Kampfsport für Mädchen » So machst du deine Tochter stark

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Welcher Kampfsport ist für Mädchen geeignet?

Es gab Zeiten, da war es ein (ungeschriebenes) Gesetz, welche Freizeitaktivitäten für Jungen und welche für Mädchen sind.

Jungs gehen zum Fußball, Judo und Co. und Mädchen zum Tanzen, Gesangsunterricht und ähnliches. Zum Glück haben sich diese Grenzen aufgeweicht und es kommt immer häufiger vor, dass man beim Kampfsport auch Mädchen sieht.

Eltern, die sportliche Töchter unterstützen möchten, fragen sich natürlich, welcher Kampfkunst dann die richtige Wahl ist.

Kampfsport für Mädchen
Taekwondo, Karate – Kampfsport für Mädchen – Copyright: astropix bigstockphoto

Kampfsport für Mädchen – Das Wichtigste für Väter im Überblick

  1. Mädchen und Jungen sind gleichermaßen für Kampfsport geeignet und zwar für jede Art
  2. alle Kampfkünste schulen Körpergefühl, Fitness sowie Konzentration und Disziplin
  3. durch besseres Selbstbewusstsein können Mädchen im gesamten Alltag erfolgreicher sein
  4. manche Kinder stören sich aber am oft engen Körperkontakt beim Training
  5. Du solltest Kinder weder zum Kampfsport zwingen, noch es ihnen ausreden

Passt Kampfsport denn zu Mädchen?

Die meisten Eltern haben noch immer Rollenbilder in ihren Köpfen und das ist auch ganz normal. So modern wir sein möchten, wir sind auch von unserer Jugend und den Erzählungen aus unserer Eltern- und Großelternzeit geprägt. Es ist daher keine Schande, wenn Du Dir die Frage stellst, ob Kampfsport für Mädchen überhaupt das Richtige ist.

Die Antwort kann aber ganz klar Ja lauten und noch wichtiger: Sie gilt für alle Kampfkünste, von Judo über Fechten bis hin zu Boxen.

Zeigt Deine Tochter Interesse daran, bei einem Kampfsport hineinzuschnuppern, solltest Du ihr das aus fünf Gründen ermöglichen:

  1.  Sowohl westliche als auch östliche Kampfkünste schulen das Körpergefühl.
  2. Der Körper wird gesund und fit gehalten.
  3. Die Sportarten bringen Menschen zusammen und stärken auf diese Weise die sozialen Kompetenzen.
  4. Kinder bekommen früh ein gutes Selbstwertgefühl und zerren von ihrem Selbstvertrauen in schwierigen Situationen.
  5. Vereine vermitteln einen „Ehrenkodex“ und schulen damit auch die geistige Haltung.

Diese Punkte schauen wir uns jetzt im Detail näher an.

Bei jedem Kampfsport wird Körpergefühl und Fitness geschult

Egal ob Deine Tochter konzentriert einen Stab beim Arnis führen will oder geschmeidige Ausweichbewegungen bei Aikido trainiert: Zu Beginn jeder Trainingseinheit steht das Aufwärmen und Dehnen. Das verbrennt nicht nur Kalorien und bringt den Kreislauf in Schwung, es schult auch die eigene Körperwahrnehmung.

Gerade Kinder merken beim Aufwärmtraining, das ihnen manche Bewegungen überraschend schwer fallen, beispielsweise einen Arm nach vorn und den anderen gleichzeitig nach hinten zu kreisen. Das Ganzkörpertraining ist für Grob- und Feinmotorik pures Gold wert. Außerdem können Gruppen- sowie Partnerübungen helfen, ein Verständnis für gemeinsames Bewegen zu bekommen.

Gut zu wissen: Bei manchen Kampfkünsten ist mehr Körperkontakt nötig als bei anderen. Das kann vor allem mit Beginn der Pubertät den Kampfsport für Mädchen wieder uninteressanter machen. Es kann daher sinnvoll sein, vorab in die Überlegungen einfließen zu lassen, ob Dein Kind eher intro- oder extrovertiert ist. Würfe und Hebel wie im Judo, Aikido etc. funktionieren nur, wenn man sich berührt. Das muss Deiner Tochter von Beginn an klar sein. Bei Kendo Beispielsweise hält hingegen das Schwert den anderen auf Abstand.

Kampfsport für Mädchen: Die soziale Interaktion

Trotz voranschreitender Emanzipation müssen sich Frauen noch immer stark für ihre Gleichberechtigung einsetzen. Sie bekommen bei vergleichbaren Jobs deutlich weniger Geld und sind seltener in Führungspositionen. Du fragst Dich, was das mit Kampfsport für Mädchen zu tun hat? Viel! Und damit ist natürlich nicht gemeint, dass körperliche Gewalt die Frauen voranbringt. Es geht viel mehr darum, dass beim Kampfsport das Selbstvertrauen gestärkt wird.

Das Gefühl, auch in schwierigen Situationen mit erhobenem Kopf einem Mitmenschen zu begegne, ist sehr wichtig. War ein Lehrer unfair, wird der Kampfsport Mädchen eher gezeigt haben, dass man mutig für die eigene Position eintreten muss. Später im Leben wird eine junge Frau eher mit Nachdruck das Gehalt fordern, das ihr zusteht. Mit Kampfsport haben Mädchen oft eine ganz neue Ausstrahlung, auf die Du als Elternteil stolz sein wirst!

