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Wie Eltern  die Balance zwischen Vielfalt und Stabilität in der Erziehung finden

Eltern sind sich selten einig in der Erziehung. Das liegt daran, dass sie aus unterschiedlichen Familien stammen, die Erziehungs-Themen verschieden handhaben. Bei der Familien-Gründung stehen Mutter und Vater vor der Aufgabe, ihren eigenen Stil zu finden und damit ihre Erfahrungen zu vereinen. Es stellt sich die Frage, ob es notwendig ist, zu jedem Thema die gleiche Meinung zu vertreten.

Eltern müssen sich nicht immer einig sein © S.Kobold - Fotolia.com
Eltern müssen sich nicht immer einig sein © S.Kobold – Fotolia.com

Wenn Eltern sich nicht einig sind in der Erziehung

Sandra regt sich auf. Sie gab sich solche Mühe, den siebenjährigen Sohn regelmäßig zur selben Zeit ins Bett zu schicken. Heute erlaubte ihr Mann, ihm eine Stunde länger aufzubleiben. Warum fällte Roman diese Entscheidung, ohne sich vorher mit ihr abzusprechen? Diskutiert sie jetzt vor dem Kleinen mit ihm oder wartet sie lieber bis später? Sie entscheidet sich für das Warten, um ihren Sohn nicht zu verunsichern. Später am Abend spricht sie Roman auf das Problem an.

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Solche Situationen kennst Du aus Deiner Familie. Jedes Paar sieht nach der Hochzeit, dass es Arbeit und Kommunikation braucht, um das Zusammenleben zu gestalten. Wie viel schwieriger ist es, wenn Kinder dabei sind. Es ist vielen Eltern ein Anliegen, sich in Erziehungs-Fragen einig zu sein. Dies ergab eine Studie der Universität Wien (2008). Dipom-Sozialpädagoge Dr. Kim-Patrick Sabla meint, viele Väter und Mütter sehen Einigkeit und Geschlossenheit als die wichtigste Basis, um erzieherisch günstige Situationen herzustellen.

 

Ist konsequente Einigkeit erstrebenswert?

Eltern in der Erziehung als einig zu erleben, hat auch Nachteile für das Kind. Es spürt, wenn sich Mutter oder Vater zugunsten derselben Meinung verstellen. Dies nicht offen zuzugeben, verunsichert den Nachwuchs. Eltern halten ihm die natürliche Vielfalt von Ansichten vor und versuchen, sich hinter scheinbarer Einigkeit zu verstecken. Er prallt ab wie an einer Wand und erlebt nicht, dass sich ein Elternteil auf seine Seite stellt. Mütter und Väter mit dieser Ansicht verhindern das Erlernen des Umganges mit verschiedenen Meinungen und daraus resultierenden Auseinandersetzungen.

Solche Gegebenheiten zu erleben, ist der Schlüssel zu einer späteren Konflikt-Fähigkeit in der Partnerschaft. Deine Kinder lernen, bei einer Meinungs-Verschiedenheit lösungsorientiert zu denken. Viele Situationen erfordern es, dass Eltern sich in der Erziehung nicht einig sind. So helft Ihr, Fehler auszugleichen. Sind beide derselben Meinung, ist es unmöglich, falsche Verhaltensweisen zu korrigieren.

Gerhard Suess arbeitet als Professor für klinische Entwicklungs-Psychologie in Hamburg. Er findet das daraus entstehende Gegengewicht wesentlich für eine gesunde Erziehung. Eltern vertreten eine gemeinsame, aber keine einheitliche Linie. Dies setzt eine große Kommunikations-Bereitschaft voraus. Notwendigerweise besprechen sich Deine Partnerin und Du im Voraus über gewisse Themen und entscheiden, wie sie reagieren.

 

Tipps für Kompromisse in der Erziehung

Sind sich Eltern in der Erziehung nicht einig, hilft eine klare Kompetenz-Trennung. Du überlässt Deiner Frau Themen, in denen sie sich besser auskennt als Du. Dasselbe gilt umgekehrt. Vorausgesetzt ist Deine Bereitschaft, eine Entscheidung mitzutragen, die nicht Deinen Vorstellungen entspricht. Geht es um Sport und Du bist der Sportler in der Familie, hast Du das Sagen bei dem Thema. Dafür kümmert sich die Mutter um die Themen Kinderkrankheiten und Schulaufgaben.

