Familienbett und liebevoller Kontakt das kann Attachment-Parenting bei Kindern

Strenges Schlaftraining und das Baby schreien lassen – das gibt es bei der Attachment-Parenting-Erziehung nicht. Stattdessen steht die enge Bindung zwischen den Eltern und dem Kind im Vordergrund. Bei diesem Erziehungsmodell des Kinderarztes William Sears erhalten die Bedürfnisse des Säuglings die höchste Priorität. Körperkontakt und eine instinktbetonte Erziehung geben dem Kind emotionale Sicherheit und Geborgenheit. Zudem spielt das Stillen in der AP-Erziehung eine tragende Rolle.

Attachment-Parenting – Mitmachen?

Attachment-Parenting
Gemeinsames Familienbett bei der AP-Erziehung

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Die Definition des AP Erziehungsmodells

Attachment-Parenting, AP abgekürzt, heißt auch Bindungserziehung. Demzufolge spielt die Bindung zwischen Eltern und Kind eine besondere Rolle. Bei der bindungsorientierten Erziehung erhalten die Bedürfnisse des Babys einen hohen Stellenwert.

Ihr als Eltern geht besonders auf die Wünsche Eures Säuglings ein. Das spezielle Erziehungsmodell entwickelte der amerikanische Kinderarzt William Sears.“

In seinem Buch „The Baby Book“ propagiert er seine Lehre. Beim Attachment-Parenting verhält sich die Mutter responsiv ihrem Baby gegenüber. Sie achtet auf jedes Signal des Kleinen und reagiert entsprechend. Zudem spielt die körperliche Nähe eine bedeutende Rolle. In der deutschen Ausgabe von Sears Werk, dem „Attachment Parenting Buch“ weist er auf die Rückkehr zum Instinktverhalten hin. Für Deine Partnerin bedeutet dies, viel körperliche Nähe mit dem Sprössling herzustellen.“

Des Weiteren sieht die Attachment-Parenting-Erziehung vor, viel Zeit mit dem Kind zu verbringen. Auf diese Weise erhält Dein Nachwuchs eine starke emotionale Bindung zu Mutter und Vater. Die daraus resultierende Sicherheit und Geborgenheit wirkt sich positiv auf die Psyche des Kleinen aus. Bei seiner Erziehungslehre orientiert sich Sears an der Bindungstheorie. Diese stellten die Wissenschaftler John Bowlby, James Robertson und Mary Ainsworth auf.

Die Bindungstheorie und das Attachment Parenting

In der Bindungstheorie steht die Responsivität der Mutter im Fokus. Auch der Rapport erhält hierbei Priorität. Dabei handelt es sich um eine harmonische Gefühls-Kommunikation, die bei der AP-Erziehung ebenfalls eine Rolle spielt. Weitaus wichtiger zeigt sich hierbei die körperliche Nähe zwischen Mutter und Kind. Das betrifft vorwiegend Bestandteile der Erziehung.“

Sears weist dem Stillen des Babys eine hohe Bedeutung zu. Der Nachwuchs bestimmt eigenständig, wann dies geschieht. Beim Abstillen verlassen sich die Eltern ebenfalls auf das Verlangen des Sprösslings. Weiterhin steht das Co-Sleeping im Mittelpunkt der Attachment-Parenting-Erziehung. Folgt Ihr diesbezüglich den Empfehlungen, schlaft Ihr als Eltern mit Eurem Kind in einem Bett. Dies sorgt für eine körperliche Nähe und emotionale Verbundenheit.

Das Babywearing stellt den Kernpunkt in Sears Erziehungsmodell dar. Dabei trägt die Mutter ihren Sprössling möglichst häufig auf dem Arm. Das ständige Tragen festigt die Mutter-Kind-Bindung. Es befriedigt das Bedürfnis des Kleinen nach Nähe. Zahlreiche Eltern orientieren sich an dem Attachment-Parenting nach William Sears. Oftmals wenden sie seine Empfehlungen bis ins Kleinkindalter der Sprösslinge an.

 

Die acht Ideale des Attachement Parenting

Der Erziehungsstil des Attachment Parenting beginnt nicht erst bei der eigentlichen Erziehung Deines Sprösslings. Bereits vor der Geburt stehen bei dieser Methode acht Ideale im Vordergrund. Die Vorbereitung auf die Geburt spielt eine wesentliche Rolle. Die werdende Mutter schafft ihrem ungeborenen Kind eine friedvolle Bauch-Umgebung, indem sie Streitigkeiten, vor allem mit Dir als Partner, vermeidet.