Die regelmäßige Interaktion mit Sportkollegen und Sportkolleginnen schult außerdem das tägliche Miteinander mit Freunden und neuen Menschen. Ein aktives Vereinsleben ist dafür verantwortlich, dass man Kampfsportler/innen nachsagt, insgesamt offener auf andere zuzugehen. Das hilft auch bei der Integration in neue Gruppen, etwa nach dem Schulwechsel.

Kampfsport für Mädchen: Der Budo-Gedanke im Alltag

Der Begriff Budo kommt aus dem Japanischen und setzt sich aus den Kanji für BU (kriegerisch) und Do (Weg) zusammen. Daher ist die am häufigsten Genutzte Übersetzung „Weg des Kriegers“.

In Anlehnung an die alten Samurai geht es nicht nur darum, effektiv gegen andere Menschen kämpfen zu können, wenn die Not es erfordert, sondern vor allem gegen die eigenen Charakterschwächen anzutreten. Jeden Tag an sich selbst zu arbeiten und damit ein Stückchen besser zu werden, ist nicht nur für den gewählten Kampfsport ein Vorsatz, sondern für den Alltag.

Für Kinder steht Budo noch nicht im Vordergrund, doch bleiben sie ihrem gewählten Kampfsport bis ins Erwachsenenalter treu, gehen sie diesen Pfad fast automatisch. Der Budo-Gedanke wird in vielen Vereinen ganz bewusst gelebt und die Trainer vermitteln bereits den Kindern, wie wichtig eine grundlegende Disziplin ist. So beginnt in asiatischen Kampfkünsten beispielsweise jedes Training mit einem traditionellen Angrüßen samt Verneigung.

Warum sind Mädchen in Kampfsportvereinen trotzdem in der Minderheit?

Bei all diesen Vorteilen stellt sich natürlich die Frage, warum beim Blick in viele Vereine die Zahl der weiblichen Mitglieder oft kleiner ist. Die Antwort bringt uns zum Anfang des Artikels zurück: Es sind die Vorstellungen in unseren Köpfen.

Beim Stichwort „Kampfsport“ denken die meisten automatisch an muskelbepackte Männer, die sich im Wettstreit gegenüberstehen. Viele Filme und Spiele untermalen dieses Bild noch heute und daher wächst sowohl bei Eltern als auch Töchtern früh der Zweifel heran, ob Kampfsport für Mädchen passt.

Auch wenn Du verunsichert bist, solltest Du Dich an den Gedanken halten, dass prinzipiell jeder Kampfsport für Mädchen und Jungen gleichermaßen geeignet ist. Bei Kampfkünsten, bei denen Körpergewicht und Kraft der Übungspartner für einen fairen Wettstreik ähnlich sein sollten, wird sowohl im gemeinsamen Training als auch bei Wettkämpfen darauf geachtet, dass es eine Damen- und Herrengruppe sowie einzelne Gewichtsklassen gibt.

Andere Kampfkünste sind so aufgebaut, dass Größe, Gewicht und Kraft kaum eine Rolle spielen oder es sogar von Vorteil ist, kleiner und leichter zu sein. Paradebeispiel ist hier Aikido. Es ist als Kampfsport für Mädchen besonders geeignet, da Kraft und Geschwindigkeit eines Angreifers gegen ihn benutzt werden. Allerdings zählt Aikido auch zu den schwierigsten Kampfkünsten, sodass vor allem Kinder das Interesse verlieren, bevor sie die Techniken wirklich können.

Kampfsport ist für Mädchen: Was heißt das alles für Eltern?

So wie kein Kind zu Klavierunterricht, Fußball und Co. gezwungen werden sollte, macht es auch keinen Sinn, Deiner Tochter auf Biegen und Brechen einen Kampfsport einzureden. Interessiert sie sich aber dafür, informiert euch gemeinsam, welche Angebote es in eurer Nähe gibt. Die häufigsten Kampfsportarten sind:

  • Aikido (bewaffnet und unbewaffnet)
  • Arnis (bewaffnet und unbewaffnet)
  • Boxen (unbewaffnet)
  • Caporeia (unbewaffnet)
  • Escrima (bewaffnet)
  • Jiu Jitsu (unbewaffnet)
  • Judo (unbewaffnet)
  • Karate (unbewaffnet)
  • Kendo (bewaffnet)
  • Taekwondo (bewaffnet und unbewaffnet)

Die Liste ist bei Weitem nicht vollständig, denn es gibt viele Kampfkünste und sie alle richten sich prinzipiell an beide Geschlechter. Wichtiger als das Geschlecht ist das Alter, da komplexere Kampfsportarten meisten mindestens das Grundschulalter voraussetzen.

Tipp:
Wichtig ist es, vor einem Probetraining zu klären, ab welchem Alter ein Verein das Mitmachen empfiehlt und ob es im Idealfall eine eigene Kindergruppe gibt.

Oft ist für Heranwachsende die Gruppendynamik entscheidender als die Wahl der Kampfkunst selbst. Sind die Trainer sympathisch und die anderen Kinder nett, wollen Jungen und Mädchen gleichermaßen dabei bleiben – egal ob es um Kicks, Würfe oder Hebel geht.