Im Interview Anton Wieser: Was den Jungen-Coach und Vater & Sohn Reiseunternehmer ausmacht

Anton Wieser (52) ist Gründer der Männers-Urlaube für Vater&Sohn, Experte für stabile Beziehung zwischen Eltern und ihren Söhnen sowie ein bekannter und erfolgreicher Jungen-Coach. Er lebt mit seiner Frau, seiner Tochter und seinem Sohn in Tirol.

Anton Wieser im Interview

Mit uns spricht er über den schwärzesten Punkt in seinem Leben und wie daraus viel Neues entstanden ist. Außerdem verrät er uns, warum seine Jungen Coachings so wirksam sind und was es mit den Vater&Sohn Reisen so auf sich hat.

Wenn man auf Maenners.com deine Vita liest, würde man nicht vermuten, dass du heute Coaching für Jungen und Vater&Sohn Reisen anbietest. Wie kam es dazu, dass du dich aus dem internationalen Hotelmanagement in diese Richtung bewegt hast?

Ja, das würde man wahrscheinlich nicht vermuten. Und dennoch liegt dem Ganzen ein tieferes Ganzes zu Grunde. Aber mal der Reihe nach.

Schon mit 14 Jahren wusste ich ziemlich genau, dass ich in den Tourismus will. Nach der Hotelfachschule wurde ich sehr schnell Hoteldirektor für einen erfolgreichen, österreichischen Hotelkonzern und war dann als Troubleshooter tätig. Das bedeutet, Hotels, die schlecht liefen wurden von mir geführt. Ich hatte sehr viel mit Mitarbeitern zu tun, People Business eben.

Der Job hat mir sehr viel Spaß gemacht. Ich war International in Deutschland, Österreich, Spanien und Costa Rica tätig. Irgendwann, da war ich schon mit meiner jetzigen Ehefrau liiert, wir führten aber eine Fernbeziehung, schmiss ich den Job und meine Partnerin und ich machten uns in Köln sesshaft. Dafür musste ich die Branche wechseln und ging ins Personalmanagement eines Finanzdienstleisters. Also wieder People Business.

Danach kam es für mich dicke. Es kamen 2 Jahre voller Freude und Leid. Meine Kinder wurden geboren, fast gleichzeitig starben aber beide Elternteile. Wir mussten sehr kurzfristig nach Kitzbühel ziehen, unser gemeinsames Nest in Köln aufgeben.

All diese Veränderungen, Herausforderungen und der Stress waren dann einfach zu viel für mich. Ich bekam ein Burn-out mit Depression und war ziemlich orientierungslos. Fast ein ganzes Jahr war ich nicht in der Lage zu arbeiten und nur durch die Hilfe meiner Frau lichtete sich das tägliche dunkel Stück für Stück ein wenig.

Klar war aber: zurück in die alte Welt wollte ich nicht.

An einem Abend, es war ein lauer Frühlingstag, saß ich mit meiner Frau mit einem Glas Wein auf unserer Terrasse und wie aus heiterem Himmel ein Blitz schoss es mir: ich biete Abenteuer für Vater&Sohn in den Bergen Kitzbühels an. Durch die eigene Geschichte mit meinem Vater und vielen gelesenen Büchern aus dem Bereich Männer wusste ich, dass Bedarf besteht. Bedarf an gestärkten und harmonischen Beziehungen zwischen Vater&Sohn, die vor allem von Respekt und Verständnis geprägt waren.

Das war 2015. Das Konzept war damals und ist es auch heute noch: Väter und Söhne erleben Abenteuer, die sie in der Form nicht finden können. Außergewöhnliche Orte verbunden mit großartigen und starken Erlebnissen. Zusätzlich, wie nebenbei, bekommen sie noch Wissen und Informationen wie sie ihre Beziehung langfristig auf stabile Beine stellen können. Das Konzept schlug ein wie eine Bombe. Jährlich verdoppelten sich die Teilnehmer.