Somit einigt Ihr Euch bereits vor der Geburt auf den Erziehungsstil. Andere wichtige Fragen das Kind betreffend, klärt Ihr als Eltern am besten vor der Niederkunft. Bei dem zweiten Ideal handelt es sich um die emotionale Verantwortung. Dabei geht Ihr bewusst auf den Säugling und die von ihm gesendeten Signale ein. Das Stillen des Sprösslings bildet das dritte Ideal. Es erzeugt neben körperliche auch emotionale Nähe.

Des Weiteren setzt die Mutter dabei Hormone frei, die das Beziehungs-Verhalten begünstigen. In der Muttermilch befinden sich zudem wichtige Nährstoffe für Euer Baby. Beim Stillen zeigen sich diese Stoffe individuell auf die Bedürfnisse Eures Sprösslings zugeschnitten. Das Tragen des Säuglings zeigt sich als Ideal Nummer vier. Auch die liebevollen Berührungen stärken die Eltern-Kind-Bindung. Weiterhin hilft diese Nähe Eurem Kind, den Herzrhythmus und die Temperatur zu regulieren.

Als Fünftes steht bei der Attachment-Parenting-Erziehung das Co-Sleeping im Fokus. Hierbei befindet sich das Bettchen der Kleinen neben dem Elternbett. Das sechste Ideal der Erziehung sieht das Vermeiden längerer Trennungen zwischen den Eltern und dem Baby vor. Diese stören unter Umständen den Beziehungsprozess. Bleibt eine solche unvermeidlich, beispielsweise durch eine Krankheit, sorgt Ihr für Stetigkeit in der Betreuung. Auch wechselnde Pflegerinnen erzeugen emotionalen Stress.

Die positive Disziplin als siebtes Ideal spielt eine wichtige Rolle in der Erziehung Eures Kindes. Dabei zeigt Ihr Verständnis für Euer Kind. Ihr akzeptiert, dass Lernziele Zeit brauchen. Drängt Euren Nachwuchs nicht. Zusätzlich kommt hierbei die positive Bestärkung zum Einsatz. Lob unterstützt Euren Sprösslinge in seiner Entwicklung. Das letzte Ideal bildet ein ausgeglichenes Familienleben. Als Eltern bietet Ihr Eurem Kind seelische Stabilität und Geborgenheit.“

Bei Problemen stärkt Ihr dem Nachwuchs den Rücken. Auch die Bekundung der unbedingten Liebe zu Eurem Kind erhält eine hohe Priorität. Dies sorgt für eine emotionale Sicherheit Eures Kleinen. Im späteren Leben profitiert es von einer höheren seelischen Belastbarkeit. Im Fall von familiären Zerwürfnissen oder einer Scheidung rät Sears dennoch zu einem engen Familien-Zusammenhalt. Beispielsweise braucht das Kind weiterhin Kontakt zu beiden Elternteilen.

 

Die Methoden der Attachment-Parenting-Erziehung

Bei der Attachment-Parenting-Erziehung existieren bestimmte Methoden, die Sears interessierten Eltern empfiehlt. Vorwiegend betrifft dies den Körper- und Augenkontakt zwischen der Mutter und ihrem Sprössling. Dies geschieht am besten sofort nach der Geburt, um dem Nachwuchs emotionale Sicherheit zu vermitteln. Weiterhin unterstützt er:

  • das bedarfsorientierte Stillen im Gegenzug zu der Flaschenernährung,
  • das häufige Tragen des Kindes (beispielsweise in einem Tragetuch für Babys),
  • das gemeinsame Schlafen (hierbei steht das Kinderbett neben dem Elternbett),
  • Verzicht auf Training (beispielsweise Schlaftraining)
  • und die Achtung jedes Signals des Babys.

Bei diesem Erziehungsmodell kommt es darauf an, den Säugling niemals schreien zu lassen. Weint das Baby, weil die Eltern nicht sofort auf es eingehen, droht dem Kind ein Schaden. Diese Auffassung vertritt Sears mit der AP-Erziehung. Eine Studie des Erziehungswissenschaftlichen Instituts in London unterstützt diese Hypothese (http://www.handelsblatt.com/technik/forschung-innovation/wissenschaft-babys-schreien-lassen-bringt-noch-mehr-traenen/2660806.html).

