Wie geht ein Familienrat? Erfahre mehr zu Ablauf, Methoden und Beispielen..

Kennst Du den Spruch: Wo zwei Menschen zusammenkommen, treffen auch zwei Ansichten aufeinander?

Tatsächlich können zwei Personen sogar einer Meinung sein und im Detail doch unterschiedlich auf diese gekommen sein. Jeder hat eigene Erfahrungen gesammelt und einen einzigartigen Blickwinkel auf die Welt. Darum ist es auch normal, dass in der Familie regelmäßig Gesprächsbedarf aufkommt.

Mit einem Familienrat kannst Du das in Zukunft sinnvoll managen.

Familienrat als Kommunikationshilfe in Familien
Eltern und Kinder beraten gemeinsam im Familienrat – Copyright: Anna Berdnik bigstockphoto

Familienrat – Das Wichtigste im Überblick

  • Eltern und Kinder begegnen sich beim Familienrat auf Augenhöhe
  • jeder erhält seine Sprechzeit und wird mit seinen Wünschen oder Ängsten ernst genommen
  • es werden faire Lösungen und Kompromisse erarbeitet
  • Kinder können bereits mit zwei Jahren mitdiskutieren
  • circa einmal wöchentlich sollte der Rat tagen

Wie kannst Du Dir einen Familienrat vorstellen?

Bei diesem Rat kommen alle kleinen und großen Familienmitglieder in möglichst entspannter Atmosphäre zusammen und sprechen gemeinsam über Dinge, die einzelne oder auch jeden bewegen.

Das Wichtigste dabei: Jeder darf zu Wort kommen, ausreden und wird mit seinen Sorgen ernst genommen.

Durch eine solche Zusammenkunft wird der Zusammenhalt in der Familie gestärkt und Missverständnisse oder erlebte Ungerechtigkeiten werden zeitnah angesprochen. Das ist sehr wichtig, denn falls negative Eindrücke lange totgeschwiegen werden, kann sich Wut aufstauen und diese entlädt sich irgendwann in einem heftigen Streit. Regelmäßige offene Gespräche können dem vorbeugen.

Am besten ist es, wenn die gesamte Familie zwei Mal am Tag locker miteinander sprechen kann. Das klappt in vielen Haushalten quasi nebenbei beim Frühstück und beim Abendessen. Vielleicht arbeitet ein Elternteil aber im Schichtdienst? Oder das ältere Kind muss längst in der Schule sein, wenn der jüngere Nachwuchs noch schlummert? Hier müsst ihr passend zur Familienkonstellation eine sinnvolle Lösung finden.

Haben alle Familienmitglieder zu sehr unterschiedlichen Zeiten ihre Freizeit, tagt der Rat am besten einmal in der Woche. Diesen Termin könnt ihr natürlich auch ansetzen, wenn beim Frühstück und Abendessen bereits geredet wurde, denn meist sind diese Gespräche am Esstisch lockerer und der „große Ratstermin“ bringt Raum für ernstere Themen.

Beispiele für den Familienrat

Der Familienrat ist ein Klassiker der Psychologie

Die Idee hinter der so strukturierten, familiären Zusammenkunft geht auf einen Psychologen namens Rudolf Dreikurs zurück. Er veröffentlichte mehrere Bücher zum Thema Erziehung und prägte dabei auch die klassische Form eines offenen Gesprächs dank Familienrat.

Du musst natürlich weder Psychologie noch Kommunikationswissenschaften studiert haben, um einen guten Rat abzuhalten. Die Vorarbeit hat Dreikurs für uns Eltern gemacht. Hier einmal die groben Regeln, nach denen Du vorgehen kannst:

  1. Jeder nimmt am Treffen teil.
  2. Es wird nicht geschrien und man beleidigt sich nicht gegenseitig.
  3. Zum gegenseitigen Respekt gehört es, dass jeder zu Wort kommt und dabei aussprechen darf.
  4. Niemand lacht andere aus, sondern nimmt Gefühle und Sorgen ernst.
  5. Alle – Eltern und Kinder – halten sich an diese Regeln.

Wichtig bei alle dem: Natürlich führt ein allzu steifes Einhalten der Regeln schnell zu Unmut – besonders bei den Kindern. Ein Familienrat soll nach Möglichkeit auch etwas Spaß machen, damit alle Familienmitglieder sich öffnen können. Eine gewisse Ordnung macht aber einfach Sinn, damit die Idee hinter dem Treffen – Probleme zu benennen und Kompromisse zu finden – nicht verloren geht. Hier musst Du ein wenig auf Dein Bauchgefühl vertrauen und mit der Zeit ein Gespür für die aktuelle Stimmung bekommen.rat

So läuft eine Familienrat Sitzung bei uns ab

Neben den lockeren Gesprächen beim Frühstück und zum Abendbrot halten wir einmal in der Woche den richtigen Familienrat ab. Jeder kommt zusammen und zuerst wird ein Gesprächsleiter bestimmt. Das ist einfach notwendig, damit klar ist, wer anfängt und nicht jeder durcheinander spricht. Damit es fair bleibt, ist jedes Mal ein anderes Familienmitglied Leiter/in und muss auch auf das Einhalten der Regeln achten.

