis der Eltern. Vor dem Schlafengehen hilft es, den Nachwuchs zu beruhigen. Gemeinsam mit ihm überzeugen sich die Eltern, dass keine Monster in dunklen Ecken sitzen.

  1. Lasst das Kind seinen eigenen Schlafplatz gestalten, damit es sich wohlfühlen kann, schließlich soll er nur ihm gehören
  2. Sorgt für ein angenehmes Einschlafritual: Vorlesen, zuhören und körperliche Nähe geben Sicherheit und helfen dem Kind, langsam von den Aktivitäten des Tages in den Einschlafmodus zu wechseln
  3. Ein dezentes Nachtlicht und das Lieblingskuscheltier bescheren eine behagliche Atmosphäre und beugen der Angst vor Dunkelheit vor
  4. Die Kinderzimmertüre sollte stets einen Spaltbreit offen bleiben, damit sich das Kind nicht alleine gelassen oder ausgeschlossen fühlt
  5. Ausnahmen zulassen: Wenn das Kind krank oder nach einem schlimmen Alptraum verstört ist, sollte es bei den Eltern übernachten dürfen
  6. Lobe das Kind ausführlich, wenn es mit dem Übernachten im eigenen Bett geklappt hat – so wird dies zu einem positiven Erlebnis
  7. Biete Alternativen zum Schlafen im Elternbett an, z.B.: am Wochenende gemeinsames Kuscheln nach dem Aufwachen

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Das Kind in der Nacht beruhigen

Im Schlaf erzeugt der Mensch Geräusche. Hören Eltern aus dem Zimmer des Kindes Laute, besteht kein Grund zur Beunruhigung. Oft dienen sie dazu, Spannungen im Schlaf zu lösen. Eine wiederholte Kontrolle im Kinderzimmer erhöht die Wahrscheinlichkeit, den Nachwuchs zu wecken und ihm langfristig das Durchschlafen zu erschweren.

Bevor Eltern nachts zu ihrem Kind gehen, warten sie, ob es sich selbstständig beruhigt. Dabei helfen:

Bleibt es unruhig oder ruft nach einer Bezugsperson, achten die Eltern auf einen ruhigen und entspannten Umgang mit ihm. Sie versuchen, den Nachwuchs im eigenen Bett zu beruhigen, sodass er wieder einschläft. Auf laute Gespräche oder das Spielen mit dem Kind verzichten sie nachts.

Zu guter letzt möchten wir Euch noch an die Hand geben: Es ist weder schlimm noch prägend wenn ihr euer Kind mal ab und zu bei Euch schlafen lasst. Vertraut euerem Bauchgefühl, meist wollen Kinder ab dem 5-6 Lebensjahr eh von alleine in ihrem Bett schlafen. 😉

Schlafstörungen und Parasomnien bei Kindern

Parasomnien – ungewöhnliche Verhaltensweisen beim Einschlafen oder im Schlaf – treten oft im Kindes- oder Jugendalter auf. In der Entwicklungsphase des zentralen Nervensystems steigt das Risiko für:

  • Nachtschreck
  • Schlafwandeln
  • starke Albträume

Bei der Schlafparalyse erwacht das Bewusstsein, während sich der restliche Organismus im Tiefschlaf befindet. Das verhindert für mehrere Sekunden willkürliche Bewegungen beim Einschlafen oder Aufwachen. Sie tritt erstmalig bei Kindern zwischen 14 und 17 Jahren auf.

Bei vielen Parasomnien erinnern sich die Betroffenen am nächsten Morgen nicht an ihre nächtlichen Aktivitäten. Dementsprechend verspüren Kinder zunächst keine Ängste vor dem Einschlafen oder Alleinsein. Diese entwickeln sich, wenn die Sorge der Eltern auf sie übergeht.

Quellen, Literatur, Verweise:

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