Anton Wieser Vater und Sohn Reisen

Einem inneren Drang folgend, war eines meiner Hauptanliegen die Situation der Jungs zu verbessern. Durch die Abenteuer einen Teil dazu beizutragen, dass sie ein glücklicheres, selbstbewussteres und freieres Leben führen können. Das ist es doch, dass Kinder brauchen und zu dem Heranwachsen zu können, was wir ihnen wünschen: Selbstbewusst, mit sich im reinen und glücklich zu sein.[no_lwptoc]

Übrigens, das ist es auch, was sich die Jungen auch für sich selbst wünschen. Ich bemerkte, dass ich dafür aber auch die Jungs direkt unterstützen muss. Also machte ich die Ausbildung zum Kinder- und Jugendcoach und passte die Coaching-Methodiken so an, dass sie vor allem für Buben hochwirksam und effektiv sind. Und das funktioniert hervorragend.

Was sind die hauptsächlichen Beweggründe, warum Eltern von Söhnen dich kontaktieren und ein Jungen-Coaching suchen? Oder sind es Jungs selbst, die deine Unterstützung suchen?

Sehr selten werde ich direkt von den Söhnen selbst kontaktiert. Aber auch die Väter melden sich kaum. Meist sind es die Mütter, die mich kontaktieren und das Gespräch suchen.

Die Beweggründe sind meist die alltäglichen Herausforderungen, die Eltern mit ihren Jungs haben: Computer, Schule, Aufmüpfigkeit, sich nicht an Regeln halten, ein schlechtes Selbstwertgefühl des Sohnes, usw.

Wie kann man sich so ein Coaching vorstellen?

In den Sessions mit den Eltern und Jungen, mittlerweile meist digital, versuche ich durch die richtigen Fragen an das Epizentrum zu gelangen. Durch 100e Gespräche gibt es wenige Herausforderungen, die ich noch nicht erlebt habe. Durch diese Mischung aus Gesprächen und Weiterbildung, schaffe ich es ziemlich schnell den Kern der Wurzel zu erfragen.

Ich vertrete die Meinung: Kein Junge tut das was er tut oder nicht tut, um den Eltern zu schaden. Es geschieht rein aus dem Grund heraus, dass er sich selbst einen Vorteil damit verschaffen wird. Oft also handeln Jungen aus einen „Mangel“ heraus.

Um die Herausforderungen zu lösen, braucht man daher „nur“ herauszufinden, was den Jungen belastet, warum er so handelt wie er handelt und schon, schwuppdiwupp, ist das Problem gelöst. Theoretisch!

So einfach ist es aber eben nicht ganz, obwohl der Weg in meiner Welt der Richtige ist. Meist verstecken sich die Lösungen hinter dem Alltag und sind tief im Familiensystem vergraben. Da braucht es handwerkliches Geschick, um an die eigentliche Ursache zu kommen. Also Ärmel zurückkrempeln und tief buddeln. Dann findet sich der Kern des Kerns meist und die Herausforderungen lösen sich manchmal tatsächlich wie von Geisterhand auf.

Die Abenteuerreisen für Vater & Sohn finden hauptsächlich in den Bergen Tirols statt. Wie kann ich mir so eine Reise vorstellen?

Anton Wieser

Ja, dort begannen die Männers-Reisen. Hoch oben in den Bergen. Mittlerweile sind wir aber auch in Kroatien, Irland, in der Tschechischen Republik, Deutschland, auf La Gomera, Costa Rica und Tansania unterwegs. Dort besteigen wir in Vater & Sohn Teams den Kilimanjaro.

Ein Urlaub mit Männers, das ist mehr als nur gemeinsam verbrachte Zeit. Männers Reisen für Vater & Sohn sind die einzigartige Kombination aus Natur, Abenteuer, viel Spaß  und professionelle Begleitung an spannenden Orten. Das Ziel ist es, die Beziehung zwischen Vater& Sohn zu intensivieren und auf langfristig stabile Beine zu stellen.

Die Männers-Abenteuer sind nach Altersgruppen unterschiedlich. Warum ist das so?

Wir haben festgestellt, dass Jungs vor der Pubertät mit Jungs, die schon weiter sind, wenig gemeinsam haben. Und vor allem, sie haben andere Gesprächsthemen. Daher bieten wir die Abenteuer in altershomogenen Gruppen an. Die Jungen sollen sich wohl fühlen, sich über für sie aktuelle Themen austauschen und auch verstehen können. Daher bieten wir die Abenteuer und Reisen für Vater & Sohn von 07 bis 11 und ab 12 an.

Eines der Vater und Sohn Abenteuer ist erst ab 14 Jahren. Costa Rica. Wie kann man sich diese Reise vorstellen?