Wichtig ist Dein Vertrauen in die Partnerin bei Themen, in denen sie über ein Expertenwissen verfügt. Dasselbe erwartest Du von ihr. Sei bereit, Entscheidungen abzugeben und darauf zu bauen, dass sie im Sinne Eurer Kinder handelt. Sie erleben, dass sie sich bei gewissen Themen an Dich und bei anderen an ihre Mutter wenden. Das Aufteilen in Verantwortlichkeits-Bereiche entlastet beide. Niemand kümmert sich um alles, sondern konzentriert sich auf die ihm zugeteilten Themen.

 

Die Vielfalt der Erziehungsstile als Bereicherung erleben

Trotzdem sind noch viele Bereiche mit verhärteten Fronten vorhanden, in denen sich das lösungsorientierte Handeln schwierig gestaltet. Gelingt es weder Dir noch Deiner Partnerin nachzugeben, hilft ein Experiment. Folgt einen Monat lang ihren Vorstellungen. In dieser Zeit bestimmt sie Zeit, Ort und Weise, wie Euer Kind die Hausaufgaben löst. Im nächsten Monat bist Du dran. Der Familientherapeut und Diplom-Psychologe Hans Berwanger aus Coburg setzt sich für diese Methode ein. Sie vereinfacht die Lösung von Konflikten und ermöglicht es allen Beteiligten, daraus zu lernen.

In Alltagsritualen erlebt das Kind die Verschiedenheit der Eltern. Mit Papa Zähne putzen und Gutenacht-Geschichte hören ist anders als bei Mama. Dies hat für berufstätige Väter den Vorteil, mehr ins Leben der Kinder eingebunden zu sein. Sind sich Eltern in der Erziehung nicht einig, gilt der Grundsatz: Ängste gehen vor. Wer sich um etwas sorgt, hat immer das Veto-Recht. Nimm die Bedenken Deiner Frau ernst. Im Gegenzug erwartest Du das Gleiche von ihr.

 

Kommunikation in der Erziehung: eine Notwendigkeit

Das Staatsinstitut für Familien-Forschung der Universität Bamberg führte 2002 eine Elternbefragung durch. Das Resultat war erstaunlich: Nur 57,6 Prozent der Väter und Mütter besprechen Unsicherheiten in Erziehungs-Fragen mit dem Partner. Dies führt zu diversen Konflikten, die durch vorherige Absprache nicht erst entstehen. Wer im Alleingang entscheidet, erntet Unverständnis und Streit. Es kostet wenig, Deine Partnerin um ihre Meinung zu einer Ausflugsidee oder einem Geschenk zu fragen. Dabei fühlt sie sich wertgeschätzt und ist eher bereit, etwas zu tolerieren mit dem sie im Grunde nicht einverstanden ist.

Vermeide, dass Deine Kinder Euch bei Uneinigkeit gegeneinander ausspielen. Es ist gut, wenn sie unterschiedliche Meinungen spüren. Setze mit Deiner Partnerin ein Zeichen, indem ihr den Konflikt friedlich löst und eine für alle akzeptable Lösung findet. Mache Deinen Sohn oder Deine Tochter nie zum Komplizen, sondern stehe bei Entscheidungen immer hinter ihrer Mutter. So vermeidest Du Unsicherheit und Streit.

 

Investiere in die Erziehung Deiner Kinder!

Es lohnt sich, viel mit der Partnerin über Themen zu sprechen. Trefft Abmachungen und richtet Euch danach. Eure Kinder sehen, dass Ihr am selben Strang zieht, auch wenn Ihr Euch als Eltern in der Erziehung nicht immer einig seid. Das ist in Ordnung. Lösungen für Uneinigkeiten bedeuten nicht immer gleichzeitig Streit und Unruhe. Zeigt Eurem Nachwuchs sinnvolle Kompromisse auf, die helfen, die Fragen des Lebens zu klären.

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