Erziehung ohne Strafe – eine Utopie?

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Erziehung ohne Strafen - wir möchten zeigen wie in der heutigen Zeit Eltern der Umgang mit den Kindern gelingt ohne zu Strafen.

Wie funktioniert konsequente Erziehung ohne Strafen!

Ein Vortrag von Monika Sturmair, Kindergartenpädagogin und Mutter von vier Kindern - Im Vortrag "Erziehung ohne Strafe - eine Utopie?" zeigt Frau Sturmair, wie Strafe wirkt, was sie im Kind auslöst und wie lange das Erziehungsmittel Strafe funktionieren kann. Im zweiten Teil ihres Vortrages erklärt sie die Alternativen, Kinder zu erziehen.

Kooperation statt Strafe - Ein bindendes Erziehungs-Modell:

Warum sind Strafen langfristig gesehen als negativ zu bewerten?

Strafen gehörten in vielen Erziehungskonzepten zum alltäglichen Umgang mit dem Nachwuchs. Auch heute noch sind viele Eltern der Meinung, dass Erziehung nicht ganz ohne Strafe funktionieren kann. Grenzübertretungen müssen nun einmal bestraft werden, damit das Kind daraus lernt. So ist jedenfalls die landläufige Meinung vieler.

Jeder von uns weiß was Strafe ist und hat sie in seiner eigenen Erziehung sicherlich schon des öfteren erfahren oder selbst bei seinen eigenen Kindern eingesetzt. Konkret bedeutet Strafe der Entzug von etwas Liebgewonnenem, wenn bestimmte Grenzen übertreten, Verbote oder Gebote nicht eingehalten wurden.

Dabei denken wir an Fernsehverbot, Handyentzug, Verbot des Computers oder früher zu Bett gehen müssen. Problematisch dabei ist, dass Strafen auf Dauer gesehen keine positiven Gefühle auslösen. Ihr Kind wird wütend, traurig und resigniert im schlimmsten Falle.

Sie als Vater wollen natürlich kein Kind erziehen, das resigniert und ohne Selbstbewusstsein sich allem beugt, was Sie ihm vorgeben. Ihr Kind ist dann zwar möglicherweise „pflegeleichter“, im Hinblick auf sein späteres Leben jedoch nicht gerüstet in Bezug auf positive Eigenschaften, die Sie Ihrem Nachwuchs ja eigentlich anerziehen möchten.

 

Respektvoller Umgang miteinander ist das A und O

Ihr Kind kann sich nur dann positiv entwickeln, wenn Sie von Anfang an respektvoll mit ihm umgehen. Achten Sie immer die Individualität Ihres Nahwuchses und fördern seine Fähigkeiten mit dem Ziel, gut in der Gemeinschaft zurechtzukommen, eigenverantwortlich zu handeln und auch Verantwortung für andere zu übernehmen. Kurz und gut: Ziel sollte es sein, Ihr Kind zu einem sozialen Menschen zu erziehen.

 

Seien Sie Ihrem Kind ein Vorbild!

Sie selber möchten als Vater von Ihrem Kind respektvoll behandelt werden? Sie sind enttäuscht, wenn sich Ihr Nachwuchs nicht an vereinbarte Abmachungen hält oder Ihnen gegenüber frech wird? Aus eigener Wut und Emotion heraus läge es nahe, das Kind für sein Fehlverhalten zu bestrafen. Damit befinden Sie sich jedoch nicht mehr auf Augenhöhe mit Ihrem Kind.

Sie nutzen Strafe um eine Verhaltensänderung herbeizuführen. Wenn Sie respektvoll behandelt werden möchten, dann sollten Sie Ihrem Kind genau diesen respektvollen Umgang vorleben. Statt zu strafen wäre es in bestimmten Situationen besser dem Kind zu helfen, mit seinen negativen Emotionen umzugehen. Ihr Kind lernt dadurch an Ihrem Vorbild als Vater, wie es sich besser verhalten kann.

