Birk Grüling und die Ideen eines Vaters für gelebte Vereinbarkeit

Birk Grüling ist nicht nur ein von uns überaus geschätzter Kollege in der Papablogger-Szene, bekannter Podcaster und Buchautor, er schreibt auch als Journalist für bekannte Medien wie die Süddeutsche Zeitung und den Spiegel. Wir möchten Euch Birk hier etwas näher vorstellen und haben ihn zu seinem neuen Buch und anderen spannenden Details ausgefragt.

Birg Grüling

Birk, erzähle unseren Lesern, kurz wer Du bist und was genau Du machst?

Also mein Name ist Birk Grüling. Ich bin 36 Jahre alt, Papa eines Vierjährigen, lebe mit der Familie in der beschaulichen Nordheide am Rande von Hamburg und bin freier Autor. Am liebsten schreibe ich über Themen, die Väter und Mütter bewegen und über Wissenschaft – mal für große Leser:innen, mal für kleine Leser:innen. Gerade ist mein erstes Buch „Eltern als Team“ erschienen. Darin geht es um die große Frage, wie man Beruf, Familie und den Rest des Alltags besser vereinbaren könnte. Außerdem arbeite ich im Moment an zwei Kinderbüchern.

In deinem Buch „Eltern als Team“ dreht sich alles um Vereinbarkeit von Familie und Beruf, um welche Learnings sind Väter, die dein Buch gelesen haben, reicher?

Ich wollte unbedingt ein konstruktives Buch schreiben, ohne erhobenen Zeigefinger und ohne vermeintliches Patentrezept. Deshalb habe ich mit ganz verschiedenen und vor allem sehr spannenden Menschen über ihre Ideen zum Thema Vereinbarkeit gesprochen – von Elterncoaches bis zu Partnertherapeutinnen. Außerdem berichten viele Eltern über ihren eigenen Alltag mit Kindern. Sie alle liefern viele tolle Ideen, die man im Alltag umsetzen könnte.

Das größte Learning ist deshalb, in Sachen Vereinbarkeit ist mehr möglich als wir denken. Leider nutzen viele Eltern dieses Potential nicht, entweder weil sie es nicht besser wissen oder weil der Weg dorthin erstmal ziemlich beschwerlich ist. Und ja, es gibt genug Dinge, die Vereinbarkeit erschweren – fehlende Betreuungsmöglichkeiten, fehlende Familienfreundlichkeit beim Arbeitgeber oder schlicht die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männer. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb sollte man selbst aktiv werden und nach eigenen Wegen der Vereinbarkeit suchen und nicht alten Rollenbildern nacheifern, nur weil es alle so machen. Das reicht von einer besseren Arbeitsteilung in der Familie bis zur proaktiven Gestaltung der Arbeitszeiten. In meinem Buch habe ich das Beispiel eines KFZ-Mechatronikers, der nach der Geburt seiner Kinder vom klassischen Schichtbetrieb in den Wareneingang des Werkes wechselte und so mehr Zeit für die Familie hatte. Außerdem konnte seine Frau, eine Krankenschwester, so wieder in den Schichtbetrieb im Krankenhaus einsteigen. Am Ende arbeiteten beide gleich viel und hatten trotzdem Zeit für die Kinder. Wenn ein solches Modell gefunden wurde, heißt es natürlich nicht, dass dieses Modell auch für immer passt. Vereinbarkeit muss eigentlich „täglich“ neu ausgehandelt werden.

Buchtipp:

Eltern als Team: Ideen eines Vaters für gelebte Vereinbarkeit *
  • Grüling, Birk (Autor)

Auszug: Als junger Vater gibt Birk Grüling aus der männlichen Perspektive heraus Impulse für eine gerechtere Verteilung der täglichen Herausforderungen, die Familien-, Arbeits- und Paarleben mit sich bringen, damit die Neuorganisation des Alltags gelingt und beide Eltern weiter im Berufsleben stehen können...

Wie setzt du (ihr) diese Vereinbarkeit in eurer Familie um, was unterscheidet Euch da – was können andere Familien da vielleicht mitnehmen?

Wir sind sehr privilegiert und damit wenig repräsentativ. Wir arbeiten nicht erst seit der Pandemie im Homeoffice und auch zeitlich ziemlich flexible Jobs. So können wir uns auch Hausarbeit, Erwerbsarbeit und Kind quasi gleichberechtigt aufteilen. Das ist ein großer Luxus und erleichtert vieles. Der Weg dorthin war schon etwas länger. Meine Frau war deutlich länger in Elternzeit und danach haben wir auch eher klassisch gelebt. Irgendwann war ich mit meiner Festanstellung in der Medienbranche zunehmend unglücklich und meine Frau bekam dagegen die Chance, in Vollzeit in einem Verlag zu wechseln. Das hat unser Familienmodell nochmal stark gewandelt.