Auch Schulkinder können bereits die Funktion des Leiters übernehmen. Das gibt ihnen zusätzlich Selbstvertrauen. Jüngere Kinder hingegen können von der Verantwortung noch überfordert sein.

Oft beginnen wir die Sitzung mit Punkten oder Vorschlägen aus der letzten Woche. Ging es beispielsweise darum, Zeit für ein gemeinsames Eis einzuplanen, sprechen wir noch einmal darüber, ob das funktioniert hat und wenn nicht, woran es lag. So kann auch darüber diskutiert werden, was an Problemen offen blieb. Manchmal hat jemand inzwischen eine neue Idee.

Nach der Rückschau geht es in die Gegenwart. Einer erhält zuerst das Wort und darf über aktuelle Sorgen, Wünsche etc. sprechen. Steht das Thema im Raum, wird gemeinsam an einer Lösung gebastelt.

Manchmal prägt nur ein Thema den Familienrat, weil alle dasselbe Problem umtreibt und ein anderes Mal wird nach dem Ende eines Themas das nächste begonnen. Wichtig ist, dass jeder die Chance bekommt, das eigene Herz zu erleichtern und im Idealfall rücken dabei alle enger zusammen.

Und gut zu wissen: Je jünger ein Kind ist, desto kürzer sollte der Familienrat tagen. Es ist für die Jüngsten zu schwierig, lange konzentriert zu bleiben. Unter sechs bis sieben Jahren müssen zehn bis maximal 15 Minuten reichen. Grundschüler können auch 20 Minuten bis zu einer halben Stunden am Ball bleiben.

Häufige Themen im Familienrat

Jede Familie ist ihr eigener Mikrokosmos, aber es gibt gewisse Punkte, die bei vielen zum Gesprächsthema werden. Das sind:

  •  Aufräumen im Kinderzimmer
  •  Abwasch bzw. Ein- und Ausräumen der Spülmaschine
  •  Müll vor die Tür bringen
  •  Kinder- und Zahnarztbesuche
  •  Freunde treffen, Geburtstage planen
  •  Film- und Serienkonsum
  • Wie geht wir mit Streit um
  •  Zeit am Smartphone
  •  Schulaufgaben
  •  Schlafenszeiten
  •  Taschengeld
  • Was können die Eltern verbessern

Und wenn es schwierig wird? Das Gordon-Modell

Ein Familienrat klingt in der Theorie ganz nett, aber wer schon einmal einen echten Familienkrach erlebt hat, weiß auch, dass es bei hochkochenden Emotionen schnell schwierig wird. Was an dieser Stelle helfen kann, ist das sogenannte Gordon-Modell. Es wurde benannt nach Thomas Gordon, einem Psychologen aus den USA. Er erarbeitete ein Modell, das bei starkem Streit helfen kann. Zwei Punkte kannst Du in den Familienrat mitnehmen:

1. Aktives Zuhören

Diese Formulierung nutzen auch Lehrer, um zu erklären, wie Kinder am besten bei Erklärungen zuhören: Auch wenn man selbst gerade nicht spricht, ist man konzentriert beim Sprecher. In emotionalen Situationen ist damit auch eine gewisse Empathie gemeint. Man versucht zu verstehen, wie der andere gerade fühlt. Das kann wiederum für die eigene Antwort aufgegriffen werden. Beispielsweise sagt man: „Du sagst, Du bist wütend, weil .. und ich denke …“ Es zeugt von Verständnis und Respekt, mit aktivem Zuhören die Rückmeldung zu geben, dass man wirklich bei der Sache ist.

2. Ich-Botschaften

In der Psychologie sehr verbreitet ist die Bitte an alle Gesprächsteilnehmer, sogenannte Ich-Botschaften zu senden. Statt Vorwürfe wie „Du machst immer …“ zu formulieren, sind Sätze wie „Ich fühle mich traurig, wenn …“ gefragt. Solche Ich-Botschaften kann das Gegenüber nicht als falsch abtun, sondern bekommt einen vielmehr direkten Einblick in das Gefühlsleben des Anderen.

Treffen Ich-Botschaften und Aktives Zuhören zusammen, kann das im Idealfall zur gemeinsamen Lösung des Problems führen. Gewünscht ist dabei immer eine Win-Win-Konfliktlösung. Im Gordon-Modell spricht man von einer niederlagenlosen
Konfliktlösung.

Sind Babys und Kleinkinder automatisch außen vor?

Ein Familienrat klingt für Dich nach einer guten Sache, aber Du hast noch sehr junge Kinder? Die können zwar noch nicht konstruktiv diskutieren, doch prinzipiell ist es möglich, den Rat auch mit anwesenden Babys und Kleinkindern durchzuführen.

Natürlich verstehen Säuglinge noch nichts von dem Gesprochen, doch auch die Kleinsten sind bereits sehr feinfühlig. Sie nehmen die besondere Atmosphäre wahr, den gegenseitigen Respekt in einem Gespräch. Wird ein Baby bereits regelmäßig ein Teil der Sitzungen, wird es quasi in den Familienrat hineinwachsen.

Sobald ein Kind die ersten Äußerungen machen kann, kannst Du ihm auch das Wort erteilen. Bereits Zweijährige können altersentsprechend ihre Sorgen und Wünsche erklären.

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