 

Erziehung ohne Strafe bedeutet nicht grenzenlos erziehen

Natürlich ist es in der Erziehung wichtig, dem Kind seine Grenzen aufzuzeigen. Natürlich müssen Sie als Vater auf Grenzübertretungen Ihres Nachwuchses reagieren und auch einschreiten, besonders wenn andere dadurch gefährdet werden.

Würden Sie dies nicht tun, so käme das einem negierenden Erziehungsstil gleich, der ebenso nicht förderlich für das Kind wäre. Im konkreten Fall einer Grenzüberschreitung wäre einer Strafe vorzuziehen, dem Kind die logischen Folgen und Konsequenzen seines Handelns aufzuzeigen und ihm diese auch selber spüren lassen.

 

Beispiel: Ihr fünfjähriger Sohn weigert sich jeden Abend die Zähne zu putzen, Sie durchleben jeden Abend dasselbe Drama. Wenn Sie Ihr Kind strafen würden und es früher ins Bett schicken, dann wäre dies keine logische Folge. Ihr Kind wäre frustriert, sauer und wütend, Sie als Vater ebenso. Die Strafe steht nicht in Zusammenhang mit der eigentlichen „Tat“. Wenn Sie Ihrem Sohn jedoch erklären, dass er dann auch keine Süßigkeiten mehr essen darf, wenn er am Abend keine Zähne mehr putzt, wird er es sich wohl auf Dauer überlegen. Die logische Folge, die Sie ihm erklären ist, dass Süßigkeiten die Zähne schädigen. Wer sie nicht putzen will, darf dann also logischerweise auch nichts mehr Süßes essen.

Wichtig ist, dass dem Kind die logischen Konsequenzen immer inhaltlich und zeitlich bezogen auf die Grenzübertretung oder das Nichteinhalten der Regeln aufgezeigt werden. Wenn es sich weigert seinen Fahrradhelm aufzusetzen, dann darf es eben nicht Fahrrad fahren. Sie würden Ihrem Kind erklären, dass es bei einem Sturz sehr gefährlich wäre und zu schlimmen Verletzungen kommen kann.

Vorteil eines solchen erzieherischen Handelns ist es, dass Ihr Kind das Verbot nicht auf seine Person alleine beziehen kann und es als persönliche Strafe empfindet. Es handelt sich um eine allgemein bekannte Tatsache und zieht bei Nichteinhaltung negative Folgen wie Verletzungen nach sich. So lernen Sie Ihrem Kind, wie es eigenverantwortlich handeln kann.

 

Kooperation statt Strafe

Sollte Ihr pubertierender Teenager sich ständig mit dem Handy beschäftigen statt Hausaufgaben zu machen, so nehmen Sie ihm nicht einfach das Handy weg, das würde nur zu Frust und Ärger führen. Stellen Sie nur ein Prepaid Handy zur Verfügung, das Sie einmal im Monat für eine gewisse Summe aufladen und lassen Sie Sohnemann oder Töchterchen ruhigen Gewissens die ersten paar Tage des Monats den ganzen Tag telefonieren oder SMS verschicken.

Das Guthaben wird schnell aufgebraucht sein und für den Rest des Monats ist Schicht im Schacht. Ihr Teenie lernt logisch: Ich muss mir die Handynutzung gut einteilen, denn wenn das Geld weg ist, kann ich das Handy für den Rest des Monats nicht mehr nutzen. Tipp für WLAN zu Hause: Vergessen Sie nicht, dies dann auch auszuschalten.

 

Zusammenfassung

Natürlich gibt es im Familienleben immer wieder grenzwertige Situationen und Reibungspunkte. Erziehen ohne strafen zu wollen fordert von Ihnen als Vater immer wieder eine intensive Auseinandersetzung mit der Situation und ist keinesfalls der leichtere Weg.

Im Sinne Ihres Kindes und seiner späteren Zukunft sollten Sie aber nicht den leichten Weg wählen, damit Ihr Kind zu einem selbstbewussten und selbstbestimmtem Menschen heranwächst.

 

 

Redaktion: Foerster, Katja Grüner,  Anna Nilsson,

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