Unter Leitung von Ian St. James-Roberts kam es zu dem Ergebnis, dass Kinder mit weniger Körperkontakt zu den Eltern mehr schreien. Reagieren die Erziehungs-Berechtigten dagegen umgehend auf die Bedürfnisse der Kleinen, verkürzt sich die Schreizeit. Gleichwohl erwähnt Sears die Notwendigkeit einer Balance zwischen den Bedürfnissen von Mutter und Kind.

 

Kritik an dem besonderen Erziehungsstil

Die Attachment-Parenting-Erziehung überzeugt auf der einen Seite mit einer festen Bindung zwischen dem Baby und den Eltern. Andererseits existieren Kritiker, die an der Erziehungsmethode zweifeln. Einige von Sears Empfehlungen im Hinblick auf die Konfliktlösung sehen Psychologen als problematisch an. Beispielsweise propagiert Sears bei seinem Modell, Kinder bei einem Wutanfall durch körperliche Nähe zu beruhigen. Professor Lukas von der Universität Halle-Wittenberg warnt hierbei vor einer positiven Bestärkung in falsches Verhalten.

Somit kommt es vor, dass AP nach Sears falsche Signale an den Sprössling senden. Dieser fühlt sich durch die körperliche Zuwendung der Eltern bestärkt. In einer anderen Situation reagiert er erneut mit einem Wutanfall. Für das spätere Leben bringt dies unter Umständen Komplikationen mit sich. Zudem lehnt Sears die Förderung des Self-Sleepings bei Kindern ab. Dabei handelt es sich um die Fähigkeit der Kleinen, von allein einzuschlafen.

Fehlt beispielsweise Deinem Sprössling diese Fertigkeit, leidet er später unter Problemen beim Einschlafen. Schlafstörungen bis ins Erwachsenenalter treten unter Umständen als Folge auf. Das Attachment-Parenting praktizieren vorwiegend Eltern in Nordamerika und Europa. Ebenso existieren verschiedene Einrichtungen, die sich an Sears Erziehungsmethode halten.

 

Überfordert der Erziehungsstil die Eltern?

Es gibt einige Methoden bei Attachment-Parenting, die vorwiegend berufstätige Eltern überfordern. Eine ständige Nähe zu dem Kind vermögen Eltern aufgrund ihrer Arbeit nicht umzusetzen. Die sofortige Bedüfnis-Befriedigung der Sprösslinge entwickelt sich für Eltern ebenfalls zu einem Problem. Stress, haushaltliche Pflichten und die Geschwister nehmen Mütter und Väter im Alltag in Beschlag. Somit erscheint es unmöglich, auf jedes Signal des Säuglings zu reagieren.

Droht diesen Kindern im späteren Leben ein emotionaler Schaden? Die Entwicklungspsychologin Heidi Keller von der Hebrew University in Jerusalem gibt Entwarnung. Dein Nachwuchs bekommt keine gestörte Psyche, wenn er kurze Zeit weint. Auch ein nicht augenblicklich beachtetes Signal des Kleinen führt nicht zu emotionalen Schädigungen.“

Bei der AP-Erziehung steht das Bedürfnis der Kleinen im Vordergrund. Jedoch benötigen auch die Eltern hierbei ein emotionales Gleichgewicht. Daher rät der Psychologe Professor Josef Lukas den Interessenten, sich einige Erziehungsmethoden aus dem Attachment-Parenting herauszusuchen. Die Gewährleistung aller von Sears erstellten Empfehlungen führt zu einer Überbelastung der Eltern. Psychische Schäden des Kindes resultieren letztendlich aus dieser Überforderung.

 

Die Erziehungsmethode Attachment Parenting zusammengefasst

Bei der Attachment-Parenting-Erziehung handelt es sich um eine Erziehungslehre nach William Sears. Der amerikanische Kinderarzt zielt hierbei auf eine engere Bindung zwischen Eltern und Kind ab. Diese emotionale Nähe beeinflusst die psychische Entwicklung der Kleinen positiv. Um dies zu gewährleisten, gibt es laut Sears verschiedene Erziehungsmethoden. Die Eltern reagieren auf jedes Signal ihres Babys. Dabei gilt es, das Kind niemals schreien zu lassen. Somit stehen die Bedürfnisse der Kleinen im Vordergrund.

Buchempfehlung: William und Martha Sears – „Das Attachment-Parenting-Buch: Babys pflegen und verstehen“, 2012

 

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