Die Ablösung des Kleinkind von der Mutter

Gemeinsam mit Eurem 10 Monate alten Kind sitzt Eure Familie beieinander. Deine Frau geht hinaus. Die Folge kennst Du. Dein Baby schreit herzzerreißend, obwohl Du Dich als Vater liebevoll kümmerst. Dieses Verhalten wertest Du keineswegs als eine Ablehnung Deiner Person. Du machst auch nichts falsch. Übe Dich in Geduld, denn schon bald seid Ihr unzertrennlich.

Innerhalb des zweiten Lebensjahres beginnt Dein Kind, sich auf die Vater-Kind-Beziehung zu fixieren. Dabei handelt es sich um den Prozess der Ablösung des Kleinkindes von der Mutter. Du als Vater spielst dabei eine wesentliche Rolle, weil Du als nächste Bezugsperson Deines Sprösslings fungierst.

Die Vater-Kind-Beziehung © detailblick-foto - Fotolia.com
Die Vater-Kind-Beziehung
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Die Vater-Kind-Beziehung

In den ersten Lebensjahren herrscht zwischen der Mutter und ihrem Säugling eine Symbiose. In dieser Zeit fixiert sich das Kind vollkommen auf Deine Frau. Mit Weinen und Schreien teilt es ihr seine Bedürfnisse mit, auf die sie sofort reagiert. Die Bindung zwischen Mutter und Kind verstärkt den Wunsch nach gegenseitiger Nähe. Eventuell kommst Du Dir in den ersten Lebensmonaten Deines Sprösslings ausgeschlossen vor. Vielleicht beginnt das Kind bei Dir schneller zu weinen oder will sofort zurück auf den Arm der Mutter.

Der Ablösungsprozess kleiner Kinder von der Mutter – Von der Dyade zu der Triade

Dieses Verhalten sieht der Psychologe Dr. Josef Lukas der Universität Halle als normal an. In seinen Seminaren zur Verhaltensforschung von Kleinkindern bezeichnet er das Phänomen als Dyade zwischen Mutter und Kind. Die Dyade stellt eine Zweiheit dar, die Du als Vater schwer durchbrichst. Jedoch erhält die Ablösung des Kleinkindes von der Mutter auf dem Weg hin zur Vater-Kind-Beziehung, eine hohe Priorität bei der geistigen und emotionalen Entwicklung des Sprösslings.

Deine Rolle als Vater in einer Vater-Kind-Beziehung besteht ab dem zweiten Lebensjahr Deines Kindes darin, es nach und nach von der Mutter abzunabeln. Die Ablösung zwischen Mutter und Kleinkind erfolgt nicht in einem einzigen Moment. Stattdessen handelt es sich um einen langfristigen Prozess, den Du als wichtige Bezugsperson begleitest. Viele Kinder empfinden den Ablösungsprozess von der Mutter als ungewohnt und damit erschreckend. Sie brauchen einen Anlaufpunkt, an dem sie sich orientieren. Du dienst als sicherer Hafen und fängst Deine Kleinen auf.

 

Wie reagieren Kinder auf die Ablösung von der Mutter?

In einigen Fällen beginnt die Ablösung des Kleinkindes von der Mutter nicht von allein. Somit zieht sich die symbiotische Beziehung der beiden weit in das Kleinkindalter Deines Sprösslings. Deine Aufgabe besteht darin, diese Symbiose zu durchbrechen. Dabei gehst Du langsam und vorsichtig vor, um Dein Kind nicht emotional zu belasten. Verbringe längere Zeit mit Deinem Nachwuchs, in der Deine Frau beispielsweise einkaufen geht oder sich hinlegt. Spiele häufiger mit dem Kleinen oder begleite Deine Sprösslinge auf den Spielplatz.

Diese Nähe sorgt dafür, dass Dich Dein Kind in der   Vater-Kind-Beziehung als Bezugsperson akzeptiert und sich auf Dich verlässt. Es sucht nicht jeden Augenblick die Nähe der Mutter. Demnach wandelt sich die Dyade zwischen Mutter und Kind in eine Triade um. Diese Dreiheit schließt Dich ein, sodass Dein Nachwuchs zwei feste Bezugspersonen besitzt. Mit der Zeit sucht sich das Kind weitere Personen, die ihm einen emotionalen Halt geben. Dazu gehören die Großeltern und später Kindergärtnerinnen und Freunde.

 

Wenn sich das Kind nicht von der Mutter lösen kann

Unterstützt Du den Prozess der Ablösung zwischen Mutter und Kleinkind, nennt sich dies Triangulierung. Ohne eine Vaterfigur kommt es nicht oder ausschließlich bedingt zu einer Abnabelung des Sprösslings von der Mutter. In einigen Fällen sucht sich der Nachwuchs andere Bezugspersonen, häufig jedoch überspringt er die Triangulierungs-Phase. Somit bleibt das Kind in einer Mutter-Kind-Symbiose. Es bekommt keine Möglichkeit, sich frei zu entfalten.

Die fehlende Distanz zwischen der Mutter und ihrem Nachwuchs führt unter Umständen zu emotionalen und psychischen Auffälligkeiten der Kinder. Dazu gehören:

  • eine schlechtere Stressbewältigung,
  • Identifikations-Probleme,
  • geschlechtsspezifische Identitätskrisen (vorrangig bei Jungen),
  • mangelndes Selbstbewusstsein,
  • Schwierigkeiten beim Umgang mit anderen Menschen,
  • der Ödipus-Komplex (ausschließlich bei Jungen)
  • und ein schwaches Selbstwertgefühl.

Speziell die Unsicherheiten im Umgang mit anderen Menschen resultieren aus einer mangelnden primären Sozialisation. Bei der primären Sozialisation handelt es sich um eine erste Eingliederung in die Gesellschaft. Der Vater als Bindeglied zu der Umwelt hilft dem Kind bei diesem Prozess. Kommt es jedoch nicht zu einer Ablösung zwischen Mutter und Kleinkind, erfolgt die primäre Sozialisation ausschließlich unvollständig.

Diese Kleinen meistern die anderen Sozialisations-Phasen später oder langsamer als Kinder, die einen normalen Ablösungsprozess durchlebten. Die jeweiligen Sprösslinge zeigen sich introvertiert und gehen nicht auf andere Kinder zu. Dadurch finden sie oftmals erst spät Anschluss an eine Gruppe. In einigen Fällen wirkt sich der fehlende Ablösungsprozess auf das gesamte spätere Leben der Kleinen aus.

 

Der Ablösungsprozess in der Zusammenfassung

Die Ablösung eines Kindes von der Mutter hin zur   Vater-Kind-Beziehung geschieht in der Regel ab dem zweiten Lebensjahr. Deine Aufgabe als Vater besteht darin, die herrschende Mutter-Kind-Symbiose zu durchbrechen. Indem Du als Bezugsperson für Deinen Nachwuchs fungierst, bildet sich aus der Dyade zwischen Mutter und Kind eine Triade. Fehlt dieser Prozess, kommt es bei den Kindern zu emotionalen und psychischen Auffälligkeiten. Dazu gehören beispielsweise mangelndes Selbstbewusstsein und Introvertiertheit.

 

Quellen:

Buch – Sigrid Lang: Der Vater. Bedeutung und Funktionen für das Kind und die Vater-Kind-Beziehung

http://www.uni-kassel.de/upress/online/frei/978-3-89958-908-5.volltext.frei.pdf

http://www.sicherebindung.at/eigenstaendigkeit.html

Buch – Jean Le Camus: Väter

 

 

 

 

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