Costa Rica ist für Vater mit Sohn ab 14, weil es da, neben dem unfassbaren Abenteuer, darum geht an den Abenden über Themen zu sprechen, die für Väter von fast erwachsenen Söhnen und Jungs, die pubertär meist schon recht weit sind, interessant und relevant sind.

Die Abenteuer in Costa Rica sind weltweit einzigartig. Ich habe in dem Land zwischen der Karibik und dem tropischen Pazifik gelebt. Dementsprechend kenne ich die Orte und Attraktionen abseits der ausgetrampelten Touristenpfade. Klar, die nehmen wir auch mit, wenn sie interessant sind. Oft aber bewegen wir uns bei den Hide Aways, gehen dorthin wo die Einheimischen ihren Spaß haben und ihre Freizeit verbringen und schlafen in Hotels, die man eben nicht über booking oder so buchen kann.

Du hast eine Familie, bist gleichzeitig Jungen-Coach und führst ein Reiseunternehmen. Wie kann man sich einen Tag so vorstellen?

Hmmmm, eigentlich laufen die Wochentage ziemlich strukturiert ab, auch wenn die einzelnen Strukturblöcke wiederum komplett unterschiedlich sind. Da meine Frau Vaya als Geschäftsführerin eines Unternehmens viel unterwegs ist, habe ich meist die Hauptverantwortung für unsere Kids. Das bedingt, dass sie ein wesentlicher Bestandteil der einzelnen Tages Blöcke sind.

Ich stehe vor 06:00 morgens auf, dusch und richte mich. Dann wecke ich die Kids und wir frühstücken. Meinen Sohn fahre ich dann zum Bahnhof, von wo er mit dem Zug in die Schule fährt. Meine Tochter bringe ich selbst zur Schule.

Danach geht es ab ins Büro. Dort findet dann die erste Besprechung mit meinen Mitarbeitern statt. Die Zeit danach habe ich meist Zeit und Muße, um Artikeln zu verfassen, zu lesen oder, derzeit eines der Hauptprojekte, an meinem Buch zu schreiben.

Ab ca. 10:00 beginne ich mit dem Coaching. Vormittags sind es so gut wie immer Eltern von Jungen, denen ich Tipps und Tricks zum Umgang mit ihrem Sohn gebe. Im Fokus steht dabei immer der Junge selbst. Also: was könnte ihm fehlen, dass er so agiert und reagiert, wie er es gerade tut. Wie könnten sich Eltern verhalten, damit die konfliktangereicherten Situationen erst gar nicht entstehen? Was ist der Mangel des Jungen, dass er sich so verhält, dass es Stress in der Familie gibt.

An den Nachmittagen sind dann meist die Jungs selber im Zoom. Auch in den direkten Gesprächen geht es darum, dass die Jungen mehr von dem haben, was sie sich innigst wünschen: mehr und bessere Freunde, mehr Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl, bessere Noten in der Schule, ein Ziel oder einfach glücklicher sein.

Das klingt nach einem vollen Tag. Ist das nicht manchmal etwas stressig?

Ja, der Tag ist voll und manchmal auch stressig. Es sind aber auch genügend Entspannungs- und Kreativphasen mit dabei. Wenn ich dann am Abend im Bett liege und auf den Tag zurückblicke, denke ich mir oft: „Wow, was für ein toller Tag das war!“ oder „Welchen Unterschied im Leben eines Coachees oder meiner Kids, meiner Frau konnte ich heute machen?“ Und dann ist es ein leichtes, glücklich und entspannt einzuschlafen.

Was würdest du denn deinem um 10, 15 Jahre jüngerem Ich raten.

Basierend auf meiner Geschichte von vor 10, 15 Jahren, als ich echt vollkommen erledigt war, würde ich meinem jüngeren ich raten, auf sich aufzupassen, auf seinen Körper zu achten, vor allem aber seine Gedanken und den mentalen Zustand im Blick zu behalten. Es gab damals genügend Vorzeichen für mein drohendes Burn-out: Antriebslosigkeit, keine Freude und Perspektive in meinem damaligen Job. Irgendwie hat alles einfach dunkel gewirkt. Da hätte ich schneller die Notbremse ziehen sollen.

Anton, danke für das Gespräch!