Ich arbeite seitdem wieder als freier Autor und bin für alles rundum die Kita zuständig. Und auch den Rest der Aufgaben versuchen wir uns gleichberechtigt zu teilen. Dabei hat jeder seine Aufgaben: ich bin eher für das Kochen, das Einkaufen oder die Vollständigkeit der Kita-Sachen zuständig, meine Frau eher für Wäsche oder die Blumen im Garten. Auch in Sachen Mental Load ist die Last ziemlich gut verteilt. Ob wir damit wirklich Vorbild oder eher Exoten sind, weiß ich nicht. In unserem Umfeld wundert sich erstmal niemand mehr über unsere Aufteilung – weder Freunde oder die Mütter in der Kita. Trotzdem haben wir auch keine Vereinbarkeitsrevolution in der Vorstadt ausgelöst. Ich persönlich halte natürlich eine gleichberechtigte Elternschaft für ein gutes Zukunftsmodell – gleichzeitig will ich niemanden meine Meinung aufzwingen. Das Einzige, was ich allen Eltern empfehlen würde, wäre eine bewusste Entscheidung für ein Familienmodell zu treffen und auch danach immer im Gespräch zu bleiben, ob die getroffenen Absprachen auch weiterhin passen.

Birg Grüling

Gab es einen Moment, der dich als Vater besonders beeinflusst hat?

Für mich persönlich gab es einen Augenöffner-Moment, rund vier Monate vor der Geburt meines Sohnes. Es war ein schwüler Abend im Juli, am nächsten Morgen sollte mein Vater am Herzen operiert werden – ein schwerer Eingriff mit neun Bypässen. Wir saßen auf einer Parkbank vor dem örtlichen Krankenhaus, einem ziemlich tristen Betonklotz. Mein Vater wirkte gebrechlicher und älter als sonst. Seine Schultern hingen müde herab, der weiße Bart war struppiger. Wir sprachen über das Vaterwerden, seine Vorfreude auf den Enkel und den Tod. Zum Abschied fragte ich ihn, ob er Angst vor der schweren Operation und dem Tod hätte. Seine Antwort: „Warum sollte ich? Ich hatte ein tolles Leben. Ich habe viel erlebt und dich aufwachsen sehen. Vatersein war die wichtigste Erfahrung in meinem Leben.“

Ich hatte sofort einen Kloß im Hals und versicherte bald wiederzukommen. Zum Abschied erinnerte ich ihn noch an seine Verantwortung als werdender Opa. Zwei Tage später weckte mich das Handy. Fünf Uhr am Morgen, es war bereits der dritte Anruf meiner Mutter. Ich wusste sofort, was passiert war. Seinen Enkel lernte mein Vater nie kennen. An seine letzten Worte erinnere ich mich trotzdem fast täglich. Für mich war ab diesem Zeitpunkt klar, dass ich nie bereuen will, zu wenig Zeit mit meinem Sohn verbracht zu haben und beschloss weniger und freier zu arbeiten. Ich weiß nicht, ob Präsenz wirklich einen guten Vater ausmacht. Aber die gemeinsame Zeit ist mir unendlich wichtig und ich möchte keinen Tag auf dem Spielplatz, keinen Nachmittag mit den immer gleichen Kinderbüchern missen. Mein Vater hat mit seinen letzten Worten etwas sehr Wertvolles getan, mir den richtigen Anstoß gegeben, mich an etwas Wichtiges im Leben erinnert.

Welche Bücher hast Du gelesen, die du anderen Vätern empfehlen würdest.

„Eltern als Team“ soll ein gutes Buch sein! Nein, Spaß. Es gibt viele tolle Bücher, die Väter gelesen haben sollte. Vor der Geburt habe ich zum Beispiel „Wir sind Papa“ von Stefan Maiwald gelesen. Das war ziemlich gut und mir bei der Vorbereitung echt geholfen– zum Beispiel bei der Planung von Elternzeit oder beim Abschließen einer Lebensversicherung. Ich glaube auch, dass Männer die beiden Mental Load Bücher von Laura Fröhlich (Die Frau fürs Leben ist nicht das Mädchen für alles) und Patricia Cammarata (Raus aus der Mental Load Falle) gelesen haben sollten. Und sehr zu empfehlen sind auch alle Elternbücher von Christian Hanne und Marlene Hellene. Die beiden sind tolle Autorinnen und haben einen so guten Humor. Und sonst kann ich nur allen Vätern empfehlen, ganz ganz viele Kinderbücher zu kaufen und den Kindern vorzulesen. Das ist nämlich wichtig für die Kinder und bieten die Chance für eine tolle gemeinsame Zeit!

Was dürfen die Leser in den nächsten Jahren von Dir erwarten?

Nach dem Buch für die großen Leserinnen und Leser arbeite ich nun an zwei Kindersachbücher. Ich habe dafür mit Klett Kinderbuch einen ganz tollen Verlag gefunden und hier kann ich zwei sehr ungewöhnliche Ideen umsetzen. So viel kann ich verraten, in einem geht es, um die Lebenswelt von Kindern und die große weite Welt und im anderen um Dinosaurier und tolle Paläontologinnen. Beide Bücher kommen 2022.

Wo kann man Dir folgen?

Am besten bei hier bei Twitter und Instagram oder natürlich bei Spotify oder Apple Podcast. Dort läuft nämlich der Kinderserien-Podcast Serial Dads, den ich zusammen mit Rene Weinmann gegründet habe.

 

 

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